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Von Christoph Mohs
In diesen Tagen der düsteren Prognosen der großen deutschen Autobauer ebenso wie ihren Zulieferern für die nächsten Monate und Jahre werden zwar viele Statistiken bemüht und an sich z.T. richtige Analysen veröffentlicht – sie treffen jedoch nicht den wahren Kern des Problems, der höchstens mittelbar mit der Autoindustrie zusammenhängt.
Natürlich bildet diese den Kernbereich der deutschen Volkswirtschaft, und selbstverständlich werden bei einer Fortsetzung der inzwischen auch für die breite Öffentlichkeit erlebbaren Deindustrialisierung dort die meisten Arbeitsplätze abgebaut und dadurch die Gesamtwirtschaft am unmittelbarsten in Mitleidenschaft gezogen. Jedoch gilt es hier genau hinzuschauen und zwei entscheidende Faktoren zu berücksichtigen, die beinahe durchweg in den Analysen unterschlagen werden: der vorgelagerte Werkzeugmaschinenbau und die nichtmonetären Konsequenzen dieses Industrialisierungsrückbaus!
Ersterer kann die entscheidende Scharnierfunktion bei einer anzustrebenden Neuausrichtung der deutschen und europäischen Industrie übernehmen, während die letzteren unverzichtbar sind zum notwendigen Verständnis dessen, warum die Produktion so ins Stocken geraten ist, ob der derzeitige Rückgang nur temporär oder doch systemisch ist, und in welche Richtung ein möglicher Neustart gehen müßte.
In der Analyse zu den Problemen der deutschen Wirtschaft im allgemeinen und dem Autobau im besonderen wird stets vorschnell auf die inzwischen übermächtige Konkurrenz aus China gerade bei der Elektromobilität sowie auf die Zollpolitik Donald Trumps verwiesen. Dieser Fokus ist jedoch verengt und greift bei weitem zu kurz. Denn dabei taucht der deutsche Maschinenbausektor, und innerhalb dessen die Werkzeugmaschinensparte, zwar auf und wird in den Statistiken durchaus als eine der Säulen der heimischen Industrie gewürdigt, jedoch nicht als die entscheidende und schon gar nicht in einer eigenen Kategorie, die notwendig wäre, um auch Betriebswirten und anderen führenden Firmen- und Politiklenkern verständlich zu machen, was bei einer Vernachlässigung dieser Branche an negativen Rückkopplungseffekten auf die Gesamtwirtschaft zu erwarten ist.
Denn für einen Finanzberater oder Personalmanager im Vorstand eines großen Unternehmens oder einen Staatssekretär im Wirtschafts- oder Arbeitsministerium spielt es keine Rolle, ob ein Maschinenbau-Ingenieur oder ein technischer Designer entlassen wird; beide verdienen bei entsprechender Erfahrung etwa gleich gut und „belasten“ dadurch die Firmen- oder Haushaltsbilanz gleichermaßen. Und beide sind auch vergleichsweise flexibel, sich an neue Arbeitsbedingungen oder ein anders ausgerichtetes Unternehmensumfeld anzupassen.
Während es beim Designer allerdings rein volkswirtschaftlich betrachtet völlig unerheblich ist, ob er die aerodynamischen Anforderungen eines zu produzierenden Mittelklasse-Pkws in Einklang mit den jüngsten Designvorstellungen seiner Vorgesetzten bringt, oder ob er seine Fähigkeiten stattdessen lieber in die nächste Generation von Formel1-PC-Spielen steckt, ist es demgegenüber mittel- bis langfristig betrachtet entscheidend, ob der Ingenieur die zur Produktion des erwähnten Mittelklassewagens notwendigen CNC-Fräsen und KI-gesteuerten Roboter aus den schon bestehenden Produktionsstraßen der Vorgängermodelle lediglich weiterentwickelt, oder ob er stattdessen die Werkzeugmaschinen für eine Umrüstung des bisherigen Automobilwerks auf beispielsweise ein Transrapid-Werk konzipiert, das eine kontinentale Transformation der Gesamtverkehrsinfrastruktur einleiten könnte.
Kommen wir noch einmal zurück auf die Buchhaltungsseite der Unternehmens- bzw. Staatsführung: Wie gesagt gelten die derzeit bei den führenden Unternehmen und Beratungsfirmen angestellten Kostenkontrolleure gerade dann als besonders erfolgreich, wenn sie die ihnen zur Bearbeitung anvertrauten Bilanzen möglichst „nachhaltig verschlanken“, sprich: den Rotstift beim Personal ansetzen.
