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Neue Solidarität
Nr. 3-4, 15. Januar 2026

Der gefährliche Phasenwechsel hinter der Maduro-Entführung

Von Harley Schlanger

Die Entführung des venezolanischen Präsidenten signalisiert eine dramatische Eskalation der weltweiten Kriegsgefahr.

Der abrupte Phasenwechsel in der militärstrategischen Politik der USA, der sich Ende 2025 und Anfang des Jahres 2026 abzeichnete, vollzog sich in rasantem Tempo und hat einen Großteil der Welt überrascht. Von der Veröffentlichung des Dokuments zur Nationalen Sicherheitsstrategie 2025 am 5. Dezember über die bewaffnete Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und seiner Frau am 3. Januar bis hin zu den Äußerungen von Präsident Donald Trump danach hat die Unsicherheit in den internationalen Beziehungen eine neue Stufe erreicht. Es wächst die Befürchtung, daß die internationale Ordnung in eine Phase eingetreten ist, in der ein neuer Weltkrieg immer wahrscheinlicher wird.

Im Mittelpunkt dieser Unsicherheit steht US-Präsident Trump, dessen neues Sicherheitsdokument den Schwerpunkt des militärisch-diplomatischen Engagements der USA von Europa nach Nord- und Südamerika verlagert. Eine seiner umstrittenen Äußerungen auf der Pressekonferenz nach der Festnahme des Ehepaars Maduro durch US-Streitkräfte war seine Aussage, die USA würden nun „Venezuela regieren” und dessen Ölreserven übernehmen. Er verkündete: „Die Vorherrschaft der USA in der westlichen Hemisphäre wird nicht mehr in Frage gestellt werden” und sagte, einige bezeichneten dies als die „Donroe-Doktrin”, eine neue Version der Monroe-Doktrin (mit Anspielung auf seinen Vornamen Don-ald). Außenminister Marco Rubio nutzte Trumps Äußerungen, um Konkurrenten um Einfluß in der Region, namentlich Rußland und China, zu drohen: „Wir werden nicht zulassen, daß in der Ölindustrie in Venezuela Gegner der USA das Sagen haben.”

Aber mehr noch, Trump griff seine frühere Provokation gegen Europa wieder auf und bekräftigte seine Ansicht, die USA sollten Grönland übernehmen, weil dies für die Sicherheit der USA unerläßlich sei. Grönland ist ein halbautonomes Gebiet Dänemarks, und seine gewaltsame Eroberung könnte theoretisch die Aktivierung einer kollektiven Reaktion der NATO-Mitglieder gemäß Artikel 5 auslösen. Außenminister Rubio sagte, der Präsident wolle Grönland kaufen, aber Trumps militanter Vize-Stabschef Stephen Miller schloß nicht aus, daß die Vereinigten Staaten es mit Gewalt erobern.

Die Krönung dieser Kriegsrhetorik war dann Trumps Ankündigung einer Erhöhung des US-Militärhaushalts um 500 Milliarden Dollar – 50 Prozent – im Jahr 2027 auf insgesamt 1,5 Billionen Dollar. Der Verteidigungshaushalt 2026 beläuft sich auf insgesamt 1,01 Billionen Dollar, was bereits eine Steigerung um 13% gegenüber 2025 darstellt.

Trump und die neue „unipolare Ordnung“

Und damit niemand auf die Idee kommt, solche Worte seien nur ein Ausrutscher in einem adrenalingeladenen Moment der Überschwenglichkeit nach einem erfolgreichen Militärschlag, ließ Trump in einem Interview mit der New York Times am 8. Januar keinen Zweifel an seinen Absichten. Die Überschrift lautet „Trump skizziert eine Vision der Macht, die nur von ,meiner eigenen Moral‘ beschränkt ist“ (Trump Lays Out a Vision of Power Restrained Only by „My Own Morality). Er bekräftigte, er werde vielleicht „jahrelang” in Venezuela bleiben, und er werde sich mit nichts geringerem als dem „Besitz” von Grönland zufrieden geben. Laut dem Interviewartikel in der New York Times gab er an, er fühle sich an „internationale Gesetze, Normen, Kontrollen oder Gegengewichte nicht gebunden”.

Auf die Frage, ob es irgendwelche Grenzen für den Einsatz der US-amerikanischen Militärmacht gebe, antwortete er: „Ja, es gibt eine Sache. Meine eigene Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das einzige, was mich aufhalten kann... Ich brauche kein Völkerrecht.“

Dies bestätigt die Warnung, die Helga Zepp-LaRouche, die Gründerin des internationalen Schiller-Instituts, am 7. Januar in ihrem wöchentlichen Internetforum geäußert hatte. Sie begann mit der Feststellung, solche Interventionen der USA seien zwar nichts Neues – als Beispiel nannte sie die Kriege zur Verteidigung des transatlantischen Imperiums seit Vietnam –, neu sei jedoch „die unverhohlene, schamlose Haltung von Präsident Trump, der seine früheren Wahlversprechen, die Vereinigten Staaten nicht länger in endlose Kriege zu verwickeln und alle laufenden Kriege zu beenden, offenbar vergessen hat. Er scheint sein Gedächtnis vollständig verloren zu haben.“

