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Neue Solidarität
Nr. 21, 21. Mai 2020

Zur Verteidigung der menschlichen Gattung

Von Jason Ross, Benjamin Deniston und Megan Beets

Im Rahmen der Internetkonferenz des Schiller-Instituts am 25.-26. April eröffneten Jason Ross, Benjamin Deniston und Megan Beets vom Wissenschaftsteam des LaRouche-Aktionskomitees den zweiten Konferenzabschnitt mit dem folgenden gemeinsamen Vortrag.

© Schiller-Institut

Jason Ross
Abb. 1: Max Planck und Albert
Einstein bei einem Treffen der
Physik-Nobelpreisträger 1931.
© Nationaal Archief, Den Haag

Jason Ross: Ben, Megan und ich haben unseren Vortrag „Zur Verteidigung der menschlichen Gattung“ genannt.

Der Planet wird derzeit von einem winzigen Stück RNA, das nur 30.000 Basenpaare lang ist, heimgesucht und als Geisel gehalten. Bei all der Ungewißheit und Verwirrung über Tests, soziale Distanzierung, Masken und Behandlungen sind viele Fehler und verpaßte Gelegenheiten erkennbar, seit das neue Coronavirus auf den Menschen übergesprungen ist. Aber was ist mit den verpaßten Gelegenheiten in den Jahren und Jahrzehnten vor seinem Erscheinen?

Vor über 50 Jahren betrat der Mensch den Mond und erweiterte damit für immer den Horizont des Möglichen. Vor 75 Jahren öffnete sich das Atom dem wissenschaftlichen Denken und ermöglichte eine Fülle von Energie, die um viele Größenordnungen größer war als das, was mit Molekülkräften – wie Kohle, Öl und Gas – erzeugt werden konnte.

Vor über 100 Jahren erkannte der Mensch die Existenz einer neuen, erstaunlichen Welt von Quantenphänomenen und begann, Ideen zu entwickeln, um diesen neuen Bereich zu verstehen und zu nutzen (Abbildung 1).

Vor über 400 Jahren schuf Johannes Kepler die moderne Naturwissenschaft durch seinen Glauben an die Kraft menschlicher Ideen, die Ursachen der Natur zu begreifen; er ging über den bloßen Augenschein hinaus und stellte zum ersten Mal Hypothesen darüber auf, was die Planeten in Bewegung setzt.

Wie konnte eine Gattung, die zu so viel fähig ist, von einem Virus erschüttert werden?

Dazu müssen wir nicht die Erfolge von Wissenschaft und Kultur untersuchen, sondern die Unfähigkeit der menschlichen Gattung, falsche und destruktive Denkaxiome auszumerzen, die uns seit Jahrtausenden plagen, auch wenn sie je nach Epoche ein anderes Aussehen hatten.

Die entscheidendsten Konzepte sind die über unser eigenes Selbstverständnis, über die menschliche Gattung, unseren Charakter und unser Potential.

Bedenken wir die folgenden Gegensätze:

Den meisten von uns gehen Varianten solcher Gedanken im Kopf herum. Wir gehen davon aus, daß die jeweils erste Sichtweise in Wissenschaft, Kunst und Kultur zutrifft.

Lyndon LaRouche erkannte den Konflikt zwischen diesen beiden gegensätzlichen, unvereinbaren Sichtweisen der Welt und sah das Coronavirus kommen – als ein Potential – und sagte, was zu tun sei. Das Schiller-Institut sah es kommen und sagte, was zu tun sei.

Heute geht uns das Coronavirus im Kopf herum, aber wir könnten jederzeit einer Vielzahl von anderen Schrecken zum Opfer fallen, gegen die die Erde keinen Schutz hat: andere neue Viren, ein Komet, der auf unserem Planeten einschlägt, die Sonne, die einen koronalen Massenausstoß auslöst und unser Stromnetz ausbläst, oder auch nur die eigentlich einfache Aufgabe, sauberes Wasser und angemessene sanitäre Einrichtungen für die über zwei Milliarden unserer Mitmenschen bereitzustellen, denen diese Sicherheit fehlt.

Wir brauchen ganz akut ein globales Gesundheitssystem – nicht nur in Form einer Gruppe medizinischer Experten und kleiner medizinischer Teams, sondern die Ressourcen, das Engagement und die Absicht, überall auf der Welt eine grundlegende wirtschaftliche Infrastruktur zu schaffen, die zur Aufrechterhaltung einer gut funktionierenden Gesundheitsinfrastruktur erforderlich ist. Das Schiller-Institut hat einen vorläufigen Vorschlag erarbeitet, wie das erreicht werden kann, er wurde auf der Website des Schiller-Instituts veröffentlicht. Sie finden ihn unter dem Titel „LaRouches ,Apollo-Mission’ zur Bekämpfung der globalen Pandemie: Aufbau eines Weltgesundheitssystems!“ (vgl. Neue Solidarität 18-20/2020).

