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Von William Jones
Der EIR-Raumfahrtexperte William Jones kommentiert, wie die Artemis-Mondmission wieder das Beste der Vereinigten Staaten fördern kann.
Nach einer Reise um den Mond und einer Strecke von 400.000 Kilometern von der Erde – der größten Entfernung von der Erde, die ein Mensch je zurückgelegt hat – wurden die Artemis-II-Astronauten am 10. April aus ihrer Kapsel geborgen, nachdem diese in den Pazifischen Ozean eingetaucht war. Es war das erste Mal seit 1972, also seit 54 Jahren, daß wieder Menschen um den Mond flogen.
Für viele, die es damals miterlebt haben, weckte Artemis II wahrscheinlich viele nostalgische Erinnerungen an frühere Missionen, aber für die Mehrheit der Amerikaner, die nach 1972 geboren wurden, war es die erste Gelegenheit, einen bemannten Flug zum Mond und zurück zu verfolgen. Die Begeisterung unter den Zuschauern war greifbar. Die Astronauten flogen mit dem von der NASA entwickelten Space Launch System (SLS), dem leistungsstärksten Triebwerk der Welt, das sogar die Saturn-V-Rakete übertrifft, die 1969 den Menschen zum Mond brachte.
Artemis II ist die zweite Phase einer Mission mit dem Ziel, wieder Menschen auf den Mond zu bringen. Das war in den letzten Jahrzehnten immer eines der längerfristigen Ziele der NASA gewesen, doch erst die Ankündigung Chinas und Rußlands 2021, eine internationale Forschungsstation auf dem Mond errichten zu wollen, veranlaßte die Vereinigten Staaten, die Rückkehr zum Mond als konkretes Ziel anzugehen.
Mit der Ernennung von Jared Isaacman – einem Risikokapitalgeber mit Erfahrung als privater Astronaut – zum NASA-Administrator im Dezember 2025 wurde die Mondmission auf die „Schnellspur“ gebracht.
Isaacman warf das bis dahin gültige NASA-Mondprogramm Gateway – für die Einrichtung einer Station in der Mondumlaufbahn, um Menschen zwischen Erde und Mond hin und her zu befördern, über Bord – und setzte statt dessen auf den
raschen Bau einer Mondstation bis 2030. Im Dezember 2025 legte Präsident Donald Trump das Jahr 2028, noch vor dem Ende seiner Amtszeit, als Zeitplan für die Rückkehr der NASA zur Mondoberfläche fest. Ob dieser politisch motivierte Termin genügend Zeit läßt, um alle notwendigen Vorbereitungen für eine erfolgreiche – vor allem sichere – Mondlandung zu treffen, bleibt abzuwarten.
Derzeit ist geplant, daß Artemis III, dessen Start nächstes Jahr vorgesehen ist, einige Zeit in der erdnahen Umlaufbahn verbringt, um die Kopplung zwischen der Raumkapsel Orion und dem Mondlander Starship, den SpaceX entwickelt, zu testen. Die Tests in der Erdumlaufbahn werden mit den Andock- und Lebenserhaltungssystemen durchgeführt. Starship befindet sich noch in der Entwicklung. Außerdem muß Starship unbemannt eine Landung und einen Start von der Mondoberfläche durchführen, bevor man Menschen sicher dorthin bringen kann.
Laut diesem politischen Zeitplan soll Artemis IV im Frühjahr 2028 eine Besatzung zum Mond bringen, gefolgt von einer weiteren, größeren Besatzung später in dem Jahr mit Artemis V. Dies ist als Beginn regelmäßiger Expeditionen zum Mond zur Vorbereitung einer Mondbasis gedacht.
Es versteht sich von selbst, daß sich all dies noch in der „Entwurfsphase“ befindet, und es herrscht große Skepsis, ob sich der enge Zeitplan halten läßt. Dennoch, die Entscheidung ist gefallen, und der Mond ist jetzt das Ziel, wie lange es auch dauern mag.
