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Von Alexander Hartmann
Sowohl im Irankrieg als auch im Krieg in der Ukraine sind kritische Punkte erreicht: Selbst wenn durch einen glücklichen Zufall keiner von beiden in einer nuklearen Katastrophe endet, drohen die wirtschaftlichen Folgen die ohnehin schon überdehnte globale Finanzblase zum Platzen zu bringen und einen Einbruch der physischen Produktion auszulösen, was unzähligen Menschen auf der Welt Tod und Elend brächte.
Der Konflikt in Südwestasien hat sich zuletzt gefährlich verschärft: Die USA fliegen jede Nacht Luftangriffe auf Ziele im Iran, und der Iran antwortet mit Angriffen auf US-Militäreinrichtungen in den Golfstaaten und in Jordanien. Nach Teheraner Angaben haben die US-Angriffe auf zivile Infrastruktur wie Kraftwerke, Entsalzungsanlagen und Verkehrswege deutlich zugenommen. Präsident Trump prahlte, er sei bereit, „alle ihre Brücken zu zerstören“, wenn die Iraner nicht zu den amerikanisch-israelischen Bedingungen verhandeln.
Die US-Luftwaffe hat Berichten zufolge inzwischen den Großteil ihrer Operationen nach Jordanien verlagert, weil ihre Stützpunkte in Katar, Bahrain, Kuwait und den Emiraten so schwer beschädigt wurden, daß sie kaum noch nutzbar sind. Allgemein wird anerkannt, daß Irans Militärkapazitäten weitaus fortschrittlicher und umfangreicher sind als angenommen, weshalb keines der erklärten Ziele erreicht wurde – aber die Weltwirtschaft wurde erheblich geschwächt.
Die iranischen Behörden haben die Absichtserklärung von Islamabad, worin der Waffenstillstand vereinbart worden war, offiziell ausgesetzt, nachdem die USA sie verletzt haben; denn der Text besagte eindeutig, daß die Straße von Hormus von Iran und Oman in Absprache mit anderen Golfstaaten verwaltet werden soll. Zudem erlaubt Washington Israel, mit seinen Truppen im Libanon zu bleiben, was einem weiteren Punkt der Vereinbarung widerspricht.
So wie es derzeit aussieht, kann aus der Eskalation durchaus ein weiterer der „ewigen Kriege“ werden, die Donald Trump früher selbst so scharf angeprangert hat. Und sollten die USA tatsächlich versuchen, eine Bodenoffensive im Iran durchzuführen, wie einige Berichte nahelegen, wäre dies noch verheerender.
Die Gefahr für die Energieversorgung der Welt beschränkt sich nicht auf die Golfregion. Am 19. Juli griffen Drohnen zwei Öltanker am Terminal des Kaspischen Pipeline-Konsortiums (CPC) an der russischen Schwarzmeerküste bei Noworossijsk an und zwangen zu einer vorübergehenden Unterbrechung der Ölverladung, teilte das Konsortium laut einem Bericht von Anadolu Agency mit. CPC nannte keinen Angreifer, doch es war klar, daß die Drohnen aus der Ukraine kamen. CPC verurteilte den Angriff als fünften „Akt direkter Aggression“ gegen eine völkerrechtlich geschützte zivile Anlage und wies darauf hin, daß dem Konsortium Energiekonzerne aus Rußland, den USA, Kasachstan und Westeuropa (Italien und Großbritannien) angehören und es als so unverzichtbar gilt, daß es noch nie internationalen Sanktionen unterworfen war.
Der Generalstab der Ukraine teilte mit, seine Streitkräfte hätten zwei Tanker im Schwarzen Meer angegriffen, die zum Transport von russischem Öl, Erdölprodukten und Treibstoff eingesetzt wurden. Rußland antwortete in der folgenden Nacht mit einem Angriff auf Kiew und Odessa, der zu den größten des gesamten Krieges zählte.
Dieser Krieg kann sich ebenfalls schnell ausweiten – auch auf die Unterstützer der Ukraine in Europa.
Bei der Unterzeichnung der Waffenruhe im vergangenen Monat hatte Präsident Trump noch offen eingeräumt, daß die strategischen Erdölreserven bei einer Fortsetzung des Iran-Kriegs bald aufgebraucht wären, die Märkte auf das Niveau von 1929 abstürzen würden und er selbst ein Schicksal wie Herbert Hoover erlitten hätte. Seit die Feindseligkeiten wieder aufgenommen wurden, gilt diese Warnung erst recht.
Man könnte darüber diskutieren, was den USA zuerst ausgeht: die Munition oder die strategische Ölreserve. Unbestritten ist, daß beides zur Neige gehen wird, wenn der Krieg gegen den Iran andauert.