Doch lassen wir nun für einen Moment unsere irdischen Sorgen hinter uns. Wir wollen nun grundlegende Gedanken fassen, die wir über uns als Gattung anstellen müssen, wenn wir unser Auge zum Himmel richten, der voller Verheißungen und Gefahren ist, und von diesem Standpunkt aus auf uns selbst herabschauen. Wie können die Nationen bei der strategischen Verteidigung der Erde auf breitester Ebene zusammenarbeiten?

Strategische Verteidigung der Erde

© Schiller-Institut

Ben Deniston
Lyndon LaRouche
© Schiller-Institut

Ben Deniston: Der Begriff „Strategische Verteidigung der Erde“ wurde erstmals 2011 in der russischen Presse erwähnt, als ein direkter Bezug auf die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI), den Vorschlag für ein gemeinsames strategisches Raketenabwehrprogramm der USA und der UdSSR aus der Reagan-Ära, um die Bedrohung durch die „Gegenseitig zugesicherte Zerstörung“ zu beenden.

Vielen Menschen in aller Welt ist Lyndon LaRouche vielleicht am bekanntesten für seine führende Rolle bei seiner Entwicklung des Konzepts der SDI und seine Schlüsselposition als hochrangiger Gesprächskanal zwischen den Regierungen der USA und der UdSSR. Allerdings waren nicht alle der gleichen Auffassung, wie die SDI umgesetzt werden sollte, daher ist es entscheidend, LaRouches einzigartige Konzeption für sein SDI-Programm hervorzuheben und zu zeigen, wie dieses Grundprinzip heute bei der Strategischen Verteidigung der Erde genauso gültig ist wie in den 1980er Jahren – denn diese Politik leitet sich von einem wissenschaftlichen Prinzip ab, das den aktuellen Stand der langfristigen Entwicklung der menschlichen Gattung ausdrückt.

Bei LaRouches SDI-Politik ging es nicht nur um Abwehrsysteme, um die Bedrohung durch thermonukleare Waffen zu beenden, sondern auch um die Formulierung der notwendigen politischen und wirtschaftlichen Strategie, um einen dauerhaften und stabilen Frieden und ein dauerhaftes Überleben für zukünftige Generationen zu gewährleisten.

Lassen wir Herrn LaRouche dies in seinen eigenen Worten sagen. In einer Rede auf einer Konferenz des Schiller-Instituts im September 2000 definierte Herr LaRouche seine SDI wie folgt (Lyndon LaRouche im Video):

„Dies ist die Politik, die als strategische Verteidigungsinitiative bekannt wurde. Jetzt ist es wichtig zu verstehen, was die ursprüngliche SDI war. Im Gegensatz zu der Idiotie, die man heute in der Presse über Raketenabwehr hört – was man in der Presse hört, ist Idiotie, von Leuten, die schlimmer als Idioten sind; sie wissen nichts über Raketenabwehr…

Ich sagte, was wir tun müssen, ist etwas ganz anderes. Wir sind in der Lage, Systeme zu entwickeln, neuartige physikalische Systeme, die wirksam mit thermonuklearen Raketen fertig werden könnten, d.h. die sie dauerhaft und wirksam technisch obsolet machen. Aber das war nicht der ganze Umfang meines Vorschlags. Der Vorschlag lautete: Anstatt die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten in diese verrückte Spiel mit dem Untergang namens SALT I und ABM zu verwickeln, warum finden wir nicht einen Ausweg aus dem Konflikt an sich? Und wie? Denn die sowjetische Wirtschaft, wie auch die Wirtschaft der USA, bricht zusammen. Die gegenwärtige US-Wirtschaftspolitik und die gegenwärtige sowjetische Wirtschaftspolitik laufen auf einen Zusammenbruch dieser Volkswirtschaften hinaus, einen physischen Zusammenbruch.

Warum ändern wir also nicht die Politik? Warum greifen wir nicht auf Kennedys Weltraumprogramm zurück und tun das, was wir unter Kennedy bewiesen haben? Denken Sie daran, daß die Vereinigten Staaten nach Schätzungen, die Mitte der 1970er Jahre gemacht wurden, durch jeden Cent, den sie in Kennedys Weltraumprogramm investierten, mehr als 10 Cent zusätzliches Bruttosozialprodukt erhielten.

