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Neue Solidarität
Nr. 43, 22. Oktober 2020

Das LaRouche-Programm für den Planeten:
1,5 Milliarden neue produktive Arbeitsplätze

Von Dennis Small

Dennis Small leitet die Lateinamerikaabteilung des Nachrichtenmagazins EIR. Er eröffnete am 6. September mit dem folgenden Vortrag den dritten Abschnitt der Internetkonferenz des Schiller-Instituts.

Wie aus dem Titel dieser Konferenz hervorgeht, hinterließ Franklin Delano Roosevelt uns allen einige unerledigte Aufgaben, ebenso wie Lyndon LaRouche. In seiner berühmten Rede zur Lage der Nation vom 6. Januar 1941 sprach Roosevelt über die „zukünftigen Tage“, für die wir kämpfen und in denen vier wichtige menschliche Freiheiten herrschen würden – überall auf der Welt:

Beachten Sie, daß Roosevelt betonte, daß diese Mission „in unserer Zeit und Generation erreichbar“ sei. Sie war erreichbar, aber sie ist unerfüllt geblieben. Es ist sein Auftrag an die Zukunft, den wir jetzt übernehmen müssen, nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern für den gesamten Planeten. Das ist die Aufgabe, die wir dem dringend nötigen Gipfel der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats vorlegen.

Die größte Gefahr seit dem Schwarzen Tod

Die Menschheit steht heute wahrscheinlich vor der größten Gefahr seit dem Schwarzen Tod im 14. Jahrhundert:

Wir befinden uns mitten im systemischen Zusammenbruch eines ganzen Systems. Institutionen, auf die sich die Menschen einst verließen, haben aufgehört zu funktionieren. Ganze Bevölkerungsgruppen haben ihre Verankerung verloren und werden keine Sicherheit finden, bis ein neues System mit neuen funktionierenden Institutionen und Werten ins Leben gerufen wird – überall auf der Welt. Das ist die Absicht des LaRouche-Plans zur Schaffung von 1,5 Milliarden neuen, produktiven Arbeitsplätzen weltweit, darunter 50 Millionen hier in den Vereinigten Staaten.

Die COVID-19-Pandemie hat diese Krise nicht verursacht, sie riß nur den Schleier von dem weg, was bereits im Argen lag und durch 50 Jahre Plünderung durch die Politik der Londoner City und der Wall Street entstanden war. Bereits 1985, vor 35 Jahren, warnte Lyndon LaRouche in einem Papier mit dem Titel „Die Rolle der Wirtschaftswissenschaft bei der Vorhersage von Pandemien als Aspekt fortgeschrittener Stadien des wirtschaftlichen Zusammenbruchs“, daß aktuell „die Bedingungen für wirtschaftlich bedingte Pandemien“ geschaffen würden und rückgängig gemacht werden müßten: „Wir sorgen uns am meisten über die Folgen für die Gesundheit, da die Pro-Kopf-Ernährung unter ein relatives biologisches Minimum fällt, und auch über die Folgen des Zusammenbruchs sanitärer Einrichtungen und anderer relevanter Aspekte der grundlegenden wirtschaftlichen Infrastruktur für die Lebensbedingungen einer unterernährten Bevölkerung.“

Der Faktor der Arbeitslosigkeit

Betrachten wir ein zentrales Merkmal dieses Problems: Arbeitslosigkeit – reale Arbeitslosigkeit. In den letzten 50 Jahren des britischen Freihandels und der Globalisierung sind hochqualifizierte Industriearbeitsplätze im fortgeschrittenen Sektor zunehmend durch die sog. „Gig-Ökonomie“ ersetzt worden, und in der Dritten Welt hat der sogenannte „informelle Sektor“ wie ein Krebsgeschwür überhand genommen. Im Großen und Ganzen handelt es sich dabei um Menschen, die eigentlich nichts Nützliches produzieren – sie bemühen sich, Geld zu verdienen, um von Tag zu Tag gerade so zu überleben. Als die Pandemie zuschlug, brach das ganze Kartenhaus zusammen, und was die Leute törichterweise für „Beschäftigung“ hielten (Geld verdienen, im Gegensatz zu nützlicher Produktion) wurde schnell als faktische Arbeitslosigkeit entlarvt.

Abb. 1: Arbeitskräfte und reale Arbeitslosigkeit weltweit.

