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Von Namit Verma
Namit Verma ist ein indischer Autor und Sicherheitsexperte. Im EIR-Dringlichkeitsforum am 12. Januar 2026 sagte er folgendes. (Übersetzung aus dem Englischen.)
Namaskaram – vielen Dank, Frau Helga, für die Einladung zu diesem Gespräch. Es ist schön, so viele Meinungen aus verschiedenen Teilen der Welt zu hören. Ich werde versuchen, nicht zu wiederholen, was bereits in der Diskussion gesagt wurde, sondern auf den Beiträgen der vorherigen Redner aufzubauen und mich mehr auf das zu konzentrieren, was wir angesichts der heutigen Krise als mögliche Lösung in Betracht ziehen können.
Es versteht sich von selbst, daß das Vorgehen der Trump-Regierung uns alle endlich auf den Zustand der Welt aufmerksam gemacht haben. Es ist nicht so, daß dieser Zustand nicht existierte oder daß frühere US-Regierungen nicht an ähnlichen Aktivitäten beteiligt waren; diese Kontinuität besteht seit mehreren Jahrzehnten. Es ist nur so, daß das gegenwärtige Vorgehen so wild ist – mir fällt kein passenderes Wort ein –, daß es die Welt schockiert und ihr bewußt gemacht hat, in welche Lage wir geraten sind.
Gleichzeitig möchte ich nicht bloß mit dem Finger auf die Regierung von Donald Trump zeigen. Ich denke, der Rest der Welt ist ebenso dafür verantwortlich, daß es zu dieser Situation gekommen ist.
Interessanterweise äußerte auch der Redner aus Rußland, Dmitri Trenin, Zweifel: daß es bei dieser Sache Insider-Beteiligung gab. Es gibt nicht nur Hinweise auf einen Insider-Hintergrund in Venezuela, sondern auch auf eine Akzeptanz dessen, was weltweit geschehen ist. Daß Herr Trump keine weiteren invasiven Angriffe durchgeführt hat und der [venezolanischen] Vizepräsidentin [Delcy Rodríguez] erlaubt hat, das Amt der Interimspräsidentin zu übernehmen, daß er sie bedroht hat, wie man an dem Interview sah, das er dem Atlantic gegeben hat. Er erwähnte, daß ihr viel Schlimmeres bevorstehen würde, wenn sie sich nicht fügt.
Es gibt also offensichtlich eine kategorische Bestätigung, daß sie weiterhin mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten würde, was in gewisser Weise darauf hindeutet, daß sie das derzeitige Petrodollar-Arrangement mitmachen würde. Ich möchte nicht von einer „Vereinbarung” sprechen, da Venezuela gar nicht daran beteiligt war. Das Abkommen ist jedenfalls letztes Jahr ausgelaufen. Aber die Rednerin aus Mexiko [Maria de los Angeles Huerta] erwähnte die Gesamtlage, daß für den Dollar bzw. die Vereinigten Staaten das Ende der Fahnenstange mit dem Petrodollar erreicht ist und sie deshalb so handeln mußten, wie sie es taten. Das ist richtig. Wir alle waren daran beteiligt, nicht nur ein oder zwei Jahre lang, sondern wir haben es 50 Jahre lang toleriert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben wir alle ein Abkommen geschlossen, in dem die Sonderziehungsrechte [des Internationalen Währungsfonds, SZR] geschaffen wurden, und so haben wir uns darauf geeinigt, unsere Währungen zu bewerten. Wir akzeptierten die freiwillige Verpflichtung der USA, den Dollar an Gold zu binden und damit eine goldbezogene Bewertung der SZR zu ermöglichen.
Als die USA am 15. August 1971 davon [von der Goldbindung] abgewichen sind, war das eine einseitige Entscheidung. Wir haben das akzeptiert, möglicherweise weil viele der dominanteren Handelspartner der Vereinigten Staaten in einer Situation gefangen waren, in der sie keine andere Wahl hatten. Aber das galt nicht wirklich für die ganze Welt. Das war der erste Verrat, und seit diesem Tag haben wir viele Verrate erlebt, bis wir nun in dieser letzten Phase der Gewalt angelangt sind, die den Ausbruch eines Weltkrieges drohen läßt.
Einer meiner Lieblingsautoren, Isaac Asimov, hatte eine Figur, die sagte: „Gewalt ist das letzte Mittel der Unfähigen“, manchmal auch der Schurken, aber ich denke, daß dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt zutrifft.
