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Von Ulf Sandmark
Ulf Sandmark vom schwedischen Schiller-Institut veröffentlichte am 24. März die folgende Erklärung zu den Massakern an Christen und Alawiten in Syrien.
Die Massaker an Alawiten und Christen in Syrien begannen nicht erst am 7. März nach einem Hinterhalt gegen Sicherheitskräfte der Regierung in Latakia. Die Massaker begannen am 3. Februar gegen Alawiten in Dörfern in der Nähe der Stadt Homs. Auch ganze Familien sunnitischer Muslime wurden in Latakia massakriert, als sie versuchten, ihre alawitischen Freunde und Nachbarn zu verstecken. Unsere Freundin, die in Syrien lebende katholische Nonne Mutter Agnes Mariam de la Croix, gab am 23. März 2025 an, daß in den syrischen Küstenregionen inzwischen 40.000 Menschen tot sind oder vermißt werden.
Es ist zu einem sehr großen Massaker geworden. Regierungsnahe Dschihadisten-Milizen ziehen von Dorf zu Dorf, um zu morden und zu plündern. Aus dem Dorf Sannoubr Jableh wird von 196 Toten berichtet, aus dem Dorf Al Muktariyah von 170 Toten, usw. Das Morden, das auch an Straßensperren in den Städten weitergeht, muß sofort aufhören. Wenn nicht, gibt es in Syrien genug Waffen, damit sich das ganze Land in neuen Bürgerkriegen und Blutvergießen auflöst.
Syriens amtierender Präsident Ahmed al-Scharaa muß seine Versprechen einlösen, Minderheiten zu schützen und Syrien zu einem Land für alle Ethnien und Religionen zu machen, die Massaker durch eine unabhängige Kommission untersuchen zu lassen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Dies muß von der ganzen Welt gefordert werden. Es ist auch die Forderung der Demonstrationen in Damaskus.
Der Regierung konnte eine erfolgreiche Aussöhnung mit den kurdischen Gruppen im Nordosten und auch mit den Drusen im Süden erreichen. Das verschafft der Regierung die Möglichkeit, Öleinnahmen zu erzielen, damit die Maschinen im Land wieder laufen und die Lebensmittelversorgung verbessert wird, insbesondere wenn die Frühjahrssaat so organisiert werden kann, daß eine ausreichende Ernte Hungersnöte und neue Unruhen verhindert.
Die Aussöhnungsbemühungen müssen nun mit allen ethnischen Gruppen in Syrien fortgesetzt werden. Auch zwischen der Regierung, den Christen und den Alawiten muß es eine Aussöhnung geben. Zehntausende Menschen aus Latakia halten sich aus Angst überall in der Provinz, auf dem dortigen russischen Luftwaffenstützpunkt und im ganzen Land versteckt. Zudem werden 25.000 ehemalige Soldaten der vorherigen Regierung, die sich ergaben und ihre Waffen abgegeben haben, noch in Gefangenenlagern festgehalten. Renten für alle Witwen und Kinder von Soldaten und für Kriegsinvaliden müssen ausgezahlt werden. Menschen, die in die Nachbarländer fliehen, müssen ausreisen dürfen und dort versorgt werden, damit sie später zurückkehren können. UN-Menschenrechtsorganisationen, der Rote Halbmond und Journalisten müssen sofort Zugang zu allen Teilen Syriens erhalten, um sich ein Bild der Lage zu machen.
Auf dem Spiel stehen auch die gesamte früher vorhandene Verwaltung, Schulen, Gesundheitsversorgung, Versorgung mit Wasser und Strom, Abfallwirtschaft, Transport, Häfen usw. Die Regierung muß den Fehler vermeiden, den die US-Besatzung im Irak begangen hat, nämlich alle ehemaligen Regierungsangestellten zu entlassen, was dort zu massiver religiöser und anderer Gewalt geführt hat.
Die Karte (siehe Abbildung rechts) zeigt die Vision des Schiller-Instituts, wie Syrien wieder an die historischen Seidenstraßen durch die Kontinente angeschlossen werden kann. Zu Zeiten dieser Routen blühte Syrien auf. Heute kann Syrien mit modernen Magnetbahnen und anderen Transportmitteln wieder auf die Beine kommen, wenn es mit den Nachbarländern zusammenarbeitet und sie alle ihren Teil der Transportkorridore der von China initiierten Neuen Seidenstraße (Gürtel- und Straßen-Initiative, BRI) bauen.
Unsere Regierungen dürfen nicht tatenlos zusahen, was in Syrien geschieht. Die schwedische Regierung ist, ebenso wie die der USA, Großbritanniens, Frankreichs und vieler anderer westlicher Länder, tief in den 14jährigen Krieg in Syrien verwickelt und unterstützt nun Präsident al-Scharaa. Sie muß ihren Einfluß in Syrien und auch in der EU geltend machen, um das Morden zu beenden und das Land zu stabilisieren. Die neue Regierung dort muß die Mittel erhalten, um das Land zusammenzuhalten und seine Streitkräfte zu befehligen.
Die Invasionen Israels im Süden und der Türkei im Norden müssen verurteilt werden. Syrien braucht jetzt Hilfe, damit diese ausländischen Truppen aus den besetzten Gebieten und von den blockierten Grenzübergängen abziehen.
Syrien und alle Nachbarstaaten brauchen eine umfassende Architektur für Frieden, Sicherheit und Entwicklung in ganz Westasien, so daß die verschiedenen Konflikte durch Zusammenarbeit zum Nutzen aller gelöst werden können, z.B. durch den von Lyndon LaRouche vorgeschlagenen Oasenplan1 und die chinesische Seidenstraßen-Initiative.
Die völkerrechtswidrigen Invasionen durch israelische, türkische und US-amerikanische Truppen müssen aufhören. Israel muß schnell Frieden mit den Palästinensern schließen, damit es nicht zusammenbricht. Auf der Tagesordnung stehen der ägyptische Plan zum Wiederaufbau von Gazastreifen und Westjordanland sowie der Vorschlag des Oasenplans für große wirtschaftliche Entwicklungsprojekte zur Vervielfachung der Wasserressourcen. Damit der Frieden zwischen Israel und Palästina gedeihen kann, brauchen beide auch blühende Nachbarn. Für Israel ist daher die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region, einschließlich des Wiederaufbaus Syriens, der Schlüssel zu einem langfristigen Frieden.
Syriens jahrhundertealte Tradition des Austauschs zwischen Völkern und Religionen hat ein einzigartiges Mosaik menschlichen Zusammenlebens geschaffen. Das ist es, was Syrien einzigartig macht und was Menschen auf der ganzen Welt lieben. Und die Syrer in der Diaspora verfügen über enorme menschliche und wirtschaftliche Ressourcen, wenn man ihnen erlaubt, zum Wiederaufbau Syriens beizutragen.
Anmerkung
1. The Oasis Plan – The LaRouche Solution for Southwest Asia, Internetseite des Schiller-Instituts.
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