Und hier liegt bereits der Hase im Pfeffer! Denn allein schon die Wahrnehmung eines Produktivbeschäftigten als „Belastungsfaktor“ weist auf das Unverständnis oder besser die Falschinterpretation der Definition von Arbeit hin; viel mehr noch deutet diese Herangehensweise auf einen impliziten Raubbau an der Volkswirtschaft und damit der Gesellschaft hin, der unwillkürlich die Frage aufwirft, ob denn die bisherigen Beschäftigten, die nun (z.T. mit üppigen Abfindungen) in den Vorruhestand geschickt werden, davor nur Däumchen gedreht oder sogar mehr Schaden als Gewinn für ihre jeweiligen Unternehmen angerichtet haben.
Diese ehemaligen Angestellten werden wie Ware behandelt, die man je nach Geschäftslage hoch oder runter skalieren kann. Dabei wird offensichtlich davon ausgegangen, daß sie (wie die mit ihnen verglichene Ware) nicht umdenken können und damit nicht „umrüstbar“ seien, zumindest nicht mit kalkulierbarem Nettogewinn.
Lyndon LaRouche (US-amerikanischer Ökonom und Politiker, 1922-2019) identifizierte diese verquere Sichtweise bereits vor Jahrzehnten und definierte sie als das Leitmotiv des „Britischen Freihandels“, dem er das „Amerikanische System der politischen Ökonomie“ gegenüberstellte. Er zog dazu neben den entsprechenden Ausführungen Alexander Hamiltons (erster Finanzminister der USA, 1755-1804) und anderer Vertreter der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung auch gerne die Schriften des deutschen Ökonomen Friedrich List (Initiator des deutschen Zollvereins, Diplomat und Verleger, 1789-1846) heran, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Wirtschaftsberatern der US-Regierungen die Gefahr für deren Volkswirtschaft aufzuzeigen versuchte, sollten sie den Leitlinien eines Adam Smith (britischer Philosoph und Ökonom, 1723-1790) und Konsorten folgen und deren Freihandelsmaximen auf ihre erst aufkeimende Volkswirtschaft anwenden wollen.
Auch der derzeitige US-Präsident Donald Trump könnte hier noch eine Menge lernen, denn so nützlich eine Listsche Schutzzollpolitik damals für die US-Wirtschaft war, so schädlich ist sie für die hochentwickelte heute!
List hatte bei seinen Studien zur Anwendung der britischen Freihandelslehre auf die deutschen Wirtschaftsgegebenheiten erkannt, daß sie einer erst im Auf- und Ausbau begriffenen Volkswirtschaft mehr Schaden als Nutzen bringen würde, da letztere gegenüber einer entwickelten Volkswirtschaft wie der britischen zur damaligen Zeit nicht konkurrenzfähig wäre und deshalb über kurz oder lang einen Handelskrieg verlieren würde.
Die Briten nutzten Adam Smiths Theorien natürlich dazu, den Status Quo ihrer fortgeschrittenen Industrialisierung und somit führenden Wirtschaftskraft propagandistisch zu zementieren und dieser Lehre widersprechenden Ansätzen vorzubauen. Und da auch die deutschen Regionalfürsten bei einer zunehmenden Vernetzung und Industrialisierung der deutschen Länder um ihre Zolleinkünfte und Machtstrukturen fürchteten, hatte List einen schweren Stand mit seinen Plänen für einen deutschen Binnenmarkt als Grundlage einer raschen Industrialisierung und mußte nach mehrmonatiger Inhaftierung Deutschland sogar verlassen.
Glücklicherweise fielen seine Warnungen vor den Freihandelslehren in den noch jungen USA auf einen fruchtbareren Boden und wurden insbesondere von John Quincy Adams (US-Politiker und Diplomat, 6. US-Präsident, 1767-1848), Henry C. Carey (US-Ökonom, 1793-1879) und anderen führenden Ökonomen aufgegriffen und weiterentwickelt. Sie erkannten die entscheidende Notwendigkeit eines stetigen Fortschreitens der Industrialisierung jeder Volkswirtschaft durch Innovation und Modernisierung, wozu ein hochentwickeltes Bildungs- und Ausbildungssystem erforderlich ist.