Schon jetzt sorgt die Mission für große Begeisterung. Nachdem wir monatelang mit endlosen schrecklichen Nachrichten bombardiert wurden – Kriege, Konflikte, Völkermord in Gaza und Trumps Drohung, eine ganze Zivilisation zurück in die Steinzeit zu bomben –, war die triumphale Rückkehr der vier Astronauten von ihrer Reise zum Mond wie ein Licht am Ende eines sehr dunklen Tunnels. Für Amerikaner, die sich noch persönlich an die goldene Ära der US-Raumfahrt erinnern, brachte es ein neues Gefühl, was es im besten Sinne bedeutet, Amerikaner zu sein. Und für alle diejenigen, die es zum ersten Mal erlebten, war es wie der Anbruch eines neuen Zeitalters, das unvorhergesehene Möglichkeiten eröffnet.
Obwohl das Artemis-Programm mit einer klaren geopolitischen Ausrichtung begonnen hat, geht die eigentliche Natur des Vorhabens über alle kurzfristigen politischen Ziele hinaus. Der Traum der Menschheit, die Erde zu verlassen und zu anderen Planeten zu reisen, ist vielleicht so alt wie die Welt; die Vorstellung, daß die Menschheit ihren „Geburtsort“ hier auf der Erde verlassen und auf anderen Planeten eine neue Heimat errichten könnte, um so zu einer „außerirdischen Spezies“ zu werden, ist ein wiederkehrendes Thema in Literatur und Poesie. Doch erst im letzten Jahrhundert begann die Menschheit, die dafür erforderlichen technologischen Fähigkeiten zu entwickeln. „Von den Seiten von Jules Verne bis zu einer modernen Mission zum Mond“, so beschrieb der NASA-Kommentator Rob Navias die Wasserung von Artemis.
Jules Vernes 1865 erschienener Roman Von der Erde zum Mond war die erste technische Beschreibung einer Flugbahn zum Mond, die Herman Oberth 60 Jahre später zu seinen bahnbrechenden Arbeiten darüber anregte, wie man die Erde mit Raketen verlassen kann, anstelle von mit Vernes illusorischer Vision, ein Raumfahrzeug aus einer Kanone zu schießen. Und der Mond ist nur der erste Schritt des Menschen ins Sonnensystem. Wie einst der bekannte Raumfahrtingenieur Krafft Ehricke sagte, der mehr für die Erforschung des Mondes – und dessen künftige Industrialisierung – getan hat als jeder andere Wissenschaftler: „Wenn Gott gewollt hätte, daß der Mensch in den Weltraum geht, hätte er ihm einen Mond gegeben.“ Die Nähe des Mondes zur Erde eröffnet dem Menschen die Möglichkeit, diese große Reise zu beginnen.
Auch den Artemis-Astronauten war die wahre Natur dieses Vorhabens sehr bewußt. Vor dem Start der Mission sagte der Kommandant von Artemis II Reid Wiseman: „Wir machen das für die gesamte Menschheit.“ Und ein großer Teil der Menschheit verfolgte gespannt den Verlauf der Mission.
Die Artemis-II-Crew (im Uhrzeigersinn von links): Missionsspezialistin
Christina Koch, Missionsspezialist Jeremy Hansen, Kommandant Reid Wiseman und Pilot Victor Glover.
Die Besatzung von Artemis II hat am 6. April 2026 diesen Blick auf die
untergehende Erde eingefangen.
Dieser Geist wurde auch deutlich von den Artemis-II-Astronauten vermittelt, als sie sich nach ihrer Mission an die Öffentlichkeit wandten. Bei ihren Ansprachen im Johnson Space Center in Houston waren die vier tief bewegt, und der Pilot Victor Glover dankte Gott für die Gelegenheit, diese Mission zu fliegen. Die Verbundenheit der Besatzung während dieser Erfahrung schuf ein einzigartiges Band zwischen ihnen, das sie, wie sie sagten, ihr Leben lang begleiten wird. Ihnen war auch sehr bewußt, wie sich diese Mission und ihre Begeisterung für sie auch in den NASA-Mitarbeitern vor Ort und bei den Internet-Zuschauern in aller Welt widerspiegelten.
