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Von Jacques Cheminade
Jacques Cheminade kandidierte mehrfach für die Präsidentschaft in Frankreich und ist Vorsitzender der Partei „Solidarité et Progrès“. Auf dem Bundesparteitag der Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo) am 11. Juli 2026 in Frankfurt hielt er den folgenden Vortrag.
Liebe Freunde, liebe Mitstreiter, liebe Kollegen,
ich überbringe euch die besten Grüße von unserer französischen Organisation „Solidarité et Progrès“. Wir haben eine Mission, über die wir in diesem verheerenden Moment unserer Weltgeschichte mehr denn je gemeinsam nachdenken und dabei handeln müssen. Für uns als Patrioten und Weltbürger ist es offensichtlich, daß wir uns gemeinsam engagieren müssen, um die Welt zu retten und die Menschheit vor ihrer Selbstzerstörung zu bewahren. Helga (Zepp-LaRouche) betont immer wieder, daß nur friedliche Entwicklung und eine Sicherheitsarchitektur für alle geeignet ist, alle Probleme zu lösen. Wir können sie nicht einzeln lösen.
„Leicht gesagt“, werden die meisten sagen, „aber nicht leicht zu erreichen“. Derzeit sind die deutsch-französischen Beziehungen auf einem historischen Tiefpunkt, dem tiefsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg. Unsere Regierungen sind sich nur in einer Sache einig: so zu tun, als böten sie Rußland die Stirn, und den Geist von Anchorage zu sabotieren. Eine solche offene Verschwörung führt zu unserer gemeinsamen Selbstzerstörung.
Andererseits werfen die Franzosen den Deutschen – zu Recht – vor, die Sabotage ihrer nuklearen Kapazitäten organisiert zu haben. Und die Deutschen werfen den Franzosen – ebenfalls zu Recht – den Anspruch vor, die Europäische Union als Atommacht mit einer militärischen Nuklearstreitmacht anzuführen. Wie absurd!
Kernenergie ist keine Frage von Macht und Geopolitik, sondern ein Potential, die ganze Welt zu ihrer gemeinsamen Entwicklung zu führen. „Gemeinsame Entwicklung“, wie Papst Paul VI. uns in seiner Enzyklika Populorum Progressio sagte, ist der neue Name für Frieden.
Was ist passiert?
Erst Merkel und Sarkozy, dann Merkel und Hollande und nun Macron und Merz haben das Beste zerstört, was de Gaulle und Adenauer – und auf einer weitaus niedrigeren Ebene Giscard d’Estaing und Schmidt – organisieren wollten.
Das zeigt, wie tief wir gesunken sind. Frankreich und Deutschland – oder besser gesagt: die französischen und deutschen Regierungen – sind herunterkommen in einem selbstzerstörerischen System. Sie graben ihren eigenen Nationen das Grab. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Und ich muß hinzufügen, daß auch wir keine Entschuldigung dafür haben, nicht einzugreifen und das Geschehen zu ändern.
Deutschland kann sich auf die Stärke seiner wissenschaftlichen Tradition und seiner Industrie stützen. Vor allem aber hat es die beste klassische Kultur – verkörpert durch Cusa und Leibniz, Schiller, Bach und Beethoven –, um die Menschen zu erheben und den Geist der Menschheit zu beflügeln.
Die Gründung des Nationalstaates in Frankreich blickt auf die längste ununterbrochene Geschichte zurück, beginnend mit der Schule von Chartres über Jeanne d’Arc, Ludwig XI., Heinrich IV., Sully, Colberts physikalische Ökonomie bis hin zu Rabelais’ ätzendem Sinn für Ironie.
All das ist mehr als nur französisch – es ist universell. Wenn unsere Vorfahren uns sehen könnten, würden sie zweifellos erröten angesichts dessen, was aus uns heute geworden ist und was für Regierungen wir an die Macht gelassen haben.
Wir haben keine Entschuldigungen. Jawohl, man könnte sagen, daß die Vereinigten Staaten zu mächtig sind, um sie herauszufordern, daß die britische Mentalität allgegenwärtig ist und daß der techno-militärisch-finanzielle Komplex, der Welt beherrschen will, zu mächtig ist. Der letzte Sproß des Britischen Empire ist jetzt in den Vereinigten Staaten.
