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Neue Solidarität
Nr. 17-18, 23. April 2026

Wer zähmt die Furien?

Von Jason Ross

In Aischylos’ Orestie, der ältesten erhaltenen Trilogie der westlichen Dramatik, wird der Kreislauf der Blutrache, der das Haus des Atreus verschlungen hat, endlich durchbrochen – nicht durch weiteres Töten, sondern durch die Einrichtung eines Gerichts der Vernunft. Die Furien, die antiken Rachegöttinnen, die Blut für Blut fordern und jeden Racheakt zum Anlaß für weitere Rache machen, werden nicht vernichtet; sie werden verwandelt. Athene überzeugt sie durch einen Akt politischen Mutes, eine neue Rolle anzunehmen: als Eumeniden, die „Gütigen“, Beschützerinnen der Gerechtigkeit der Stadt. Der Kreislauf endet nicht, weil die Rache im Kampf besiegt wird, sondern weil zerstörerische Wut in bürgerliche Ordnung und Sorge um das Ganze verwandelt wurde.

Man beachte den Namen, den das Pentagon für seinen Krieg gegen den Iran gewählt hat: Operation Epic Fury. Der Name ist in einer Weise bezeichnend, die seine Urheber nicht beabsichtigt haben. Die Furien kennen keine Grenzen. Sie verhandeln nicht. Sie nähren sich vom vergossenen Blut, um das nächste Blutvergießen zu rechtfertigen.

Das ist die Logik, die derzeit am Werk ist: Netanjahu ruft Trump an, nachdem ein Waffenstillstand verkündet wurde, und plötzlich ändern sich die Bedingungen. Israel greift am ersten Tag der Waffenruhe hundert Ziele im Libanon an und tötet mit einem Schlag 13 Angehörige der Sicherheitskräfte in Nabatieh. Die ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair und Boris Johnson fordern, daß Großbritannien in den Krieg eintritt. Präsident Trump – der Tucker Carlson zufolge unter einem „Druck steht, den sich die meisten Menschen nicht vorstellen können“ – schlägt einen 76 Meter hohen Ehrenbogen für sich selbst am Eingang zum Nationalfriedhof von Arlington vor: ein Denkmal für den Mann, durch dessen Krieg gerade wieder Amerikaner gestorben sind. Regieren die Furien Amerikas Politik?

Doch Aischylos schrieb die Orestie, um zu zeigen, daß die Furien sich wandeln können – und die heutigen Entwicklungen deuten darauf hin, daß diese Wandlung möglich ist. In Islamabad setzten sich US-amerikanische und iranische Delegationen zu Gesprächen zusammen, wobei Vizepräsident Vance – der Berichten zufolge den Krieg von Anfang an abgelehnt hatte – die amerikanische Seite anführte. Die Verhandlungen dauerten über 20 Stunden bis in den Sonntagmorgen hinein, endeten jedoch ohne Einigung.

In Rom rief Papst Leo XIV. zu einer weltweiten Gebets-Mahnwache auf und appellierte an die Regierungen: „Haltet! Es ist Zeit für Frieden! Setzt euch an den Tisch des Dialogs und der Vermittlung, nicht an die Tische, an denen Aufrüstung geplant und tödliche Maßnahmen beschlossen werden!“ Er warnte: „Sogar der heilige Name Gottes, des Gottes des Lebens, wird in Todesreden hineingezogen“ – eine direkte Zurechtweisung der Washingtoner Kriegstreiber, die sich auf den christlichen Glauben berufen. 40 Nationen folgten seinem Aufruf.

In Peking trafen sich die KMT-Vorsitzende Cheng Li-wun und Präsident Xi Jinping zum ersten hochrangigen Kontakt zwischen beiden Seiten der Taiwanstraße seit einem Jahrzehnt, sie entschieden sich für Annäherung statt Konflikt. Und auf dem Pazifik sind vier Astronauten nach der ersten Reise des Menschen zum Mond seit über 50 Jahren sicher gelandet – eine Erinnerung daran, daß die Menschheit zu etwas Besserem fähig ist als zur Selbstzerstörung.

Die Frage, die Aischylos vor 2500 Jahren stellte, ist die gleiche, vor der wir jetzt stehen: Wer übernimmt die Rolle von Athene, der Weisheit? Wer hat den Mut, den Furien die Stirn zu bieten – nicht mit mehr Gewalt, sondern mit der Autorität von Vernunft und Gerechtigkeit? Der Verfassungsrechtler Bruce Fein und die unabhängige Präsidentschaftskandidatin Diane Sare erinnern daran, daß der US-Kongreß die Haushaltshoheit hat und diesen Krieg mit einer einfachen Abstimmung zur Einstellung der Finanzierung beenden kann. Bisher hat er sich zweimal geweigert. Solche Feigheit der Politik nutzt nur den Furien. Das neue Paradigma verlangt, daß das ein Ende hat.

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