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Neue Solidarität
Nr. 17-18, 23. April 2026

„Trump hatte eine Chance zu einer echten Lösung“

Von Botschafter Dr. Chalil Schirgolami

Dr. Chalil Schirgolami ist Botschafter des Iran in Armenien und ehemaliger Generaldirektor des Iranischen Instituts für politische und internationale Studien. Übersetzung aus dem Englischen, Zwischenüberschriften wurden hinzugefügt.

Hallo zusammen, vielen Dank, daß Sie mir diese Gelegenheit geben, auch wenn ich ein unerwarteter Gast bei diesem sehr wertvollen Online-Seminar bin. Ich freue mich jedoch sehr, heute bei Ihnen zu sein.

Die anhaltende Aggression gegen den Iran hat nichts mit der Atomfrage zu tun. Präsident Trump hatte mehrmals die Chance, eine echte Lösung und eine politische Einigung für die Atomfrage des Iran zu finden. Und mindestens zweimal hat er die Diplomatie verraten und den Verhandlungstisch im Stich gelassen. Er hat den Verhandlungstisch sogar bombardiert.

Wenn ich ganz kurz auf die allerletzte Verhandlungsrunde dort in Genf eingehen darf: Es gab echte Chancen für eine Art Einigung. Die iranische Delegation, die Verhandlungsführer, legten ein sehr pragmatisches, umsetzbares Paket von Vorschlägen vor, das eine sehr gute Grundlage und einen Ausgangspunkt für eine echte Einigung in der Atomfrage hätte bilden können. Und es überrascht nicht, daß sogar die amerikanischen Verhandlungsführer, Jared Kushner und Steve Witkoff, ebenfalls betonten, daß dies eine sehr gute, sagen wir mal, Grundlage für jede Einigung sein könnte. Und nur einen Tag, nachdem sie dort in Genf abgeschlossen hatten, begann die neue Runde der Aggression gegen den Iran. Es war wieder genauso wie im Juni [2025] während des Zwölf-Tage-Kriegs.

Im Iran gab es viele Analysen, es war ziemlich umstritten, warum der Iran das letzte Mal die Idee eines Waffenstillstands, einer Unterbrechung der Konfrontation akzeptierte, als die Amerikaner und Israelis um den Waffenstillstand baten, weil es sich nicht um einen echten Frieden oder eine echte Lösung handelte, sondern nur um eine Pause in der Konfrontation. Gleichzeitig stand die israelische Seite unter starkem Druck, weil sie täglich sehr heftig von den Iranern getroffen wurde. Die iranischen Raketen trafen Tel Aviv und viele andere Orte in Israel, und Israel stand unter starkem Druck.

Falsche Vorstellungen

Und wieder kam diese neue Aggressionsrunde auf der Grundlage derselben falschen, verzerrten Vorstellungen – der Iran sei schwach, der Iran sei nicht in der Lage, ein Gegengewicht zu bilden oder einen Gegenschlag auszuführen, und das politische Establishment des Iran würde gestürzt werden, falls man diese Aggression beginnt. Alle diese Fehlwahrnehmungen und Fehlinformationen über den Iran – was der Iran bedeutet, was die iranische Nation bedeutet, was eine echte Zivilisation bedeutet –: sie verstehen es nicht und versuchen auch nie, es zu verstehen.

Und wissen Sie, es gibt ein englisches Sprichwort: Täuscht jemand mich einmal, muß er sich schämen; täuscht er mich zweimal, muß ich mich schämen.

Das war diesmal die Grundlage der strategischen Denkweise des Iran, daß wir in Bezug auf Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten keinerlei Vertrauensbasis mehr haben können. Wir müssen meiner Meinung nach eine neue Gleichung anstreben, in der echte Garantien für die Nichtangriffspflicht gegenüber dem Iran gegeben werden, für die Wahrung der Rechte des Iran auf die friedliche Nutzung der Kernenergie und Anreicherung sowie für die Entschädigung für das, was dem Iran widerfahren ist – für alle Schäden, alle Verluste.

Und traurigerweise begann die neue Runde der Aggression gegen den Iran mit der Bombardierung einer Schule, bei der wir 168 Schülerinnen verloren haben, junge Mädchen, das war eine Tragödie und eine höchst schändliche Provokation der Amerikaner.

Das ist die Lage, und die iranische Seite ist der Ansicht, daß aus dieser neuen Runde des Konflikts eine neue Gleichung hervorgehen sollte, ausgehend von der Tatsache, daß die Präsenz der USA in der Region eine Bedrohung für den Iran und für alle Länder darstellt, die über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg Amerikaner beherbergt haben und versucht haben, Waren aus den Vereinigten Staaten zu kaufen. Insbesondere bieten sie den Vereinigten Staaten den Raum, um das iranische Volk ins Visier zu nehmen, Iraner und iranische Einrichtungen, Schulen, Krankenhäuser, Sportanlagen und wirtschaftliche Infrastruktur anzugreifen.

