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Von Donald Ramotar
Donald Ramotar war von 2011-2015 Staatspräsident von Guyana. Im EIR-Dringlichkeitsforum am 12. Januar 2026 sagte er folgendes. (Übersetzung aus dem Englischen.)
Die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro ist ein riesiger Rückschritt für die Menschheit. Es ist eine Rückkehr zur Kanonenboot-Diplomatie, wo eine Kolonialmacht ihre Truppen lobte und nach Belieben Regierungen austauschte.
Der große Unterschied ist, daß wir jetzt nur eine Kolonialmacht haben. Die Vereinigten Staaten haben sich durch ihr Handeln zu einer Superkolonialmacht gewandelt. Sie richtet sich nicht mehr nur gegen den Globalen Süden und ehemalige Kolonien, sogar entwickelte Länder in Europa sind nun mit Kolonialisierung konfrontiert. Auf diese Weise interpretiert die Regierung unter Donald Trump „Making America Great Again“ anders oder hofft, dies zu tun. Das hat auch etwas von Gangstertum. Es ist eine mafiöse Vorgehensweise, die an Mario Puzos Film Der Pate erinnert.
Sogar die Sprache der Diplomatie hat sich verändert. Wir sprechen nicht mehr von Abkommen und Vereinbarungen. Jetzt sprechen wir davon, Geschäfte – Deals – zu machen. Das gibt einen Eindruck von der Denkweise der Leute, die derzeit das mächtigste Land der Welt führen.
Es ist klar, daß diese Regierung weder die Souveränität von Staaten noch das Völkerrecht respektiert. Wie wir hier seit drei Jahren sagen, haben wir mit angesehen, was im Nahen Osten geschehen ist, und heute sehen wir das schreckliche Leid der palästinensischen Bevölkerung. Internationale Institutionen werden völlig mißachtet, und für mich ist klar, daß sogar versucht wird, sie zu zerstören. Wenn die mächtigen Vereinigten Staaten Gesetze und Institutionen nicht zur Erreichung ihrer Ziele nutzen können, dann versuchen sie, sie außer Kraft zu setzen.
Die Trump-Regierung hat sich das Recht angemaßt, Regierungen zu stürzen und sich mit Gewalt zu nehmen, was sie will. Und wie ich gesagt habe, beschränkt sich das mittlerweile nicht mehr nur auf Entwicklungsländer. Wir haben gesehen, wie Dänemark aufgefordert wurde, Grönland abzutreten.
Und das ist noch nicht alles. Länder wie Kuba werden bedroht, und wir wissen, was das bedeuten kann. Die kubanische Regierung hat gerade dementiert, daß es irgendeine Art von Kommunikation mit den Vereinigten Staaten gibt, abgesehen von den regelmäßigen Gesprächen, die sie über Migration führen.
Rußland wird bedroht, indem das US-Militär einen Tanker unter russischer Flagge entert. Ich denke, das ist ein Test. Ich habe gerade den hier anwesenden russischen Genossen [Dmitri Trenin] gehört. Ich stimme ihm voll und ganz zu, denn ich denke, daß damit die Entschlossenheit getestet wird, sich gegen solche Vorgänge zu wehren. Und ich finde es sehr enttäuschend, daß die Sprecherin des [russischen] Außenministeriums sich bei den Vereinigten Staaten noch dafür bedankt hat, daß sie die beiden russischen Staatsangehörigen, die auf dem Schiff waren, zurückgeschickt haben. Ich glaube nicht, daß jetzt gute Manieren am Platze sind.
Das konkrete Angriffsziel sind China und die BRICS-Länder. Die Vereinigten Staaten geben mit ihrer Aktion [in Venezuela] zu, daß sie mit China friedlich nicht konkurrieren können. Sie verlegen sich offen auf das Verbreiten von Angst, um China aus Lateinamerika und der Karibik zu verdrängen.
Viele Regierungen in dieser Region, insbesondere in der Karibik, haben große Angst. Der Ministerpräsident Jamaikas hat gerade eine Erklärung abgegeben, nachdem er gebeten wurde, sich zu den Ereignissen in Venezuela zu äußern. Er sagte, er werde sich nicht dazu äußern, weil es die Vereinigten Staaten verärgern würde und weil es seine wichtigste Aufgabe sei, die Bevölkerung Jamaikas zu schützen. Er hat es laut gesagt – die anderen karibischen Staats- und Regierungschefs haben es nicht so laut gesagt, aber das ist die vorherrschende Stimmung unter vielen karibischen Regierungen.
Als nächstes wollten sie die BRICS ruinieren, weil die Sanktionen gegen Rußland, die Rußland ruinieren sollten, gescheitert sind. Das ist völlig gescheitert, und jetzt verlegen sich die BRICS-Länder immer mehr darauf, sich von der Abhängigkeit vom Dollar zu befreien und immer mehr in ihren eigenen Währungen zu handeln. Das kann verheerende Folgen für die Vereinigten Staaten haben, deren Schulden sich derzeit auf etwa 38 Billionen Dollar belaufen und für deren Bedienung sie jährlich eine Billion Dollar zahlen.
Ungeachtet dieser Wirtschaftslage will Trump die Wirtschaft nun noch mehr militarisieren und kündigt an, 1,5 Billionen Dollar [jährlich] für das Militär auszugeben. Das ist wahrscheinlich doppelt so viel, wie die nächsten zehn Länder zusammen für das Militär ausgeben.
Ich denke, dies liegt daran, daß die Vereinigten Staaten befürchten, ihre Position zu verlieren, und deshalb greifen sie nun immer mehr auf Gewalt zurück, um ihre Spitzenposition zu verteidigen.