Aber als erstes müssen wir uns selbst reinigen. Und dann muß man bedenken, was sich in jüngster Zeit in den Vereinigten Staaten, im Jahr des 250. Jahrestags ihrer Gründung, abzeichnen könnte – nämlich der Geist der Gründerväter und eine Unzufriedenheit mit Trump. In diesem Zusammenhang wird die spirituelle und weltliche Kraft von Diane Sares Präsidentschaftskandidatur auf einer grundsätzlichen Ebene der Herausforderung gerecht, den Kurs der Vereinigten Staaten und der Welt zu ändern. Diese Kampagne geht einer Welle des Wandels voraus und reagiert darauf.
Wir haben also keinen Grund, absurd pessimistisch zu sein, auch wenn wir durchaus Grund haben, Angst zu haben. Doch wie der deutsche Dichter sagte: Je größer die Gefahr, desto größer wird die Rettung. Und wir sollten uns dieser gemeinsamen Rettung unserer Nationen und der Menschheit verschreiben.
Jetzt haben wir dafür einen europäischen Hebel.
Das bedeutet, daß wir unsere Denkweise ändern müssen, wie Helga es ihr ganzes Leben lang getan hat, im Dialog mit Cusa, Schiller, Bach und im ständigen Gedankenaustausch mit Lyn (Lyndon LaRouche).
Es bedeutet, die Menschlichkeit an erste Stelle zu setzen, so wie es alle Humanisten taten und wie es die Menschen in diesem Raum heute tun. Das ist dieselbe Qualität wie das, was drei andere Helden getan haben, denen wir es mit zu verdanken haben, daß wir heute am Leben sind. Ich spreche von zwei Sowjets und einem Amerikaner, die sich 1962 und 1983 dem Befehl zum Abschuß von Atomraketen widersetzten, weil sie zu dem Schluß gelangten, daß das, was ihre Radarschirme vermeintlich anzeigten, falsch war, und weil sie beschlossen, dem Wohl der Menschheit Vorrang zu geben.
Ich denke, das ist auch für uns eine Quelle der Inspiration, wenn wir sehen, wie ernst die Lage in der Welt ist. Ganz zu schweigen davon, daß es mit künstlicher Intelligenz heute noch viel schlimmer kommen könnte, wenn es eine automatische Reaktion auf einen Raketenangriff gäbe.
Wir müssen diese Inspiration also in unserer Geschichte finden, in dem, was in der Vergangenheit erreicht wurde. Wir müssen uns dieser Herausforderung stellen und – wie George Washington sagte und Lyndon LaRouche viele Male wiederholte – die absurden Parteigrenzen vergessen. Auch den gegenwärtigen Stand der deutsch-französischen Beziehungen im offiziellen Universum müssen wir vergessen. Das wahre Universum ist unser Universum – das Universum einer einzigen Menschheit. Und angesichts dessen, was auf uns zukommt, sollten wir umso besser organisiert sein, um zu handeln. Denn was auf uns zukommt, das lehrt uns die Geschichte des Ersten oder Zweiten Weltkriegs, wird zu einer unaufhaltsamen Welle der Zerstörung, wenn wir nicht eingreifen.
Schaut euch zunächst einmal an, was in den vergangenen Jahren und insbesondere in den letzten Monaten in der Welt geschehen ist. Das ist alles schon passiert. Noch sind nicht alle Auswirkungen spürbar, aber sie werden kommen. Und das bedeutet eine Katastrophe für Europa, eine Katastrophe für Frankreich und Deutschland.
Auf die deutsche Seite werde ich nicht näher eingehen, ihr alle kennt die schrecklichen Übel dort besser.
Was Frankreich betrifft: Die Armutsquote ist auf 15,4% gestiegen. Das sind zehn Millionen Menschen, davon 35-40% Kinder. Die Ungleichheiten nehmen zu. Und das Schlimmste sind die Paraden der „Schickeria“, bei denen sie unverschämt ihre Macht zur Schau stellen und zeigen, was sie sind.
Drogen sind in unserem ganzen Land weit verbreitet, nicht nur in den Städten, auch in allen Dörfern. Und Marseille gleicht mittlerweile einem europäischen Medellín.
Die Menschen machen sich Sorgen um ihre Kaufkraft und um ihre Sicherheit. Und weil sie von den Medien einer Gehirnwäsche unterzogen werden, hält ein Großteil von ihnen Putin immer noch für den Tyrannen des Kremls und Xi Jinping für einen bösen chinesischen Kaiser.
Dieselbe Presse schürt in der Bevölkerung ständig die Angst vor „dem anderen“. Das ist eine weitere Waffe der Oligarchie: Sie greifen etwas Beängstigendes auf und versuchen, der Bevölkerung einzureden, daß dieses Etwas für immer da sein wird. Das ist der Krieg aller gegen alle.
