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Am 2. Oktober fand die 174. wöchentliche Online-Sitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPC) statt. Helga Zepp-LaRouche, Gründerin des Schiller-Instituts und Initiatorin der IPC, eröffnete die Sitzung mit einer Warnung vor neuen Entwicklungen, darunter die Gefahren des militärischen Einsatzes künstlicher Intelligenz (KI). US-Kriegsminister Pete Hegseth treibe die Entwicklung autonomer Waffensysteme voran, ohne für eine menschliche Kontrolle über diese Systeme zu sorgen. Sie verwies auf die „absolut eskalierende Lage im Nahen Osten“, da durch die Blockade der beiden wichtigen maritimen Engpässe – Straße von Hormus und Bab al-Mandab – eine weltweite Depression drohe. Ein Lichtblick sei ein offener Brief der iranischen Revolutionsgarden an die amerikanische Öffentlichkeit, der den Amerikanern erstmals Zugang zur iranischen Sicht der Dinge verschaffe.
Zepp-LaRouche zitierte Äußerungen des russischen Präsidenten Putin auf dem 23. jährlichen Waldai-Forum am 1. Oktober, wo er beschrieb, wie Rußland versuchte, sich in Europa zu integrieren, aber zurückgewiesen worden sei. Als Beispiel dafür, warum Menschen im Ernstfall über Maschinen entscheiden müssen, erinnerte sie an den sowjetischen Oberstleutnant Stanislaw Petrow, der am 26. September 1983 einen Atomkrieg verhinderte, als er sich über den automatischen Vergeltungsmechanismus der sowjetischen Doktrin hinwegsetzte.
Marcia Merry Baker, EIR-Wirtschaftsredakteurin, beschrieb die aktuelle Wirtschaftskrise als „Zusammenbruchsphase“ infolge der wirtschaftlichen Schocks vom Frühjahr. Es werde ein Einbruch der weltweiten Getreideproduktion im Erntejahr 2026-27 um 2,5% prognostiziert: „Das klingt vielleicht nicht nach viel, wird aber mit den Anbau- und Erntezyklen an Umfang und Tempo zunehmen, wenn wir nicht eingreifen, um es aufzuhalten.“ Und dies in einer Welt, die ohnehin mit Hunger und Nahrungsmittelmangel zu kämpfen habe. Der weltweite Handel mit Düngemitteln sei seit Beginn des Iran-Kriegs im Februar um 20-30% zurückgegangen. Durch die Einstellung des Schiffsverkehrs am Persischen Golf habe sich der Preis für wichtige Industriechemikalien wie Schwefel verdoppelt. Hinzu kämen die Preisanstiege bei Benzin, Kerosin und Heizöl sowie insbesondere Engpässe bei Diesel. Europa kürze Agrarsubventionen, um Geld in die Aufrüstung umzuleiten. Positiv seien die Vereinbarungen Rußlands, Indien mit Düngemitteln zu beliefern, sowie noch bis vor kurzem die Zusage Chinas, Kraftstoff in südostasiatische Länder zu exportieren. In Waldai habe Putin davon gesprochen, Rußlands weltweite Energieexporte wieder aufzunehmen, sobald die Wirtschaftssanktionen aufgehoben werden.
Mike Callicrate ist Rinderzüchter aus Kansas, führender Aktivist in der Agrarpolitik sowie Gründer und Eigentümer des Direktvermarkters Ranch Foods Direct in Colorado. Er schilderte den raschen Niedergang der Viehzucht in den USA durch falsche Regierungspolitik und warnte, Amerika verliere die Fähigkeit, sich selbst zu ernähren.
Jesus Holguin Cazares, Präsident des Rinderzüchterverbands Kansas Cattlemen’s Association, berichtete von Razzien der Einwanderungspolizei ICE in der vergangenen Woche in mehreren Gemeinden mit großen Schlachtbetrieben im Südwesten von Kansas. ICE hatte niemanden im voraus informiert, nicht einmal die örtliche Polizei. Mehrere Tage lang seien dort die Betriebe, die 20% der Rindfleischs in den USA liefern, zum Stillstand gekommen, für Tausende von Rindern habe es plötzlich keinen Platz gegeben. Die ICE-Razzien hätten ein Klima der Angst geschaffen, in dem selbst US-Bürger hispanischer Herkunft mit einwandfreiem Aufenthaltsstatus zögern, zur Arbeit zu erscheinen.
Zepp-LaRouche verwies auf die Äußerungen von Papst Leo XIV. zur Migration. „Man löst die Migrationsfrage nicht, indem man Menschen ausweist“, sagte sie. Die Lösung bestehe darin, die Wirtschaft anderer Nationen nicht länger zu ruinieren, denn das sei der Auslöser für Flüchtlingswellen. Callicrate warf den großen Fleischverarbeitern vor, sie „lieben Störungen und Chaos“, weil das die Preise drückt, die Viehzüchter für ihr Vieh verlangen können. Merry Baker stimmte zu, daß die ICE-Razzien die Fleischverarbeitung in Kansas gestört und damit zu einer allgemeinen Krise beigetragen hätten. Zepp-LaRouche rief alle Beteiligten dazu auf, sich nicht nur auf lokale Kontroversen zu konzentrieren, sondern sie aus der Perspektive der weltweiten Abkehr vom alten kolonialen System zu betrachten.
