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Neue Solidarität
Nr. 1-2, 8. Januar 2026

Wirtschaftsnachrichten

Ausfälle bei 10-jährigen US-Staatsanleihen – was bedeutet das?

E.I.R. Nachrichten, 28.12. 2025 – Bloomberg hat eine Flut von Folgeberichten ausgelöst, als es vor zwei Tagen meldete, es gebe „im Dezember einen Anstieg der Ausfälle“ bei 10-jährigen US-Schatzanweisungen, d.h. Fälle, in denen die Abwicklung eines Handels fehlschlägt, weil der Verkäufer oder Händler die rechtzeitige Lieferung der Schatzanweisung an den Käufer nicht arrangieren kann. Alle sind sich einig, dass dies auf einen Liquiditätsengpass auf dem größten Finanzmarkt der Welt hindeutet – dem 31 Billionen Dollar schweren Markt für öffentlich gehaltene US-Staatsanleihen.

Analysten sehen zwei Ursachen, die sie unterschiedlich gewichten: die Quantitative Straffung (Liquiditätsdrosselung) von Mai 2022 bis Oktober 2025 und die aktuelle Absprache zwischen der Federal Reserve und dem Finanzministerium, neue Schulden nicht mehr mit Staatsanleihen (Notes) und/oder Schuldverschreibungen (Bonds), sondern mit sehr kurzfristigen Schatzwechseln (Treasury Bills) zu finanzieren. Im wesentlichen passiert das durch Verkäufe an Schattenbanken und Spekulanten. Und die Federal Reserve kauft monatlich 40 Milliarden Dollar dieser Papiere auf.

Eine Wall-Street-Website, TradeAlgo versuchte zu beruhigen: „Wichtig ist, dass die Daten nicht unbedingt auf einen Zusammenbruch des Treasury-Marktes an sich hindeuten. Zahlungsausfälle können durch eine Reihe von Faktoren verursacht werden, wie vermehrte Leerverkäufe, Hedging-Ströme oder plötzliche Positionsveränderungen [Spekulationen von Hedgefonds, Red.].“ Aber selbst dort heißt es: „Das Ausmaß des jüngsten Anstiegs deutet jedoch darauf hin, dass die schwierigeren finanziellen Bedingungen die Grenzen der Marktinfrastruktur auf die Probe stellen.“

Ein weiterer Faktor hängt mit der Realwirtschaft zusammen: Ausländische Regierungen hielten Anfang der 2010er Jahre noch 40 Prozent der US-Staatsanleihen, heute nur noch 15 Prozent. Und davon entfällt der größte Anteil auf typische Finanzzentren: die Kaimaninseln, die britischen Kanalinseln, Luxemburg, Monaco usw.

* * *

Die Schweiz braucht eine ernsthafte Debatte über die Bankentrennung

E.I.R. Strategic Alert, 1.1.2026 – Die drohende Finanzkrise löst in der Schweiz Besorgnis aus, weil die Megabank UBS, deren Vermögen doppelt so groß ist wie das gesamte BIP des Landes, davon betroffen ist. Die UBS ist weltweit führend daran beteiligt, vermögenden Kunden und institutionellen Anlegern Zugang zum privaten Kreditmarkt zu verschaffen – also genau dem Markt, auf dem es zu ersten Ausfällen minderwertiger Kredite gekommen ist, was ein Auslöser für eine globale Krise ähnlich wie die minderwertigen Hypotheken 2008 werden kann.

In diesem Zusammenhang fordert der Ex-Vorsitzende der Schweizerischen Volkspartei (SVP) Christoph Blocher eine Teilung der Bank in eine amerikanische UBS und eine schweizerische UBS, wohingegen die Schweizer Regierung (der Bundesrat) auf eine Erhöhung der Kapitalreserven der UBS drängt. Die Logik hinter seinem Vorschlag ist, daß sich das Investmentbanking der UBS auf die USA konzentriert, während Geschäftsbanktätigkeit und Private Banking in der Schweiz angesiedelt sind.

Blocher hat seine Idee der aktuellen Regierungschefin und Finanzministerin Karin Keller-Sutter (FDP) vorgestellt, und die SVP-Fraktion im Parlament soll sich damit befassen. Nach Ansicht von Experten, die EIR konsultiert hat, könnte die Strategie funktionieren, aber die Schwierigkeit ist, daß die Regierung einer Privatbank eine solche Entscheidung nicht aufzwingen kann und das UBS-Management sich bereits dagegen ausgesprochen hat. Blochers Kritiker werfen ihm vor, es sei eine reine PR-Aktion, um sich als Patriot und Verteidiger der Schweizer Neutralität zu profilieren, obwohl er genau wisse, daß keine Aussicht auf Erfolg besteht.

Ein alternativer Ansatz wäre ein Trennbankengesetz für eine allgemeine Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanken, wie im früheren Glass-Steagall-Gesetz in den USA. In diesem Fall müßten die Banken das Gesetz einhalten. Ein solcher Vorschlag wurde 2008 vorgelegt, aber während Regierung und Nationalrat dafür waren, stimmte der Ständerat damals dagegen. Die politischen Bedingungen in der Schweiz haben sich seitdem nicht geändert, aber die Gefahr für die wirtschaftliche und soziale Stabilität des Landes ist deutlich größer geworden, und ehemalige Gegner könnten überzeugt werden, ihre Meinung zu ändern.

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