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Neue Solidarität
Nr. 17-18, 23. April 2026

Die globalen Folgen des Krieges in Westasien

Von Botschafter a.D. Chas W. Freeman

Chas Freeman war Botschafter der USA u.a. in Saudi-Arabien. Er übermittelte dem EIR-Krisenforum am 6. April den folgenden Videobeitrag. Übersetzung aus dem Englischen.

Es ist mir eine Ehre, an dieser Zusammenkunft teilzunehmen. Ich bedaure, daß ich nicht persönlich anwesend sein kann.

Der Krieg in Westasien schlägt den letzten Nagel in den Sarg der vom Westen dominierten Weltordnung. Er markiert auch den Zusammenbruch der Pax Americana, die auf den Kalten Krieg folgte. Das im Ukraine-Krieg eingeführte Kriegsführungsmuster hat dasjenige abgelöst, das sich in den Kriegen des 20. Jahrhunderts entwickelt hatte. Der Krieg in Westasien zeigt einmal mehr sowohl den begrenzten Nutzen der Gewaltanwendung als auch die Notwendigkeit professioneller Diplomatie.

In einer Welt, in der das Völkerrecht Aggressionen oder das Begehen von Kriegsverbrechen nicht mehr verhindert, haben mittelgroße Mächte keine andere Wahl, als Strategien zu entwickeln, die es ihnen ermöglichen, Angriffe der Mächtigeren zu überstehen. Die Reaktion des Iran auf den von Israel unterstützten Krieg, den mein Land gegen ihn begonnen hat, zeigt der Welt, wie dies gelingen kann. Dieser Krieg hat keines seiner verworrenen Ziele erreicht. Er hat gezeigt, welch unerschwinglich hohe Kosten es mit sich bringt, Diplomatie als Deckmantel für einen militärischen Überraschungsangriff zu betrachten, anstatt als eine kriegsvermeidende Maßnahme zur Beilegung von Differenzen zwischen Nationen. Und er liefert ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie man Gewalt nicht einsetzen sollte. Kriege lassen sich nur rechtfertigen, wenn sie darauf abzielen, mehr zu bewirken als eine Orgie aus Tod und Zerstörung.

Dieser Krieg läßt sowohl seinen Opfern als auch seinen Verursachern keine andere Wahl als gegenseitige Zugeständnisse im Interesse von Frieden und Entwicklung – mit anderen Worten: Diplomatie.

Als Reaktion auf die israelische und amerikanische Aggression gegen das Land hat der Iran die Kontrolle über die Straße von Hormus übernommen. Da die Vereinigten Staaten verspätet erkannt haben, daß das US-Militär keine Gewalt anwenden kann, um die Straße zu öffnen, hat Präsident Trump den Ländern, die von Kohlenwasserstoffexporten aus dem Persischen Golf abhängig sind, geraten, eigene Anstrengungen zu unternehmen, um sie zu öffnen, anstatt sich darauf zu verlassen, daß die USA dies für sie tun.

In der Praxis können Schiffe die Meerenge nur mit der Erlaubnis des Iran und gegen Zahlung von Transitgebühren passieren. Präsident Trump hat unbeabsichtigt sowohl Amerikas Verbündete in Europa und Asien als auch seine arabischen Partner am Persischen Golf dazu angeregt, Frieden und Vereinbarungen mit dem Iran anzustreben, anstatt sich Israel und den Vereinigten Staaten bei der Aggression gegen das Land anzuschließen. Einige Öl- und Gas importierende Länder haben dies bereits getan. Der anhaltende Wohlstand der Öl- und Gasexportländer am Persischen Golf hängt nun davon ab, daß sie dasselbe tun.

Israel und die Vereinigten Staaten rechtfertigten ihre Aggression gegen den Iran unter anderem damit, dies sei notwendig, um den Iran daran zu hindern, eine Atomwaffe zu entwickeln. Stattdessen haben sie iranische Führer beseitigt, die sich gegen den Bau einer Bombe aussprachen, und sie durch Befürworter ersetzt. Der Krieg hat deren Argumente bestätigt, Israel könne nur durch Atomwaffen und andere Massenvernichtungswaffen abgeschreckt werden.

