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Werner und Sabine Zuse berichten als Korrespondenten der Neuen Solidarität über eine Chinareise bayrischer Medienvertreter.
Vom 21. bis 31. Mai 2026 wurden wir beide, vermittelt durch das chinesische Generalkonsulat in München, von der China Media Group (CMG) zu einem Medienbesuch in die Volksrepublik China eingeladen. Als freie Journalisten für die Neue Solidarität waren wir Teil einer zwölfköpfigen bayerischen Mediendelegation, die aus Vertretern des Bayerischen Rundfunks, der stellvertretenden Vorsitzenden des bayerischen Journalistenverbandes, dem Präsidenten der Vereinigung Europäischer Journalisten, regionalen Zeitungsredakteuren und freischaffenden regionalen Medienvertretern bestand.
Die Reise führte uns nach Beijing, nach Chengdu in der Provinz Sichuan im Landesinneren und nach Zhuhai in der Provinz Guangdong. Dabei erhielten wir vielfältige Eindrücke der modernen Entwicklung Chinas in Bereichen wie Wirtschaft, Kultur, Tourismus und Medienwesen. Ziel dieser Reise war es, Medienvertretern eine objektivere Einschätzung von China und damit der Berichterstattung zu ermöglichen und den Austausch zwischen deutschen und chinesischen Medien zu fördern. Die ganze Reise über betreuten uns Vertreter der China Media Group, und am Ende der Reise waren neue Freundschaften geschlossen.
Bereits am ersten Tag der Reise konnten wir in Beijing an einer Pressekonferenz des Außenministeriums teilnehmen und uns danach selbst mit dem stellvertretenden Sprecher des Ministeriums austauschen. Bei dieser Pressekonferenz stand der Iran-Konflikt im Vordergrund, wobei die Notwendigkeit einer Lösung durch Diplomatie betont wurde. Am zweiten Tag gab es am Vormittag einen Chinesisch-Deutschen Rundtisch der All-China Journalist Association (ACJA), wobei das Hauptthema im Rahmen des 15. Jahresplans Chinas und der umfassenden strategischen Partnerschaft zwischen China und Deutschland die Rolle von Medien und Denkfabriken in einem sich wandelnden globalen Umfeld war.
Wir beide als Vertreter der Neuen Solidarität betonten, daß wir uns schon seit Anfang der 90er Jahre für den Aufbau einer Infrastruktur, die den ganzen eurasischen Kontinent verbindet, eingesetzt haben, ebenso wie das Kennenlernen der Kultur des anderen. Über unsere Publikationen Ibykus und Fusion fördert unsere Nachrichtenagentur E.I.R GmbH bereits seit Jahren das Verständnis von China, das von Teilen der Bevölkerung immer noch als „gelbe Gefahr“ statt als Chance angesehen wird.
Am Nachmittag erfolgte ein Besuch bei der China Media Group, die, in einem modernen Hochhaus untergebracht, Nachrichten aus aller Welt sammelt, verarbeitet und auf eigene Korrespondenten zurückgreifend auch auf Englisch ausstrahlt. Da gerade vor Ort eine Nachrichtensendung lief, konnten wir einen direkten Eindruck bekommen, was in China berichtet wurde und bei uns nicht: z.B. den brutalen Stopp der Gaza-Flottille, die Nahrungsmittel nach Gaza bringen sollte und vom israelischen Militär in internationalen Gewässern gestoppt wurde und deren Mitglieder, wie sie selbst berichteten, physisch angegriffen und gedemütigt wurden.
Danach fuhren wir zum China World Trade Tower, einem hypermodernen Einkaufszentrum mit internationalen Marken, und dinierten danach im China World Hotel. Im China World Hotel wurden wir im riesigen Eingangsbereich, das in einem europäischen Stil gehalten ist, von einer etwa 20köpfigen Delegation des Personals mit einem vorher einstudierten kleinen Tanz empfangen. Nach einem obligatorischen Gruppenfoto wurden wir mit chinesischem Tee und originalem chinesischen Konfekt aus der Region erfrischt. Am Ende des Tages wurden wir um die Mauer der Verbotenen Stadt am Tiananmen-Platz gefahren, wo sich auch das Mausoleum für Mao Tse-tung und nicht weit entfernt die Halle der chinesischen Volksvertretung befinden. Schade, daß wir keine Zeit fanden, den verbotenen Palastbereich selbst zu besuchen.