Offenbar ist dieses sich damals allgemein durchsetzende Verständnis derzeit sowohl dies- wie auch jenseits des großen Teichs so weit in Vergessenheit geraten, daß es notwendig erscheint, erneut darauf hinzuweisen. Denn wenn die fortwährende Verbesserung der Produktivität einer Volkswirtschaft vernachlässigt wird, leidet natürlich in der Folge genauso ihr Gesamtoutput und damit die heimische Wirtschaftskraft und der Handel.
Und hier kann man dann die Dramatik genau beobachten: Sobald an der den Hauptindustriesparten vorgelagerten Entwicklungsabteilung gespart wird, wirkt sich das früher oder später direkt auf erstere aus. Das war auch immer LaRouches zentraler Indikator für eine florierende oder scheiternde Volkswirtschaft: Wenn der Maschinenbausektor stottert, bricht über kurz oder lang der gesamte Rest der Industrie zusammen!
Warum ist das so? Weil dieser Sektor die Innovationskräfte der gesamten Volkswirtschaft bündelt und in sich vereint. Und dies ist bzw. war auch die Stärke des deutschen Mittelstands: eine enge Verzahnung hochinnovativer kleinerer und mittlerer Unternehmen vorwiegend im Maschinenbausektor, die in Clustern an einzelnen Standorten vertreten sind und mit kurzen Wegen und persönlichen Bekanntschaften untereinander sofort auf Nachfrageveränderungen reagieren können. Und wenn diese Cluster durch Verlagerung der Produktion ins Ausland auseinandergerissen werden, so LaRouche, dann kann zwar für einen gewissen Zeitraum das aktuelle Produktionsniveau bei z.T. sogar reduzierten Kosten gehalten werden, das Innovations- und damit das Produktivitätsniveau hingegen nicht, weshalb die Anpassung an Marktveränderungen nicht mehr stattfindet und somit die gesamte jeweilige Industriesparte ins Hintertreffen gerät.
Wie mißt man dieses Innovations- und Produktivitätsniveau aber korrekt, sodaß man anhand von belastbaren Indikatoren aufzeigen kann, welche Veränderungsmaßnahmen im Produktions- und Dienstleistungsprozeß hilfreich und welche eher hinderlich sind? Oder um es deutlicher zu sagen: Warum war z.B. von vornherein vorhersagbar, daß die sog. „Energiewende“ weg von fossilen und nuklearen Energieträgern und hin zu sog. „Erneuerbaren“ zum Scheitern verurteilt war und ist? Warum setzten sich andererseits vor eineinhalb Jahrhunderten die Tüfteleien eines Carl Benz (Automobil-Pionier, 1844-1929) und eines Gottlieb Daimler (Automobil-Pionier, 1834-1900) schließlich gegenüber ihrer Hauptkonkurrenz – dem Lokomotivbau – durch, obwohl sie für die Entwicklung dessen, was später als „Verbrennungsmotor“ in die Annalen der Industriegeschichte einging, nur einen winzigen Bruchteil des „Risikokapitals“ in ihre „Startups“ stecken konnten, der ihren Wettbewerbern bei der Verbesserung der Dampfkraft zur Verfügung stand?
Das Zauberwort dafür heißt „Energieflußdichte“ und wurde von LaRouche ebenso präzise definiert wie deren Wirkung auf die „potentielle relative Bevölkerungsdichte“ einer Volkswirtschaft. Und hier kommt nun heute China ins Spiel. Was Franklin D. Roosevelts (32. US-Präsident, 1882-1945) Wirtschaftsstrategie in den 1930er Jahren für die USA (Elektrifizierung und Automatisierung) und das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit (hochinnovativer, engmaschig vernetzter Werkzeugmaschinenbau = Mittelstand) für Deutschland bedeutete, ist heutzutage der Erfolg Chinas: Institutionalisierung der Innovationskraft durch direkte Verzahnung von Forschung und Produktion direkt in den Fabriken unter sofortiger Anwendung der jeweils fortgeschrittensten KI-Technologien!
Abb. 1: Die in China entwickelte Magnetschwebebahn CF600 für
Geschwindigkeiten bis 650 km/h ist ein Beispiel dafür, wie China durch die
direkte Verzahnung von Forschung und Produktion technologisch an die Weltspitze
gerückt ist.
China macht sich also in zweifacher Hinsicht genau das zunutze, was im Westen einmal Usus war, jedoch inzwischen längst wegrationalisiert wurde: Zum einen wurden in Fernost genau die Produktionskapazitäten mit „günstigeren Lohnnebenkosten“ – also billigeren Arbeitskräften – aufgebaut, die im Westen abgebaut wurden, und zum zweiten übernahmen die chinesischen Unternehmen genau die enge Verzahnung von Entwicklung und Fertigung, die den Mittelstand hierzulande insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg so erfolgreich gemacht hatte (Abbildung 1).