Diese Frage der Denkweise und wie wir unser grundlegendes soziales Engagement sehen, ist an diesem Punkt ein Schlüsselelement der Geschichte.
Die Wirtschaft bricht zusammen, begleitet von einer Welle von Insolvenzen. Im letzten Jahr gingen 70.000 Unternehmen in Konkurs, und die Rate steigt um 25%.
Die Bevölkerung haßt Macron und ist gegen ihn, aber die offiziellen Alternativen, Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon, sind keine Alternativen.
Marine Le Pen und ihr Rassemblement National teilen unbeirrbar die Illusionen rund um Kryptowährungen und glauben, sie könnten diese mit Kernenergie absichern, was natürlich völlig verrückt ist. Kernenergie wird zu deren Herstellung benötigt, weil dafür viel Energie gebraucht wird, wodurch diese Energie der Realwirtschaft vorenthalten wird. Und gleichzeitig sind sie Komplizen – oder mindestens willige Opfer – der Trump-Clique von Multimilliardären und Billionären. Die Regierung und auch die falschen Souveränisten spielen ungehemmt und irrational die „Anti-Migranten-Karte“ aus.
Ich muß das an dieser Stelle sagen: Wer ein wahrer Souveränist sein will, der muß den Migranten als Menschen sehen. Wer Migranten lediglich als wirtschaftliches Problem betrachtet, ist kein Souveränist, denn er glaubt nicht an die Zukunft. Das ist die Botschaft des Papstes in Magnifica Humanitas.
Nur ein Wort dazu. Die Vereinbarung zwischen Frankreich und dem Vereinigten Königreich zur Kontrolle des Ärmelkanals sieht vor, daß die Briten die französischen Behörden bezahlen, um Migranten daran zu hindern, den Kanal zu überqueren. Jetzt wurde der französischen Zollpolizei gestattet, die kleinen Boote der Migranten auf See zu beschlagnahmen. Es geht also nicht mehr nur darum, die Migranten daran zu hindern, von der Küste abzulegen, wie in den letzten Jahren, sondern ihre Boote zurückzudrängen und sie zu fangen oder ertrinken zu lassen.
Ein Spiegelbild der Geisteshaltung dieser Pseudo-Souveränisten, Rechten und Rechtsextremen findet sich in JD News, dem quasi-offiziellen Sprachrohr ihrer Sache. Der Artikel trägt den Titel „Wohin in den Urlaub, wenn man rechts ist“. Und darin heißt es: Erstens nach Texas, zweitens in Mileis Argentinien, das sei gut, und drittens in Bukeles El Salvador. Dann kommen Japan und auch Polen.
Das bedeutet also, daß es diese Welle gibt, die in den Köpfen der Menschen die Vorstellung festsetzen soll, daß der andere immer ein potentieller Feind ist, sogar im Urlaub – es sei denn, eine starke Polizei schützt dich.
Oh, und ich muß noch etwas zu Deutschland hinzufügen: Deutschland hat gegen die Finanzierung der UNRWA gestimmt, also der Organisation, die die Palästinenser mehr oder weniger am Leben hält. Was sie immer weniger kann wegen der Politik gegen sie, die von einer schädlichen Form von Kolonialisierung seitens Israels zu einer brutalen Form der Auslöschung übergegangen ist.
Die „gemäßigte Linke“ in Frankreich ist anti-chinesisch und anti-Putin. Sie wiederholen das Narrativ der Londoner City und der Wall Street. Wir sind weit entfernt von jenen Tagen im Jahr 2017, als ich selbst überrascht war zu hören, was Sigmar Gabriel zusammen mit seinen damaligen französischen Verbündeten sagte: daß das Schicksal Europas vom Kampf zwischen wirtschaftlicher Souveränität auf der einen Seite und der Unterwerfung unter die City und die Wall Street auf der anderen Seite abhänge. Offensichtlich haben all diese Leute inzwischen beschlossen, den Mund zu halten und wie der Strauß den Kopf in den Sand zu stecken.
Und was Mélenchon, die „extreme Linke“ – die französische „Die Linke“ – betrifft: Positiv zu vermerken ist, daß er sich für Frieden in Europa einsetzt, für einen Austritt aus der NATO, für fruchtbare Beziehungen zu China und für wohlmeinende und gute soziale Maßnahmen. Aber er ist gegen die Grundlagen, die dafür nötig sind. Er ist gegen Kernenergie. Er ist ein radikaler Ökologe – oder gibt zumindest vor, einer zu sein, denn eigentlich ist er noch übler. Und er instrumentalisiert die Palästina-Frage, um die Stimmen der französischen Wähler mit ausländischen Wurzeln zu gewinnen. Aber nicht um der Gerechtigkeit willen.
