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Neue Solidarität
Nr. 3-4, 15. Januar 2026

Deutsche Industrie im freien Fall

Von Tobias Faku

Aus der deutschen Industrie kommen immer wieder schlechte Nachrichten, da praktisch alle wichtigen Branchen – Maschinenbau, Automobilindustrie, Stahlindustrie und Chemieindustrie – zusammenbrechen. Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Peter Leibinger, schlägt in einem neuen Bericht Alarm.1 Er sagt, die deutsche Industrie befinde sich im „freien Fall”, und warnt, dies sei „die tiefste Krise in der Nachkriegsgeschichte”. Die Industrieproduktion ist seit vier Jahren in Folge rückläufig. 68% der Unternehmen planen, in den nächsten fünf Jahren einen Teil oder ihre gesamte Produktion ins Ausland zu verlagern.

All dies ist das Ergebnis jahrzehntelanger fehlgeleiteter Politik, die insbesondere seit der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) die Energieversorgung sabotiert und die Produktion in Deutschland für immer mehr Unternehmen zunehmend erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht hat.

Die Energiewende hin zu sogenannten erneuerbaren Energien ist einer der Hauptgründe für den Exodus der industriellen Produktion; allein im Jahr 2024 gingen 100.000 Arbeitsplätze in der Industrie verloren – und dieser Trend hält an; im Jahr 2025 gingen monatlich mehr als 10.000 Arbeitsplätze verloren. Die Energiekrise wurde durch die Bombardierung der NordStream-Pipeline am 22. September 2022 weiter verschärft, aber bis heute scheint die Regierung wenig Interesse daran zu haben, die Umstände zu untersuchen. Als beispielsweise im Oktober 2025 ein polnischer Richter die Auslieferung eines ukrainischen Staatsbürgers, der der Bombardierung verdächtigt wurde, ablehnte und der polnische Ministerpräsident Donald Tusk auf seinem X-Account „Fall abgeschlossen“ postete, gab es nicht einmal einen Hauch von Protest aus Deutschland, obwohl die Sabotage in Deutschland Schäden in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro verursacht hatte.

Kosten der Energiewende

Im Vergleich zu den Kosten der Energiewende erscheint diese Summe jedoch wie Peanuts.

Eine von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Schluß, daß die Energiewende in den nächsten 20 Jahren zusätzliche Kosten in Höhe von 2,5 Billionen Euro verursachen wird. Wenn die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz, wie angekündigt, bis 2045 die gesamte Primärenergie Deutschlands aus Wind- und Sonnenenergie gewinnen will, wird Deutschland rasch deindustrialisiert werden.

Der physische Aufwand für die Stromerzeugung steht in direktem Zusammenhang mit der Energiedichte des für die Produktion verwendeten Energieträgers. Die Materialkosten für die Erzeugung und Verteilung von Solar- und Windenergie sind relativ hoch, sodaß nur Subventionen und Marktmanipulationen sie gegenüber energiedichten Quellen wie der Kernenergie wettbewerbsfähig machen könnten. Ein Kernkraftwerk erzeugt beispielsweise die Energie, die für den Bau des Kraftwerks benötigt wurde, innerhalb von nur einer Woche, während dies bei Solarenergie Jahre dauert.

Das ist nur ein Teil des Problems. Aufgrund der Wetterabhängigkeit von Solar- und Windkraftanlagen müssen im Stromnetz immer Reservekraftwerke in Bereitschaft gehalten werden; dies führt zu hohen Kapital- und Wartungskosten, die den Strom aufgrund der geringen Auslastung dieser Anlagen verteuern. Bis zum Jahr 2000 verfügte Deutschland über eine Stromversorgung, die ein relativ hohes Maß an Selbstversorgung und Souveränität gewährleistete: 29% wurden durch Kernkraft, 26% durch heimische Braunkohle und 24% durch Steinkohle (Anthrazit) erzeugt.

Damals lag der Preis für Industriestrom noch bei 5-6 Cent/kWh und für Privatkunden bei 14-15 Cent/kWh. Heute, im Jahr 2025, zahlen Privatkunden durchschnittlich 39,7 Cent/kWh – nachdem bereits 270 Milliarden Euro an direkten Subventionen von der deutschen Regierung an die Produzenten „erneuerbarer Energien” geflossen sind (siehe Abbildung 1).

© Tobias Faku
Abb. 1: Länder, die stark auf Solar- und Windenergie angewiesen sind,
wie beispielsweise Dänemark, haben hohe Energiepreise.
Datenquellen: Strompreise für Privathaushalte (Durchschnitt 2023–2025, einschließlich Steuern) von GlobalPetrolPrices.com und nationalen Regulierungsbehörden. Anteil von Solar- und Windenergie an der Stromerzeugung (vorläufige Zahlen für 2024) von Ember Climate, Fraunhofer ISE, RTE, Tennet und anderen nationalen Netzbetreibern.

