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Neue Solidarität
Nr. 17-18, 23. April 2026

„Wir sind nicht dazu verdammt, Barbaren zu sein“

Bericht vom 150. Treffen der Internationalen Friedenskoalition

Die Internationale Friedenskoalition (IPC) hielt am 17. April ihre 150. wöchentliche Online-Sitzung in Folge ab, die Sitzung wurde von der Gründerin des Schiller-Instituts und IPC-Initiatorin Helga Zepp-LaRouche eröffnet. Sie beschrieb die Lage als „eine Welt, die zwischen Hoffnung und Hölle schwankt“. Der Waffenstillstand im Libanon sei offenbar in Kraft getreten. Der jüngste Vorstoß im US-Kongreß, mit dem War Powers Act die Kriegspolitik der Regierung zu stoppen, sei nur mit ganz knapper Mehrheit gescheitert, und das lasse im Vergleich zu früheren Versuchen auf eine wichtige Veränderung schließen.

Mit Blick auf die Wirtschaftslage sagte sie, die Nahrungsmittelknappheit in Frankreich sei so schlimm, daß es eine zweite Französische Revolution auslösen könnte, und die deutsche Industrie verschwinde gerade wie in einem Sommerschlußverkauf. Sie warnte: „Es könnte jeden Moment zu einer Wiederholung von 2008 kommen“, d.h. der steigende Ölpreis könnte die Schuldenblase zum Platzen bringen. Wir bräuchten eine Reform des Weltfinanzsystems mit einer Glass-Steagall-Bankentrennung als Ergänzung zum Oasenplan und der Weltlandbrücke für den Aufbau von Infrastruktur und Realwirtschaft.

Als nächste ergriff die unabhängige US-Präsidentschaftskandidatin Diane Sare das Wort. Unter Bezugnahme auf ihre jüngste Erklärung mit dem Titel „Stoppt den Irankrieg jetzt“ sagte sie: „Wir können uns keine Selbstdarstellung leisten, wir müssen konkret eine Eskalation verhindern.“ Anstatt mit Dingen wie einem Amtsenthebungsverfahren gegen Trump politisches Theater zu spielen, müsse der Kongreß die Finanzierung des Krieges beenden – so wie damals der Vietnamkrieg beendet wurde. In ihren Gesprächen mit Politikern höre sie oft die Klage: „Ich kann nichts tun, ich bin nur ein Kongreßabgeordneter“, aber der Kongreß habe die Haushaltshoheit. Der War Powers Act, der Gegenstand parteipolitischer Auseinandersetzungen war, räumt dem Präsidenten 60 Tage ein, um den Kongreß um die Erlaubnis und Mittel für einen Krieg zu bitten, jetzt sei der 49. Tag.

Sare schloß: „Der Präsident ist eindeutig verrückt geworden.“ Sie analysierte Trumps jüngste Ausbrüche im Internet mit seinen absurden Ausschweifungen. Sie sei aber ermutigt darüber, daß der Demokrat Ro Khanna aus Kalifornien und die ehemalige republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene aus Georgia sich auf einen überparteilichen Dialog geeinigt haben. Das könne eine Abhilfe gegen das „superemotionale, aufgepeitschte parteipolitische Gezänk“ in Amerikas Politik schaffen, und es zeige, wie sich die politische Szene dramatisch verändert. Sare und der Kongreßkandidat Jose Vega – der sich für die Vorwahl der Demokraten qualifiziert hat und auch als Unabhängiger im New Yorker Stadtteil Bronx antreten will – arbeiten derzeit mit 15 bis 20 unabhängigen Kandidaten landesweit zusammen. Diese Kandidaten bräuchten inhaltlichen Input, weil sie in Wirtschaftsfragen nur unzureichend ausgebildet sind.

Dr. Abdullah Al-Ahsan, Islamwissenschaftler und pakistanischer Professor für Vergleichende Zivilisationsforschung, sagte, er sei sehr optimistisch gewesen, als die Universitäten gegen den Völkermord in Gaza protestierten, aber diese Proteste seien unterdrückt worden. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu behaupte, „die westliche Zivilisation“ zu vertreten, aber was sei darunter zu verstehen? Der führende Zionist Chaim Weizmann habe sich offen auf die Seite der britischen Kolonialmentalität gestellt.

Der bekannte progressive Radio- und Fernseh-Moderator Garland Nixon sagte, für die Amerikaner gebe es jetzt einen Lernprozeß. Manche meinten, es drehe sich alles um Israel, das schlimme Dinge tue, und wenn man Israel unter Kontrolle bringe, dann könnten wir die anderen Probleme lösen. Aber andere sagten, Israel sei ein Werkzeug der Vereinigten Staaten, indem es tue, was die USA wollen, aber nicht selbst tun möchten, während sie vorgeben, sie hätten Israel nicht unter Kontrolle. Israel sei nur ein kleines Puzzleteil in der Strategie des US-Imperiums, die Welt zu beherrschen, so Nixon. Viele Amerikaner, die Trump gewählt haben, seien jetzt wütend: „Wir haben für wirtschaftliche Entwicklung gestimmt, aber statt dessen bekommen wir Krieg.“ Er schloß mit einem Appell für Moral in der Außenpolitik.

Weitere Diskussion

Zepp-LaRouche antwortete: „Da Sie das Thema Moral angesprochen haben: Ich bin sehr froh, daß der Papst die Rolle einnimmt, die er einnimmt.“ Sie hatte kürzlich einen offenen Brief an den Papst veröffentlicht. Unsere westliche Zivilisation breche moralisch zusammen, das sehe man u.a. an den Privilegien für Millionäre und Milliardäre auf Kosten aller anderen und den im Epstein-Skandal aufgedeckten perversen Praktiken. Wir bräuchten eine Wiederbelebung der klassischen Kultur, aber nicht als „Kunst um der Kunst willen“, sondern um echte Moral wiederzubeleben. Chinas Demokratie sei viel besser als das westliche Modell, weil sie kulturelle Moral als Ziel habe.