Sollte man dies China zum Vorwurf machen? Keinesfalls! Es ist im Gegenteil allein China zu verdanken, daß die Weltwirtschaft nicht bereits völlig eingebrochen ist; und ein weltweiter (Wieder-)Aufbau auf das Produktivitätsniveau der 1980er Jahre und weit darüber hinaus gerade auch im Westen wird ohne oder gar gegen China nicht möglich sein.
Von immer mehr Ländern des Globalen Südens ist dies bereits klar erkannt worden und wird nun als Sprungbrett für die eigene Industrialisierung genutzt; im Westen warten wir zumindest bei den Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft bisher vergeblich auf diese Erkenntnis – auch hinsichtlich des Irrwegs der Militarisierung seit der „Zeitenwende“ eines Kanzlers Scholz und seines Nachfolgers Merz.
Was bedeutet nun also „Energieflußdichte“, und inwiefern trägt sie zur Steigerung bzw. Abnahme der „potentiellen relativen Bevölkerungsdichte“ bei?
In der Produktion einsetzbare Energie setzt sich aus ihrer zur Verfügung stehenden Menge und ihrer jeweiligen Leistungsstärke zusammen: Wenn beispielsweise Wasserkraft zum Antrieb eines Stromgenerators eingesetzt wird, ist nicht nur die reine Menge des zur Stromerzeugung genutzten Fließgewässers entscheidend (gemessen z.B. in m³/Sek.), sondern vor allem auch die Fallhöhe bzw. Fließgeschwindigkeit desselben und die Effizienz der genutzten Turbine(n). Deshalb holt eine moderne Francis-, Kaplan- oder Pelton-Turbine bei vergleichbaren Flußbedingungen (Fallhöhe und Durchflußmenge) ein Vielfaches an Leistung gegenüber einem alten Holzmühlrad heraus.
Was also die Ampelkoalition in Berlin und Frau von der Leyen in Brüssel mit ihrem sturen Fokussieren auf Sonne und Wind in Schwierigkeiten gebracht hat, ist nicht die zu zögerliche „Hochskalierung“ der „Energiewende“. Denn sonst könnte man darauf hoffen, daß sich diese Sturheit allmählich monetär bemerkbar machen und der weitere Ausbau der Windparks und Solarkraftwerke früher oder später durch günstigen Strom auszahlen werde. Aber gerade das Gegenteil ist der Fall! Deutschland, das die EU-Vorgaben des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) am raschesten und „vorbildlichsten“ umsetzt, hat die höchsten Energiepreise zu verzeichnen.
Warum? Nicht etwa, weil der böse Russe den Gashahn zugedreht hat (was im übrigen von deutscher Seite eingeleitet und angeblich mit „freundlicher Unterstützung“ einer kleinen Segeljacht in der Ostsee vollendet wurde, die märchengleich zur richtigen Zeit am falschen Ort gesichtet ward – die Strompreise hatten allerdings bereits viel früher massiv angezogen), sondern weil es wie gesagt eben nicht nur auf die Menge, sondern vor allem auf die Leistungsdichte (und in diesem Fall auch auf die Grundlastfähigkeit, also gleichbleibend abrufbaren Strom) des genutzten Energieangebots ankommt. Je weiter die „Erneuerbaren“ in Deutschland und der EU ausgebaut werden und damit die fossilen und nuklearen Energieträger an den Rand drängen, desto teurer und unzuverlässiger wird das Stromangebot werden!
(Daran werden im übrigen auch keine noch so komplizierten und umweltfreundlichen Speicheroptionen etwas Grundlegendes ändern können, weil bei der Umwandlung und späteren Rückumwandlung des „nachhaltig“ erzeugten Stroms in „grünen“ Wasserstoff oder Pumpspeicherstauseen stets ein erheblicher Kapazitätsverlust entsteht.)
Um das oben angeführte Beispiel noch einmal aufzugreifen: Selbst wenn man den gesamten Rheinfall bei Schaffhausen mit Holzmühlrädern zupflastern würde, würde die daraus gewonnene Energie dennoch keine einzige der zur Herstellung von Francis-, Kaplan- oder Pelton-Turbinen genutzten modernen Guß- und Schweißmaschinen oder zur Oberflächenoptimierung notwendigen Industrielaser in Gang setzen. Und selbst die Herstellung von Solarpaneelen erfordert eine Energiedichte, die Solarzellen nicht erzeugen können!