Betrachten Sie Abbildung 1. Wir schätzen, daß die weltweite reale Arbeitslosenquote heute bei 46% liegt. Das sind mehr als 1,5 Mrd. Menschen bei weltweit etwa 3,5 Mrd. Arbeitskräften. Wenn wir dies nach Regionen betrachten, sieht man, daß Afrika eine Arbeitslosenquote von 65% hat – und daß 50% der Bevölkerung in Armut leben. In Iberoamerika ist es auch nicht viel besser: 42% Arbeitslose. In den USA und Europa liegt die tatsächliche Arbeitslosigkeit heute bei etwa 25%.

In China beträgt sie jedoch nur 4%. China hat auch seine Armut phänomenal reduziert und in 40 Jahren 850 Millionen Menschen aus der Armut befreit, und es beabsichtigt, bis Ende dieses Jahres auch die restlichen 30 Millionen Menschen aus der Armut zu befreien. (Es hat den Anschein, daß China zumindest einen Teil von Roosevelts unerledigten Aufgaben erledigt hat.)

Diese massive weltweite Arbeitslosigkeit von 1,5 Milliarden Menschen ist der denkbar größte Verlust an Reichtum und realem wirtschaftlichen Wert. Warum?

Was ist Wirtschaft?

Beginnen wir mit den Wirtschaftswissenschaften. Was ist Wirtschaft? Hier ist eine kurze Definition, die man durch die wunderbare Kunst des „Googelns“ erhält:

Dieser Satz ist ein wahrer Schatz, denn er enthält in nur 24 Worten mindestens fünf grobe wissenschaftliche Fehler: die Ressourcen sind nicht knapp; die Staatsfinanzen sind nicht dasselbe wie ein Familienbudget; die Befriedigung sogenannter „materieller Bedürfnisse“ ist einfach Benthamscher Hedonismus in schicken Kleidern; und so weiter und so fort.

Dies geht Hand in Hand mit der typischen Definition von „Beschäftigung“, wie sie etwa Professor Oscar Cooley von der Ohio Northern University gibt:

Willkommen im Wirtschafts-Grundkurs in fast allen Universitäten der Welt!

Vergleichen wir das mit LaRouches Definition der physischen Wirtschaft:

Mit anderen Worten, in der realen physikalischen Wirtschaft ist die menschliche Kreativität per se sowohl der Input als auch der Output der Produktionsfunktion. Aber wie messen wir das? Wie steuern wir wirtschaftliche Entscheidungen?

LaRouche erklärt, daß seine eigene zentrale Entdeckung und Fortführung von Leibniz’ Wissenschaft der physikalischen Ökonomie darin besteht, daß er einen kausalen Zusammenhang zwischen Fortschritten in der menschlichen Kreativität – sowohl in den Naturwissenschaften als auch in der klassischen Kultur – und meßbaren Steigerungen der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte hergestellt hat. In Operation Juárez erklärt LaRouche:

Ohne eine ausreichende Steigerungsrate der Kreativität und der daraus resultierenden wissenschaftlichen und technologischen Fortschritte werden diese materiellen Voraussetzungen nicht erfüllt, und die Entwicklungskraft der Gesellschaft – ihre potentielle relative Bevölkerungsdichte – wird immer weiter hinter der tatsächlichen Bevölkerung zurückbleiben.

So war es in den letzten 50 Jahren, seit dem Ende von Roosevelts Bretton-Woods-System 1971, weil LaRouches klare Warnungen und Lösungen erst ignoriert und dann verteufelt wurden, als er 1989 zu Unrecht inhaftiert wurde. Das ist der Grund, warum es heute eine Pandemie gibt und warum fast eine Million Menschen unnötigerweise gestorben sind – nur aufgrund dieser Ursache. Wie lange muß dieser kriminelle Wahnsinn noch andauern?

Nicht nur das. Die „grüne“ Politik von Prinz Philip – die einen Großteil der Welt, einschließlich der Demokratischen Partei der Vereinigten Staaten, erfaßt hat – würde all dies noch viel schlimmer machen. Durch Atomausstieg und Dekarbonisierung der Wirtschaft würde die Weltbevölkerung auf nur noch 1,5 Milliarden Menschen reduziert. Durch die Verdummung der Gesellschaft – mit Hilfe von Drogen, Subkultur, primitiver Unterhaltung und radikaler jakobinischer Gewalt, wie wir sie heute in vielen Städten der USA erleben – soll auch noch der letzte Funken menschlichen Kreativität ausgelöscht werden, die allein die Menschheit vom Abgrund zurückholen kann.

