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Von Marcia Merry Baker und Mike Billington
13 Experten aus zehn Ländern diskutierten darüber, wie die Welt vom Kriegskurs abgebracht werden kann.
Das EIR-Krisenforum am 6. April – bereits das dritte in diesem Jahr – war ein außergewöhnlicher Online-Dialog zwischen 13 internationalen Experten aus zehn Ländern, die sich dafür einsetzen, die Welt von ihrem derzeitigen Kriegskurs abzubringen und auf den Weg des Friedens und der globalen Entwicklung zu führen. Der Titel der Veranstaltung, die sehr kurzfristig einberufen wurde, lautete „Ein Dialog der Zivilisationen: Ist es noch Zeit, zu verhindern, daß der Krieg gegen den Iran zu einem globalen Atomkonflikt eskaliert?“
Die Veranstaltung war ein dramatischer Aufruf zum Handeln, während die Vereinigten Staaten gerade barbarisch den Iran bombardierten und Präsident Donald Trump dem Land mit der „Steinzeit“ drohte. Iranische Regierungsvertreter führten einen Dialog mit Kräften aus aller Welt, die entschlossen sind, diesen Kurs zu stoppen. Die viereinhalbstündige Veranstaltung war in zwei Diskussionsrunden gegliedert; die erste hatte den Titel „Kann der Irankrieg vor einer nuklearen Eskalation gestoppt werden?“, gefolgt von „Globale Infrastrukturentwicklung ist der Name für Frieden“.
Zwei Redner kamen aus Deutschland: Helga Zepp-LaRouche, EIR-Chefredakteurin und Leiterin des Schiller-Instituts, die die Diskussion eröffnete, sowie der Moderator von Panel II, Stephan Ossenkopp. Dennis Speed aus den USA moderierte Panel I und wies eingangs darauf hin, daß die Ansichten dieser Experten, die sich nach weniger als zehn Tagen Vorbereitung zusammenfanden, „nicht nur vielfältig, sondern teils sogar divergierend und gegensätzlich sind“. Aber alle teilten das Engagement, dringende Maßnahmen zur Beendigung des Krieges – möglicherweise eines Atomkrieges – zu fordern, sowie die Überzeugung, daß Vernunft und Diplomatie selbst in diesem späten Stadium noch wirken und Bedingungen für Frieden und Wohlstand für alle Nationen schaffen können.
Aus Asien sprachen Dr. Chalil Schirgolami, iranischer Botschafter in Armenien und ehemaliger Generaldirektor des dem Außenministerium angegliederten Instituts für Politische und Internationale Studien in Teheran; Zhang Weiwei, Professor für Internationale Beziehungen an der Fudan-Universität in Shanghai und Direktor des angegliederten China-Instituts; Botschafter a.D. Prof. Manuel Hassassian von der Palästinensischen Autonomiebehörde; Purnima Anand aus Indien, Präsidentin des BRICS International Forum; Chandra Muzaffar aus Malaysia, Gründer und Präsident der Internationalen Bewegung für eine gerechte Welt (JUST); sowie der strategische Analyst Mohamed Awadh Ali Al Maschichi aus Oman. Aus Nordamerika nahmen teil: Chas Freeman, ehemaliger US-Botschafter in Saudi-Arabien und ehemaliger stellvertretender US-Verteidigungsminister; Ted Postol aus den USA, emeritierter Professor für Wissenschaft, Technologie und internationale Sicherheit am MIT; Dennis Small, ebenfalls aus den USA, EIR-Iberoamerika-Redakteur, sowie Donald Ramotar, ehemaliger Staatspräsident von Guyana.
Der Ansatz des Oasenplans für den Großraum Südwestasien und den östlichen Mittelmeerraum stand im Mittelpunkt mehrerer Redebeiträge; er wurde zunächst in der Eröffnungsrede von Helga Zepp-LaRouche als zentraler Bestandteil der Lösung vorgestellt, basierend auf dem Prinzip „Frieden durch Entwicklung“. Sie berichtete ausführlich, wie ein ganzes Netz von Entwicklungskorridoren entstehen kann – von Indien bis Ägypten, vom Kaukasus bis zum Arabischen Meer –, mit dem Ausbau von Schienen- und Straßenverkehr, Plänen für Meerwasserentsalzung und Wassertransport sowie fortschrittlichen Technologien aller Art.
