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Von Helga Zepp-LaRouche
Die Chefredakteurin von Executive Intelligence Review und Mitinitiatorin der Internationalen Friedenskoalition (IPC) eröffnete das EIR-Krisenforum am 15. Mai 2026 mit den folgenden Ausführungen. (Übersetzung aus dem Englischen.)
Guten Tag an Sie alle, sehr geehrte Damen und Herren, Exzellenzen und Freunde. Der Grund, warum wir dieses EIR-Forum als Sonderseminar heute zeitgleich mit der IPC-Sitzung einberufen haben, ist der, daß wir offensichtlich an einem entscheidenden strategischen Scheideweg angelangt sind und die Menschheit einen von zwei grundlegend unterschiedlichen Wegen einschlagen kann.
Es gibt einen hoffnungsvollen Weg. Ich denke, darauf wurde bei dem Staatsbesuch von Präsident Trump in China angespielt, wo er von Präsident Xi Jinping herzlich empfangen wurde und sie vereinbarten, die Beziehungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt zu verbessern, zum gegenseitigen Nutzen zusammenzuarbeiten und alle Probleme durch Verhandlungen und Diplomatie zu lösen – geleitet von Xi Jinpings Vorstellung, daß wir eine gemeinsame Zukunft der Menschheit haben und daß wir als menschliche Gattung nur eine einzige Zukunft haben.
Die andere ist der Weg der Eskalation, der sehr kurzfristig zu einem globalen Atomkrieg und zur Auslöschung der Menschheit führen könnte. Es ist ganz klar: Sollte der unprovozierte Angriffskrieg gegen den Iran weitergehen, stehen wir vor der Gefahr, daß die gesamte Weltwirtschaft in eine tiefe Depression stürzt, was zu Chaos und möglicherweise zu einem finsteren Zeitalter führen würde.
Ich sollte auch die Politik der „Koalition der Willigen“ erwähnen, die im Grunde besagt, ein Krieg mit Rußland sei unvermeidlich, aber das ist ein separater Aspekt der heutigen Diskussion.
Nun sagt das Pentagon, die Kosten der ersten 60 Tage des [Iran-] Krieges hätten 25 Milliarden Dollar betragen. Wir haben berechnet, daß die tatsächlichen Kosten mehr als das Hundertfache betragen, nämlich 4 Billionen Dollar, wenn man alles mitrechnet: die militärischen Kosten, die Energiepreise, die Düngemittelpreise, der Rückgang der Produktion, der industriellen und landwirtschaftlichen Leistung sowie die Zerstörung ziviler Infrastruktur und Vermögenswerte.
Wie geht es nun weiter? Zunächst einmal: Die USA und Israel haben keines der Ziele erreicht, die sie sich gesetzt haben. Es ist ihnen nicht gelungen, die iranische Führung zu enthaupten, sie haben die ballistischen Raketenkapazitäten nicht ausgeschaltet, und sie konnten die Verbindung zu den Widerstandskräften nicht unterbrechen. Der ganzen Welt entgeht nicht, daß die stärkste Militärmacht der Erde nicht in der Lage war, ein mittelgroßes Land zu besiegen. Auch die Straße von Hormus, die zuvor offen war, steht nun praktisch unter der Kontrolle des Iran, der dort ein Mautsystem eingerichtet hat.
Die Optionen, die wir nun in Betracht ziehen, sind also folgende: Erstens, wenn die Vereinigten Staaten die Blockade gegen den Iran aufrechterhalten, wirkt der Zeitfaktor ganz klar gegen die Vereinigten Staaten, weil der Iran widerstandsfähiger sein wird. Trump verliert bereits seine eigene MAGA-Basis und muß an die bevorstehenden Kongreßwahlen denken. Daher ist dies nicht zum Vorteil von Trump.
