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Neue Solidarität
Nr. 37-38, 10. September 2026

Die Trump-Regierung setzt den Atomkrieg auf die Tagesordnung

Von Harley Schlanger

In der US-Regierung wird als „Option“ der Einsatz taktischer Nuklearwaffen erwogen.

Als US-Finanzminister Scott Bessent in Anspielung auf die Landung der Alliierten in der Normandie 1944 „wirtschaftliche D-Day-Sanktionen“ gegen den Iran und dessen Handelspartner ankündigte, sahen viele Analysten darin ein Indiz dafür, daß die USA ihre militärischen Optionen erschöpft haben. Das Scheitern mit allen Zielen, die Präsident Trump zu Beginn des Krieges gegen den Iran genannt hatte – allem voran ein Regimewechsel – bedeutete nach einhelliger Meinung, daß der Iran als Sieger hervorging und daß Trumps beste gesichtswahrende Option ist, einen „Sieg“ zu verkünden, die von beiden Seiten vereinbarte Absichtserklärung zu akzeptieren und die US-Streitkräfte aus der Region abzuziehen.

Erschöpfung der Waffenvorräte, logistische Probleme bei der Verlegung von Truppen und Nachschub, steigende Kosten sowie die Widerstandsfähigkeit der Iraner bestätigten, was viele im Verteidigungsapparat der USA befürchtet hatten: daß der Iran nicht Venezuela ist und der Konflikt sich zu einem weiteren „ewigen Krieg“ entwickeln würde, falls die USA zu dem Schluß gelangten, daß der Einsatz einer großen Bodentruppe notwendig ist, um Trumps Ziele zu erreichen. Umfragen haben bestätigt, daß die Mehrheit der Amerikaner gegen den Krieg ist, und außer Israel waren praktisch keine Verbündeten der USA bereit, sich an einer „Koalition der Willigen“ zu beteiligen.

„Wirtschaftlicher D-Day“ und taktische Atomwaffen

Weil sie nicht als Verlierer dastehen wollen, verlegten sich Trump und Finanzminister Bessent auf einen Wirtschaftskrieg, der als das „bislang härteste Sanktionsregime“ präsentiert wird. Jedes Land, das weiter mit dem Iran Handel treibt, soll wirtschaftlich hart bestraft werden. Trump sprach vom „wirtschaftlichen D-Day“, und Bessent prahlte, der Iran werde bald in die Knie gezwungen sein. Trotz eines wackligen Starts – viele Länder, die mit dem Iran handeln, sind nicht bereit, die US-Strategie zu unterstützen – beharrt Bessent darauf, daß die Sanktionen Erfolg haben werden. Er versicherte der Presse am 2. September, mit dieser Form der „wirtschaftlichen Staatskunst“ werde man erreichen, was Bomben und Raketen nicht geschafft haben, und Irans Widerstand gegen die US-Hegemonie brechen.

Aber noch bevor die Sanktionen verkündet wurden, war bekannt geworden, daß im Pentagon über eine weitere militärische Option diskutiert wird: Planer des Kriegsministeriums brachten den Einsatz taktischer Atomwaffen ins Spiel, um die „Pattsituation“ in Südwestasien und in der Ukraine zu durchbrechen. Elbridge Colby, der Unterstaatssekretär für Politik im Kriegsministerium, erklärte, taktische Atomwaffen böten dem Präsidenten eine weitere „Option“, und der Einsatz solcher Waffen sei „nicht ausgeschlossen“.

Colbys Pläne wurden von mehreren prominenten ehemaligen Trump-Unterstützern scharf verurteilt, darunter die Ex-Kongreßabgeordnete Marjorie Taylor Greene, der Journalist Tucker Carlson und der ehemalige Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung, Joe Kent. Kent war am 17. März aus Protest gegen den Irankrieg zurückgetreten.

Carlson veranstaltete dazu am 28. August einen Podcast mit Kent, in dem beide ausführlich auf die akute Gefahr eingingen, daß ein Einsatz taktischer Atomwaffen einen allgemeinen Atomkrieg auslösen würde. Carlson betonte, den meisten Amerikanern sei nicht bewußt, daß dieser Kurs der Trump-Regierung die Welt an den Rand eines Atomkriegs bringt.