Aufgrund der dezentralen Stromerzeu­gung durch über das ganze Land verteilte Anlagen steigen auch die Kosten für das Stromnetz sprunghaft an: Privathaushalte zahlen mittlerweile durchschnittlich 11,53 Cent/kWh allein für Netzentgelte.

Die Energiewende wird Billionen kosten

Nicht einmal die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, scheint daran zu glauben, daß diese horrenden Preise sinken werden. Bei der Vorstellung des Monitoring-Berichts zur Energiewende wurde deutlich, daß sich die Kosten für den Netzausbau in den nächsten 15 Jahren auf rund 800 Milliarden Euro belaufen werden. Die wetterabhängige Energieerzeugung erfordert den Ausbau riesiger Überkapazitäten in der Stromerzeugung, -speicherung und -verteilung, die verfügbar sein müssen, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Dazu gehört auch der geplante Bau gigantischer Batteriespeicher. Das bedeutet, daß die Anlagen ineffizient genutzt werden und die Systemkosten exorbitant steigen werden.

Die Bundesregierung will nun mit weiteren Subventionen den Bau neuer Gaskraftwerke fördern, die aufgrund der zu erwartenden geringen Auslastung sonst nicht rentabel wären. Die beabsichtigte Nutzung von Wasserstoff zur Langzeitspeicherung ist teuer, komplex und ineffizient, da 60% der Energie bei der Umwandlung verloren gehen.

Energie und Fortschritt

Energie ist der zentrale Faktor für den menschlichen Fortschritt, da sie den Zugang zu Technologie ermöglicht und die Lebenserwartung erhöht (siehe Abbildung 2).

© Tobias Faku
Abb. 2: Die Abbildung zeigt die Korrelation zwischen dem jährlichen Pro-Kopf-Stromverbrauch in kWh und der Lebenserwartung in den einzelnen Ländern.
Datenquelle: Weltbank: Lebenserwartung (2023) und Pro-Kopf-Stromverbrauch (2021–2022).

Bereits in den 1970er Jahren beschrieb der amerikanische Ökonom Lyndon LaRouche den Zusammenhang zwischen der energetischen Arbeit pro Kopf und pro Quadratkilometer und der daraus resultierenden potentiellen relativen Bevölkerungsdichte,2 der maximal dauerhaft möglichen Bevölkerungszahl. Der Mensch kann also seine Beziehung zur Natur durch den Aufbau von Infrastruktur verändern. Um beispielsweise die globale Ausbreitung von Wüsten zu stoppen, kann die Menschheit moderne Meerwasser-Entsalzungstechnologien für die Begrünung von Wüsten einsetzen.

Dies ist jedoch nur durch eine Steigerung der Arbeitseffizienz des einzelnen zu erreichen, nämlich durch eine Erhöhung der Energieflußdichte pro Kopf und pro Quadratmeter und durch die Nutzung hochwertigerer Energieformen.

LaRouche stellte diese These dem Betrug des Club of Rome gegenüber, der in seinen Computersimulationen Anfang der 1970er Jahre bewußt die Rolle des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts ausklammerte, um seine These der Überbevölkerung zu „beweisen” und eine radikale Einschränkung des Rohstoffverbrauchs zu fordern.

Ein besonders radikaler Befürworter des Unsinns des Club of Rome war der wichtigste Energieberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Hans Joachim Schellnhuber, damals Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und des Bundesbeirats für Energie. Er erklärte öffentlich seine Überzeugung, die Tragfähigkeit der Erde betrage nur eine Milliarde Menschen. Was mit dem Rest der Menschheit geschehen solle, ließ er offen.3

Die malthusianischen Ideologen sind auch dafür verantwortlich, daß Deutschland eigenhändig einen Großteil seiner konventionellen Stromerzeugung zerstört hat. 29 Prozent davon waren sichere und effiziente Kernkraftwerke, die durch die Sprengung von Kühltürmen und das Bohren von Löchern in die Druckwasserbehälter zerstört wurden.

Die Angst vor Strahlung

Viele der heute noch vorherrschenden Theorien über die angebliche Gefahr niedrig dosierter ionisierender Strahlung basieren auf alten, rein dogmatischen Behauptungen, die in den 1940er und 1950er Jahren von Eugenikerkreisen um den US-Biologen Hermann Muller aufgestellt wurden, der mit Hilfe von Fördermitteln der Rockefeller Foundation die „linear no-threshold“-Theorie (LNT) zum Regulierungsstandard machte.

Die LNT-Theorie besagt, die Schädigung des Erbguts durch Strahlung wachse linear mit der Strahlungsintensität, unabhängig von der Dauer der Exposition. Es sei daher irrelevant, ob die Exposition über einen langen Zeitraum mit einer niedrigen Dosis oder über einen kurzen Zeitraum mit einer hohen Dosis erfolgt, und es wird kein Schwellenwert berücksichtigt.