Die Dreistigkeit des Angriffs auf Venezuela hat die Welt schockiert. Aber eigentlich sollte es keine Überraschung sein, denn die Vorzeichen waren schon seit einiger Zeit zu erkennen.
Zuletzt konnte man es im Nahen Osten beobachten. Der Völkermord und die ethnischen Säuberungen auf palästinensischem Gebiet wären ohne volle Rückendeckung der Vereinigten Staaten nicht möglich gewesen. Diese Unterstützung ist umfassend. Sie umfaßt wirtschaftliche Unterstützung für Israels zusammenbrechende Wirtschaft, militärische Unterstützung, die immer wieder zur Wiederaufrüstung der israelischen Militärmaschinerie beiträgt, und Unterstützung im Bereich der Geheimdienste.
Ein Teil dieser Hilfe floß in die Geheimdienste und verschaffte ihnen modernste Mittel im Bereich der Geheimdienste wie auch der Waffen. Sie benutzten die arme palästinensische Bevölkerung als Versuchskaninchen für die Entwicklung noch zerstörerischerer Waffen und neuer Kommunikationsformen.
Auch diplomatisch haben sie es unterstützt, wie wir alle wissen, sie haben sogar Mitarbeiter der Vereinten Nationen sanktioniert, indem sie ihnen ihre Visa entzogen. Das gleiche gilt für die Strafgerichte etc. Es wird unterstützt, weil die Vereinigten Staaten und Israel vorhaben, Palästina ethnisch zu säubern. Sie wollen Gewinn machen, das ist nackte Gier.
Leider haben die arabischen Staaten diesem teuflischen Komplott zugestimmt.
Die internationalen Handlungen der US-Regierung spiegeln wider, was nun auch innerhalb der Vereinigten Staaten selbst geschieht. Seit einiger Zeit beobachten wir viele ungesunde Trends in der US-Politik. Dieser Trend begann sich mit der Präsidentschaft von George Bush jun. zu Beginn dieses Jahrhunderts zu beschleunigen. Wir haben oft über die Falschinformationen gesprochen, die als Vorwand dienten, um in den Irak und in Libyen einzumarschieren und diese Länder zu zerstören. Wichtige Institutionen in den Vereinigten Staaten selbst werden untergraben.
Trump beschleunigt diesen Prozeß, aber er begann schon lange vor Trumps Amtsantritt. In den Vereinigten Staaten selbst erscheinen die Institutionen, die in diesem Land die Demokratie und einige Grundfreiheiten aufrechterhalten haben, zunehmend machtlos. Selbst der Kongreß wird derzeit vieler seiner Befugnisse beraubt.
Der Widerstand gegen viele Maßnahmen der Vereinigten Staaten im In- und Ausland wird niedergeschlagen. In den letzten zwei Jahren haben wir erlebt, wie Studenten, die sich solidarisch mit dem palästinensischen Volk zeigten, mit der Ausweisung aus dem Land bestraft wurden; Studenten durften ihren Abschluß nicht machen, und es gab Angriffe von Polizei und Militär.
Jetzt sehen wir eine militärische Präsenz in vielen der großen Bundesstaaten, in vielen der großen Städte der Vereinigten Staaten; etwas, das wir nie erwartet hätten. Aber das wird nun zur Norm, was zur Ermordung einer armen Frau geführt hat – ein brutaler Mord, wie ich sagen würde, nachdem ich mir das Video angesehen habe. Es ist offensichtlich, daß der Schütze nicht in Lebensgefahr war, wie behauptet wird.
Mit dieser Situation sind wir also an einem Punkt angelangt, an dem Zivilisten bei Protesten erschossen werden. Vor dieser Möglichkeit hat uns schon Präsident Eisenhower 1961 in seiner Abschiedsrede gewarnt. Jetzt ist klar, daß die Regierung der Vereinigten Staaten vollständig in den Händen des Militärisch-Industriellen Komplexes ist, der mit den Ölkonzernen verbündet ist. Eine Recherche würde vielleicht ergeben, wie ihre Leiter miteinander verbunden sind.
Nachdem diese Elite sich die mächtigste Staatsmaschinerie angeeignet hat, strebt sie nun danach, so viel wie möglich von der Welt zu beherrschen. Lateinamerika und die Karibik sind aufgrund ihrer geographischen Nähe zu den Vereinigten Staaten die leichtesten Opfer.
Wir sind in einer Phase, in der wir daran arbeiten müssen, diesen wahnsinnigen Plan zu vereiteln. Wenn wir das nicht tun, hinterlassen wir künftigen Generationen im besten Fall einen neuen nationalen Befreiungskampf, für den unsere Generation unter großen Opfern gekämpft hat – viele Menschen sind gestorben –, und im schlimmsten Fall kann es zu einem Weltkrieg kommen.
Angesichts des derzeitigen Stands von Wissenschaft und Technologie würden nicht nur Millionen von Menschen sterben, sondern es bestünde auch die Möglichkeit, daß das gesamte Leben auf unserem Planeten aussterben würde. Daher ist die Einheit aller friedliebenden und demokratischen Kräfte auf der Welt für den Erfolg unverzichtbar.
In den Vereinigten Staaten müssen wir uns bemühen, eine klare Alternative zu diesem Wahnsinn zu schaffen, in den uns diese Clique gebracht hat. Deshalb begrüße ich die Ankündigung einer Präsidentschaftskandidatin [Diane Sare, siehe letzte Ausgabe der Neuen Solidarität] vor ein oder zwei Tagen. Ich hoffe, daß sie auf ihre Stimmzettel „Frieden, Abrüstung und Entwicklung” schreiben werden, um unsere Welt vor einer Katastrophe zu bewahren. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
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