Der Punkt ist: Produktivitätssteigerungen entstehen direkt durch Verbesserungen in der Technologie, die von grundlegenden wissenschaftlichen Entdeckungen abgeleitet sind, und je höher die Rate, mit der man grundlegende physikalische Entdeckungen in die Praxis umsetzt, desto größer ist die Rate der Produktivitätssteigerung pro Kopf der Bevölkerung und pro Quadratkilometer Fläche.

Wie ich damals sagte, bestand das gleiche Problem sowohl im sowjetischen System wie auch in unserem eigenen, wenn auch in unterschiedlichem Maße. Die Vereinigten Staaten erzielten kein ausreichendes Netto-Wachstum der physischen Produktivität, um die Wirtschaft aufrechtzuerhalten. Deshalb brauchten wir ein Programm für einen schnellen, wissenschaftlich getriebenen technischen Fortschritt, zusammen mit einer Mission wie der Mondmission. Die Mondmission würde durch Spillover-Effekte einen technischen Fortschritt erzeugen, der die Wirtschaft der Vereinigten Staaten wieder in positives Terrain bringt, was das Netto-Wachstum betrifft.

Die sowjetische Wirtschaft funktioniert aus anderen, aber ähnlichen Gründen nicht. Wenn also die Sowjetunion ihre enormen militärisch-wissenschaftlich-technischen Fähigkeiten in die Zusammenarbeit mit uns zum globalen technischen Fortschritt einbringen würde, und wenn wir uns auf die Entwicklungsländer – Südamerika, Afrika, Asien – konzentrieren, um das zu tun, was Roosevelt vorschlug, was für diese Länder getan werden sollte, dann würde der Nutzen eines solchen Programms zweierlei bewirken: Er würde beide Volkswirtschaften zusammen mit Europa wieder auf die Habenseite bringen, und es wäre auch eine Möglichkeit, eine globale Agenda zur Lösung des Konfliktproblems zu schaffen. Das war die SDI in ihrer ursprünglichen Form.“

Deniston: Auch wenn es den Konflikt zwischen den USA und der UdSSR heute in dieser Form nicht mehr gibt, sind andere geopolitische Spannungen entstanden, und der Kern von LaRouches Doktrin ist heute ebenso gültig und notwendig.

Wie Jason darstellte, hat die Menschheit in den letzten hundert Jahren ein enormes Wachstum erlebt – eine relativ geringe Zeitspanne im Vergleich zur Geschichte unserer Biosphäre, unseres Planeten, unseres Sonnensystems, unserer Galaxie und darüber hinaus.

In den letzten hundert Jahren ist die Menschheit in eine neue Phase eingetreten, in der dieselben technologischen Fähigkeiten und wissenschaftlichen Entdeckungen, die ein enormes Wachstum und enormen Fortschritt gebracht haben, auch eine neue historische Situation geschaffen haben, wo die Menschheit nun die Fähigkeit besitzt, sich selbst durch Krieg und Konflikte vollständig zu vernichten. Die Menschheit kann nicht nur keine großen militärischen Konflikte zwischen Nationen wie in der Vergangenheit mehr zulassen, sondern sie kann auch nicht mehr die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen dulden, die zu diesen Konflikten geführt haben, wie Herr LaRouche in der LaRouche-Doktrin dargelegt hat. Ein historischer Wandel ist notwendig, den Helga Zepp-LaRouche als den Wechsel in ein „neues Paradigma“ identifiziert hat.

Aber diese relativ neue historische Realität, in der sich die Menschheit befindet, bringt noch einen weiteren tiefgreifenden Aspekt mit sich. Was wissen wir wirklich über das Leben in unserem Universum? Die allermeisten Tierarten, die es auf diesem Planeten gegeben hat, gibt es nicht mehr. Schätzungen gehen davon aus, daß über 99% aller Tierarten, die entstanden sind, auch wieder ausgestorben sind – über fünf Milliarden Arten sind verschwunden.

Interessanterweise haben wir Beweise dafür, daß es sich dabei nicht nur um einen Vorgang auf der Erde oder im Sonnensystem handelt, sondern daß irgendwie auch unsere gesamte Galaxie darin einbezogen ist. 500 Millionen Jahre zurückreichende Belege über das Entstehen und Aussterben von Arten weisen ein zyklisches Muster auf, das den periodischen Wechselbeziehungen unseres Planeten zu unserer Galaxie entspricht, was darauf hindeutet, daß die Entwicklung des Lebens auf der Erde irgendwie auch ein galaktischer Prozeß ist.