Christina Koch versuchte einen Eindruck zu vermitteln, was eine „Crew“, eine Besatzung im All, von einem gewöhnlichen „Team“ unterscheidet: „Eine Crew ist … eine Gruppe, die immer dabei ist, egal was passiert; die jede Minute gemeinsam auf dasselbe Ziel hinarbeitet; die bereit ist, sich still für einander aufzuopfern; die Gnade walten läßt; die Rechenschaft ablegt“, sagte Koch. „Eine Crew hat die gleichen Sorgen und die gleichen Bedürfnisse, und eine Crew ist unausweichlich auf wunderschöne, pflichtbewußte Weise miteinander verbunden.“
Sie sprach dann über das überwältigende Erlebnis, die Erde aus dieser Entfernung in der unendlichen Finsternis des Alls zu betrachten: „Die Erde war einfach dieses Rettungsboot, das ungestört im Universum schwebte.“ Von Emotionen überwältigt, hielt sie einen Moment inne, und nachdem sie sich wieder gefaßt hatte, sagte sie: „Ich habe vielleicht nicht alles gelernt, ich weiß, daß ich noch nicht alles gelernt habe, was mir diese Reise noch beibringen wird. Aber es gibt eine neue Erkenntnis. Und die lautet: Planet Erde, du bist eine Crew!“
Jeremy Hansen, der Kanadier an Bord, sprach auch über den Zusammenhalt innerhalb der Crew und das Element der Freude und Liebe, das ihren Geist prägte. Als letzter Redner der Veranstaltung lud er kurz vor Schluß seiner Ausführungen den Rest der Crew ein, von ihren Plätzen aufzustehen und sich neben ihn zu stellen. Nachdem sie sich umarmt hatten, sagte er an das Publikum gerichtet:
„Was ihr gesehen habt, war eine Gruppe von Menschen, die es liebten, einen sinnvollen Beitrag zu leisten und Freude daran zu haben. Und wir haben gehört, daß es für euch etwas besonderes war, das mitzuerleben. Und der Grund, warum ich sie hierher zu mir gebeten habe, ist der, daß ich euch sagen möchte: Wenn ihr hierher schaut, schaut ihr nicht auf uns. Wir sind ein Spiegel, der euch widerspiegelt. Und wenn euch gefällt, was ihr seht, schaut einfach etwas genauer hin. Das seid ihr.“
Daraufhin erhob sich das gesamte Publikum zu tosendem Applaus.
Auch der Kommandant der Mission, Reid Wiseman, fand ermutigende Worte für die zukünftigen Astronauten im Saal. „Es ist an der Zeit, loszuziehen und bereit zu sein“, sagte Wiseman im Hinblick auf die Zukunft der Raumfahrt. „Denn es erfordert Mut. Es erfordert Entschlossenheit. Und ihr alle werdet verdammt noch mal losziehen, und wir werden euch bei jedem einzelnen Schritt auf jede erdenkliche Weise unterstützen.“
Sogar NASA-Chef Isaacman fand für die Gelegenheit sehr passende Worte und merkte an, die Artemis-II-Mission werde immer in Erinnerung bleiben, denn es sei der Moment gewesen, in dem die Besatzung und Menschen auf der ganzen Welt den Mond wieder sahen, „wo Kindheitsträume zu Missionen wurden“. „Die nächste Besatzung wird sich darauf vorbereiten, ihren Teil dazu beizutragen, wenn wir zur Mondoberfläche zurückkehren, die Basis errichten und den Mond nie wieder aufgeben“, sagte er.
Der Erfolg der Artemis-II-Mission wird von der ganzen Welt aufmerksam betrachtet, ganz besonders aber von den beiden anderen großen Weltraummächten, China und Rußland. Die Medien in beiden Ländern berichteten ausführlich über die Mission und deren Rückkehr. Und auch wenn sich diese Weltraum-Renaissance zu einer Art neuem „Wettlauf im All“ entwickelt hat, bei dem es darum geht, wer als erster ankommt, ist die Stimmung keineswegs negativ.
Die Vereinigten Staaten sind bisher die einzige Nation, die den Mond mit Menschen umrundet hat. Die Sowjetunion hatte es in ihrem Programm vorgesehen und führte unbemannte Missionen zur Mondumrundung durch, doch es traten Probleme mit ihrer Rakete auf, die es ihnen unmöglich machten, Menschen auf eine solche Mission zu schicken. Aber der Aufbau einer Mondbasis ist eine ganz andere Sache, er erfordert eine längerfristige Perspektive und die Entwicklung umfassenderer Fähigkeiten, die wir bisher noch nicht haben.