Dr. Al-Ahsan verwies auf den arabischen Philosophen Ibn Chaldun aus dem 14. Jahrhundert, der die wirtschaftliche Entwicklung als Ergebnis menschlicher Zusammenarbeit betont habe. Damals habe es noch nicht die starke Aufteilung des Wissens in einzelne Fachgebiete gegeben, wie wir sie heute kennen.

Der Co-Moderator Dennis Small berichtete über die Ergebnisse der IPC-Mobilisierung, um den US-Kongreß dazu zu bewegen, daß er die Finanzierung des Krieges einstellt, so wie Sare es fordert. In den vergangenen 150 Wochen hätten sich 2-300 Menschen aus bis zu 45 Ländern bei der IPC engagiert. Diese Menschen müssten jetzt mobilisieren und Botschaften an den Kongress übermitteln. So habe ein ehemaliger Minister für Justiz und Menschenrechte aus Ecuador einen Brief an den US-Kongreß geschrieben. Und der Direktor eines italienischen Kulturinstituts schrieb, wie „die europäische und die italienische Öffentlichkeit mit Bestürzung zuschauen“.

Zepp-LaRouche betonte: „Bitte machen Sie nicht den Fehler, sich zurückzulehnen und zu sagen: ,Jetzt ist alles in Ordnung.‘ Es könnte nur die Ruhe vor dem Sturm sein. Wir könnten in wenigen Tagen am Ende der Zivilisation stehen.“

Co-Moderator Dennis Speed zeigte ein Video eines katholischen Priesters, der über den Streit zwischen Trump und Papst Leo XIV. sprach. Er sagte: „Ein Krieg aus freier Entscheidung kann nicht moralisch sein.“ Die Äußerungen der Trump-Regierung seien mit der Doktrin vom gerechten Krieg unvereinbar. „Was ist mit unserer Politik geschehen, daß solche Rhetorik zur Normalität werden kann?“

Zepp-LaRouche fügte hinzu, der Papst sei Augustiner. Wenn Philosophie und Glaube zu derselben Schlußfolgerung gelangen, dann gebe es keinen Widerspruch oder Konflikt zwischen Wissenschaft und Glauben. „Ich würde es einfach wagen, meine eigene Sichtweise zur Frage des gerechten Krieges zu vertreten.“ Im Zeitalter der Atomwaffen könne jeder Krieg die ganze Menschheit vernichten und müsse daher als Mittel zur Lösung von Problemen abgelehnt werden. „Die Vorstellung, man müsse Gewalt anwenden, um seinen Standpunkt zu vertreten…, gehört in den Bereich der Kinderkrankheiten.“

Dr. Al-Ahsan fügte hinzu: „Ich verstehe nicht, wie ein vernünftiger Mensch angesichts dessen, was heute geschieht, schweigen kann“, und schloß sich den Äußerungen des Papstes an.

Auf eine Frage zum Johannesevangelium antwortete Zepp-LaRouche, sie könne besser über die Vorstellung ihres verstorbenen Mannes Lyndon LaRouche von der „Gleichzeitigkeit der Ewigkeit“ sprechen. Sie zitierte die revolutionäre Idee des Nikolaus von Kues aus dem 15. Jahrhundert, der Mensch müsse als Imago Viva Dei, lebendes Abbild Gottes, den Schöpfungsprozeß fortführen.

Ein in Kolumbien lebender argentinisch-italienischer Wissenschaftler informierte über die „Sevilla-Erklärung zur Gewalt“,1 eine wissenschaftliche Erklärung dafür, daß Frieden möglich ist, weil Krieg keine biologische Notwendigkeit ist. Die Erklärung wurde 1986 von internationalen Fachleuten für das von der UNO geförderte Internationale Jahr des Friedens und dessen Folgeprojekte verfaßt. Führende Wissenschaftler hätten darüber diskutiert, ob Gewalt Teil der menschlichen Natur ist, und seien zu dem Schluß gekommen, daß das absolut nicht der Fall ist. Die Gewalt werde von außen erlernt, und wenn man Gewalt erlernen könne, dann könne man auch Frieden erlernen.

Auf Fragen zur Rolle Spaniens antwortete Zepp-LaRouche: „Spanien hat die Ehre Europas gerettet, indem es eine ganz klare Position gegen den Völkermord in Gaza eingenommen hat.“ Beschlössen die atlantischen Länder, mit dem Globalen Süden zusammenzuarbeiten, anstatt zu versuchen, ihn zu unterdrücken, könnten wir die Probleme der Welt über Nacht lösen. Das sei der Normalzustand des Menschen. „Wir sind nicht dazu verdammt, Barbaren zu sein.“

Abschließend dankte Zepp-LaRouche den Gästen, die auf die Erklärung von Sevilla aufmerksam gemacht hatten, und sprach sich gegen die manichäische Vorstellung aus, daß „Gut und Böse ewig nebeneinander existieren müssen“.

Weitere Stellungnahmen und Appelle an den US-Kongreß sind erwünscht. (Wenn Sie eine Stellungnahme zur Veröffentlichung einreichen möchten, wenden Sie sich an anastasiammares@gmail.com.)

eir


Anmerkung

1. The Seville Statement on Violence: preparing the ground for the construction of peace,
    Website der UNESCO Digital Library.

Weitere Beiträge der Internationalen Friedenskoalition (IPC)

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