Diese Form der Pseudo-Diplomatie stehe im Einklang mit der Methode der „Schrecklichkeit“: „Man verbreitet Furcht und Schrecken (shock and awe) und demonstriert eine enorm präzise Militärmacht – wer würde sich dem widersetzen wollen?“ Es sei „ein weiterer, letzter Schlag gegen die schon nicht mehr existierende unipolare, regelbasierte Weltordnung“, die unter den Präsidenten Bush, Clinton, Obama und Biden als Vorwand für scheinbare Legalität und Legitimität gedient habe. Sie geht aber davon aus, daß diese neue Ära nur von kurzer Dauer sein wird, weil „die Mehrheit der Welt definitiv an einem System der globalen Governance interessiert ist, in dem das Völkerrecht herrscht“.

Zepp-LaRouche rechnet mit einer „gewaltigen Gegenreaktion“, weil „der Trend der Geschichte in Richtung Zivilisation und nicht in Richtung Barbarei geht“. Trumps sogenannte „neue“ Politik sei in Wirklichkeit nur ein Rückfall in das „Gesetz des Dschungels“, wie man es von der Dystopie einer imperialen geopolitischen Ordnung der Londoner City aus dem Werk von Thomas Hobbes (Leviathan) kannte. 2024 habe Trump noch für das Präsidentenamt mit dem Versprechen kandidiert, den „Tiefen Staat“ zu zerschlagen, der Amerikas „endlose Kriege“ betreibt, doch sein jüngster Kurswechsel erscheine als Abkehr in das Gegenteil dieses Versprechens.

Globale Ordnung

Der neue Militarismus ist aber nicht auf die Rolle der USA auf dem amerikanischen Kontinent beschränkt. In den letzten Tagen drohten Trump und seine Kriegstreiber, allen voran Rubio und Miller, dem Iran mit einem neuen Angriff zusammen mit Israel und drohten China mit der amerikanischen „Verpflichtung zur Verteidigung Taiwans“. Derselbe Kurswechsel spiegelt sich auch in den laufenden Verhandlungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine wider, indem Trump Rußland der Lüge bezichtigte, als es Beweise dafür vorlegte, daß der Westen der Ukraine bei einem massiven Drohnenangriff auf Präsident Putins Residenz in der Nähe von Waldai geholfen hatte. Trumps erste Reaktion auf einen Bericht über diesen Angriff war noch Wut auf den amtierenden ukrainischen Präsidenten Selenskyj gewesen. Doch nach einem Briefing von CIA-Direktor John Ratcliffe, der behauptete, es habe keinen solchen Anschlag auf Putin gegeben, stellte sich Trump auf die Seite der CIA.

Einige eingefleischte Trump-Anhänger sagen, er halte an den Vereinbarungen fest, die er mit Putin auf ihrem Gipfeltreffen in Alaska getroffen hatte; aber andere warnen, er sei von seinem Wunsch nach einer Normalisierung der Beziehungen zu Rußland abgerückt und betreibe jetzt selbst die Politik des Netzwerks von Neokonservativen und Kriegstreibern, die er früher aus der Regierung herauswerfen wollte.

Zwei der wichtigsten Personen in diesem Netzwerk sind Rubio und Miller, die Wortführer der jüngsten politischen Wende. Rubio hat langjährige Kontakte zu den CIA-nahen Veteranen der Invasion in der Schweinebucht und kämpft seit zehn Jahren fanatisch gegen Maduro, weil der Kuba unterstützt hat. U.a. verbreitete Rubio die haltlose Behauptung, Maduro sei persönlich am Kokainschmuggel in die USA beteiligt. Er verdankt seine politische Karriere nicht zuletzt der großzügigen Unterstützung des zionistischen Milliardärs Paul Singer, der Rubios Präsidentschaftskandidatur gegen Trump 2015-16 finanzierte.

Executive Intelligence Review veranstaltet am 12. Januar kurzfristig eine aktuelle Diskussionsrunde,1 um ein Bild von den Gefahren dieser Phasenverschiebung zu vermitteln und um Gegenmaßnahmen zu organisieren. Der Titel der Zoom-Veranstaltung lautet „Es ist schlimmer, als Sie denken: die strategischen Auswirkungen des Angriffs auf Venezuela und wie man die Welt vor dem Abgrund retten kann”. Als Redner sind angekündigt: Helga Zepp-LaRouche, Präsidentin des Schiller-Instituts, Zhang Weiwei, Professor für Internationale Beziehungen an der Fudan-Universität Shanghai, Chas Freeman, ehem. US-Botschafter in Saudi-Arabien, Donald Ramotar, ehem. Präsident von Guyana, Maria de los Angeles Huerta, ehem. mexikanische Kongreßabgeordnete, Hans-Christof von Sponeck (Deutschland), ehem. stellv. UN-Generalsekretär, Dennis Small Leiter der Iberoamerika-Abteilung von EIR.


Anmerkung

1. „It's Worse Than You Think: The Implications of the Attack on Venezuela & How to Bring the World Back from the Brink.”
    Die Veranstaltung wird auf der Website von EIR (eir.news) gepostet. Anmeldung zur Live-Teilnahme.

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