Ausgehend von dieser Erkenntnis ist dieser Krieg in der strategischen Denkweise des Iran ein Krieg um die eigene Existenz. Und aufgrund dieser Einschätzung sowie der Tatsache, daß die Iraner als alte Zivilisation schon oft mit ausländischer Aggression und ausländischer Invasion konfrontiert waren, gibt es auch ein tief verwurzeltes Verständnis dafür, wie wir dieser Aggression begegnen müssen.

Auch hier stehen unsere Nationen auf und fordern sozusagen eine geeinte nationale Haltung gegen Aggression, den Widerstand gegen Aggression, solange diese Aggression andauert und nicht eingestellt wird.

Der Iran hat keine andere Wahl

Das ist also die Realität vor Ort. Und der Iran hatte keine andere Wahl, als zurückzuschlagen, Vergeltung für diese unprovozierten und schändlichen Angriffe auf unser Land zu üben – sei es gegen Israel, sei es gegen die besetzten Gebiete oder auch gegen die Stützpunkte und Interessen der Vereinigten Staaten in der Region.

Mehr als ein Jahrzehnt lang haben wir Iraner gesehen, wie westliche Länder, arabische Staaten und israelische Unterstützer tatenlos zuschauten, wie unsere Wirtschaft unter dem Gewicht der illegalen Sanktionen und der US-Kampagne des „maximalen Drucks“ absichtlich zerschlagen wurde.

Wir sahen, wie sie eifrig einer Politik folgten, die darauf abzielte, unsere Nation zu zerstören, unser Leben zu zerschlagen, unsere Träume zu zermalmen, unsere Unternehmen in den Bankrott zu treiben, unsere Infrastruktur zu ruinieren, unsere Währung abzuwerten und uns von normalen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit der Welt abzuschneiden. Das war die Lage.

Wir sahen, wie europäische Regierungen erbärmlich zufrieden nickten und armselige Lippenbekenntnisse abgaben, als Trump das JCPOA [Atomabkommen] als „schlechten Deal“ bezeichnete und das als Deckmantel für eine äußerst brutale Kampagne gegen unser Volk nutzte – wohl wissend, daß die Aufkündigung des Abkommens nichts anderes war als seine kranke, verdrehte Besessenheit, das Erbe seiner Vorgänger auszulöschen.

Wir Iraner sahen, wie US-Regierungsbeamte und ihre Handlanger aus der Israel-Lobby stolz vor dem US-Kongreß auftraten, bewaffnet mit Zahlen und Statistiken, und damit prahlten, wie ihre bösartige Politik unsere Währung in den Ruin trieb, Arbeitslosigkeit auslöste, die Inflation in die Höhe trieb und unserer ohnehin schon angeschlagenen Wirtschaft Schäden in Höhe von Billionen Dollar zufügte. Das war die Lage.

Wir sahen auch, wie sie diese Ergebnisse bejubelten und über die zerstörten Leben von Millionen von Menschen im Iran lachten. Wir sahen, wie sie die sadistische Politik der ersten Trump-Regierung selbst während der COVID-Pandemie musterhaft unterstützten, als sein krimineller Außenminister Himmel und Erde in Bewegung setzte, um zu verhindern, daß der Iran auch nur die mageren 5 Milliarden Dollar an IWF-Krediten erhielt, während ihre eigenen Regierungen buchstäblich Hunderte von Milliarden ausgaben, um ihre Bevölkerung vor demselben Virus zu schützen.

Wir Iraner sahen, wie sie Israels Angriffe auf unser Territorium unter dem obszönen Slogan „Israel hat das Recht, sich zu verteidigen“ schamlos guthießen, während sie die legitime Selbstverteidigung des Iran als unverantwortlich brandmarkten und von unserer Regierung verlangten, auf Eskalation zu verzichten.

Wir sahen sogar, wie sie die Ermordung unserer Kriegsveteranen und Helden, unserer Wissenschaftler und unserer klügsten Köpfe begrüßten, alles im Namen der „Nichtverbreitung“, während sie über Israels Atomarsenal und seine expansionistische Agenda schwiegen.

Wir Iraner sahen, wie sie offen oder hinter verschlossenen Türen auf mehr Druck, mehr Zerstörung, mehr Attentate und mehr Krieg und Konflikt drängten.