China ist entschlossen, irgendwann zu Beginn des nächsten Jahrzehnts eine solche Basis, die Internationale Mondforschungsstation, zu errichten, aber die Chinesen werden das in ihrem eigenen, stetigen Tempo tun und sich nicht wegen eines willkürlichen politischen Zeitplans hetzen lassen. Sie arbeiten schon seit vielen Jahren auf dieses Ziel hin und sind in einigen Bereichen der Technologie und des Know-hows hinsichtlich des Baus möglicherweise den USA voraus.
Rußland wird in den nächsten Jahren eine Reihe von Mondexpeditionen mit einem Orbiter, einer Landefähre und einem Rover durchführen. Es hat Pläne, nach dem Ende der Internationalen Raumstation (ISS) eine eigene Raumstation zu bauen, und letztendlich möchte es auch eine Präsenz auf dem Mond errichten.
Rußland verfügt über eine der fortgeschrittensten Raumfahrtindustrien der Welt, was ihm in Verbindung mit seinen Kompetenzen im Bereich der Kernenergie einen Schub im „Raumfahrtgeschäft“ verschaffen könnte. Viele weitere Länder, darunter Indien, Japan und die europäischen Staaten, werden ebenfalls daran interessiert sein, in diesen „siebten Kontinent“ zu investieren.
In Amerika hat die Artemis-II-Mission auch dazu beigetragen, die NASA wieder in den Mittelpunkt der Raumfahrt zu rücken. Die Versuche, die Raumfahrt einfach an allerlei private Unternehmen auszulagern – der Traum von Hedgefonds-Milliardären, die solche Unternehmen gründeten –, werden von einem wiedergewonnenen Stolz auf unsere zivile Raumfahrtbehörde in den Schatten gestellt, die nun im Mittelpunkt des Programms steht – nicht zuletzt in den Herzen der Menschen. Es wäre keine leichte Aufgabe für jemand, der das wieder umdrehen will.
Es besteht jedoch die Gefahr, daß Präsident Trumps Vorstoß, die U.S. Space Force als eine Weltraum-Kriegsflotte, eine „Star Trek“-ähnliche Einheit zu schaffen, die die Galaxie „überwacht“, der realen Weltraumforschung Mittel entzieht und anstelle friedlicher Erforschung die Galaxie in ein zukünftiges Schlachtfeld verwandelt.
Politiker im US-Kongreß und andere, die wissen, welche Vorteile die Vereinigten Staaten aus stabilen Beziehungen zu den anderen Weltraumnationen ziehen, sollten jedem Versuch, die NASA-Programme zu stören oder den Weltraum zu „militarisieren“, mit Skepsis begegnen. Sie sollten auch einen Weg in die Zukunft in der Zusammenarbeit mit China in Betracht ziehen, das in seiner eigenen Raumfahrt große Fortschritte macht (derzeit ist den USA eine Raumfahrt-Kooperation mit China durch ein Gesetz des Kongresses untersagt). Die Fortschritte, die China aus eigener Kraft erzielt hat, könnten von großem Nutzen sein, um unser eigenes Programm schneller voranzubringen, wenn wir zur Zusammenarbeit bereit sind.
Selbst auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs haben wir es geschafft, mit unserem „Rivalen“, der Sowjetunion, bei der Apollo-Sojus-Mission zusammenzuarbeiten. Wir dürfen nie die Worte des Artemis-II-Kommandanten Reid Wiseman vor dem Start der Mission vergessen: „Wir fliegen für die gesamte Menschheit.“
Tatsächlich gibt es kaum ein Vorhaben, das universeller ist als die Erforschung des Universums durch die Menschheit, und deshalb kann der Bereich der Weltraumforschung zu einem verbindenden Faktor für die heutige Welt werden. Anstatt die Militarisierung des Weltraums voranzutreiben, sollte man die Amerikaner daran erinnern, daß die Größe unserer Nation mit unserer Fähigkeit verbunden ist, zum Fortschritt der ganzen Menschheit beizutragen.
Das war der Geist unserer Revolution gegen das Britische Empire, unseres Sieges im Bürgerkrieg und unseres Beitrags zum Sieg über den Faschismus im Zweiten Weltkrieg, was den wahren Geist Amerikas verkörperte, wie er uns von unseren Gründervätern überliefert wurde. Wenn wir das vergessen, könnten wir jeglichen Sinn dafür verlieren, was es wirklich bedeutet, Amerikaner zu sein.
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