Aber dieser Akt der Gewalt hat uns viele Aspekte vor Augen geführt: daß Amerika bankrott ist. Müssen wir ein bankrottes Imperium retten? Amerika hat in den letzten 75 Jahren viel mehr konsumiert als produziert. Und das gewichtete Währungssystem, das es seit 1971 durchgesetzt hat, das Fiat-Geld, wurde mit Waffengewalt durchgesetzt. Das ist klassische maoistische Doktrin: Macht kommt aus den Läufen der Gewehre. Das ist es, was Amerika durchgesetzt hat, und wir haben es akzeptiert.
Vor kurzem, nur ein oder zwei Tage nach dem [US-Angriff auf] Venezuela, hörte ich Prof. [John] Mearsheimer, und ich füge dieses Zitat in den Chat ein. Er sagte: „Staaten existieren in einem anarchischen internationalen System“ – was auf die Situation, in der wir uns heute befinden, sehr zutreffend ist – „in dem es keine höhere Autorität gibt, die sie schützt.“ Deshalb stehen wir vor diesem schrecklichen Problem: Wie kommen wir aus der Situation heraus, in der wir uns befinden? Die Starken tun, was sie können, und die Schwachen leiden, was sie müssen. Venezuela leidet also definitiv, was es muß, und Amerika hat getan, was es kann.
Aber ist Amerika wirklich stark? Das ist eine Frage, die wir uns alle stellen müssen. Denn, wie Mearsheimer sagt, ist Schwäche kein dauerhafter Zustand, die Machtverteilung verschiebt sich ständig. Ihre Schwäche ist kein dauerhafter Zustand, Stärke ist ebenfalls kein dauerhafter Zustand. Amerikas Macht ist nicht nur wegen der Last seiner Rüstung geschwächt, Amerika ist alt. Es hat viele Tomahawk-Raketen abgefeuert, die mit 1,8 Mach fliegen. Der Rest der Welt ist nicht mehr auf 1,8 Mach beschränkt. Die amerikanische Wirtschaft kann es sich nicht leisten, all diese Tomahawks auszusortieren und neue Raketen anzuschaffen.
Sie haben ein bankrottes Imperium, das blufft und vorgibt, mit Korruption und Bestechung Staats- und Regierungschefs weltweit einzuschüchtern; einzelne Führungspersonen, keine Institutionen als Ganzes, keine Nationen als Ganzes. Der amerikanische [Goldene] Dom ist nicht in der Lage, sich gegen neuere, schnellere Raketen aus anderen Teilen der Welt zu verteidigen. Was macht Amerika also? Es schikaniert kleine Länder.
Rußland konnte die [Entwicklung in der] Ukraine nicht zulassen, weil es keine NATO-Raketen in der Ukraine an seiner Grenze zulassen konnte. Bei der jüngsten Auseinandersetzung zwischen Indien und Pakistan trat Pakistan nun vor der Welt offen als Handlanger der USA auf. Das war schon immer so, aber jetzt ist diese Beziehung offen sichtbar geworden, da Feldmarschall Asim Munir regelmäßig zu Gast im Weißen Haus ist.
Und durch einen glücklichen Zufall fanden wir heraus, daß die durch einen Raketentreffer auf die Basis Nur Khan [in Pakistan im Mai 2025] erzeugte nukleare Strahlung nicht von pakistanischen Atomwaffen stammte, sondern von alten amerikanischen Silos, von denen die Pakistaner nichts wußten. Gegen wen sich dieser Angriff in dieser Region richtete, ist eine Frage, die wir uns alle stellen müssen.
Vor drei Jahren gab es 28tägige gemeinsame Manöver der Vereinigten Staaten und Nepals. Ich habe noch nie von 28tägigen Militärübungen anderswo gehört. Ich habe auch noch nie gehört, daß solche Übungen anderswo auf 45 Tage verlängert wurden. Das gibt es nur, wenn es um den Bau von Anlagen geht.
Wie jedes NATO-Mitglied und jeder amerikanische Bündnispartner, der heute sein eigenes Gebiet überprüft, wissen sollte, muß selbst für eine NATO-Mitgliedschaft heutzutage zunächst ein Abkommen unterzeichnet werden. Das Sonderabkommen zwischen Amerika – mir fällt gerade das genaue Wort nicht ein, aber es handelt sich um eine Beziehung zwischen dem Staat USA und dem anderen Staat, in der die amerikanische Nationalgarde eine Vereinbarung mit den Verteidigungskräften des Landes trifft, das die NATO-Mitgliedschaft anstrebt.