Das Vergänglichkeitsprinzip ist eine unbestreitbare Tatsache der evolutionären Entwicklung der Biosphäre. Allein aufgrund dieses Prinzips ist sicher, daß auch alle heute auf dem Planeten existierenden Tierarten irgendwann in der Zukunft aussterben, wenn der evolutionäre Prozeß weitergeht.

Es gibt nur eine Ausnahme, nur eine Lebensform, die sich davon abhebt und die alles ausdrückt, was über dieses Prinzip der Biosphäre hinausgeht: die Existenz des Menschen, die in einzigartiger Weise eine besondere schöpferische Kraft ausdrückt, die man in keinem tierischen Leben findet.

Dieselbe Wissenschaft und Technologie, die uns die Fähigkeit gibt, uns in Konflikten selbst zu zerstören, gibt der Menschheit auch die Fähigkeit, als einzige Gattung auf diesem Planeten den biologischen Evolutionsprozeß der Biosphäre zu transzendieren und darüber hinaus zu gehen. Wie Herr LaRouche sagte: die Menschheit ist die einzige potentiell unsterbliche Gattung.

Im Geiste von LaRouches SDI sprechen wir somit Jahre später über die gleiche Politik in Form der Strategischen Verteidigung der Erde: einer Politik zur Überwindung der wirtschaftlichen und politischen Ursachen, die den Konflikten zugrunde liegen, durch gemeinsame Programme zur Förderung der Wissenschaft und des Technologieaustauschs, wobei die gemeinsamen Bedrohungen, denen sich die gesamte Menschheit gegenüber sieht, im Mittelpunkt stehen.

Genauso wie die SDI konzipiert wurde, um die führenden Mächte gegen die gemeinsamen Bedrohungen durch thermonukleare Raketen zu vereinen, soll die Strategische Verteidigung der Erde die Menschheit gegen die gemeinsamen Bedrohungen vereinen, denen alle Bewohner dieses Planeten ausgesetzt sind – vom Weltraumwetter bis zu Asteroideneinschlägen, vom kosmischen Klimawandel bis zu Kometeneinschlägen, von Pandemien bis zu katastrophalen Erdbeben und Vulkanismus. So ist die Menschheit in jeder Hinsicht im Kampf gegen die Gefahren vereint, denen das Leben auf diesem kleinen Planeten durch die Einflüsse unseres Sonnensystems und der Galaxie und noch darüber hinaus ausgesetzt ist.

Sprechen wir über das Wetter

© Schiller-Institut

Megan Beets
Abb. 2: Wir verfolgen den Sonnenzyklus anhand der Anzahl und Polarität der Sonnenflecken – dunkle Bereiche auf der Sonnenoberfläche, die Orte intensiver Aktivität sind.
© NASA
© NASA
Abb. 3: Die Beobachtungen der letzten 400 Jahre zeigen einen klaren elfjährigen Zyklus sowie einen längerfristigen Zyklus mit sehr niedrigen Tiefstwerten, den sog. „Großen Minima“.
© NASA
Abb. 4: Zwei Phänomene des Weltraumwetters: Sonneneruptionen und koronale Massenauswürfe. Abb. 5: Bei den sog. „Forbush-Abnahmen“ verhindert intensive magnetische Aktivität, daß die galaktische kosmische Strahlung in die Erdatmosphäre gelangt: Kp-Index der geomagnetischen Aktivität der Erde (oben) und Zählung der kosmischen Strahlung in Thule/Grönland (unten) in der Zeit vom 7.-13. März 2011. Markiert sind zwei geomagnetische Stürme, die solche Forbush-Abnahmen ausgelöst haben. Abb. 6: Betrachtet man die langfristige Veränderung des Zustroms galaktischer kosmischer Strahlung, so ergibt sich eine erstaunlich starke Korrelation mit der Temperaturentwicklung: Je stärker der Zustrom der galaktischen kosmischen Strahlung, desto kälter ist es auf der Erde (Grafik nach Kirkby, 2008).

Megan Beets: Lassen Sie uns ein wenig über das Wetter sprechen. Wir neigen dazu, das Wetter – einschließlich gefährlicher extremer Wetterereignisse – als ein lokales Phänomen zu betrachten. Wenn man etwas weiter schaut, erkennt man, daß es sich eigentlich um ein planetares Phänomen handelt, da die Wetterzyklen auf einem Teil der Erde die auf einem anderen Teil der Erde beeinflussen. In Wirklichkeit gibt es aber beim Wetter nichts Lokales oder auch nur Planetares. Unsere Erde schwimmt, zusammen mit den anderen Planeten des Sonnensystems, in einer von der Sonne geschaffenen Umgebung. Ein Phänomen dieser Umgebung ist der Sonnenwind, ein ständiger Fluß geladener Teilchen, die von der Sonne ausströmen, das interplanetare Magnetfeld erzeugen und das Magnetfeld der Erde modulieren.

