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Neue Solidarität
Nr. 5-6, 29. Januar 2026

Hinter dem Spektakel um Trump in Davos

Der nicht so subtile Wandel vom „Mann des Friedens“
zum Anhänger des Hobbesschen „Gesetz des Dschungels“1

Von Harley Schlanger

Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit als US-Präsident sprach Donald Trump lange davon, die von seinen Vorgängern und deren NATO-Verbündeten betriebenen „endlosen“ Kriege zu beenden. Er versprach sogar, den Stellvertreterkrieg der NATO in der Ukraine gegen Rußland innerhalb eines einzigen Tages zu beenden, und er versicherte, anders als die Clintons, G.W. Bush, Obama und Biden werde er keine Steuergelder und keine Menschenleben von Amerikanern in Kriegen vergeuden, die nicht im Interesse der USA sind. Er werde die Neokonservativen und Falken, die sich in den Verteidigungs-, Sicherheits- und Geheimdienstkreisen einnisteten, entlassen und stattdessen „Amerika an die erste Stelle” setzen – America first.

Umfragen zeigten, daß er von vielen Amerikanern gewählt wurde, die der endlosen Kriege überdrüssig waren. Nach der Wahl bemühte sich Trump um eine Normalisierung der Beziehungen zu Rußland, führte Gespräche mit Chinas Staatschef Xi Jinping und übte Druck auf den zionistischen Kriegsverbrecher Bibi Netanjahu aus, einen Waffenstillstand in Gaza zu akzeptieren.

Trotzdem sieht zu Beginn seines zweiten Amtsjahres alles ganz anders aus: Die Kriege in der Ukraine und Südwestasien gehen weiter, die USA stationieren weltweit Truppen an zahlreichen Krisenherden, entsenden Kriegsschiffe in den Pazifik, ins östliche Mittelmeer und in die Karibik, und Trump plant eine Erhöhung der Militärausgaben um 500 Milliarden Dollar, wodurch das jährliche Rüstungsbudget auf unglaubliche 1,5 Billionen Dollar steigen würde!

Das ist der Hintergrund seiner kriegerischen Provokation auf der jährlichen Davos-Konferenz, nachdem er wenige Tage zuvor der New York Times gesagt hatte: „Ich brauche kein Völkerrecht.“ Es gebe nur eine einzige Einschränkung seiner Macht, nämlich „meine eigene Moral, mein eigener Verstand“.

Doch viel ist von dieser „Einschränkung“ nicht zu sehen. Stärker war offenbar der ständige Druck der Kriegstreiber von der Londoner City und den Wall-Street-Kartellen sowie denjenigen in Trumps Regierung und seinem inneren Kreis, die sich hartnäckig der Realität verweigern, daß die Ära der globalen Vorherrschaft der europäisch-westlichen Kolonialmächte vorbei ist.

Als wolle er demonstrieren, wie sehr er das Völkerrecht mißachtet, ließ Trump den venezolanischen Präsidenten Maduro entführen, drohte mit neuen Angriffen gegen den Iran und eskalierte eine Kampagne mit der Forderung, daß Dänemark seinen Anspruch auf Grönland aufgibt und es an die USA verkauft – Teil eines Plans für den Zugriff auf Grönlands Rohstoffe und die Kontrolle über die Seewege in der Arktis, die angeblich Rußland und China vereinnahmen wollen. Dieser letzte Punkt war ein wichtiger Teil seiner Tirade am 21. Januar in Davos.

Der arrogante Wahnsinn des Establishments

Helga Zepp-LaRouche, die Gründerin und Präsidentin des internationalen Schiller-Instituts, steht an der Spitze des Kampfes gegen die akute Gefahr eines Weltkriegs, die mit diesen Provokationen einhergeht. Sie besteht darauf, daß die zusammenbrechende imperiale Weltordnung durch ein neues Paradigma ersetzt werden muß, mit einer neuen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur, die zu den Prinzipien des Westfälischen Friedens zurückkehrt. Im Mittelpunkt dieser Prinzipien steht das Recht aller Regierungen auf volle Souveränität: daß sie frei im Interesse ihrer Bürger handeln können, ohne Einmischung anderer Länder oder privater Interessen.

Zepp-LaRouche hat dies in einem Dokument mit zehn Prinzipien für eine solche neue Architektur der Außenpolitik souveräner Nationen näher ausgeführt.2 Es erschien am 22. November 2022, fand weite Verbreitung und wurde zur Grundlage der von ihr initiierten Internationalen Friedenskoalition (IPC/IFK). Es enthält auch die ökonomische Perspektive ihres verstorbenen Mannes, des amerikanischen Staatsmanns und Ökonomen Lyndon LaRouche, welche die imperiale Tradition der Londoner City und ihre geopolitische Doktrin als Ursache für Kriege und Wirtschaftskrisen der letzten fünf Jahrhunderte identifiziert. LaRouche warnte, wenn dieses imperiale System nicht abgeschafft wird, würde es zu neuen Kriegen kommen, möglicherweise sogar einem Atomkrieg, der das Leben auf der Erde auslöschen kann.