Am 23. Mai besuchten wir die Visual China Group, die eine digitale Plattform für visuelle Inhalte anbietet. Dort kann man sich registrieren lassen und Fotos einstellen, und wenn jemand diese Fotos verwenden und mit KI weiterverarbeiten möchte, wird man dafür entlohnt. Es gab einige Diskussionen über Urheberrechte und die Unterschiede zwischen China und Europa in diesen Bereichen. Danach wurden wir durch einen vom Staat unterhaltenen und finanzierten Kunstbezirk geführt, ein ehemaliges von der DDR gebautes Stahlwerk, wo wir die Ausstellung eines modernen chinesischen Künstlers besichtigten. Das Echo darauf war in der Gruppe gespalten.
Am folgenden Tag fuhren wir zur Besichtigung und Begehung eines winzigen Teiles der Großen Mauer, die sich bekanntlich über Tausende von Kilometern erstreckt. Diese verläuft dort in den Bergen in einem Kilometer Höhe, ist daher sehr beeindruckend und diente laut unseren Reisebegleitern weniger der Abschreckung der Barbaren als der Demonstration der Größe und Macht des chinesischen Reiches.
Nach einem Flug nach Chengdu, der Provinzhauptstadt von Sichuan, die in einem Talkessel in Zentralchina liegt und für ihre Pandabären-Zucht berühmt ist – die wir natürlich auch besuchten, wobei der Münchner Tierpark Hellabrunn auch ein Paar bekommen soll –, lernten wir dort auch einen traditionellen Straßenzug mit alten Häusern aus China kennen, nahmen dort ein Abendessen ein und wurden mit traditioneller Kultur unterhalten.
Das moderne China lernten wir im Chengdu International Railway Exhibition und Trading Center kennen. Dort wurden uns auf einen sehr großen Bildschirm die modernen Land- und Wasserverbindungen gezeigt, die sich ausgehend von Chengdu, das ein Hauptknotenpunkt der Eisenbahninfrastruktur in China ist, in alle Teile der Welt erstrecken – über den arktischen Norden Rußlands bis nach Portugal in den Westen und nach Südostasien, aber auch bis nach Japan.
Überhaupt ist dieser Teil Chinas sehr fruchtbar, das Klima ist warm und feucht, es gibt viel Wasser, Reis-, Gemüse- und Obstanbau spielt eine große Rolle. Wir erhielten einen tiefen Einblick in ein antikes Wasserregulierungssystem, das Dujiangyan-Wasserbauprojekt, das ein Gouverneur der Han-Dynastie bereits vor über 2000 Jahren durchführen ließ, um wiederholte Überschwemmungen zu beseitigen, die damals die Region bedrohten, indem er aus einem großen Fluß, drei weitere Seitenarme abzweigte, die jetzt noch Chengdu mit Wasser versorgen.
Großprojekte waren schon immer eine Spezialität Chinas. Chinas 5000jährige Geschichte lernten wir im Sanxindui-Museum kennen, das u.a. kultische Bronzeobjekte aus der Shang-Dynastie ausstellt, aus einem Zeitraum zwischen 1400 und 1100 v. Chr. Diese reichen von Bronzemasken bis zu 4 Meter hohen Bronzeskulpturen, die den harmonischen Zusammenklang zwischen Himmel und Erde verdeutlichen sollen und Figuren und Fabelwesen aus der Mythologie übereinander türmen.
Zurückkehrend in das moderne Chengdu, wurden wir in den Tianfu Long Island Digital Cultural and Creative Park gefahren, wo in einer ruhigen, nur von Elektrofahrzeugen durchfahrenen Insel hübsche, kleine Häuser kreativ arbeitenden Start-ups und jungen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Diese beschäftigen sich u.a. mit Robotik in Form von autonom arbeitenden Zulieferrobotern, die Filme in 3D anfertigen, die einen mit einer entsprechenden Brille ausgestatteten Zuschauer völlig in die Szenerie hineinziehen und diese dadurch verdeutlichen können – aber auch mit völlig KI-generierten Kurzfilmen, die durch Aneinanderreihung sensationeller Aktionen nur die Sensationslust der Zuschauer kitzeln und ähnlich wie im Westen das Denkvermögen der Jugend ausschalten.
