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Neue Solidarität
Nr. 7-8, 12. Februar 2026

Herausforderungen und Gefahren
für das sich ausbildende neue globale System

Von Dmitri Trenin

Dmitri Trenin ist Historiker und Direktor und wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Weltwirtschaft und Militärstrategie an der HSE-Universität Moskau. Im EIR-Dringlichkeitsforum am 12. Januar sagte er folgendes. (Übersetzung aus dem Englischen.)

Zunächst möchte ich den Veranstaltern dafür danken, daß sie mich zu dieser sehr wichtigen Diskussion eingeladen haben. Ich habe gerade den Vortrag von Botschafter [Chas] Freeman zu großen Teilen gehört und möchte ihm für seine durchdachten Ausführungen danken.

Allerdings muß ich sagen, daß meine eigene Sicht auf unsere aktuelle Lage und die Richtung, in die wir uns bewegen, viel düsterer ist. Für mich steht außer Frage, daß sich die Welt in einer Krise befindet – eine funktionale Analogie zu einem Weltkrieg. Es gibt Kriege, die zwar nicht als ein großer Weltkrieg zu bezeichnen sind, aber funktional gesehen geht es um die Anwendung von Gewalt und den Einsatz anderer Mittel als militärischer Waffen, um die bestehende Weltordnung zu verändern oder um diese Veränderung zu verhindern.

Ich denke, das Hauptmerkmal der gegenwärtigen Situation ist Instabilität, und sich etwas anderes zu wünschen, ist zwar lobenswert, aber kaum realistisch. Die polyzentrische Welt ist bereits Realität, aber eine multipolare Ordnung ist noch nicht in Reichweite. Nationen, Staaten und andere Akteure müssen hart dafür kämpfen, sicherzustellen, daß die neue internationale globale oder weltweite Ordnung ihren Anforderungen entspricht und ihre Interessen schützt oder fördert.

Wir nehmen an einer Dringlichkeitsdiskussion teil, deren Anlaß die Ereignisse in Venezuela sind, aber ich frage mich: „Ist das wirklich etwas völlig Neues?“

Ich sehe im Vorgehen Israels und der Vereinigten Staaten vor etwas mehr als sechs Monaten gegenüber dem Iran ein viel eindrucksvolleres Beispiel dafür, wie Krieg im 21. Jahrhundert aussehen kann. Was vor wenigen Tagen in Venezuela geschah, war eine sehr milde Version dieses neuen Stils, Gewalt einzusetzen, um politische Ziele zu erreichen.

Ich denke, der Aufstieg von Donald Trump hat zwar das internationale System stark beeinflußt und die Schwerpunkte und Prioritäten der amerikanischen Außenpolitik verändert, aber die Ziele sind immer noch die gleichen, die die US-Außenpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg verfolgt. Daher sehe ich auch hier keine große Neuerung.

Den liberalen, globalistischen kollektiven Westen gibt es nicht mehr. Wegen Donald Trump ist es eher ein Bestreben der Großmacht Amerika, sich als führende Kraft in der Welt zu etablieren. Es ist, wenn man so will, eine Hegemonie ohne die Verantwortung, die amerikanische Staatsführer seit 1945 für die verschiedenen Elemente ihres Imperiums empfanden.

Das ist eine wichtige Veränderung, und ich denke, sie ist für Amerikas Verbündete wichtiger als für seine Gegner. Aber es ist wirklich nur eine Variation der Politik, die wir in den letzten acht Jahrzehnten kennengelernt haben.

Wer früher ideologische Kreuzzüge für Regimewechsel oder militärische Interventionen in seinem Land fürchtete, muß sich nun auf unverhüllten militärischen Interventionismus gefaßt machen, der sich nicht mehr um Vorwände für militärische Interventionen schert. Recht ist Macht, das ist klar, und an die Stelle der Heuchelei tritt Zynismus. Manchen Menschen ist das lieber, als sich ständig die hochtrabenden Phrasen anzuhören, die eine fadenscheinige Rechtfertigung für unrechtes Handeln liefern.

Ich möchte noch einmal Chas Freeman für seine Gedanken und Empfehlungen lobend erwähnen, aber meiner Meinung nach wird Trump, von dem wir hier sprechen, nicht aufhören, bis jemand sich ihm entgegenstellt.

In Venezuela hätten nur ein paar Hubschrauberabstürze gereicht, um die Mission zum Scheitern zu bringen. Das erschien als eine leichte Aufgabe, aber ich denke, wir alle vermuten, daß Venezuela ein Insider-Job war; und diejenigen, die diesen Job gemacht haben, haben ihn unglaublich gut gemacht, auch wenn die Folge natürlich war, daß Dutzende von Menschen getötet wurden. Aber wie ich bereits sagte, sieht es wie im Irak 2003 nach einer verdeckten Operation aus, bei der es gelungen ist, mit Hilfe von Verrätern aus dem eigenen Land den Regierungschef zu stürzen oder in diesem Fall an die Invasionsmacht auszuliefern.

Ich denke, die Botschaft, die Venezuela Rußland und meiner Meinung nach auch China sendet, lautet: Seid auf der Hut, in dieser Situation ist niemand sicher. Dinge, von denen wir in Rußland sicherlich dachten, sie würden niemals geschehen, sind in dem Krieg in der Ukraine bereits mehrfach geschehen.

Rußland und China müssen enger zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß Anschläge gegen sie rechtzeitig vereitelt werden. Was den Iran betrifft, so denke ich, der Iran muß sich besser schützen als im Juni, obwohl ich glaube, daß jeder Schritt des Iran zur Wiederaufnahme seines Atomprogramms wahrscheinlich mit israelischen und amerikanischen Angriffen konterkariert werden würde, ähnlich wie im Juni letzten Jahres.

Ich denke, viele Menschen werden zustimmen, daß der einzige Schutz gegen den Interventionismus einer Großmacht Atomwaffen sind. Das birgt enorme Risiken für die Welt, aber das ist die Botschaft, die sich bewährt hat und die auf vielen Erfahrungen der letzten rund 25 Jahre beruht. Und es gibt noch eine weitere Botschaft, insbesondere für die Russen: Seid nicht zu zurückhaltend – das könnte fatal sein. Ich denke, diese Botschaft sollte auch den Iranern sehr deutlich zu Ohren kommen. Dabei möchte ich es belassen, vielen Dank.

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