Abb. 2: Die Energieflußdichte ist ein entscheidender Faktor, der über die
Wirtschaftlichkeit verschiedener Technologien entscheidet.
LaRouches Überlegungen hierzu betrachten sowohl die im Laufe der Menschheitsgeschichte erschlossenen und genutzten Energieträger (Holz, Holzkohle, Steinkohle, Erdöl und -gas, Kernspaltung usw.) und die dadurch angetriebenen Produktions- und Transportverfahren als auch deren jeweilige Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft bzw. Gesellschaft (Abbildung 2)
Zum ersteren Bereich gehört z.B. die Erfahrung, daß die zum Schmelzen von Eisenerz notwendigen Temperaturen nicht nur ganz speziell geformte Brennöfen erfordern, sondern auch den höheren Brennwert von Holz- oder besser Steinkohle gegenüber dem zuvor verwendeten Brennholz.
Die Steinkohle wiederum hat zwar die gesamte Industrialisierung nicht nur Europas ermöglicht, indem sie in rauhen Mengen in Dampfkraftwerken und -lokomotiven verfeuert wurde, sie schaffte es aber nicht, auch nur ein einziges Flugzeug vom Boden weg zu bringen; dafür waren dann die Erschließung, Raffinierung und Verbrennung von Erdöl nötig. Dieser Zusammenhang wurde von LaRouche als „Energieflußdichte“ bezeichnet und sollte von den Beratern der deutschen und EU-Regierungen endlich wieder studiert werden!
Dieser Begriff betrifft die von LaRouche „potentielle relative Bevölkerungsdichte“ betitelte Maßeinheit, die noch etwas komplizierter zu verstehen ist, jedoch umso wichtiger für das Fortbestehen der Menschheit. Sie mißt die maximale Bevölkerungszahl, die pro Flächeneinheit versorgt werden kann (gemessen z.B. in Personen/km²).
Diese Größe variiert selbstverständlich aufgrund gleich mehrerer Faktoren: Zunächst natürlich der Fruchtbarkeit des Bodens und der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Daher der Begriff „relativ“ als gemittelter Wert über die betrachtete Gesamtfläche hinweg. Denn selbstverständlich läßt sich aus dem felsigen Grund im Hochgebirge viel weniger Landwirtschaftsertrag herausholen als aus dem fruchtbaren Boden des Flachlands. Umgekehrt verhält es sich normalerweise bei den mineralischen und erzhaltigen Bodenschätzen.
Während beispielsweise die Zentralukraine mit ihrer Schwarzbodenerde und dem milden Klima die weltweit besten Landwirtschaftserträge liefern kann (wenn sie nicht gerade durch Krieg oder Bodenspekulation daran gehindert wird), jedoch relativ wenige Bodenschätze zu bieten hat, sieht das in weiten Teilen des russischen Fernen Ostens genau umgekehrt aus. Beides ist indes für einen annehmbaren Lebensstandard einer Bevölkerung unabdingbar, weshalb es Sinn macht, durch Handel und Transport einen Austausch der jeweils über den Eigenbedarf hinaus produzierten Güter herzustellen.
Abb. 3: Der Punt du Gard ist der besterhaltene römische Aquädukt, würde aber
heutigen Ansprüchen an die Trinkwasserversorgung nicht mehr genügen.
Zusätzlich muß hier die jeweilige Bevölkerungsdichte betrachtet werden, die zur Entwicklung und Umsetzung entsprechender Produktionsverfahren erforderlich ist, weshalb LaRouche hier auch nach Klärung des verwendeten Adjektivs „potentiell“ verlangt. Denn gehörte beispielsweise zu einem annehmbaren Lebensumfeld zur Zeit und in den Ansiedlungsregionen der Römer stets das mittels Aquädukten (Abbildung 3) und ähnlichen Einrichtungen permanent zur Verfügung stehende Frischwasser, um ihre öffentlichen Bäder und Latrinen zu versorgen, während man damals in den übrigen Gebieten Europas mit den natürlichen Gewässern oder bestenfalls Brunnen zufrieden war, so würde man heutzutage nicht nur in Rom die Nase rümpfen und sich bei den entsprechenden Behörden beschweren, wenn neben öffentlichen Bädern nicht auch private Toiletten und fließendes Trinkwasser in jedem Haushalt zur Verfügung stünden.