Das Wall Street Journal schlägt eine zweite Option vor, nämlich die Fortsetzung der Blockade sowie die Wiederaufnahme der Bombardements. Nun wäre der Iran aller Wahrscheinlichkeit nach in der Lage, einer solchen Situation standzuhalten. Selbst westlichen Medienberichten zufolge verfügt der Iran noch über 90% seiner Raketenstellungen, während das Arsenal der USA fast aufgebraucht ist. 1100 Langstrecken-Stealth-Marschflugkörper wurden eingesetzt, und das ist fast der gesamte Vorrat, über den die Vereinigten Staaten verfügten. 1000 Tomahawk-Raketen wurden abgefeuert, was etwa dem Zehnfachen dessen entspricht, was das Pentagon pro Jahr produzieren kann. Sie mußten sogar Waffen aus Asien abziehen, was natürlich den Fokus auf den Pazifik schwächt, der laut verschiedenen Doktrinen die Priorität war.
Es besteht die Möglichkeit, daß der Iran, falls die Bombardements wieder aufgenommen werden, Vergeltungsmaßnahmen ergreift. Das wird enorme Kosten verursachen, nicht nur für die US-Stützpunkte in der Region, sondern auch für die Länder, die diese US-Stützpunkte beherbergen und deren Geschäftsmodell ohnehin, wenn nicht völlig zerstört, so doch schwer beschädigt wurde.
Die dritte Option ist, daß Trump versuchen wird, ein Abkommen mit dem Iran zu erzielen, was wahrscheinlich in seinem Interesse liegt, da Trump nach einem Ausweg sucht. Dagegen steht jedoch, daß die Israelis und die Israel-Lobby in den Vereinigten Staaten unter keinen Umständen ein Abkommen mit dem Iran wollen, weil sie den Iran – ob aus triftigen Gründen oder nicht – als existentielle Bedrohung für Israel betrachten.
Allerdings wird in den israelischen Streitkräften und Geheimdiensten auch darüber diskutiert, daß die derzeitige Politik, sollte sie fortgesetzt werden, eine sehr reale Bedrohung für die Existenz Israels darstellt.
Man sollte auch bedenken, daß Trump zwar jetzt friedlicher klingt, aber noch vor wenigen Wochen mit der vollständigen Vernichtung der gesamten iranischen Zivilisation gedroht hat.
In jedem Fall besteht die Gefahr, daß die Weltwirtschaft in eine Depression stürzen würde, wenn Option eins oder zwei verfolgt wird, was zu Hungersnot, Chaos und einem finsteren Zeitalter wie im 14. Jahrhundert führen würde. Und bereits jetzt sagt das Welternährungsprogramm, daß infolge des Krieges 45 Millionen Menschen mehr als zuvor unter akutem Hunger leiden.
Deshalb wollen wir unbedingt die Idee einer neuen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur auf den Tisch bringen, die die Interessen jedes einzelnen Landes auf dem Planeten berücksichtigen muß, um erfolgreich zu sein.
Nun besteht die Gefahr, wenn man sich die Lage im Iran ansieht, daß es bei einer Eskalation zum Einsatz von Atomwaffen kommt. Tatsache ist, daß die Koalition der Willigen und die Anglo-Amerikaner der Ukraine bereits dabei geholfen haben, rote Linien gegenüber Rußland zu überschreiten. Das erste Mal war die territoriale Invasion in Kursk; das zweite Mal der Angriff auf einen Teil der strategischen Triade Rußlands; und das dritte Mal, als sie versuchten, Putin zu töten, indem sie seine Residenz angriffen.
Letztere Aktion wurde von den westlichen Medien geleugnet, aber Rußland hat Videomaterial vorgelegt, das den Fall belegt. Darauf antwortete der russische Analyst und Strategieexperte Karaganow mit dem Vorschlag, Rußland solle ein paar Atomwaffen gegen die Europäer einsetzen, damit sie sich daran erinnern, daß Rußland die stärkste Atommacht auf dem Planeten ist.
Man muß also diese beiden akuten Gefahren betrachten. Und meiner Ansicht nach gibt es entgegen dem, was Karaganow sagt, so etwas wie einen „begrenzten“ Atomkrieg nicht. Der renommierte Experte Ted Postol hat in zahlreichen Vorträgen dargelegt, warum der Einsatz auch nur einer einzigen Atomwaffe innerhalb von fünf Tagen zu einem globalen Atomkrieg führen würde.