Der Ausweg

Es gibt natürlich einen Ausweg, denn sind wir nicht Menschen?

Wir müssen eine weltweite Erholung der physischen Wirtschaft einleiten, indem wir das bestehende Finanzsystem einer Konkurssanierung unterziehen und staatlich geförderte Kredite zur Finanzierung von 1,5 Milliarden neuen, produktiven Arbeitsplätzen vergeben. Vor drei Monaten veröffentlichte das LaRouche-Aktionskomitee (LaRouchePAC) eine 30seitige Broschüre, die ein landesweites Team der LaRouche-Bewegung, von Seattle über Houston bis nach Detroit und Virginia, ausgearbeitet hat und in der im einzelnen beschrieben wird, wie man dies erreichen kann.

Hier folgt ein grober Überblick über unsere Vorschläge, die noch weiter ausgearbeitet werden müssen.

Da wir mit einer Pandemie konfrontiert sind, beginnen wir mit einem Sofortprogramm zur Schaffung eines Weltgesundheitssystems, das in jedem Land der Welt aus tragfähigen nationalen Einrichtungen besteht, um die COVID-19-Pandemie zu stoppen. Was wir brauchen – zusätzlich zu den bewährten Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit –, ist die Rückkehr der Vereinigten Staaten auf den Standard von 4,5 Krankenhausbetten je 1000 Einwohner, der durch das Hill-Burton-Gesetz von 1946 festgelegt wurde (heute ist dies in den USA auf 2,8 gesunken), und die unterentwickelte Welt (die meist einen Durchschnitt von weniger als 1 hat) muß auf einen gleichwertigen Standard gebracht werden. Dies erfordert mehr als 600.000 neue Krankenhausbetten in den USA und gut 10 Millionen weltweit, und dies bedeutet natürlich den massiven Bau neuer Krankenhauseinrichtungen, eine angemessene Ausstattung mit Beatmungsgeräten und anderen Geräten, eine erweiterte Personalausstattung mit Ärzten und Krankenschwestern usw.

Dies ist eine gewaltige Herausforderung, aber sie kann mit einem globalen Crash-Projekt bewältigt werden, bei dem die entwickelteren Nationen helfen, indem sie technische Brigaden entsenden, die sich mit lokalen Einrichtungen in ärmeren Ländern zusammenschließen, um im Zuge dieses Aufbaus Millionen von Arbeitskräften auszubilden.

Gesundheitssektor, Elektrizität, Wasserversorgung und Eisenbahnen

Im Gesundheitswesen sprechen wir von sechs Millionen neuen Arbeitsplätzen in den USA und 100 Millionen weltweit. Das sind die unmittelbaren Arbeitsplätze. Aber Gesundheitsinfrastruktur steht nicht für sich allein. Man baut kein nagelneues Krankenhaus mitten in der Wüste oder in einem Großstadtslum ohne Wasser und Strom. Allein der Strombedarf für die neuen Krankenhäuser steigt weltweit auf 100 Gigawatt. Doch heute haben über eine Milliarde Menschen überhaupt keinen Strom, so daß die Deckung dieses Bedarfs weitere 10 Millionen Menschen beschäftigen wird. Die Kernenergie – zuerst die Kernspaltung und dann die Kernfusion – muß weltweit Priorität haben, um diesen Bedarf zu decken, so wie es im zweiten Konferenzabschnitt diskutiert wurde [vgl. Neue Solidarität 40 und 41/2020].

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Infrastruktur ist Trinkwasser. Roosevelts Tennessee Valley Authority (TVA) ist ein Modell für solche Projekte, darunter NAWAPA für Nordamerika und Transaqua für Afrika (die allein etwa 5 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen werden, von 20 Millionen, die solche Wasserprojekte weltweit direkt schaffen werden).

