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Neue Solidarität
Nr. 11-12, 12. März 2026

Mit Künstlicher Intelligenz in den Atomkrieg?

E.I.R. Strategic Alert, 5.3. 2026 – Künstliche Intelligenz ist trotz ihrer offensichtlichen Mängel bereits viel mehr Teil der Verteidigungspolitik der Großmächte, als man denken könnte. Wie gefährlich es ist, sich in der realen Welt auf solche Technologien zu verlassen, bewiesen kürzlich „Kriegsszenarien” unter der Leitung von Prof. Kenneth Payne vom Londoner King's College.1 In der Studie wurden drei führende KI-Modelle – GPT-5.2, Claude Sonnet 4 und Gemini 3 Flash – in einem „Turnier“ mit 21 simulierten nuklearen Krisenszenarien getestet, um neue Formen der „Maschinenpsychologie“, wie Payne es nennt, unter solchen Bedingungen zu untersuchen.

In 95% der Fälle eskalierte der Konflikt bei mindestens einem KI-Modell bis zum Einsatz taktischer Atomwaffen, in 75% sogar bis zum Einsatz strategischer Atomwaffen! Laut Payne entschied sich keines der Modelle jemals für eine friedliche Einigung oder Kapitulation. Acht Deeskalationsoptionen standen zur Verfügung, aber keine wurde jemals genutzt. Militärstrategen versichern uns zwar, eine endgültige Entscheidung für militärische Angriffe würde niemals ohne den Menschen fallen, aber viele Beobachter befürchten, daß in Momenten extremer Zeitnot und Unsicherheit Abstriche gemacht werden könnten.

Unterdessen ist im US-Kriegsministerium eine Kontroverse um KI ausgebrochen. Seit 2024 nutzt das Pentagon das KI-Modell Claude der Firma Anthropic in geheimen Netzwerken für die Analyse von Geheimdienstinformationen, Cyberoperationen und Missionsplanung. Anthropic-Chef Dario Amodei zog jedoch zwei rote Linien: keine Massenüberwachung der Amerikaner und keine vollständig autonomen Waffen. KI sei nämlich bisher nicht zuverlässig genug, um ohne menschliches Zutun Entscheidungen über Tötungen zu treffen, und die grundlose Massenerfassung von Daten über Bürger sei unvereinbar mit der Demokratie, zu deren Verteidigung das Militär dienen soll.

Das Kriegsministerium behauptete, es wolle gegen keine der beiden Bedingungen verstoßen, forderte aber trotzdem den Verzicht auf diese ethischen Verpflichtungen. Als Anthropic dies verweigerte, stufte Kriegsminister Pete Hegseth die Firma am 27. Februar als „Risiko für die nationale Sicherheit in der Lieferkette” ein. Mit sofortiger Wirkung dürfe kein Militärdienstleister mehr mit ihr Geschäfte machen. Während Anthropic dies vor Gericht anficht, gab der Chef von Open AI, Sam Altman, fast sofort bekannt, sein Unternehmen habe einen Vertrag über den Einsatz im geheimen Netzwerk des Pentagon abgeschlossen. Er behauptet, die Vereinbarung enthalte dieselben Verbote der Überwachung und gänzlich autonome Waffen, für die Anthropic kämpft – aber das scheint sehr unwahrscheinlich.

Das Pentagon ist zwar befugt, Unternehmen in Kriegszeiten zur Lieferung bestimmter Güter zu verpflichten, doch dies ist das erste Mal, daß eine Regierung damit droht, diese Befugnis zu nutzen, um ein Unternehmen zur Herstellung und Lieferung eines Produkts zu zwingen, das es gar nicht produzieren will. Wenn eine Regierung von Unternehmen nicht nur verlangt, daß sie an sie verkaufen, sondern auch, daß sie nach ihren Vorgaben produzieren und ihre eigenen ethischen Beschränkungen unter Androhung der Aufnahme in eine schwarze Liste aufheben, dann geht dies weit über „Beschaffung” hinaus in Richtung eines staatlich gelenkten Korporatismus.

eir


Anmerkung

1. „Shall we play a game?”, Kriegsszenarien ausprobiert mit führenden KI-Modellen, Londoner King's College.

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