Wenn der Iran nun Atomwaffen einsetzt – was er tun wird –, werden andere in seiner Region und darüber hinaus dasselbe tun. Die Welt steht kurz vor dem Eintritt in die „düstere Perspektive der Massenvernichtung“, die Präsident Kennedy als Rechtfertigung für den Atomwaffensperrvertrag anführte. Dieser Krieg hat diesen 56 Jahre alten Vertrag hinfällig gemacht.

Die Machtprojektion der USA nach Westasien hängt von Stützpunkten in Europa ab. Die Vereinigten Staaten führen derzeit einen Angriffskrieg außerhalb Europas. Dies hat gezeigt, daß die NATO für nichts anderes relevant ist als für die Verteidigung Europas gegen Angriffe von außen. Präsident Trump hat wiederholt gefordert, daß die europäischen NATO-Mitglieder sowie andere Verbündete der USA sich den Vereinigten Staaten anschließen, um den Iran anzugreifen. Als Reaktion darauf hören wir die ersten glaubwürdigen Forderungen der europäischen Öffentlichkeit und politischer Parteien nach dem Abzug der US-Streitkräfte und ihrer Stützpunkte aus Europa.

Immer mehr europäische Regierungen haben den Vereinigten Staaten verboten, ihren Luftraum zur Unterstützung eines Krieges zu nutzen, der nicht der ihre ist. Präsident Trump hat wütend damit gedroht, die Vereinigten Staaten aus der NATO zurückzuziehen. Doch einige in der NATO scheinen nun zu erwägen, ob sie die Vereinigten Staaten aus Europa drängen sollen. So oder so: Das transatlantische Bündnis hängt am Tropf, wenn es nicht schon tot ist.

Israel strebte diesen Krieg an, um den Iran als Hindernis für die territoriale Expansion in Westasien zu beseitigen und seine Vision eines „Großisraels“ zu verwirklichen. Im Einklang mit dem Großisrael-Projekt nutzt es den Krieg als Deckmantel für den Versuch, den Südlibanon zu annektieren. Dabei genießt es faktisch die Unterstützung der USA.

Was als von den USA unterstützter israelischer Krieg gegen den Iran begann, hat sich zu einem sich ausweitenden regionalen Krieg mit verheerenden geoökonomischen und geopolitischen Folgen entwickelt. Dazu gehören die Dezimierung der Weltwirtschaft bei gleichzeitigem Zufallsgewinn für russische und amerikanische Öl- und Gasunternehmen, die Neuordnung der globalen Geopolitik zum Vorteil Rußlands und Chinas, das Verschwinden jeglicher Achtung vor dem Völkerrecht und die Aussicht, daß sich noch viel mehr Länder zur Verteidigung auf Atomwaffen verlassen werden.

Es ist schwer, darin einen Silberstreif am Horizont zu finden. Aber man sagt, daß es vor der Morgendämmerung immer am dunkelsten ist. Die vielfältigen Krisen, die dieser Angriffskrieg in Westasien ausgelöst hat, könnten eine Gelegenheit sein, eine neue und bessere Weltordnung zu entwerfen und zu gestalten.

In der Tradition Griechenlands und Roms opfert sich der Phönix selbst, nur um aus seiner eigenen Asche wiedergeboren zu werden. In der vergleichbaren chinesischen Tradition ist der Phönix ein Symbol für Harmonie, Wohlstand und friedliches Zusammenleben. Könnten wir diese Visionen nicht verbinden, um eine Friedenszone im kriegsgeschüttelten Westasien zu schaffen?

Bei diesem Treffen wird der Oasenplan diskutiert, der einen Frieden in Westasien vorsieht, der durch die kooperative Entwicklung der Wasser- und Energievorräte sowie die wirtschaftliche Integration der Region erreicht werden soll. Vielleicht kann ein solcher Frieden, wie der Phönix, noch aus der Asche eines ungerechten und katastrophal kontraproduktiven Krieges entstehen. Wenn diese Chance besteht, müssen wir sie sicherlich ergreifen, solange wir können.

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