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American Doctor, US-Ärzte berichten aus erster Hand.
Regie: Poh Si Teng, Produktion: Kirstine Bardford und Reem Haddad für Watermelon Pictures,
Premiere am 23. Januar 2026; 1 Stunde, 33 Minuten.
Der neue Film American Doctor über US-amerikanische Ärzte, die sich ehrenamtlich im Gazastreifen engagieren, lief am 14. August in New York City an. Er erschien bereits Anfang des Jahres, wurde bei einschlägigen Dokumentarfilm-Wettbewerben mit Jury eingereicht und ist seit August nun weit verbreitet.
Die Veröffentlichung der Dokumentation kommt zur rechten Zeit, weil der Völkermord in Gaza nicht mehr auf den Titelseiten der US-Medien zu finden ist. Die Regisseurin, Poh Si Teng, erklärte in ihrer Diskussion im Anschluß an die Vorführung in New York, man habe die Produktion des Films beschleunigt, weil es dringend notwendig sei, die Situation in Gaza im Bewußtsein der Menschen zu verankern. Die Ärzte im Film wiesen ausdrücklich darauf hin, wie wichtig es sei, den Amerikanern vor Augen zu führen, wofür ihre Steuergelder verwendet werden.
Der Film begleitet das Leben von drei US-Ärzten, die sich freiwillig gemeldet hatten, um in Gaza während intensiver Bombardements auf die Zivilbevölkerung Leben zu retten: Dr. Mark Perlmutter, ein jüdisch-amerikanischer Orthopäde aus Rocky Mount in North Carolina, Dr. Thaer Ahmad, palästinensisch-amerikanischer Notarzt aus Chicago, und Dr. Feroze Sidhwa, ein pakistanisch-parsischer Unfallchirurg aus Kalifornien. Als Augenzeugen der Brutalität, mit der Israel in Gaza gezielt Kinder, Krankenhäuser und medizinisches Personal ins Visier nahm, fungieren sie als Erzähler.
Zu Beginn des Films erklärt Dr. Perlmutter, warum die Kamera auch die Bilder der toten und verstümmelten Kinder zeigt. Als er darauf hingewiesen wird, wie grausam diese Bilder sind, antwortet er: „Warum nicht? Wen würdet ihr damit schützen? Die Eltern haben ihre Zustimmung gegeben. Die Menschen müssen die Wahrheit sehen.“
Die Aussagen der Ärzte wurden von verschiedenen Orten aus gezeigt – wo immer sie sich zu Wort melden konnten –, von internationalen Konferenzen über die Säle des US-Kongresses bis hin zu Interviews im israelischen Fernsehen. Mehrfach wird darauf hingewiesen, wofür amerikanische Steuergelder verwendet werden. Ein Video zeigt die Bombardierung und Tötung von Ärzten, Journalisten (fünf Tote) und Patienten im Nasser Medical Complex in Khan Younis, wo die Ärzte tätig waren – eine Bombe folgte auf die nächste, und sie trafen Treppenhäuser, auf denen Patienten transportiert wurden. Die Bombardierung fand am 26. August 2025 statt. Dr. Sidhwa merkte an, daß einer der Patienten, der bei der Explosion der Bombe im Aufwachraum in die Luft gerissen wurde, ein junger Mann war, den er gerade behandelt hatte. Die israelischen Streitkräfte hätten behauptet, der Bombenangriff sei notwendig gewesen, um einen mutmaßlichen Terroristen zu töten, von dem man annahm, daß er sich als Patient im Krankenhaus befand. Nach einigen internationalen Protesten erklärte Israels Ministerpräsident Netanjahu, es habe sich um einen tragischen Unfall gehandelt, den die Regierung „bedauere“.
Ansonsten dokumentiert der Film das Leben dieser Ärzte, die Herausforderungen bei der Einreise nach Gaza sowie ihre eigenen Beziehungen und Familien.
Nach dem Film und der anschließenden Diskussion wurde einer der Ärzte gefragt: „Was passiert jetzt?“ Er antwortete, es habe gerade an diesem Tag in den Vereinten Nationen Diskussionen zu dieser Frage gegeben. Mehr als 1800 medizinische Fachkräfte, Transporthelfer und andere seien durch Bombenangriffe der israelischen Streitkräfte getötet worden. Über 80% der Krankenhäuser seien vollständig zerstört, nur wenige seien überhaupt noch funktionsfähig.
Israels Maßnahmen deuten darauf hin, daß der Gazastreifen immer kleiner wird. Große Probleme gibt es jetzt mit der Versorgung mit Energie, Wasser und gesunden Lebensmitteln. Wasser muß mit Lastwagen herangeschafft werden, was auch dessen Reinheit beeinträchtigt. Lebensmittel sind zwar vorhanden, aber zuckerreich und nährstoffarm.
Der Arzt wies auf das gravierende Problem hin, daß es laut Zählung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 18.500 Patienten gibt, die dringend in andere Krankenhäuser verlegt werden müssen. Die WHO hat gemeldet, daß in den letzten Jahren mehr als 10.000 Patienten aus dem Gazastreifen in über 30 Länder verlegt wurden.
Einer der Ärzte berichtete über einen besonderen Plan für die aktuelle Situation, nämlich einen Korridor einzurichten, um einen Teil dieser Patienten in Krankenhäuser in Jerusalem zu transportieren, wo sie von palästinensischen Ärzten behandelt werden könnten. Die Frage sei aber, wie das in Israel aufgenommen würde?
In diesem Zusammenhang wurde angemerkt, daß etliche der Krankenhäuser, die in Gaza bombardiert wurden, von verschiedenen Religionsgemeinschaften und Ländern erbaut und betrieben wurden. Einer der Ärzte wies darauf hin, daß das erste bombardierte Krankenhaus, das Al-Ahli Baptist Hospital, das am 17. August 2023 bombardiert wurde, das einzige christliche Krankenhaus im Gazastreifen war, erbaut 1882. Das Krankenhaus wurde von der Episkopalkirche von Jerusalem unter starker Beteiligung der katholischen Kirche betrieben. Gab es Proteste? Vertreter des Vatikans waren bereits zweimal in Gaza, unter anderem nach dem Bombenangriff vom 17. Juli 2025 auf die einzige katholische Kirche in Gaza, den Komplex der Heiligen Familie.
Einer der Ärzte erwähnte den Vorschlag, daß der Papst eine Wanderung entlang des geplanten Korridors für den Transport der Patienten von Jerusalem nach Gaza macht. Treffen mit medizinischem Personal sollen den Papst zu dieser oder einer ähnlichen Aktion ermutigen. Sie sagten, die katholische Kirche sei ein bedeutender Grundbesitzer in Jerusalem.
Bemerkenswert ist ein eindringlicher Aufruf von Papst Leo XIV. vom 17. August, nachdem der Vatikan gegen die brutale Unterdrückung und Entvölkerung einer der letzten christlichen Städte in Palästina, Tayeh im Westjordanland, protestiert hatte. In seiner Erklärung beim Angelusgebet rief der Papst zu einer groß angelegten Mobilisierung auf und bekräftigte die diplomatische Position des Vatikans: Man müsse dringend die Zwei-Staaten-Lösung umsetzen und „auf einen gerechten und dauerhaften Frieden hinarbeiten“.
Suzanne Klebe
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