Am 28. Mai bekamen wir noch den weltgrößten, in Sandstein gehauenen Loshan-Buddha zu sehen, über 70 Meter hoch, der imposant über dem Jinjiang-Fluß thront, bevor wir nach Zhuhai in der Provinz Guangdong flogen.
Die beiden Medienvertreter aus Nürnberg begleiteten separat zu unserem Programm noch ein Treffen zwischen den Oberbürgermeistern von Nürnberg und Chengdu, die Partnerstädte sind und durch die Neue Seidenstraße direkt miteinander verbunden sind. Eine große Wirtschaftsdelegation begleitete den neuen Oberbürgermeister von Nürnberg, Marcus König, nach Chengdu. Nürnberg plant den Bau eines neuen Krankenhauses, und deshalb besuchte die Delegation ein medizinisches Forschungszentrum in Chengdu. Von einem Medienvertreter erfuhren wir später, wie hervorragend die Medizintechnik in China bereits ist. Durch Roboter unterstützt können minimalinvasive Operationen durchgeführt werden, und Nürnberg wird wahrscheinlich auf chinesische Technik für das geplante Krankenhaus zurückgreifen.
Am 29. Mai fuhren wir – einer der Höhenpunkte der Reise – über die 55 km lange Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke (wobei ca. 6,7 km untertunnelt sind). Sie verbindet die Großstädte Hongkong, Zhuhai, Macao und Shenzen und läßt damit das Perlflußdelta, eine Großregion mit über 80 Millionen Einwohnern, infrastrukturell zusammenwachsen. Die Fahrzeiten von einer Seite des Deltas bis zur anderen werden durch sie von 2-3 Stunden auf eine halbe Stunde verkürzt. Eine Meisterleistung, innerhalb von 15 Jahren geplant und gebaut, ästhetisch ansprechend – und natürlich erdbebensicher bis Stärke 8. Sie muß auch Taifunen widerstehen können.
Danach erfolgte ein Besuch bei Gree Electric Appliances in Zhuhai, dem führenden Hersteller von Klimageräten in China. Klimageräte finden sich überall in Wohnungen von Peking bis in den heißen Süden. Wir erfuhren viel über die enorme technische Entwicklung Chinas. Das Unternehmen, das heute Zehntausende von Mitarbeitern beschäftigt, schraubte in den 90er Jahren noch vorgefertigte Komponenten zusammen, entwickelte dann ab dem Jahr 2000 eigene Klimageräte und deckt heute die komplette Bandbreite von Haushaltsgeräten ab, wobei es bei der Produktion neben zugekauften auch immer mehr selbst entwickelte Werkzeugmaschinen einsetzt.
Eine Spazierfahrt entlang der Küste – tagsüber war es dort fast unerträglich heiß – zeigte uns den mit von weither gebrachtem Sand künstlich geschaffenen Strand, welcher der Erholung der Bevölkerung dient. In der Stadt, die erst 50 Jahre alt ist und doch bereits 7 Millionen Einwohner hat, findet man neben den üblichen Hochhäusern auch eine sehr schöne Oper in Form einer gespaltenen Muschel.
Am letzten Tag unseres überreichen Besuchsprogramms statteten wir noch den Kingsoft Softwarepark einen Besuch ab, in dem die Office- und Verwaltungsprogramme für China erstellt werden. Nach einem Transfer nach Shenzen flogen wir von dort über Beijing nach München zurück.
Am 29. Mai berichtete das chinesische Fernsehen CCTV über den Besuch der bayrischen Mediendelegation und zitierte Vertreter der Delegation in Deutsch und Englisch. Dabei kam auch Werner Zuse von der Neuen Solidarität zu Wort.1
Man kann nur jedem Deutschen empfehlen, China zu besuchen, um eine Idee davon zu bekommen, wie auch Deutschland wieder zu seiner optimistischen Weltsicht kommen kann, die wir in unserem Wirtschaftswunder der 50er und 60er Jahre ja auch einmal hatten, die wir aber der heutigen Jugend gestohlen haben.
Sabine und Werner Zuse
Anmerkung
1. CCTV's 2026 „German Journalists' Tour of China” Media Event Held in Chengdu
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