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Neue Solidarität
Nr. 37, 16. September 2021

Mikis Theodorakis (29.7.1925-2.9.2021)

Von Leonidas Chrysanthopoulos

Es ist schwierig, einen Nachruf auf einen Menschen zu schreiben, der nicht gestorben ist. Mikis Theodorakis mag seinen Körper verlassen haben, aber sein Geist und sein kulturelles Werk auf dem Gebiet der Musik werden die Menschheit noch weit in der Zukunft erleuchten. Für uns Griechen wird er also immer bei uns sein, er ist nicht gestorben, er kann nicht sterben.

Ich werde nicht auf die Einzelheiten seines Lebens und seiner Werke eingehen, denn diese sind bekannt und man müßte darüber eine ganze Doktorarbeit schreiben. Erlauben Sie mir, etwas über meine persönliche Bekanntschaft mit Mikis mitzuteilen.

Es war im November 1986, ich war damals griechischer Generalkonsul in Istanbul, die Türkei stand noch unter der eisernen Herrschaft der Evren-Diktatur und in Istanbul herrschte immer noch Kriegsrecht. Der türkische Komponist Zülfü Livaneli hatte Theodorakis eingeladen, vier Konzerte in Istanbul zu geben. Ich hatte erwartet, daß die Behörden keine Erlaubnis für die Konzerte erteilen würden, aber Livanelis Beharrlichkeit zahlte sich aus und die Konzerte fanden statt.

Ich verfolgte das Konzert vom 30. November in der Istanbuler Oper, das bis auf den letzten Platz ausverkauft war und bei dem eine sehr lebhafte Atmosphäre herrschte. Die Polizei hatte die Oper umstellt, und viele befürchteten, daß es zu Gewalttätigkeiten kommen könnte. Das Konzert und die drei weiteren, die folgten, waren ein fantastischer Erfolg, weil die Lieder unterstrichen, daß die Türkei die von dem zivilen Ministerpräsidenten Turgut Özal betriebenen demokratischen Reformen beschleunigen mußte. Der gemeinsame Gesang von Theodorakis und Livaneli schuf eine Atmosphäre der griechisch-türkischen Freundschaft, die nach den Konzerten immer deutlicher wurde und sogar während der Krise im März 1987, die beide Länder an den Rand eines Krieges brachte, weiter anhielt.

Bei einem Abendessen, das ich für ihn in meiner Residenz gab, sagte Mikis, daß das Ziel dieser Konzerte genau darin bestand, den eisernen Griff des türkischen Militärregimes zu schwächen, den demokratischen Fortschritt zu fördern und die griechisch-türkischen Beziehungen zu festigen. Zu diesem Zweck gründete er zusammen mit Livaneli eine Griechisch-Türkische Freundschaftsgesellschaft, an der sich auch prominente türkische Intellektuelle und Schriftsteller wie Yasar Kemal und Aziz Nesin beteiligten. Theodorakis war von seinem Besuch und den Kontakten mit seinen türkischen Freunden begeistert und freute sich, seinen Traum von der Annäherung der Menschen beider Länder weiter zu verfolgen.

Ich traf ihn 1994 wieder. Ich leitete damals das diplomatische Büro des stellvertretenden Außenministers und mußte Theodorakis über die Lage in der Türkei informieren, da er Ankara besuchen und versuchen wollte, die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu verbessern. Es war eine private Initiative, und das Ministerium versuchte, ihm soweit wie möglich zu helfen. Theodorakis hielt in unserem Gespräch den Geist vom November 1986 aufrecht, als ich mich bemühte, ihm die vielen Veränderungen, die seitdem stattgefunden hatten, zu erläutern.

Er hatte eine fantastische Persönlichkeit, er war ein Kämpfer, ein Visionär und ein Schöpfer von Kunst in Form von qualitativ hochwertiger Musik und Oper.

Wir müssen ihn nicht vermissen, denn er wird immer bei uns sein.

Leonidas Chrysanthopoulos, Botschafter ad honorem, Aigion, 8. September 1921