Die Marktanalytikerin Amrita Sen sagte kürzlich der Financial Times, die rund 400 Mio. Barrel an kommerziellen Überbeständen, die der Weltmarkt zu Jahresbeginn hatte, seien auf nahezu null geschrumpft. Auch die staatlichen Reserven sind niedrig. Die Internationale Energieagentur (IEA) gab am 17. Juli bekannt, daß ihre Mitgliedsländer seit März von angekündigten 400 Mio. Barrel Freigaben aus den Notvorräten fast drei Viertel aufgebraucht haben. Insgesamt wurden 700 Mio. Barrel aus privaten und staatlichen Beständen aufgebraucht. Die Strategische Erdölreserve der USA ist nun nahe ihres Tiefstands von 1983 und liegt bei etwa 320-340 Mio. von 714 Mio. Barrel Kapazität, auch wenn das Energieministerium die Freigaben nicht als „Verkauf“, sondern eher als „Leihgabe“ bezeichnet.
Beim derzeitigen Tempo werden die strategischen Öl- und Gasreserven bis September/Oktober ihren operativen Tiefpunkt erreichen. Bislang haben Reserven von Unternehmen und Regierungen das fehlende Öl aus dem Golf ersetzt und so einen sprunghaften Anstieg des Ölpreises verhindert. Doch wenn die Straße von Hormus bis zum Herbst gesperrt bleibt, wird der „Puffer“, der einen noch stärkeren Preisanstieg verhindert hat, verschwunden sein. Dann preist der Markt nicht mehr Angebot, Nachfrage und Puffer ein, sondern nur noch Angebot und Nachfrage.
Genaue Prognosen sind schwierig; manche erwarten einen Anstieg des Ölpreises über 150 Dollar, was eine weltweite Rezession bedeuten würde. Aber es könnte noch schlimmer kommen, besonders für Europa, das stärker auf Erdgas angewiesen ist, dessen Umleitung über Pipelines schwieriger ist als die von Öl. Europa steht ein dunkler und kalter Winter bevor.
Hohe Energiepreise bedeuten Verbraucherpreisinflation. Auch die Aktienmärkte werden von der Energiekrise betroffen sein, die KI-Aktien fallen bereits. Die Zentralbanken werden bald vor dem Dilemma stehen, ob sie mit restriktiver Geldpolitik die Inflation eindämmen und damit die Blase zum Platzen bringen, oder ob sie wieder hemmungslos Geld drucken und so das System durch Hyperinflation zerstören. Die einzige vernünftige Lösung wäre ein geordnetes Insolvenzverfahren des Finanzsystems – aber das ist von denen, die selbst die Krise verschulden, nicht zu erwarten.
Dabei geht es nicht nur um den Ölpreis, so wichtig dieser auch sein mag, sondern auch um die Verfügbarkeit von Öl in den Lieferketten der Realwirtschaft. So werden 45% der weltweiten Schwefelsäureversorgung über den Persischen Golf transportiert. (Schwefel entsteht als Rückstand bei der Raffination von Rohöl.) Es ist die weltweit am häufigsten verwendete Chemikalie mit zahlreichen unverzichtbaren Anwendungen in Industrie und Landwirtschaft.
Die Auswirkungen einer Unterbrechung solcher Lieferungen – wie auch bei Kunstdüngern, von denen mehr als ein Drittel weltweit in den Staaten am Persischen Golf hergestellt wird – treten oft verzögert ein, sind aber dennoch verheerend. Joe Maxwell, ein führender Vertreter der amerikanischen Landwirte-Organisationen Farm Action und Farm Action Fund, erläuterte beim Treffen der Internationalen Friedenskoalition am 17. Juli ausführlich, daß die Kosten für die US-Landwirte schon jetzt stark angestiegen sind: Die Düngemittelpreise haben sich verdoppelt und Diesel ist 40% teurer geworden. Durch die Kriege und die Monopolpolitik der internationalen Agrarkonzerne hätten Amerikas Landwirte in diesem Jahr Verluste in Höhe von 31 Milliarden Dollar – und das in einer ohnehin schon schwierigen Lage für unabhängige Familienbetriebe. In den USA geben täglich 63 kleine und mittelgroße landwirtschaftliche Betriebe auf, während gleichzeitig viele Amerikaner Schwierigkeiten haben, ihre täglichen Lebensmittel zu bezahlen.
Darüber hinaus droht aufgrund der Kriegshandlungen und des Einbruchs der Düngemittelproduktion ein massiver Einbruch der globalen Nahrungsmittelerzeugung. Experten rechnen mit einem Rückgang der globalen Getreideproduktion um mindestens 10% – in einer Welt, in der schon jetzt Hunderte von Millionen hungern. Rußland und die Ukraine machen zusammen mehr als ein Drittel der weltweiten Getreideexporte aus. Der Konflikt hat nun das Asowsche Meer und das Schwarze Meer vollständig unschiffbar gemacht. Das wird schon in naher Zukunft zu Hungersnöten für die Bevölkerung in Asien und Afrika führen, deren Versorgung von diesen Lieferungen abhängt.
Angesichts der Kriegseskalation, des wirtschaftlichen Zusammenbruchs und der nuklearen Bedrohung steht unsere Existenz auf dem Spiel. Das ist das Thema eines Online-Krisenforums am 31. Juli, das EIR und die Internationalen Friedenskoalition gemeinsam veranstalten: „Die Einwanderungskrise durch Entwicklung lösen – was Sie über die strategische Bedeutung der Enzyklika von Papst Leo wissen müssen“. Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Internetseite der E.I.R. Nachrichten.
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