Für die Herstellung eines Brunnens werden jedoch viel weniger Arbeitskräfte benötigt als für den Bau eines Aquädukts, der wiederum weniger arbeitsintensiv als eine moderne Trinkwasserversorgung ist. Um die Arbeitskräfte dieser Infrastrukturen der jeweiligen Entwicklungsstufe an Ort und Stelle sowie in den für den Bau der Gesamtanlagen genutzten Werkstätten mit allem Lebensnotwendigen zu versorgen, war wiederum eine im Vergleich zum vorangegangenen Technologieniveau ansteigende Bevölkerungsanzahl pro Flächeneinheit erforderlich.
„Potentiell“ steht hier für die theoretisch größtmögliche Bevölkerungsdichte, die bei der Installation und Anwendung aller jeweils effizientesten zur Verfügung stehenden Technologien pro Flächeneinheit versorgt werden kann. Je höher die jeweilige Entwicklungsstufe der betrachteten Gesellschaften anwuchs, desto enger rückten sie auch zusammen. Man kann also in erster Näherung von der Bevölkerungsdichte implizit auf ihren Entwicklungsstand schließen.
Dies läßt sich auch gut an der zunehmenden Gesamtbevölkerung Europas über die letzten 3000 Jahre hinweg ablesen: Von Kleinfamilienverbänden wuchsen die Siedlungen über die Jahrhunderte zu Dörfern, größeren Ortschaften und schließlich Städten heran, die sich zu Fürstentümern und letztendlich zu Großnationen zusammenfanden.
Zu Zeiten eines antiken Athens oder Roms wären viele Technologien mangels ausreichender Bevölkerungsdichte gar nicht anwendbar gewesen, die während der Industrialisierung im vorletzten Jahrhundert, der Automatisierung im letzten oder der Digitalisierung in diesem Jahrhundert gang und gäbe waren und sind, selbst wenn sie damals schon erfunden gewesen wären.
Hierbei definiert sich der oben verwendete schwammige Begriff „annehmbar“ als relative Bezugsgröße im Vergleich zu anderen Gesellschaften und Entwicklungsphasen der Menschheit. Die durchschnittliche Bauernfamilie im Mittelalter in Mitteleuropa hatte eine andere Vorstellung von „annehmbaren Lebensumständen“ als ihre Vorfahren im Altertum ebenso wie ihre Nachfahren heutzutage.
Die weiter oben erwähnten Denker und Tüftler wurden allesamt keineswegs zur Entwicklung ihrer Erkenntnisse gezwungen, und wahrscheinlich hätten die meisten von ihnen ein entspannteres Leben führen können, wenn sie sich nicht geradezu in ihre Studien und Überlegungen verbissen und sie gegen den z.T. erheblichen Widerstand ihrer Zeitgenossen verteidigt hätten, anstatt sich dem jeweils vorherrschenden Denkmuster ihrer Zeit unterzuordnen.
Wer oder was trieb sie also zu ihren Überlegungen an? Die zutiefst menschliche Triebkraft Neugier! Diese Triebkraft, die die Natur oder den menschlichen Geist noch besser verstehen will, als die bis dato errungenen Erkenntnisse es ermöglichen, treiben einzelne Individuen unserer Spezies Mensch immer wieder zur Untersuchung derjenigen Paradoxa an, die ihnen ein bisher unvollkommenes Verständnis der entsprechenden Sachbereiche aufzeigen, mit denen sie sich gerade auseinandersetzen. Ihre daraus entwickelten neuen Hypothesen über eine eventuell bessere Erklärung der natur- oder geisteswissenschaftlichen Phänomene können anschließend zu wissenschaftlichen Entdeckungen führen, die wiederum als Grundlage für neue Technologien oder Strategien dienen. Und eine Gesellschaft, die diese zielgerichtete Herangehensweise an Problemstellungen in ihrem Bildungs- und Ausbildungssystem fördert, wird über kurz oder lang entscheidend zum menschlichen Fortschritt beitragen, wie in den letzten Jahren unschwer am Aufstieg Chinas zur technologischen Weltmacht zu beobachten war.
Ob wir das hierzulande nun gerne hören wollen oder nicht: Wenn wir diese Erkenntnis nicht möglichst rasch auch für unsere Gesellschaft und unser Bildungssystem verinnerlichen und entsprechend umsetzen, werden wir, ebenso wie die chinesische Gesellschaft in den eineinhalb Jahrhunderten vor diesem rasanten Aufstieg, immer tiefer in einen Lebensstandard abrutschen, der keinesfalls mehr als „annehmbar“ empfunden werden wird!
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