„Ein Atomkrieg endet unweigerlich mit der Vernichtung allen menschlichen Lebens auf dem Planeten“, sagte Carlson. „Es gibt also nichts Schlimmeres als einen Atomkrieg. Fragen Sie einen durchschnittlichen Amerikaner: Stehen wir kurz vor einem Atomkrieg? Ich habe dazu keine Umfragen gesehen, aber neun von zehn würden mit ziemlicher Sicherheit sagen: ‚Nein, natürlich nicht‘, weil das einfach unvorstellbar ist… Aber es gibt immer mehr Anzeichen dafür, daß manche Menschen sich das sehr wohl vorstellen können und wir uns deshalb diesem Ziel immer weiter nähern… Unsere Unwilligkeit, unser angeborenes Zögern, eins und eins zusammenzuzählen, hindert uns daran, das zu erkennen.“

Carlsons Warnung wurde inzwischen von anderen aufgegriffen. So kam der Ökonom Jeffrey Sachs zu dem Schluß, es sei eine „nationale Schande“, daß die Verantwortlichen nichts gegen diese Gefahr unternehmen. Einige Analysten und Kommentatoren, wie die Atomkriegsexperten Ted Postol und Steve Starr, unterstützen den Appell des Pax-Christi-Aktivisten Jack Gilroy, des Historikers Peter Kuznick, von Helga Zepp-LaRouche vom Schiller-Institut und anderer an Papst Leo XIV., einen „Weltgipfel“ zu den Fragen von Frieden und nuklearer Abrüstung zu veranstalten.1

Das Schiller-Institut macht auf Äußerungen von Präsident Putin und Außenminister Lawrow aufmerksam, die das Vereinigte Königreich warnen, weil es Rußland durch Bewaffnung der Ukraine provoziert. Erst letzte Woche reiste der neue Premierminister Burnham nach Kiew, um Baupläne für die Produktion britischer Storm Shadow-Raketen zu übergeben, die bis weit nach Rußland hinein reichen können.

Der Podcaster und ehemalige BBC-Radiomoderator Tony Gosling informierte das Schiller-Institut über Burnhams Rolle – der damit in die Fußstapfen seiner Vorgänger wie Boris Johnson und Keir Starmer tritt, die ebenfalls den Krieg gegen Rußland betrieben –, sowie die ständige Präsenz von MI6-Spitzenleuten und pensionierten Militärchefs in den britischen Medien, die ständig Propaganda verbreiten und behaupten, es stünde ein russischer Angriff auf Großbritannien bevor. Diese Propagandakampagne soll die Bevölkerung terrorisieren und eine verstärkte Militarisierung, einschließlich atomarer Aufrüstung, rechtfertigen.

Auch der Journalist Mike Robinson von U.K. Column erklärte, militärische Denkfabriken wie MI 6, Royal United Services Institute (RUSI) und Atlantic Council seien rund um die Uhr in den britischen Medien präsent, um Ängste zu schüren und so den Widerstand gegen die Aufrüstung kleinzuhalten. Behörden nutzen zudem verstärkte Überwachung und harte Strafen, um Widerstand gegen die Provokationen des britischen Geheimdienst- und Sicherheitsapparats gegen Rußland zu unterdrücken.

Trump legt seine friedliche Maske ab

Viele Trump-Anhänger tun Kritik an seiner Unterstützung für den Völkermord an den Palästinensern, seinem Krieg gegen den Iran und seiner „neutralen“ Ukraine-Politik als „Gejammer von Sozialisten“ ab, aber viele wichtige ehemalige Anhänger wie Taylor Greene und Carlson kritisieren seinen Schwenk zum Krieg scharf. Im Präsidentschaftswahlkampf 2024 hatte Trump noch oft betont, er werde niemals einen Krieg beginnen. Und auch wenn er zuließ, daß der letzte Vertrag zur Begrenzung von Atomwaffen – das New-START-Abkommen – auslief, sagte Trump noch am 13. Februar 2025: „Es gibt keinen Grund für uns, neue Atomwaffen zu bauen.“

Ein Jahr später, am 9. Februar, berichtete die New York Times in einem Leitartikel, Vertreter der Trump-Regierung hätten nach dem Auslaufen des letzten Atomwaffenvertrags deutlich gemacht, daß sie „den Einsatz weiterer Atomwaffen aktiv in Erwägung ziehen“ und „wahrscheinlich einen Atomtest irgendeiner Art durchführen“. Der bisher letzte US-Atomtest fand 1992, am Ende des Kalten Krieges, statt.

Der Unterstaatssekretär für Rüstungskontrolle und internationale Sicherheit Thomas DiNanno bestätigte, die USA würden „ihr laufendes Programm zur Modernisierung des Nukleararsenals abschließen“ – mit Kosten von 75 Milliarden Dollar jährlich bis 2032.


Anmerkung

1. Siehe Aufruf an Papst Leo XIV., einen Weltgipfel zu organisieren,
    um die Fragen des Friedens und der nuklearen Abrüstung anzugehen
.

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