Die Untersuchung der Archive und Korrespondenz dieses Netzwerks um Hermann Muller durch den Toxikologen Prof. Edward J. Calabrese brachte ans Licht, wie die Öffentlichkeit durch gezielte Panikmache und Manipulation sowie durch das Verschweigen relevanter wissenschaftlicher Daten dazu gebracht wurde, die These zu akzeptieren, Strahlung stelle selbst in kleinsten Dosen eine unmittelbare Gefahr für den Menschen dar.4

Der berühmte polnische Strahlenbiologe Zbigniew Jaworowski erklärte: „Die LNT-Hypothese ist der größte wissenschaftliche Skandal des 20. Jahrhunderts.“ Die weit verbreitete Akzeptanz der unwissenschaftlichen Theorien des Club of Rome ist maßgeblich für den derzeitigen Rückstand Europas im wissenschaftlichen Fortschritt verantwortlich.

Der chinesische Ansatz

© Tobias Faku
Abb. 3: Pro-Kopf-Stromerzeugung: China vs. Europa (2004–2024)
Das explosive Wachstum der chinesischen Pro-Kopf-Stromerzeugung im Gegensatz zum langsamen Rückgang der europäischen Stromerzeugung.
Datenquellen: Synthetische Daten basierend auf NBS China, Eurostat, BP Statistical Review und Ember (2004–2024).

Obwohl China weltweit führend ist im Ausbau sogenannter erneuerbarer Energien, setzt es auf einen „Mix“, da das Land den Wert zuverlässiger Grundlastkraftwerke versteht und ein Stromnetz aufgebaut hat, das stark auf Kohle (55,3% der Stromerzeugung, Okt. 2024 bis Sept. 2025), Erdgas und Öl (2,9%), Kernspaltungsenergie (4,6%) und Wasserkraft (13,7%) aufbaut, und es ist weltweit führend bei der Entwicklung der Kernfusion.

Die China Energy Engineering Group Co. (CEEC) plant, bis zu 100 GW der Kapazität von Kohlekraftwerken durch Thorium-basierte Schmelzsalzreaktoren der vierten Generation zu ersetzen. Während ein 1.000-MWe-Kohlekraftwerk derzeit rund 9.000 Tonnen Kohle pro Tag verbrennt, benötigen die neuen Kernreaktoren mit ähnlicher Kapazität lediglich 3 kg Uran oder Thorium pro Tag. Dies verdeutlicht den qualitativen Unterschied in der Energiedichte der beiden Brennstoffe.

Eine weitere Option für die Umrüstung von Kohlekraftwerken, die in China verfolgt wird, ist der Kugelhaufenreaktor – eine Technologie, die in den 1970er Jahren in Jülich entwickelt wurde, aber in Deutschland aus „politischen Gründen” nicht umgesetzt werden konnte.

Beide Reaktortypen sind selbststabilisierend und daher von Natur aus sicher, selbst in einem Fukushima-Szenario – d.h. selbst bei einem vollständigen Ausfall der Notstromaggregate. Für die Notabschaltung ist keine externe Stromversorgung erforderlich, und die Nachwärme kann passiv abgeführt werden.5

Wenn Ministerin Reiche wirklich das Ziel erreichen will, einen Fusionsreaktor in Deutschland zu bauen, wie sie behauptet, dann muß die Konfrontation mit China aufgegeben werden. Schließlich ist China weltweit führend in der Entwicklung von Hochtemperatur-Supraleitern für Magnete, die für zukünftige Fusionsreaktoren mit hoher Energieflußdichte unerläßlich sind. Erst kürzlich hat China den Weltrekord für ein konstantes supraleitendes Magnetfeld von 35,1 Tesla gebrochen, das 30 Minuten lang aufrechterhalten wurde.

Was wir brauchen, ist eine globale Allianz für die gemeinsame Entwicklung und Nutzung der Kernfusion.


Anmerkungen

1. Industriebericht Dezember 2025, Internetseite des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

2. Die maximale Bevölkerungsdichte pro Flächeneinheit hängt vom technologischen Niveau der Gesellschaft, dem Pro-Kopf-Energieverbrauch sowie der Qualität dieser Energie ab. Der Zusatz „relativ” beschreibt den Faktor der Qualität des Landes (Bodens), der durch Infrastruktur verbessert werden kann.

3. „Auf sehr zynische Weise ist es ein Triumph für die Wissenschaft, denn wir haben endlich etwas stabilisiert – nämlich die Schätzungen der Tragfähigkeit des Planeten auf weniger als eine Milliarde Menschen.” Eine Aussage von Hans Joachim Schellnhuber, wie in der New York Times vom 13. März 2009 berichtet.

4. Mullers Betrug wurde am 19. Juli 2023 in einem Artikel von Edward J. Calabrese mit dem Titel „Confirmation that Hermann Muller was dishonest in his Nobel Prize” aufgedeckt.

5. Während des Baus des Reaktors in Fukushima wurden Fehler gemacht – beispielsweise wurden das Risiko einer durch einen Tsunami verursachten Überschwemmung nicht ausreichend berücksichtigt und die externe Stromversorgung und die Notstromaggregate nicht ordnungsgemäß gesichert.

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