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Von Karel Vereycken
Als Reaktion auf einen Tweet von US-Kriegsminister Pete Hegseth Anfang April, in dem er drohte, den Iran „in die Steinzeit“ zurückzubomben, antwortete die iranische Botschaft in Südafrika mit diesem kurzen, aber prägnanten Kommentar, der großes Potential für diplomatische Lösungen enthält:
„Zu einer Zeit, als ihr noch in Höhlen nach Feuer suchtet, schrieben wir die Menschenrechte auf den Kyros-Zylinder. Wir überstanden den Sturm Alexanders des Großen und die Mongolen-Invasionen und blieben bestehen; denn der Iran ist mehr als ein Land, er ist eine Zivilisation.“
Kyros gründete 552 vor Christus das persische Reich der Achämeniden. Seine Eroberung Babylons 539 v. Chr. leitete die imperiale Ära Persiens ein. Durch das Zerschlagen des Babylonischen Reiches, das bis dahin Westasien beherrscht hatte, gründete Kyros ein Reich, das sich von Indien bis Karthago und vom Kaukasus und der Donau bis Äthiopien erstreckte. Mit einer Fläche von 5,5 Millionen km² hatte das Persische Reich etwa 50 Millionen Einwohner, das entsprach 40% der Weltbevölkerung.
Das Persische Reich ist das früheste der indoeuropäischen Reiche. Mit seinen 20 Provinzgouverneuren (Satrapen) diente seine dezentrale Organisationsform zeitweise als Vorbild für das griechische und römische Reich sowie darauf aufbauend später für die Reiche der Angelsachsen, Franzosen, Spanier usw.
Der Gründungsakt des Persischen Reiches war die Veröffentlichung des berühmten „Edikts“ von König Kyros, von dem 1879 in Babylon eine in Keilschrift auf einen Terrakotta-Zylinder gravierte Kopie gefunden wurde. Sie wird im Britischen Museum in London aufbewahrt.
Dieses Edikt ist von unschätzbarem Wert, weil es die erste Erklärung der
Menschenrechte in der Geschichte der Menschheit darstellt. Mit diesem Edikt
schaffte Kyros der Große die Zwangsarbeit ab und verkündete feierlich gleiche
Rechte für alle Mitglieder des Reiches sowie Religions- und Glaubensfreiheit
Deshalb ist es sehr interessant, wenn die iranische Botschaft gerade auf diese Weise reagiert hat. Natürlich spottet sie mit der Ehre der großen iranischen Zivilisation über die eklatante Unwissenheit der Trump-Regierung. Doch indem der Iran sich auf den Kyros-Zylinder beruft und dabei sich auf ein höheres Konzept stützt, macht er gleichzeitig ein Friedensangebot für eine Verhandlungslösung und implizit für die Möglichkeit einer erneuten gemeinsamen Zukunft.
Schauen wir uns an, warum:
Die jüdische Gemeinde im Iran wird heute auf 8.000 bis 12.000 Menschen geschätzt und ist damit nach Israel die größte im Nahen Osten, obwohl ihre Zahl seit 1979 stark zurückgegangen ist (vor der Revolution waren es etwa 100.000). Anfang April bombardierte Israel, gesteuert durch KI ohne menschliche Überprüfung, die Synagoge in Teheran. Die israelische Armee äußerte ihr Bedauern über die Schäden durch den nächtlichen Angriff, der auf einen iranischen Militärkommandanten abgezielt habe.
Sich auf den Kyros-Zylinder zu berufen, bedeutet daher, einen Olivenzweig zu reichen: die Aussicht auf einen interkulturellen, interreligiösen und zivilisationsübergreifenden Dialog, der die Grundlagen für eine friedliche Lösung vieler sonst unlösbarer Konflikte schafft, sowohl innerhalb des Landes (mit den Anhängern einer Erneuerung der Pahlavi-Dynastie) als auch außerhalb (mit Israel, den Christen und dem Westen im allgemeinen).
Seit Jahrtausenden am Kreuzungspunkt der Seidenstraßen ist die „DNA“ der iranischen Zivilisation nicht Terrorismus und Destabilisierung, sondern der Kampf für Gerechtigkeit, Respekt und Offenheit gegenüber anderen.
1971, ein Jahr nach den iranischen Feierlichkeiten zum Kyros-Zylinder, machte der österreichische Professor Hans Köchler, Präsident der International Progress Organization (IPO) und enger Freund und Mitstreiter des Schiller-Instituts und dessen Gründerin Helga Zepp-LaRouche, der UNESCO den Vorschlag, einen „internationalen Kongreß zum Thema der Probleme, die sich aus dem Dialog zwischen verschiedenen Zivilisationen ergeben“, zu veranstalten. Jahrelang leistete Köchler durch unzählige Vorträge, Vorlesungen und Symposien weltweit und insbesondere im Iran außergewöhnliche Arbeit zur Verbreitung dieses Konzepts, bevor es vom Schiller-Institut aufgegriffen und gefördert wurde. 1974 fand unter der Schirmherrschaft der österreichischen und senegalesischen Präsidentschaften dazu ein großes Symposium in Innsbruck statt.
1997 stellte der iranische Präsident Mohammad Chatami den Dialog der Kulturen in den Mittelpunkt seines Mandats – gegen die These vom „Kampf der Kulturen“ des Geopolitikers Bernard Lewis, die von Samuel Huntington populär gemacht wurde. Auf seinen Vorschlag hin erklärte die UNO 1998 das Jahr 2001 zum „Jahr des Dialogs zwischen den Zivilisationen“.
Dieses Konzept steht heute wieder zur Debatte. Was wird der „Westen“ tun? Können wir uns an die iranische DNA anpassen, oder wollen wir in der moralischen Steinzeit stecken bleiben?
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