Warum ist das wichtig? Die Sonne verändert sich! Sie ist ein dynamischer Körper, von dem wir eigentlich nicht mehr verstehen als ein Baby. Ein Beispiel: Ungefähr alle elf Jahre durchläuft die Sonne einen Zyklus zunehmender und abnehmender Aktivität, in dessen Verlauf sich die Polarität ihres Magnetfeldes umkehrt. Wir verfolgen den Sonnenzyklus anhand der Anzahl und Polarität der Sonnenflecken, bei denen es sich, wie Sie in Abbildung 2 sehen, um dunkle Bereiche auf der Sonnenoberfläche handelt, die Orte intensiver Aktivität sind.

Hier (Abbildung 3) sehen Sie ein Diagramm über die Anzahl der Sonnenflecken im Laufe der Zeit, das bis Anfang des 17. Jahrhunderts zurückreicht, mit einem klaren 11-Jahres-Zyklus mit Maximum und Minimum. Allerdings ist nicht jeder Sonnenzyklus gleich, und es gibt einen längerfristigen Zyklus mit sehr niedrigen Tiefstwerten, die sogenannten Großen Minima, in denen über einen längeren Zeitraum fast keine Sonnenflecken auftreten, und sehr hohe Höchstwerte mit deutlichen Großen Maxima.

Betrachten wir die Perioden des Sonnenmaximums, wenn die Sonne am aktivsten ist. Zwei Weltraumwetterphänomene, die als Teil dieser erhöhten Aktivität auftreten, sind Sonneneruptionen und koronale Massenauswürfe. Sonneneruptionen (Flares) sind intensive Energieblitze auf der Sonnenoberfläche, die Ausbrüche elektromagnetischer Strahlung freisetzen (Abbildung 4, links). Koronale Massenauswürfe (coronal mass ejections, CMEs) sind oft mit Flares verbunden und schleudern große Plasmawolken in den Weltraum hinaus (Abbildung 4 rechts).

Die Energie von Flares kann den Funkverkehr auf und um die Erde stören, aber die größere Gefahr geht von CMEs aus. Wenn ein CME die Erde trifft, induziert er eine Schwingung im Magnetfeld und verursacht einen geomagnetischen Sturm. Dieser kann schwach sein und das schöne Schauspiel der Polarlichter erzeugen. Wenn er jedoch stark ist, können Ströme in der elektrischen Infrastruktur induziert werden und sogar Transformatoren zum Durchbrennen bringen, was zu Stromausfällen im Stromnetz ganzer Kontinente führen kann – und das könnten wir mit unseren derzeitigen Fähigkeiten über mehrere Jahre hinweg nicht reparieren. 1859 wurde die Erde von einem sehr großen CME, dem sogenannten Carrington-Ereignis heimgesucht, bei dem noch in Äquatornähe Polarlichter zu sehen waren und Telegraphendrähte von induziertem Strom glühten. Wenn ein CME dieser Größenordnung heute die Erde träfe, müßten wir mit weitflächigen und langanhaltenden Stromausfällen rechnen, auf die wir derzeit nicht vorbereitet sind.

Eine weitere Auswirkung von CMEs ist ein Phänomen, das als Forbush-Abnahme bezeichnet wird, wenn intensive magnetische Aktivität von der Sonne den Eintritt galaktischer kosmischer Strahlung in die Erdatmosphäre vorübergehend blockiert. Hier (Abbildung 5) sehen Sie zwei plötzliche Abfälle des kosmischen Strahlungsflusses als Folge von zwei geomagnetischen Stürmen im März 2011. Erste Studien deuten darauf hin, daß die daraus resultierende Veränderung der Ionisierung der Atmosphäre und die damit verbundene latente Wärmefreisetzung wiederum die Temperaturdifferenz zum Erdboden erhöhen kann, was sich auf die Konvektionsströmungen auswirkt und möglicherweise Zyklone verstärkt. Man nimmt an, daß dies beim Hurrikan Katrina im Jahr 2005 der Fall gewesen ist.