Pater John Heagle, Direktor der Friedensgruppe „Priests Against Genocide“ (Priester gegen Völkermord) und Mitglied der Vereinigung katholischer Priester in den USA, erinnerte an das Wort von Papst Paul VI.: „Wenn ihr Frieden wollt, arbeitet für Gerechtigkeit.“ Er verglich dies mit Zepp-LaRouches Aufruf zu einem Paradigmenwechsel und zitierte führende Vertreter der katholischen Kirche, die die Kirche dazu aufriefen, sich für die gesamte Menschheit einzusetzen. Paul VI. habe die Regierungen der Welt ermahnt, daß „Entwicklung der neue Name für Frieden ist“. Das sei vielleicht naiv, weil säkulare Regierungen seine Worte mißachteten, ein „völliges Versagen unserer heutigen Demokratie“. Seine Organisation sei weltweit dort tätig, wo Menschen aufgrund ihrer Identität massakriert werden, die Kirche sei dort ein „Feldlazarett“ für die vielen Opfer. Er schloß mit einem eindrucksvollen Gedicht, das ein Kind in Gaza verfaßt hat und beschreibt, wie die Eltern den Namen des Kindes auf sein Bein schreiben, damit man es nach einem Angriff identifizieren kann.
Dr. E. Martin Schotz ist Koordinator der Friedensorganisation JFK Peace Speech Committee aus Massachusetts und Autor eines Buches über den Mord an Präsident Kennedy (History Will Not Absolve Us: Orwellian Control, Public Denial, and the Murder of President Kennedy). Er beschrieb den inneren Wandel von Präsident John F. Kennedy gegen Ende seines Lebens, als er sich von der „Pax America“ und dem Krieg als politischem Instrument abwandte.
Zepp-LaRouche lobte Pater Heagle als Vorbild für authentischen Katholizismus, im Gegensatz zu all jenen, die die Lehre vom „gerechten Krieg“ des Heiligen Augustinus verdrehen, um Kriege zu rechtfertigen, die alles andere als gerecht sind.
Co-Moderator Dennis Speed stellte wieder den regelmäßigen Gast Larry Johnson vor, ehemaliger CIA-Beamter und Mitglied der Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS). Johnson berichtete, er sei gerade aus Rußland zurückgekehrt, wo er sich mit etlichen Militärführern getroffen habe. Einer von ihnen habe aus den Äußerungen der NATO-Führung schon den Schluß gezogen, daß Rußland bald im Krieg mit Europa stehen wird. Johnson warnte vor der Schwere der Versorgungsengpässe im Zuge des Iran-Kriegs: „Diesel ist für die Weltwirtschaft das, was Blut für den menschlichen Körper ist.“ US-Präsident Trump leide an einer Form von Geisteskrankheit und habe „jeden sozialen Filter verloren“. Johnson bezog sich auf Trumps Rede vor der UNO, in der er von der völligen Vernichtung des Iran sprach: „Wenn Trumps Rhetorik noch schlimmer ist als die von Adolf Hitler, dann sind wir in einer sehr gefährlichen Situation.“
Jacques Cheminade, Vorsitzender der französischen Partei Solidarité et Progrès (S&P), beschrieb die bedeutenden Auswirkungen des Besuchs von Papst Leo in Paris, bei dem sich am 26. September bis zu 800.000 Menschen zu einer Messe auf der Place de la Concorde versammelten, um die Friedensbotschaft des Papstes zu hören. Cheminade berichtete über das Engagement seiner Organisation im Rahmen der Veranstaltungen zum Papstbesuch; sie habe 12.000 Flugblätter mit dem Offenen Brief von Peter Kuznik an Papst Leo verteilt, an dessen Verbreitung die IPC mitwirkt.1
Als Antwort auf Fragen aus Deutschland, Afrika und Mexiko berichtete Merry Baker, es gebe eine wichtige Initiative zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen führenden Landwirtschaftsaktivisten in den USA und Mexiko, was man auf andere Länder ausweiten könne. Co-Moderator Dennis Small, Leiter des Iberoamerika-Ressorts von EIR, stellte fest, die Zerstörung der Landwirtschaft in den USA wie auch in Mexiko sei die Ursache der Migrationswellen in die USA. Mexiko und andere Länder in aller Welt seien gezwungen, die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln zugunsten von Exportkulturen aufzugeben, um den Schuldendienst bei den Banken zu leisten. 75% der US-Amerikaner seien in Umfragen gegen die Politik, die die Einwanderung verursacht, deshalb sollte sich ihre Wut gegen diese Politik richten statt gegen die Migranten. Callicrate forderte eine Rückkehr zu einer Landwirtschaft, deren Sinn und Zweck es ist, Menschen zu ernähren, anstatt ein Spielfeld für Spekulanten zu sein.
Pater Heagle schloß sich in seinen abschließenden Bemerkungen Zepp-LaRouches Anklage gegen diejenigen an, die Augustinus’ Lehre vom gerechten Krieg mißbrauchen, um Angriffskriege zu rechtfertigen, und betonte die Bedeutung des offenen Briefes an Papst Leo. Zepp-LaRouche kam auf Präsident Putins Warnung in Waldai zurück, die Krise eines neuen Weltkriegs könne viel schneller ausbrechen, als die Menschen glauben. Die Menschheit stehe einerseits kurz vor dem Untergang, aber andererseits auch kurz vor dem neuen Paradigma, das wir uns wünschen.
Anmerkung
1. „Aufruf an Papst Leo XIV., einen Weltgipfel zu organisieren,
um die Fragen des Friedens und der nuklearen Abrüstung anzugehen“,
Internetseite des Schiller-Instituts.
Weitere Beiträge der Internationalen Friedenskoalition (IPC)
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