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Von Ralph Bosshard
Ralph Bosshard ist Oberstleutnant a.D. der Schweizerischen Armee. Im EIR-Dringlichkeitsforum am 12. Januar 2026 sagte er folgendes. (Übersetzung aus dem Englischen.)
Vielen Dank und guten Abend aus der Schweiz. Ich freue mich, daß die Maßnahmen der USA gegen die Regierung von Präsident Maduro in Venezuela eine Botschaft an die Welt gesendet haben, die offensichtlich verstanden wurde.
Aber wir sollten nicht Trump die ganze Schuld geben. Die Trump-Regierung hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, die regionale Sicherheitsorganisation der Vereinten Nationen zu konsultieren, sondern nach einer Informationskampagne mit begrenzter Glaubwürdigkeit einseitig zugeschlagen. Das ist aber kein Einzelfall der Trump-Regierung, sondern spiegelt eine problematische Tradition wider, die US-Regierungen nach dem Ende des Kalten Krieges begonnen haben, als sie glaubten, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion könnten sie als die unbestritten stärkste Militärmacht der Welt alle Konflikte notfalls auch mit militärischer Gewalt lösen.
Der Höhepunkt dieser Politik der Mißachtung der Vereinten Nationen war der illegale Luftkrieg gegen Jugoslawien 1999 - wir alle erinnern uns daran. Damals waren wir überrascht, daß ausgerechnet die Vereinigten Staaten das Lieblingsprojekt ihres ehemaligen Präsidenten und Anführers im Zweiten Weltkrieg [Franklin Roosevelt] demontierten, aber jetzt sehen wir, wie die Trump-Regierung dieses zerstörerische Werk fortsetzt. Macht und Stärke seien heute die Grundlagen der Weltpolitik, erklären Quellen aus dem Umfeld von Donald Trump.
Besonders beunruhigend waren die Reaktionen der Westeuropäer, die sich sonst so gerne als Hüter des Völkerrechts darstellen. Aus völkerrechtlicher Sicht ist es nicht entscheidend, ob ein Staatschef auf mehr oder weniger demokratische Weise an die Macht gekommen ist, solange er sich in den zwischenstaatlichen Beziehungen einigermaßen an die Regeln hält. In diesem Sinne ist es irrelevant, ob Deutschland oder andere westeuropäische Staaten die Maduro-Regierung anerkannt haben oder nicht.
Ich möchte daran erinnern, daß laut den Demokratie-Indizes US-amerikanischer Denkfabriken nur etwa 30 Länder auf der Welt als vollständig demokratisch gelten. Sie haben nicht das Recht, alle anderen nach Belieben anzugreifen, zumal Amerikaner und Europäer in der Vergangenheit oft gezeigt haben, daß sie mit undemokratischen Regierungen recht gut koexistieren können, solange die Geschäfte gut laufen.
Die Vereinigten Staaten bleiben die stärkste Militärmacht der Welt und sind zusammen mit den Westeuropäern und ihren Verbündeten im indopazifischen Raum auch anderen Staatenverbänden überlegen. Wie gerade gesagt wurde, sind sie entschlossen, ihre Spitzenposition auch in Zukunft zu behalten.
Die rund 150 Länder der Welt, die keinem westlichen Militärbündnis angehören, haben nun sowohl militärische als auch diplomatische Optionen. Einerseits können sie Koalitionen bilden und ihre militärischen Fähigkeiten so weit ausbauen, daß sie eine Gegenstrategie verfolgen können. Oder sie können auf die Auferlegung internationaler rechtlicher Beschränkungen für die Amerikaner und Westeuropäer drängen. Ich denke, die meisten von ihnen werden beides parallel tun.
Mit den einseitigen Maßnahmen der Vereinigten Staaten gegen Venezuela verfehlen wir erneut die Ziele des Völkerrechts und weichen vom Briand-Kellogg-Pakt [1928] ab, der auf der Grundlage der Erfahrungen des Ersten Weltkriegs geschlossen wurde. Europa und wahrscheinlich auch die Vereinigten Staaten können sich nicht noch einmal ein Jahrhundert wie das 20. Jahrhundert mit zwei Weltkriegen leisten.
Nennen wir also die Dinge beim Namen. Sprechen wir nicht länger von der „Monroe-Doktrin“. Die Monroe-Doktrin war eine Doktrin, die verhindern sollte, daß Portugal und Spanien ihre Imperien in Amerika wiederherstellten. Die heutigen Maßnahmen der Trump-Regierung haben ganz andere Ziele. Sie sind ein Versuch, lateinamerikanische Länder zu Kolonien zu machen und China aus dem Spiel zu halten.
Anders als im Kalten Krieg verfügen eine ganze Reihe von Staaten über Atomwaffen - zumindest die Technologie zum Bau entsprechender Marschflugkörper, ballistischer Raketen und neuer Künstlicher Intelligenz -, nicht nur die Supermächte oder die P-5 [die ständigen UN-Sicherheitsratsmitglieder], so wie es früher der Fall war. Die Vorstellung eines Atomkrieges zwischen der UdSSR und den Vereinigten Staaten war schon beängstigend genug, aber ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie ein mit allen Mitteln ausgetragener Atomkrieg zwischen mehreren Atommächten aussehen würde.
Die multilaterale Welt, oder besser gesagt die multipolare Welt, erfordert nicht nur ein Gleichgewicht der militärischen Macht, sondern auch der Soft Power. Wir sollten auch in Soft Power investieren, in den Aufbau diplomatischer Fähigkeiten, nicht nur der BRICS-Staaten, sondern des gesamten Globalen Südens.
Das ist der Schlüssel. Wir sollten uns an die Westeuropäer wenden und ihnen klar machen, daß sie sich in dieser Lage durch eine bedingungslose Unterstützung der Trump-Regierung im Globalen Süden nicht beliebter machen. Das sollte sie davon abhalten, zu applaudieren, und sie davon abhalten, so weiterzumachen. Andernfalls wird die zweitstärkste Militärmacht der Welt [Rußland] an einem unbegrenzten Konflikt mitwirken.
Wenden wir uns also an die Europäer, das ist der erste Schritt in einer Strategie, um jetzt aus der Krise herauszukommen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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