Das Phänomen der atmosphärischen Ionisierung, das durch den galaktischen kosmischen Strahlungsfluß verursacht wird, führt nachweislich zu einer Zunahme der Wolkenkondensationskerne und damit zu einer verstärkten Wolkenbedeckung – die Galaxie vergrößert die Wolkendecke auf der Erde. Dies ist ein wichtiger Faktor für die globale Temperatur. Tatsächlich gibt es eine sehr interessante Korrelation zwischen dem 140 Millionen Jahre dauernden Zyklus des Durchgangs unseres Sonnensystems durch die Spiralarme der Galaxie – Regionen mit deutlich höherem kosmischen Strahlungsfluß – und den langfristigen Zyklen der Erwärmung und Abkühlung des Planeten, wie es hier der Zyklus der Eiszeiten andeutet (Abbildung 6). Die Sonne steuert nicht nur das Wetter auf unserem Planeten, sondern wir müssen uns auch fragen, was wiederum die Aktivität unserer Sonne moduliert. Was geschieht in der galaktischen Umgebung, in der sie schwimmt?

Kometen- und Asteroidenabwehr

Ben Deniston: Eine weitere existentielle Bedrohung, vor der alle Bewohner dieses Planeten derzeit keinen Schutz haben, sind unvermeidliche zukünftige Asteroiden- und Kometeneinschläge auf die Erde. Ein Großteil der Welt wurde 2013 auf diese Realität gestoßen, als überraschend ein sehr kleiner Asteroid in der Atmosphäre über dem russischen Tscheljabinsk explodierte. Niemand wußte vorher, daß sich dieser kleine Asteroid vor dem Einschlag auf Kollisionskurs mit der Erde befand, weil wir bisher nur einen relativ kleinen Prozentsatz der Asteroiden in der Umgebung des inneren Sonnensystems lokalisieren und verfolgen können.

Abb. 7: Es gibt Hunderttausende von unidentifizierten und nicht verfolgten kleineren Asteroiden, die bei einem Einschlag auf der Erde große Schäden auslösen können.

Es wurden beträchtliche Anstrengungen unternommen, um die meisten der größeren Asteroiden zu lokalisieren und zu verfolgen, aber es gibt immer noch Hunderttausende von unidentifizierten und nicht verfolgten kleineren Asteroiden da draußen (Abbildung 7). Dabei handelt es sich um Asteroiden, die größer sind als derjenige, der über Rußland explodiert ist, und die ein Gebiet von der Größe einer Stadt oder einer Nation bis hin zur Größe eines Kontinents verwüsten könnten.

Und selbst wenn wir einen Asteroiden, der sich auf einer Flugbahn zur Erde befindet, rechtzeitig entdeckten, verfügt die Menschheit derzeit über keine Verteidigungssysteme, um ein solch bedrohliches Objekt abzulenken.

Eine verwandte Bedrohung geht von langperiodischen Kometen aus, die den größten Teil ihrer Zeit in den entlegensten Gebieten des Sonnensystems verbringen, weit jenseits unserer Ortungsmöglichkeiten. Langperiodische Kometen kommen zwar wesentlich seltener vor, sind jedoch im allgemeinen viel größer, viel schwieriger zu entdecken und extrem schwierig abzulenken.

Während man davon ausgeht, daß die potentiellen Gefahren durch erdnahe Asteroiden weitgehend auf lokale bis kontinentale Auswirkungen beschränkt sind, wäre ein Einschlag eines langperiodischen Kometen wahrscheinlich ein globales Extinktionsereignis.

Es gibt Möglichkeiten, die Verteidigungsfähigkeit der Menschheit gegen diese Bedrohungen zu erhöhen, und das führt uns direkt zurück zu LaRouches SDI-Prinzip. Die gemeinsamen Wissenschaftsprogramme, die unsere Möglichkeiten zur Verteidigung der Erde im Weltraum erweitern, sind auch dieselben Programme, die das notwendige Wirtschaftswachstum erzeugen können, um die Ursachen von Konflikten und Kriegen zu beseitigen.

Wie es in der LaRouche-Doktrin von 1984 heißt, ist das wichtigste Programm in dieser Hinsicht ein Mehrgenerationen-Projekt zur Besiedelung von Mond und Mars, basierend auf Fusionstechnologien, während gleichzeitig der Technologieaustausch und der Export von Investitionsgütern in die weniger entwickelten Regionen der Erde ausgeweitet werden, um sicherzustellen, daß die Voraussetzungen für dauerhaften Frieden und dauerhaftes Überleben erfüllt sind und die Ursachen künftiger Konflikte vor deren Entstehen beseitigt werden können.

Auch diese Perspektive der Strategischen Verteidigung der Erde zwingt uns, unseren gemeinsamen Platz in unserem Sonnensystem innerhalb unserer Galaxie zu erkennen und die Aktivitäten auf unserem kleinen Planeten aus dieser Perspektive zu definieren.

Was sind eigentlich Viren?