Hier stehen wir. Aber einige Souveränisten mit militärischem Hintergrund und einige Außenseiter der Politik öffnen ihre Ohren für das, was wir zu sagen haben, und sie haben versprochen, ihren Kopf heraus zu stecken – es ist noch nicht geschehen, aber sie haben es versprochen. Es auszusprechen ist bereits ein guter Anfang, aber es muß auch getan werden. Sie müssen ihren Kopf noch mehr heraus stecken.
Diese Souveränisten oder „Halb-Souveränisten“ oder angehenden Souveränisten versuchen, die Menschheitsgeschichte zu verstehen, sie ahnen, daß jeder, der verpaßt hat, was Lyndon LaRouche in den Vereinigten Staaten geleistet hat, kein echtes Verständnis hat, was in der Welt geschieht. Das Problem ist, daß die meisten von ihnen sehr vorsichtig in Bezug darauf sind, was sie öffentlich dazu sagen.
Schließen möchte ich mit zwei Anekdoten. Ich glaube, manchmal bieten Anekdoten einen besseren Einblick in das Geschehen, oder sie tragen zumindest dazu bei.
Erste Anekdote: Ich hatte gestern eine Zahnentzündung und ich durfte mich von den besten Fachleuten der französischen Zahnmedizin behandeln lassen. Bescheidene Menschen, aber die allerbesten; sie begleiten uns seit 25 Jahren und respektieren uns. Anschließend gingen wir gemeinsam mit dem Professor in eine Apotheke, um Medikamente zu kaufen.
Die Apothekerin sah mich an und sagte zu dem Arzt, der mich begleitete: „Cheminade? Ist das DER Cheminade?“
Ich mußte lachen. Sie fragte mich: „Warum lachen Sie?“ „Weil ich nie damit gerechnet hätte, daß mein Name hier einmal fällt“, sagte ich. Und sie antwortete: „Sie irren sich! Sie werden gebraucht, Menschen wie Sie werden gebraucht.“
Das war eine Person, die ich noch nie getroffen hatte, die ich nicht kannte, an einem Ort oder in einem Viertel, das überhaupt nicht im Zentrum Frankreichs liegt.
Zweite Anekdote: Vor einem Monat traf ich Nicolas Dupont-Aignan, den französischen Souveränisten, der bisher die meisten Stimmen bei einer Präsidentschaftswahl erhalten hat; er ist Bürgermeister einer Stadt mit etwa 30.000 Einwohnern in der Nähe von Paris. Er ist bei weitem nicht der Schlimmste. Er sagte zu mir im Beisein einiger anderer: „Jacques, Sie sind mir kulturell dermaßen überlegen – und politisch auch. Aber wenn ich all die anderen französischen Politiker treffe, dann fühle ich mich denen weit überlegen.“
Vielleicht nur freundliche Worte, zumindest zeigt es, daß er meinen Vornamen nicht vergessen hat. Aber im übrigen meldet er sich nie bei uns, um zusammenzuarbeiten.
Helga und ich streiten ja regelmäßig darüber, welche Lage schlimmer ist, die in Frankreich oder die in Deutschland, aber in der Hinsicht muß man zugeben, daß die Franzosen etwas haben – eine Präsidentschaftswahl –, was es in keinem anderen Land Europas gibt. Das ist ein Erbe de Gaulles, de Gaulle hat das durchgesetzt.
„Aber“, würdet ihr fragen, „was ist mit dem Präsidentenamt in einem gescheiterten Staat wie dem heutigen Frankreich? Was bringt es?“ Nun, es schafft einen Bezugspunkt, wie diese Anekdote zeigt, es schafft einen Bezugspunkt für die Menschen und die Institutionen des Präsidentenamtes. Und deshalb haben wir noch weniger Ausreden, nicht zu tun, was wir tun müssen.
Ihr in Deutschland habt Helga. Als Potential ist das, glaube ich, viel mehr, als die meisten von uns denken. Denn wir nähern uns – und damit komme ich auf das zurück, was ich vorhin gesagt habe – der Stunde der Wahrheit. Und in einem solchen Moment ist sie die einzige, die in der Lage ist, die Gelegenheit zu ergreifen. Genauso wir ihr – gemeinsam mit uns.
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Freuen wir uns über die Fortschritte, die unsere Ideen gemacht haben, und freuen wir uns auf weitere Fortschritte in den kommenden Monaten!
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