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Neue Solidarität
Nr. 7-8, 12. Februar 2026

„Ein wirklich menschlicher Maßstab“

Bericht vom 140. Treffen der Internationalen Friedenskoalition

Die 140. wöchentliche Onlinesitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPC) am 6. Februar befaßte sich mit den jüngsten Enthüllungen aus den Epstein-Akten und erweiterte die Diskussion auf die Frage, wie der moralische Charakter der Menschheit als Teil der IPC-Mission zur wirksamen Beendigung der Kriegsgefahr verbessert werden kann.

Die Gründerin des Schiller-Instituts und IPC-Initiatorin Helga Zepp-LaRouche betonte zu Beginn, der letzte noch bestehende Atomwaffen-Kontrollvertrag, New START, sei am Vortag ausgelaufen, und noch sei unklar, ob er durch ein neues Abkommen abgelöst wird. Am Persischen Golf versammle sich eine große Flotte der USA, was einen Angriff auf den Iran mit unabsehbaren Folgen bedeuten könne. Zudem schwebe das Damoklesschwert eines allgemeinen Zusammenbruchs des Finanzsystems über uns. Deshalb bemühe sich die IPC um die Wiederherstellung des Völkerrechts auf der Grundlage der UN-Charta, notwendig sei aber unbedingt eine neues System der internationalen Beziehungen, wie es in ihren „Zehn Prinzipien“ verankert ist.1

Zepp-LaRouche beschrieb dann das neue Umfeld nach der Veröffentlichung weiterer Akten zu Jeffrey Epstein und verglich dies mit der Operation „Saubere Hände“ („Mani pulite“)2 in Italien, die von den Sicherheitsdiensten genutzt wurde, um ein korruptes System zu „sprengen”, nur um es durch eine aktualisierte Variante desselben korrupten Systems zu ersetzen. Wirklich notwendig sei nichts weniger als eine neue Renaissance, und vielleicht sollte man ihren Vorschlag für eine neue globale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur aktualisieren, um eine solche kulturelle Erneuerung einzubeziehen.

Die unabhängige US-Präsidentschaftskandidatin Diane Sare begann mit einem Zitat von General Douglas MacArthur, der moralische Charakter der Menschheit müsse mit den atemberaubenden Fortschritten der Wissenschaft Schritt halten, damit wir uns nicht mit Atomwaffen selbst zerstören. Sare hat drei Vorschläge für eine neue Politik vorgelegt:

Sare erwähnte die jüngste Berichterstattung von TASS über ihre Kampagne, insbesondere ihre Forderung nach einem neuen START-Vertrag und ihre Verbindung zu Lyndon LaRouche, der in Rußland weithin respektiert wurde. Viele Menschen suchten nach „Anzeichen für intelligentes Leben in den Vereinigten Staaten“.

In einer Videopräsentation berichtete der ehemalige UN-Waffeninspekteur Scott Ritter über seine Erfahrungen mit dieser Arbeit und seinen Beitrag zur Entwicklung von Inspektionen vor Ort, die gegenseitiges Vertrauen aufbauen helfen. Wegen der Sanktionen gebe es seit 2022 keine Inspektionen und seit 2023 auch keinen Datenaustausch mehr. „Wir fangen wieder bei Null an... Niemand vertraut den amerikanischen Verhandlungsführern.“ In der Welt, in der wir heute leben, sei die Gefahr eines Atomkrieges noch größer als in der Kubakrise. „Wir brauchen eine Führungspersönlichkeit, und ich glaube, diese Persönlichkeit ist Diane Sare“, schloß Ritter.

Garland Nixon, ein erfahrener progressiver Radio- und Fernsehmoderator, der selbst über 20 Jahre in der Strafverfolgung tätig war, kommentierte die Veröffentlichung der Epstein-Akten „aus der Sicht eines Ermittlers“: Man müsse wissen, daß es sich um eine kontrollierte Freigabe handelt, die einige Dinge hervorheben und andere herunterspielen soll, daher sei ein gewisses Maß an Skepsis angebracht. Die Enthüllungen über Epsteins Verbindungen zur britischen Krone seien wichtig und bestätigten, was die LaRouche-Bewegung seit Jahrzehnten über die Rolle des Königshauses in der Weltpolitik sagt.

Zepp-LaRouche fragte Nixon nach der Analogie zwischen der Veröffentlichung der Epstein-Akten und der Operation „Saubere Hände“ in Italien. Er meinte, die Epstein-Affäre sei anders, weil „sie die Kontrolle verloren haben, sobald die Sache ans Licht kam“. Sare fügte hinzu, hier stelle sich die Frage, ob Menschen Tiere sind - wenn nicht, dann müßten wir einen Weg finden, diese Enthüllungen zu nutzen, um unsere Zivilisation voranzubringen. Nixon sprach von einer „Legitimitätskrise der herrschenden Elite“, die beweise, daß diese moralisch nicht qualifiziert ist, die Gesellschaft zu führen. Wie könne man diese Gelegenheit nutzen, um ein verrottetes System tatsächlich durch ein besseres zu ersetzen? Zepp-LaRouche sagte, wir müßten „den Oligarchismus abschütteln, denn darum geht es hier“.