All das rechtfertigten sie mit der lächerlichen, haltlosen Behauptung, der Iran besitze sechs Atomwaffen – eine Lüge, von der sie wußten, daß es eine Lüge war. Sie waren sich voll und ganz bewußt, daß die Anreicherungsgrade und Beschränkungen, die der Iran im Rahmen des JCPOA und bei den anschließenden Verhandlungen über ein neues Abkommen akzeptiert hatte, eine Militarisierung des iranischen Atomprogramms unmöglich machten. Sie investierten in Ausreden, lieferten Ausreden, um unsere Zerstörung zu inszenieren, und sie lachten, als sie sicherstellten, daß wir allein Schmerz erlitten...

Der Iran war immer bereit und offen für jede diplomatische Lösung, sei es in der Atomfrage oder im andauernden Krieg gegen das Land. Doch zuallererst gibt es rote Linien für die Beendigung dieses Krieges. Eine sofortige Einstellung der militärischen Handlungen der Vereinigten Staaten und Israels sollte der allererste Ausgangspunkt sein – eine sehr, sehr vernünftige Vorbedingung. Als erstes sollte der Aggressor die Aggression beenden: das ist ganz natürlich, eine sehr natürliche Vorbedingung.

Ich kann also nur zu dem Schluß kommen, daß diejenigen, die diese Aggression gegen den Iran begonnen haben, sich zunächst für einen echten Waffenstillstand einsetzen sollten, eine echte Garantie dafür, daß die Aggression gegen den Iran nicht wiederkehrt. Und es sollte auch sinnvolle Mechanismen zur Entschädigung für alle Verluste und Schäden geben, die sie dem Iran und dem iranischen Volk zugefügt haben. Das ist die Lage.

Der Iran als Zivilisation wird sich gegen Schikanen, gegen Besetzungen, gegen all diese Provokationen durch die Vereinigten Staaten und Israel stellen. Solange sie diese Aggression fortsetzen, werden wir uns dagegen stellen. Vielen Dank.

Im weiteren Verlauf der Diskussion fügte Botschafter Schirgolami hinzu:

Ganz kurz, nur um einige Punkte hinzuzufügen: Dies ist ein Krieg, den die Vereinigten Staaten und das zionistische Regime Israels gewählt haben. Und es ist nicht die Schuld des Iran, daß sie bisher keines der Ziele erreicht haben, die sie sich vorgenommen hatten – sei es der Sturz des politischen Establishments im Iran, sei es die Anstiftung separatistischer Bewegungen im Iran, sei es die Eindämmung der iranischen Vergeltungsmaßnahmen, Gegenangriffe und Selbstverteidigung gegen all diese böswilligen Aggressionen. Tatsache ist, daß die gesamte Idee der Aggression auf falschen Annahmen beruhte und darauf aufgebaut war, und sie konnten keines der strategischen Ziele erreichen.

Das ist nicht die Schuld des Iran. Das ist ihre eigene Schuld. Präsident Trumps maximalistischer Ansatz wird nicht funktionieren. Trumps 15-Punkte-Plan, der auf Irans Kapitulation oder Nachgeben basiert, wird nicht funktionieren. Denn die Vereinigten Staaten sind in Bezug auf das Schlachtfeld und die Operationen nicht in der Lage, all diese Vorbedingungen oder Kapitulationsbedingungen für den Iran zu stellen.

Gegenwärtig stehen wir und die gesamte internationale Gemeinschaft an der Schwelle zu einer Tragödie für die ganze Welt, denn die Vereinigten Staaten und Israel setzen ihre böswillige Aggression gegen unser Land fort. Und aufgrund der von Trump gesetzten Frist ist die gesamte Region in einer hochbrisanten Lage, die universelle Folgen für alle haben wird, für jedes Mitglied der internationalen Gemeinschaft.

Während wir also am Rande einer globalen Tragödie stehen, stehen wir gleichzeitig an einem Wendepunkt möglicher internationaler Solidarität und gemeinsamer internationaler Anstrengungen, um diese Tragödie zu verhindern.

Das ist auch eine große Chance, und wichtige Länder wie China, Indien, sogar Pakistan, deren Initiativen wir sehr schätzen, können eine wichtige Rolle spielen – und auch europäische Länder und auch einige der arabischen Länder, unsere Länder am Persischen Golf, denn sie sind unsere Nachbarn, sie sind unsere Freunde, sie sind unsere muslimischen Brüder. Diese Situation läßt sich also leicht vermeiden.

Der Iran lehnt jede Art von Waffenstillstand ab, weil wir die Notwendigkeit einer dauerhaften Beendigung der Konfrontation und Aggression gegen den Iran betonen. Und es sollte auch eine Art gemeinsamen Mechanismus für die Zusammenarbeit bei der sicheren Durchfahrt durch die Straße von Hormus geben sowie eine Entschädigung für alle Verluste und Schäden, die sie verursacht haben - in diesem Krieg, den sie selbst gewählt haben.

Vielen Dank und danke, daß Sie mir nochmals Gelegenheit zu sprechen gegeben haben.

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