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Neue Solidarität
Nr. 21, 21. Mai 2020

Zentralbanken pumpen die Blase auf, statt die Realwirtschaft zu fördern

Die Zentralbanken der Welt betreiben die größte Gelddruckoperation der Geschichte. Anfang April belief sich allein die Bilanz der vier führenden Zentralbanken auf 21,6 Bio.$, mehr als das Dreifache der Bilanz Ende 2007. Damit soll die Spekulationsblase, die bereits vor der Corona-Pandemie geplatzt war, gerettet werden. Sie behaupten steif und fest, das Gelddrucken werde keine Inflation hervorrufen, und selbst wenn, hätten sie Mittel und Wege, diese unter Kontrolle zu halten. Aber sie irren sich – wenn die Inflation steigt, ist sie bereits außer Kontrolle.

Man erwarte jedoch nicht, daß die Zentralbanken fähig wären, ihre Politik zu ändern. Erinnern wir uns an den deutschen Reichsbank-Präsidenten Rudolf Havenstein, der 1923 gefragt wurde, was er tun würde, um die steigende Inflation zu stoppen, und der daraufhin prahlte, mit den gerade erst angeschafften modernen Druckmaschinen könne er schneller Geld drucken!

Das heutige Äquivalent zu Havensteins Druckmaschinen sind die ständig neuen Staats- und Zentralbankprogramme mit immer neuen Kürzeln, die den Banken Kredite zu negativen Zinssätzen gewähren. So hat die Europäische Zentralbank (EZB) gerade ein neues langfristiges Refinanzierungsprogramm für Banken mit dem Namen PELTRO (Pandemic Emergency Longer-Term Refinancing Operation) zu einem beispiellosen Negativzinssatz von -1% aufgelegt. Gleichzeitig wurde der Zinssatz für die bestehende TLRTO III (Targeted Long-Term Refinancing Operations) rückwirkend zum 1. März 2020 um 50 Punkte auf -1% gesenkt.

Eine Woche zuvor war das APP-Programm zum Kauf von Vermögenswerten gelockert worden, damit die EZB Ramschpapiere kaufen konnte, während das PEPP (Pandemic Emergency Purchase Program) bereits Ende März gestartet war. Das PEPP erlaubt es der EZB, bis zu 750 Mrd.€ an Vermögenswerten zu kaufen, bis der Vorstand „urteilt, daß die Phase der Coronavirus-Krise vorbei ist, auf jeden Fall aber bis Ende dieses Jahres“. Im Rahmen dieses neuen Programms kaufte die EZB in der zweiten Aprilwoche täglich bis zu 7 Mrd.€ an Vermögenswerten – das sind 5 Millionen Euro pro Minute!

Kein Cent aller dieser Programme wird in die Realwirtschaft fließen. Die Banken werden das gesamte Geld benutzen, um mit neuen Blasen zu spekulieren, einschließlich ihrer eigenen Aktien (der S&P 500 hatte im März den höchsten Stand seit 1987) und Staatsanleihen (eine Neuauflage der finanziellen Plünderung Griechenlands 2011, die französische und deutsche Banken bereicherte).

Das neue Opfer der Nutznießer von EZB-Krediten ist Italien. Am 28. April stufte die Ratingagentur Fitch Italiens Staatsschulden auf BBB- herab – am Vorabend einer Emission von 6 Mrd.€ Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit, deren Zinssatz daraufhin auf 1,78% stieg. Bloomberg schrieb: „Während Privatanleger wahrscheinlich für die sichersten Schulden, wie die Deutschlands, Schlange stehen werden, könnten sie von schwächeren Ländern wie Italien und Spanien – die auch am härtesten vom Virus betroffen sind – immer höhere Zinssätze verlangen. Diese sogenannte Risikoprämie würde auf andere Zinssätze für Unternehmens- und Verbraucherkredite durchschlagen und die Rezession vertiefen. Im schlimmsten Fall könnte sie die Rückzahlungen der Regierung unbezahlbar machen.“

Mit anderen Worten, während die EU-Mitgliedsländer keine Hilfe zur Bekämpfung der Pandemie und des wirtschaftlichen Zusammenbruchs erhalten, überschüttet die EZB die Megabanken mit Geld, die mit der höheren Verschuldung dieser Länder Profit erzielen.

eir