Megan Beets: Der russische Wissenschaftler Wladimir Wernadskij schrieb in der Einleitung seines Werkes Die Biosphäre von 1927: „Die Geschichte der Biosphäre unterscheidet sich ... massiv von der des übrigen Planeten, und die Rolle, die sie im planetaren Mechanismus spielt, ist ganz außergewöhnlich. Sie ist ebenso sehr oder sogar noch mehr die Schöpfung der Sonne als ein Ausdruck irdischer Prozesse.“

Ein Untersuchungsgegenstand, der uns einen einzigartigen Einblick in die Rolle außerirdischer Faktoren bei der Entwicklung der Biosphäre und ihrer Evolution geben könnte, sind die Viren. Viren sind ein relativ neues Studienobjekt für die Menschheit, sie wurden erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt. Seitdem ist jedoch unbestreitbar, daß Viren untrennbar mit dem Leben verbunden sind – sie sind in der gesamten Biosphäre anzutreffen und können jede Art von Organismus infizieren. Um einen Eindruck von ihrer Allgegenwart zu vermitteln: In jedem Teelöffel Meerwasser befinden sich Millionen von Viruspartikeln; Milliarden von Viren schweben in den Luftströmungen hoch in der Atmosphäre; im menschlichen Körper gibt es neben einem Mikrobiom von Billionen von Bakterien auch ein Virom von wahrscheinlich Billionen von Viren, die als regulärer Teil unseres Organismus in uns leben, von denen einige ein wesentlicher Bestandteil unseres Immunsystems sind.

Viren spielen eine wichtige Rolle bei einem Phänomen, das als horizontaler Gentransfer bezeichnet wird. Normalerweise stellen wir uns vor, daß genetisches Material von den Eltern an die Nachkommen weitergegeben wird, aber beim horizontalen Gentransfer wird genetisches Material von einem Organismus auf das Genom eines anderen, nicht verwandten Organismus übertragen und in dessen Genom eingebaut. Es ist bekannt, daß dies bei Einzellern regelmäßig vorkommt, aber Studien in den letzten Jahrzehnten haben gezeigt, daß ein horizontaler Gentransfer auch zwischen vielen Arten höher entwickelter Lebewesen wie Pflanzen, Pilzen und Tieren stattfindet. Es gibt zwar noch keine konkreten Zahlen, aber einige Forscher gehen davon aus, daß über hundert Gene im menschlichen Genom irgendwann vor langer Zeit durch Viren dorthin übertragen wurden, darunter auch Gene, die mit dem Stoffwechsel und der Reaktion des Immunsystems zusammenhängen. Diese Vorstellung widerspricht dem in Lehrbüchern verwendeten „Lebensbaum“ mit seinen getrennten, parallelen Ästen und stellt einen viel stärker in sich vernetzten Evolutionsprozeß dar.

Betrachten wir dies nun im Zusammenhang mit dem Sonnensystem und der galaktischen Umwelt. Einige hochinteressante Forschungsarbeiten wurden in den 1980er Jahren über die saisonalen Grippepandemien angestellt, die wie viele andere mit der Sonneneinstrahlung zusammenhängende saisonale Phänomene jedes Jahr etwa gleichzeitig auf der Nordhalbkugel ausbrechen, dann über die Tropen auf die Südhalbkugel und im nächsten Jahr wieder zurück in den Norden wandern. Ein Element, das die Forscher interessierte, war der Rhythmus des Ausbruchs neuer Grippestämme, der, wenn man auf das vergangene Jahrhundert zurückblickt, eine interessante, wenn auch nicht vollständige Korrelation mit dem elfjährigen Sonnenzyklus zeigt (Abbildung 8).

Quelle: Tapping, Mathias und Surkan, Canadian Journal of Infectious Diseases 2001

Abb. 8: Influenza-Pandemien während der vergangenen Sonnenzyklen: Die Influenzapandemien von 1946, 1957, 1968 und 1977 sind hier dem etwa elfjährigen Sonnenzyklus gegenübergestellt.
Abb. 9: Pandemien treten nicht nur tendenziell häufiger in Perioden großer Sonnenmaxima auf, die anomalen Pandemiejahre während des solaren Minimums waren Perioden, in denen die Erde aufgrund heller Supernovae einen höheren Zufluß kosmischer Strahlung von außerhalb unseres Sonnensystems erhielt.

Wenn wir jedoch einen längeren Zeitraum, nämlich 300 Jahre, betrachten, sehen wir den möglichen Fingerabdruck eines galaktischen Treibers. Pandemien treten nicht nur tendenziell häufiger in Perioden großer Sonnenmaxima auf, sondern es ist auch der Fall, daß die anomalen Pandemiejahre während des solaren Minimums Perioden waren, in denen die Erde aufgrund heller Supernovae einen höheren Zufluß kosmischer Strahlung von außerhalb unseres Sonnensystems erhielt (Abbildung 9).

