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Der bekannte amerikanische Friedensaktivist Jack Gilroy verfaßte den folgenden Offenen Brief an den Erzbischof von Santa Fe im US-Staat New Mexico, John C. Wester.
Sehr geehrter Herr Erzbischof Wester,
Herzlichen Glückwunsch zur Ernennung zum Teacher of Peace (Friedenslehrer) 2026 von Pax Christi USA! Diese Auszeichnung haben Sie sich wirklich verdient. Seit Ihrer ersten Reise nach Japan und Ihrem Hirtenbrief „Leben im Licht des Friedens Christi: ein Dialog für die nukleare Abrüstung“ sind Sie in der katholischen Kirche und in den gesamten USA zu einer führenden Stimme für die Abschaffung von Atomwaffen geworden. Durch die Gründung der „Partnerschaft für eine Welt ohne Atomwaffen“ haben Sie diese Reichweite noch weiter ausgebaut. Wir freuen uns sehr, daß Sie diese Auszeichnung in den kommenden Monaten entgegennehmen werden.
Wie Sie wissen, wächst die Gefahr eines Atomkriegs offenbar von Tag zu Tag, obwohl hundert Staaten den Atomwaffenverbotsvertrag (TPNW) unterzeichnet haben – 75 haben ihn sogar ratifiziert. Die diesjährige TPNW-Überprüfungskonferenz war erneut eine Enttäuschung. Man ließ den New-START-Vertrag auslaufen. Rußland, die USA und Israel, allesamt Atomwaffenstaaten, befinden sich im Krieg. Finnlands Präsident hat kürzlich ein Gesetz unterzeichnet, das Einfuhr und Transit von Atomwaffen erlaubt. Und litauische Politiker haben sich dem Vernehmen nach darauf geeinigt, ihre Verfassung zu ändern, um Litauen künftig die Stationierung von Atomwaffen zu ermöglichen.
Kurz gesagt, wir nähern uns einem Atomkrieg so stark wie damals während der Kubakrise 1962. Diese Krise endete mit diplomatischen Bemühungen, die die Welt retteten, und Papst Johannes XXIII. spielte dabei eine Schlüsselrolle. Seine einflußreiche Rolle ist wenig bekannt, aber er war es, der sich zu Wort meldete, um den notwendigen moralischen Ton anzugeben, der beiden Seiten half, sich für den Frieden einzusetzen.
So entwickelte sich die Lage: Im Herbst 1962 lud der Journalist Norman Cousins in Andover/Massachusetts zu einer informellen Diskussionsrunde sowjetischer und amerikanischer Wissenschaftler. Eine Fügung des Schicksals wollte es, daß sie sich am 22. Oktober trafen, an dem Abend, an dem Kennedy die Nation über die sowjetische Atomraketenbedrohung in Kuba informierte und die Marine anwies, weitere Lieferungen dorthin abzufangen.
Zu den von Cousins Eingeladenen gehörte auch ein Berater von Papst Johannes XXIII. im Vatikan, Pater Felix Morlion. Er fragte, ob eine päpstliche Intervention dazu beitragen könne, die Lage zu entschärfen. Cousins rief im Weißen Haus an; ein sowjetisches Mitglied der informellen Gruppe telefonierte mit Moskau. Beide erhielten ein nihil obstat. Pater Morlion informierte den Vatikan.
Am 25. Oktober sendete Radio Vatikan einen eindringlichen Friedensappell von Papst Johannes an die Staatschefs der Welt, insbesondere an Kennedy und Chruschtschow. Darin hieß es unter anderem: „Die Hand aufs Herz für das Gewissen gelegt, möge jeder den verzweifelten Schrei hören, der aus allen Teilen der Erde zum Himmel emporsteigt: Frieden, Frieden!“ Wir erneuern diesen feierlichen Appell heute.
Die Prawda druckte die Botschaft des Papstes umgehend mit einer großen Schlagzeile ab. Und am 28. Oktober, als Chruschtschow den Abzug der Raketen aus Kuba ankündigte, druckte die Prawda die Botschaft des Papstes erneut ab und lobte dessen „Realismus in der Friedensfrage“. Im Gegenzug zogen die Vereinigten Staaten ihre Raketen aus der Türkei ab. Hunderte Millionen Menschen atmeten erleichtert auf, und Verhandlungen zwischen den USA und der UdSSR führten 1963 zum ersten Atomteststopp.
Ein Jahrzehnt später erzählte Chruschtschow Cousins, wie sehr er Papst Johannes bewunderte, und sagte: „Während jener Woche der Kubakrise war der Appell des Papstes ein wahrer Lichtstrahl. Ich war dafür dankbar.“
Einige Jahre später sagte Chruschtschows Sohn Sergej, die Worte von Papst Johannes XXIII. hätten das Gewissen der Menschen und ganz besonders das seines Vaters und Kennedys, stark beeinflußt.
Vor diesem Hintergrund dachten wir, daß es vielleicht an der Zeit wäre, daß heute etwas ähnliches geschieht. Könnte Papst Leo XIV. eine Friedenskonferenz einberufen, um Atomwaffen von der russischen Grenze abzuziehen und die weltweite Abschaffung von Atomwaffen zu fordern?
Er hat bereits zum 80. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki etwas in dieser Richtung angedeutet, als er betete, daß die Bombenabwürfe „als Aufruf an die internationale Gemeinschaft dienen mögen, ihr Engagement für die Schaffung eines dauerhaften Friedens für unsere gesamte Menschheitsfamilie zu erneuern – ‚einen Frieden, der unbewaffnet ist und zur Abrüstung führt‘“. Vielleicht könnte der Vatikan oder ein anderer neutraler Ort wie Wien oder Genf als Veranstaltungsort dienen.
Können Sie dabei helfen, diese Empfehlung an Papst Leo weiterzuleiten? Wir glauben, daß Sie als starker und hochangesehener Verfechter der Abschaffung von Atomwaffen der ideale Diplomat wären, um Papst Leo zu ermutigen, Putin, Trump und Xi Jinping an einen Tisch zu bringen, um ein Ende der Atomwaffen zu planen und einen neuen Weg der wirtschaftlichen Umstellung von einer Kriegswirtschaft hin zu wirtschaftlicher Entwicklung für alle Menschen überall zu ebnen. Ihre Fürsprache und Papst Leos starke Führungsrolle könnten uns aus dem reinen Wahnsinn, den wir derzeit erleben, herausführen.
Mit freundlichen Grüßen,
– Jack Gilroy, Pax Christi im Staat New York; Veterans For Peace; Ban Killer Drones; Internationale Friedenskoalition des Schiller-Instituts
– Dr. Rosemarie Pace, Koordinatorin von Pax Christi im Staat New York
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