Botschafter Hassassian bezeichnete den Oasenplan als Schlüssel zur „Förderung von Entwicklung und Dialog“ in Palästina und der Region. Professor Zhang berichtete, es sei China gelungen, „seine Wüsten zu begrünen“, und China könne bei der Umsetzung des Oasenplans für Südwestasien helfen. Zepp-LaRouche fügte hinzu, dieses Konzept müsse der jungen Generation bekanntgemacht werden, um Optimismus zu wecken. Botschafter Freeman verglich den Oasenplan mit dem Phönix, der aus der Asche aufersteht. So könne auch der Oasenplan aus den Trümmern Gazas hervorgehen.
Die hoffnungsvolle Realität fortschrittlicher Technologien wurde untermauert, als die Teilnehmer der Diskussionsrunde Bilder vom Raumschiff Artemis II ansahen, das sich gerade auf halber Strecke seiner Mission zur Umrundung des Mondes befand.
Die andere Realität, die ausgesprochen wurde, besteht darin, daß die Ära der „Pax Americana“ und der transatlantischen Vorherrschaft nun vorbei ist. Mehrere Redner wiesen auf die starke Gegenreaktion zu Präsident Trumps Krieg gegen den Iran hin. Botschafter Freeman sagte, der Krieg habe einige Länder dazu veranlaßt, Frieden mit dem Iran zu schließen, anstatt sich an einem Angriffskrieg an der Seite der Vereinigten Staaten zu beteiligen. Er wies auch darauf hin, daß die USA die alte Führung des Iran getötet hätten, die Atomwaffen ablehnte und die nun durch „Realisten“ ersetzt wurde, die Atomwaffen befürworten. Professor Postol machte drastisch die Gefahr eines Atomkrieges in der heutigen Zeit deutlich.
Der Krieg der USA und Israels hat in Europa erste Forderungen nach einem Abzug der US-Streitkräfte ausgelöst. Professor Zhang sagte schlicht, der Krieg habe den Zusammenbruch der unipolaren US-geführten Weltordnung herbeigeführt und den Prozeß der Entdollarisierung beschleunigt.
Allen Diskussionsteilnehmern war die Auffassung gemeinsam, daß Washington „moralisch verrückt geworden ist“, wie Zepp-LaRouche es formulierte. Daraus ergaben sich verschiedene Vorschläge und Initiativen. Chandra Muzaffar rief Menschen weltweit dazu auf, sich an den US-Kongreß und andere Institutionen zu wenden, damit sie aktiv werden, den Krieg zu beenden und eine Win-Win-Entwicklung in Gang zu setzen, ganz besonders für seit langem bestehendes schreiendes Unrecht wie den Palästinakonflikt. Frau Anand aus Indien sprach davon, die BRICS-Staaten zu mobilisieren, „um ihre Einheit zu demonstrieren“, wenn es darum gehe, den Krieg zu beenden, und „den Iran nicht dem Untergang zu überlassen“. Dennis Small von EIR skizzierte die wirtschaftliche Dimension des Zusammenbruchs des kollektiven Westens und forderte eine neue Architektur der wirtschaftlichen Sicherheit und Entwicklung.
Am Ende kam Zepp-LaRouche, nachdem sie viele Initiativen konkret erörtert hatte, auf die Frage der persönlichen Verantwortung zurück. Es gebe zwei Möglichkeiten: Man könne entweder „klein werden“ durch Leugnen, Gleichgültigkeit und Beschäftigung mit Nebensächlichkeiten – oder „man mobilisiert in sich selbst etwas Besseres und verbindet sein Handeln und sein Schicksal mit der größeren Sache der Menschheit“.
– Wir dokumentieren in dieser Ausgabe die folgenden Beiträgen:
Die Video-Mitschnitte der beiden Diskussionsrunden finden Sie im Youtube-Kanal von EIR News:
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