Nun ist die Nationalgarde – die Nationalgarden der Bundesstaaten, nicht die des Bundes – auch der Dienst, der sich um alle Minuteman [landgestützte Interkontinentalraketen] und andere Programme kümmert. Sie sind es, die diese Raketensysteme warten. Wenn diese Einheiten kommen, wird viel amerikanisches Geld für Militärübungen ausgegeben. Aber wenn die Truppe, die für die Errichtung von Atomraketensilos zuständig ist, in kleinere Länder kommt und 45 Tage lang Silos baut, ist das sehr alarmierend... Das ist vor drei Jahren in Nepal passiert. Letztes Jahr ist es an drei Standorten in Bangladesch passiert.
Damit müssen wir uns auseinandersetzen, bevor wir Amerikas Bluff aufdecken können. Wenn es eine Lösung gibt, dann liegt sie darin, daß wir Präsident Donald Trumps Bluff auffliegen lassen; daß wir die Zivilgesellschaft in den Vereinigten Staaten unterstützen müssen und daß wir die Zivilbevölkerung in den Vereinigten Staaten daran erinnern müssen, daß sie eine moralische Verpflichtung hat, die sie vergessen hat.
Die war noch bis zu ihren Handlungen im Zweiten Weltkrieg sehr stark. Aber irgendwo muß die amerikanische Wissenschaft den Beitrag der Pragmatiker, der heute in ihrer Philosophie an erster Stelle steht, neu bewerten und entscheiden, ob dies nicht der Keim war, der uns zu diesem Stadium geführt hat, in dem aus Pragmatismus Opportunismus wurde. Das ist eine Frage an die gesamte amerikanische Nation, und wir müssen sie bei dieser Bewertung unterstützen.
Nachdem ich dies gesagt habe, stellt sich die Frage, wie Sie [in Amerika] das finden. Ich weiß, ich war etwas unverblümt, vielleicht sogar mehr als etwas unverblümt. Aber wer das Problem nicht erkennt, der kann auch keine Lösung finden.
Eine ähnliche Situation gab es, als mein Land, Indien, unter britischer Kolonialherrschaft stand. Es geht immer darum, wer davon profitiert. Als Mahatma Gandhi zum Swadeshi [Boykott ausländischer, insbesondere britischer Waren] aufrief, also dazu, von unserer eigenen Produktion zu leben, erhielt er eine Einladung von den Fabrikanten und Fabrikarbeitern aus Lancashire, die vor Arbeitslosigkeit und Fabrikschließungen standen, weil sie nicht mehr nach Indien exportieren konnten. Er nahm ihre Einladung an; sie wollten ihm die humanitäre Situation der Arbeitslosigkeit erklären, die sich in ganz Großbritannien ausbreitete. Er ging hin und bat sie um Verständnis. Als die arbeitslosen Arbeiter von ihrer Armut sprachen, gab er ihnen ein Bild von der Armut in Indien, wo die Erzeugnisse zu einem so geringen Preis abgenommen wurden, daß Bauern Selbstmord begingen; dann wurden sie ihnen mit einer enormen Gewinnspanne zurückverkauft, die sich die Elite leisten konnte, aber nicht die anderen.
Wir alle wissen, daß Gandhi seine dreiteiligen Anzüge, die er als Anwalt in England trug, aufgab, um sich mit dem Lendenschurz zu kleiden, in den Stand eines einfachen Mannes in Indien einzutreten und sich mit ihm zu identifizieren. Letztendlich waren es die arbeitslosen Arbeiter von Lancashire, die die moralische Grundlage dafür schufen, daß die Arbeiterbewegung im Vereinigten Königreich sich für Indiens Unabhängigkeit engagierte.
Die konservativen Tories lehnten diese Vorstellung weiter entschieden ab, Herr Churchill stand ihr sehr kritisch gegenüber. Aber letztendlich war es das Bewußtsein der Vorbildrolle des britischen Volkes, das es ermöglichte, dies umzukehren, koste es, was es wolle. Das Britische Empire löste sich allmählich auf, aber die Moral siegte.
Damit die Moral siegt, muß Amerika genauso zur Selbstreflexion gezwungen werden. Das ist meiner Meinung nach der einzig mögliche Weg, um dieses Problem zu lösen. Andernfalls werden wir uns von der letzten Krise nur zur nächsten, noch größeren Krise bewegen. Vielen Dank.
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