Und dann ist da noch die Schiene, vor allem Hochgeschwindigkeits- und Magnetschwebebahnen. China hat mehr Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnstrecken gebaut als der Rest der Welt zusammen – im August 2020 waren es 36.000 km. Geplant ist, diese Zahl bis 2035 zu verdoppeln. In den USA haben wir genau null Kilometer Hochgeschwindigkeitsbahn. China spielte auch die zentrale Rolle beim Ausbau von Bahnlinien durch Asien nach Europa und beginnt den gleichen Prozeß in Afrika als Teil seiner „Belt & Road“-Initiative.

Abb. 2: Das Infrastrukturnetz der Weltlandbrücke.

Die USA müssen etwa 64.000 km elektrifizierte, zweigleisige Bahnstrecken bauen, und der weltweite Eisenbahnbedarf liegt bei etwa 320.000 km. Wie aus der Karte (Abbildung 2) hervorgeht, müssen diese Bahnnetze durch Großprojekte miteinander verbunden werden, wie z.B. einen Tunnel durch die Beringstraße, der Alaska und Rußland verbindet; eine Verbindung über die Darien-Lücke, die Südamerika mit Mittel- und Nordamerika verbinden soll; die Sachalin-Brücke, die Japan und Rußland verbinden soll; ein Gibraltar-Tunnel, der von Spanien nach Afrika führt; der Kra-Kanal in Thailand, um die Transportzeiten und Staus in der Malakka-Straße erheblich zu reduzieren; und so weiter. Wir schätzen, daß dies direkt eine Million neue produktive Arbeitsplätze in den USA und 5 Millionen weltweit schaffen wird.

Wenn man nur diese vier Hauptbereiche von Infrastrukturprojekten zusammennimmt, werden wir direkt 15 Millionen neue Arbeitsplätze in den USA und 135 Millionen weltweit schaffen. Aber das sind nur die direkten Arbeitsplätze. Die Gesamtzahl der indirekt geschaffenen Arbeitsplätze wird weitaus größer sein, etwa vier bis zehnmal so viel. Darüber hinaus erzeugen Infrastrukturprojekte, wie z.B. Chinas Belt & Road-Initiative oder LaRouches vergleichbare Weltlandbrücke, höhere Produktivität, so daß die Gesamtleistung der Wirtschaft und der Arbeitskräfte dramatisch steigen wird - und dies in einer Weise, die jeder einfachen mathematischen Messung trotzt.

Wir können also sagen, daß sich die Zusammensetzung der Arbeitskräfte im Laufe der nächsten Generation dramatisch in Richtung Vollbeschäftigung in produktiven Tätigkeitsbereichen verschieben wird.

Die Arbeitslosigkeit wird auf etwa 2% sinken; 50% der Arbeitskräfte werden in der güterproduzierenden Industrie tätig sein; und weitere 5% werden in der überaus wichtigen Kategorie der Forschung und Entwicklung tätig sein.

Die nie endende Suche nach universellen physikalischen Prinzipien ist zusammen mit der Entwicklung der Fusionsenergie die eigentliche wissenschaftliche Triebfeder für ein globales Wiederaufbauprogramm. Dies ist wahrscheinlich der herausragende Bereich einer möglichen Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten, China, Rußland, Indien und anderen Raumfahrtnationen.

Nichts davon kann ein Land allein bewältigen. China ist für die USA der entscheidende Partner in vielen dieser Bemühungen, z.B. beim Bau eines Netzes von Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnstrecken. Aber eine wirtschaftliche Erholung der Welt kann auch nicht ohne die Vereinigten Staaten erreicht werden. Die 50 Millionen neuen produktiven Arbeitsplätze, die in den Vereinigten Staaten geschaffen werden sollen, machen vielleicht nur einen Bruchteil, nämlich 3% der weltweiten Gesamtzahl von 1,5 Milliarden aus; aber es ist der entscheidende Bruchteil, sowohl in Bezug auf die physische Wirtschaft als auch politisch.

Die USA und China dürfen nicht voneinander abgekoppelt werden – jedenfalls nicht, wenn wir wollen, daß die Welt überlebt. Wenn wir zusammenarbeiten, können wir damit beginnen, Roosevelts unerledigte Aufgaben endlich zu Ende zu bringen.

Und das, meine Damen und Herren, ist auch der Grund, warum die vollständige Rehabilitierung von Lyndon LaRouche und seiner Ideen der Schlüssel zur globalen wirtschaftlichen Erholung ist. Ich danke Ihnen.