Deshalb sind wir der Meinung, daß die Welt eine völlig andere Richtung einschlagen muß – daß ein neues Paradigma auf den Tisch muß. Das steht in der Tradition des Westfälischen Friedens, wonach man die Interessen des anderen berücksichtigen muß, und in diesem Fall die Interessen aller anderen.
Das Konzept, das wir vorschlagen, ist Frieden durch Entwicklung. Das ist eine alte Idee, die erstmals von Papst Paul VI. in seiner Enzyklika von 1967, Populorum Progressio, vertreten wurde, in der es heißt, daß es jeder Nation gestattet sein muß, ihre Interessen in vollem Umfang zu verwirklichen.
Ich habe zehn Prinzipien vorgeschlagen, wie eine solche Diskussion berücksichtigt werden könnte. Im wesentlichen geht es darum, die Weltlandbrücke zum Entwicklungskonzept für alle Kontinente zu machen.
Für Afrika würde dies gemeinsame Investitionen des Westens und der BRICS-Staaten in die Entwicklung Afrikas gemäß dem Plan Afrika 2063 bedeuten. Und wir schlagen den „Erweiterten Oasenplan“ für Südwestasien vor.
Denn wenn man sich die Karte von Südwestasien ansieht, wird man feststellen, daß es dort nur Wüste gibt. Deshalb schlagen wir einen Ansatz vor, der die gesamte Region umfaßt – von Indien bis zum Mittelmeer, vom Kaukasus bis zum Golf –, der vorsieht:
Im wesentlichen geht es darum, zu replizieren, was China erst vor wenigen Tagen in einem spektakulären Video präsentiert hat: „Wie China unfruchtbare Wüste in riesige Ackerflächen verwandelte, die Millionen Tonnen an Nahrungsmitteln produzieren“.1 Es zeigt im wesentlichen die spektakuläre Verwandlung von Xinjiang und dem Nordwesten Chinas in Ackerland, in Wälder, in Obstgärten, die 30 Millionen Tonnen Nahrungsmittel produzieren.
Wir schlagen ein System von Korridoren vor, das den bestehenden CPEC-Korridor2 von China nach Pakistan mit dem Nord-Süd-Transportkorridor von St. Petersburg nach Indien verbindet und diesen vom Iran über den Irak, Syrien, Jordanien, Israel und Palästina bis schließlich nach Ägypten weiterführt, um so Südwestasien wieder zum Knotenpunkt zwischen Asien, Afrika und Europa zu machen, wie es zu Zeiten der alten Seidenstraße der Fall war.
Jetzt wollen wir uns für dieses Programm einsetzen, weil es an „die Erwachsenen im Raum“ in allen Ländern appelliert, wie Dr. [Naledi] Pandor einmal gesagt hat, und es erfordert tatsächlich eine Änderung im Denken. Wir müssen die Idee der Geopolitik aufgeben – diese Vorstellung, es gäbe ein legitimes Interesse einer Nation oder einer Gruppe von Nationen gegen eine andere –, und statt dessen von der Liebe zur ganzen Menschheit ausgehen, ohne die wir meiner Meinung nach nicht aus dieser Krise herauskommen werden.
Da wir die einzige bisher bekannte kreative Gattung im Universum sind und daher fähig sind, im Sinne des „Zusammenfalls der Gegensätze“ des Nikolaus von Kues zu denken, können wir erkennen, daß unser einziger Ausweg aus dieser Krise darin besteht, anzuerkennen, daß das „Eine“ eine höhere Bedeutung hat als das „Viele“: Die eine Menschheit ist wichtiger als die lokalen nationalen Interessen einzelner Gruppen, und indem wir entschlossen und mutig handeln, können wir tatsächlich das Schicksal der Geschichte in eine bessere Richtung für eine gemeinsame Zukunft der Menschheit lenken.
Anmerkungen
1. „How China Turned Barren Desert Into Massive Farmland Producing Millions Tons of Food”, Youtube-Video.
2. CPEC = China Pakistan Economic Corridor
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