Co-Moderator Dennis Speed fragte Nixon nach der Rolle seines Mentors, Paul Robeson junior. Nixon antwortete, wir müßten das Erbe von Robesons Vater, dem bekannten Schauspieler, Sänger und Aktivisten Paul Robeson senior, aufgreifen, um „die schwarze Gemeinschaft aus der gehirngewaschenen antirussischen Haltung“ herauszuholen, die von den Apparatschiks der Demokratischen Partei gefördert wird.

Nixon beschrieb auch, wie die Zwillingsschwester von Epsteins Partnerin Ghislaine Maxwell, Christine Maxwell, maßgeblich an der Entwicklung einer Internet-Suchsoftware beteiligt war, die heute ein integraler Bestandteil des Überwachungsstaates ist.

Zepp-LaRouche merkte an, in der gegenwärtigen politischen Struktur der Anglosphäre gelte Korruption als unverzichtbar, weil man korrupte Menschen zuverlässig unter Kontrolle halten kann, während Menschen, die nicht korrupt sind, eine potentielle Bedrohung für das System seien. Mit den Enthüllungen über Epstein „kommt die Gosse dieses ganzen Systems ans Licht“.

Es wurde ein kurzer Auszug aus einem Videointerview3 mit dem ehemaligen Präsidenten Guyanas Donald Ramotar gezeigt, das der IPC-Co-Moderator und Iberoamerikaredakteur von EIR, Dennis Small, mit ihm am 3. Februar geführt hatte. Ramotar warnt darin, die Weltöffentlichkeit habe die Bedeutung des Auslaufens des START-Vertrags nicht begriffen, „das Bewußtsein hinkt der Gefahr eines Atomkrieges hinterher“.

Diskussion

Eine Friedensaktivistin aus Deutschland kam auf die Frage einer kulturellen Renaissance zurück und berichtete von ihren Erfahrungen bei einer Veranstaltung zum chinesischen Frühlingsfest in Berlin, bei der ein chinesischer Tenor ein Lied von Schubert bewegend sang. Sie gratulierte Nixon auch dazu, daß er auf die Bedeutung von Paul Robeson aufmerksam mache.

Auf eine andere Frage hin beschrieb Diane Sare die veränderte Reaktion der amerikanischen Bevölkerung auf die Raumfahrt als Symptom eines kulturellen Niedergangs, weil der frühere Optimismus Pessimismus gewichen sei.

Zepp-LaRouche sagte, wir müßten darauf hinarbeiten, Politik und Wirtschaft immer besser mit den Gesetzen des Universums in Einklang zu bringen. Im Museum könne man Zeugnisse vieler Kulturen sehen, die scheiterten, weil sie dies nicht taten. Wie Nikolaus von Kues betonte, befriedigten fleischliche Genüsse den menschlichen Geist nicht: „Die Süßigkeit der Wahrheit wird Ihnen besser schmecken als eine gefüllte Gans.“

Ein Teilnehmer forderte eine Amtsenthebung von Präsident Trump, und Small antwortete: „Die Idee, Donald Trump anzuklagen, ist nicht ehrgeizig genug... laßt uns wirklich groß denken.“ Anstatt sich nur auf die Person im Weißen Haus zu konzentrieren, müsse man das gesamte bankrotte System ersetzen. Sare teilte diese Ansicht und fügte hinzu, wir müßten den Menschen eine positive Zukunftsvision bieten, „einen wirklich menschlichen Maßstab“.

Eine Frage eines anderen Teilnehmers löste eine ausführliche Diskussion über Friedrich Schillers Menschenbild und den Unterschied zu Immanuel Kants Menschenbild aus. Zepp-LaRouche erzählte von einem Sänger, den sie kannte, der zwar gut sang, sich aber in seinem Privatleben schlecht benahm. Sie habe ihn scherzhaft aufgefordert, er solle doch „die Pausen zwischen seinen Liedern auf ein Minimum reduzieren“, um seinen moralischen Charakter zu verbessern. Damit unterstrich sie Schillers Vorstellung, daß die Begegnung mit Schönheit die Emotionen schulen kann, um eine „schöne Seele“ hervorzubringen.

Abschließend forderte Zepp-LaRouche, wir wollten „den Moment der Katharsis” mit der Epstein-Diskussion nutzen, um eine neue Renaissance einzuleiten. Bloße „praktische” Vorschläge, denen die richtige erkenntnistheoretische Grundlage fehlt, seien zum Scheitern verurteilt.

eir


Anmerkungen

1. Zehn Prinzipien für eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur,
    Helga Zepp-LaRouche, Schiller-Institut.

2. Italy: The Nation vs. the `Britannia' Faction,
    Claudio Celani, Executive Intelligence Review, 11.07.2008.

3. A Global Catastrophe Could Follow the End of New START,
    Videointerview mit dem ehemaligen Präsidenten Guyanas, Donald Ramotar, EIR News Service, 3.2.2026.

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