Ein Fragezeichen, das die an diesen Studien beteiligten Forscher hinterlassen haben, ist der mögliche Mechanismus. Es ist bekannt, daß Viren durch bestimmte Lichtfrequenzen aktiviert und deaktiviert werden. Man hat auch beobachtet, daß bei einigen Astronauten auf der Internationalen Raumstation latente Virusinfektionen plötzlich aktiv geworden sind. Diese Forschungen sind zwar noch recht vorläufig und erfordern weitere Untersuchungen, doch es ist unbestreitbar, daß die hier erwähnten Anomalien auf eine höhere Kausalität und einen höheren Regelmechanismus der Lebensentwicklung auf der Erde hindeuten als bloß chemische Reaktionen auf der Erde.

Man kann wohl mit Sicherheit sagen, daß wir, nachdem wir uns nur in 20 der letzten paar Millionen Jahre menschlicher Existenz mit Lebensvorgängen außerhalb der Erdumgebung beschäftigt haben – wie z.B. auf der ISS – und in unserem Verständnis der Wissenschaft vom Leben bestenfalls Kleinkinder sind. In den 80er Jahren forderte Lyndon LaRouche massive Investitionen in die Forschung auf dem Gebiet der optischen Biophysik: elektromagnetische Strahlung als Teil der Physik der Lebensprozesse, d.h. wir müssen über ein rein chemisches Verständnis von Leben hinausgehen.

Das ist keine Option. Wenn wir die Zivilisation mehr und mehr von der Erde weg und in den Weltraum verlagern, werden wir uns zwangsweise mit Lebensprozessen auseinanderzusetzen haben, die mit der galaktischen Umwelt interagieren. Eine neue Betrachtungsweise der Wissenschaft vom Leben ist unbedingt erforderlich.

Eine gemeinsame Mission der Menschheit

Jason Ross: Mit Blick auf die unmittelbare Situation sollten wir darüber nachdenken, wie viele Anstrengungen wir brauchen, um unsere Institutionen und unser Denken mit dieser weltraumorientierten Sichtweise in Einklang zu bringen.

Denken Sie zum Beispiel daran, wie begrenzt die gängigen Vorstellungen der Militärplaner sind. Können wir uns mit den vorhandenen Raketen gegen Asteroiden verteidigen? Können Bomben das Leben einer Mutter retten, die keine angemessene Behandlung erhalten kann und nach einer COVID-19-Infektion an Sauerstoffmangel stirbt?

Wir werden einen oder mehrere Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 entwickeln, aber welche Form wird ein Impfstoff gegen Asteroiden haben? Wie können wir uns gegen weitverbreitete, tragische Denkmuster feien? Wie kann die Tragödie dauerhaft überwunden werden?

LaRouche betonte, daß ein wesentlicher Schritt zur Schaffung einer gesunden Kultur auf diesem Planeten ein Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Vereinigten Staaten, Chinas, Rußlands und Indiens ist, um ein wirklich neues Paradigma der internationalen Beziehungen zu schaffen. Wir brauchen einen globalen Ansatz zur Bekämpfung von COVID-19, mit dem ein wirklich globales Gesundheitssystem aufgebaut werden kann; und das schließt nicht nur Beatmungsgeräte und Schutzkleidung ein, sondern auch die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung, die zur Beseitigung der Armut und zur Schaffung der sanitären, optimistischen und wissenschaftlichen Voraussetzungen für das nächste Kapitel der menschlichen Zukunft erforderlich ist.

Die Welt braucht dringend ein neues Paradigma für die internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft, basierend auf der Verteidigung und dem Wachstum der Menschheit, ohne das Gift alter, fragwürdiger und falscher Ideen. Die Forschungsfinanzierung der Biowissenschaften darf sich nicht auf die Großzügigkeit einiger weniger Milliardäre verlassen und darf auch nicht allein auf Profit basieren – man denke nur an die Milliarden, die mit dem Elend der Opioid-Seuche verdient werden, und dagegen die ziemlich mangelhafte Finanzierung der Erforschung von Coronaviren und anderen Pflanzen- und Tierkrankheiten, die uns jederzeit treffen könnten. Die staatliche Finanzierung muß drastisch erhöht werden, damit die Ergebnisse dieser Forschung dem öffentlichen Wohl zukommen.

Fortschritte bei der Beherrschung des Universums sind die einzige wirklich gültige Bedeutung von „Verteidigung“; wenn wir nun weiter voranschreiten, müssen wir sicherstellen, daß dies unsere gemeinsame Mission ist.