Rubio und der neue Faschismus

Donald Trump hat zwar einige der bösartigsten Kriegstreiber, die in seiner ersten Amtszeit eine prominente Rolle spielten – wie Mike Pompeo und John Bolton –, aus dem Verkehr gezogen, aber viele andere blieben, und eine neue Bande von Kriegstreibern ist hinzugekommen. Zu dieser neuen Welle gehören Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley, von denen einige KI-Komponenten für die kinetische Kriegsführung liefern, z.B. für Zielerfassung und Logistik von Drohnen; andere sind an hybrider Kriegsführung beteiligt, wie Spionage, Überwachung, Zensur und Finanzkriege.

Zwei davon sind besonders zu erwähnen: Peter Thiels Palantir und Paul Singers Elliott Management Co. Über Thiels Machenschaften hat die Neue Solidarität bereits berichtet.3 In Kürze werden wir auch einen genaueren Blick auf Singer und seinen Hedgefonds werfen.

An dieser Stelle ist Singer wichtig wegen seiner Rolle in der Kampagne gegen Venezuela. Er leitet einen berüchtigten „Geierfonds”, seine Spezialität sind Vermögenswerte von Unternehmen, die kurz vor dem Bankrott stehen. Singer kauft solche Papiere zu einem Spottpreis auf und klagt dann vor den Gerichten, um den gesamten Nennwert einzutreiben. Kürzlich ging er so gegen Citgo vor, eine Tochtergesellschaft des staatlichen venezolanischen Ölkonzerns PDVSA. Für Citgo-Anleihen im Wert von etwa 5 Milliarden Dollar, die er gekauft hatte, sprach ihm das Gericht 18 Milliarden Dollar zu. Singer hat den venezolanischen Präsidenten Maduro scharf attackiert und seinen Sturz gefordert.

2016 war Singer einer der wichtigsten Unterstützer von Marco Rubio, als der bei den Republikanern gegen Trump für die Präsidentschaft kandidierte, er spendete Rubios Wahlkomitee fast 4 Millionen Dollar. Er war auch ein wichtiger Geldgeber des Nachrichtenportals Washington Free Beacon, das daran beteiligt war, die Firma Fusion GPS damit zu beauftragen, im Wahlkampf 2016 Schmutz über Trump auszugraben. Fusion GPS bezahlte den ehemaligen britischen MI6-Agenten Christopher Steele für ein berüchtigtes „Russiagate”-Dossier, in dem die Lüge verbreitet wurde, Präsident Putin bzw. Rußland hätten die US-Wahl manipuliert, damit Trump gewinnt, um ihn dann durch kompromittierende Sexvideos politisch erpressen zu können.

Inzwischen hat Singer die Seiten gewechselt, seit 2024 ist er ein wichtiger Geldgeber Trumps und spendete 8 Millionen Dollar. Singer bleibt aber Rubio eng verbunden, und beide waren wild darauf, Maduro zu stürzen, um anschließend einen Regimewechsel in Kuba zu organisieren. Rubio hatte enge Beziehungen zu den Veteranen der Brigade 2506, die von der CIA organisierten Exilkubaner, die 1961 mit der Invasion in der Schweinebucht vergeblich versucht hatten, Fidel Castro zu stürzen. Er nahm an deren jährlichen Konferenzen teil und veranlaßte Kongreßbeschlüsse zu ihren Ehren.

Vielleicht hat diese seltsame Zusammenarbeit eines pro-zionistischen Milliardärs mit dem Außenminister und Sicherheitsberater Rubio etwas mit Präsident Trumps Schwenk vom „Kriegsgegner“ zum Regimewechsel-Fanatiker zu tun? Kann es Aufschluß darüber geben, warum Trump Rubio, den er früher als Bush-Anhänger und RINO („Republican in name only“ – nur dem Namen nach Republikaner) verspottete, eine maßgebliche Rolle in der Außenpolitik überträgt? Gibt es da einen Zusammenhang dazu, daß Trump und seine Regierung entgegen früherer Versprechen doch nicht alle Dokumente zum Mord an Präsident John F. Kennedy freigeben wollen, weil möglicherweise die Anti-Castro-Kubaner der CIA darin verwickelt waren? Und mit den Epstein-Akten, angesichts von Jeffreys Epsteins Verbindungen zu Operationen des israelischen Mossad, CIA-Geldwäsche, Waffenhandel und der Infiltration von Technokratie- und KI-Netzwerken?


Anmerkungen

1. Es ist eine typische, britische Sophistik, eine Wahl zwischen zwei Standpunkten vorzugeben, hinter denen dieselben Axiome stecken, so daß es in Wirklichkeit gar keine Wahl ist! Eine solche Wahl präsentieren uns Thomas Hobbes und John Locke: Entweder, man schafft Frieden und Sicherheit durch eine menschliche Bestie („Beastman”), die das Gesetz des Dschungels, das Überleben des Stärkeren durchsetzt, oder man schafft sie durch clevere „Deals”, Geschäfte und Absprachen als prinzipienlose Kompromisse. Beides widerspricht dem Naturrecht und den Naturgesetzen.

2. Zehn Prinzipien für eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur,
    Helga Zepp-LaRouche, Schiller-Institut.

3. Peter Thiel, der fünfte Reiter der Apokalypse, Karel Vereycken, Neue Solidarität Nr 46/2025.

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