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Während die Wachstumsraten in der EU bei oder unter null liegen, wächst die Wirtschaft in den BRICS-Staaten stark an – auch in Rußland.
Der russische Präsident Putin hat bei mehreren Gelegenheiten die BRICS in den Mittelpunkt der Diskussion über die notwendige neue globale Sicherheitsordnung gestellt. Wie wir berichteten, tat er dies anläßlich seiner sehr wichtigen ersten Reaktion auf Präsident Trumps Waffenstillstandsvorschlag für die Ukraine am 13. März, als er nicht nur dem US-Präsidenten, sondern auch China, Indien, Südafrika und Brasilien für ihre Bemühungen um Verhandlungen dankte. Am 18. März, unmittelbar vor seinem historischen Telefonat mit Trump, machte Putin dann vor dem Russischen Industrie- und Unternehmerverband (RSPP) deutlich, daß sich die nächste Wachstumsphase der Welt auf die BRICS und den Globalen Süden verlagern wird.
Auf dem Jahreskongreß des Verbands sagte er den Unternehmern, unabhängig von globalen Entwicklungen oder Verschiebungen sollten sie nicht damit rechnen, daß die illegitimen Sanktionen gegen russische Unternehmen und die Regierung aufgehoben werden. „Ich wiederhole: Sanktionen und Beschränkungen sind die Realität der neuen Entwicklungsstufe, in welche die ganze Welt, die gesamte Weltwirtschaft eingetreten ist. Der globale Konkurrenzkampf hat sich verschärft und nimmt immer raffiniertere und kompromißlosere Formen an. So entfaltet sich buchstäblich vor unseren Augen eine neue Spirale wirtschaftlicher Rivalität... Eine Rückkehr zu den vorherigen Bedingungen ist unmöglich. Wir sollten weder einen völlig ungehinderten Handel, Zahlungsverkehr oder Kapitalfluß erwarten noch uns auf westliche Mechanismen zur Wahrung der Rechte von Investoren und Unternehmern verlassen.“
Für Europa erwartet Putin wenig Positives: „Wir sehen, daß die meisten europäischen Länder ihre Souveränität verloren haben und infolgedessen mit ernsthaften Problemen sowohl in der Wirtschaft als auch im Sicherheitsbereich konfrontiert sind. Was die Wirtschaft betrifft, so haben alle von ihnen Wachstumsraten nahe Null oder befinden sich sogar in einer Rezession. Im Gegensatz dazu haben die BRICS-Staaten und diejenigen, die der Vereinigung beitreten möchten, den Nutzen der Bündelung von Potentialen verstanden und waren in den letzten Jahren führend im globalen Wachstum, wodurch sie einen hohen Standard für wirtschaftliche Dynamik geschaffen haben.“
Der langfristige Trend werde durch die Entwicklungsplattform der BRICS gestützt, die derzeit Gestalt annimmt. „Sie wird Komponenten in den Bereichen Ressourcen, Technologie, Personal, Finanzen, Handel und Investitionen auf einem völlig neuen Niveau umfassen, wobei modernste digitale Lösungen zum Einsatz kommen, die die Effektivität der Plattform maximieren und negative Einflüsse eindämmen werden. Ich zähle sehr darauf, daß russische Unternehmen sich aktiv an diesen gemeinsamen Projekten mit unseren BRICS-Partnern und zukünftigen BRICS-Mitgliedern beteiligen werden.“
Er rief die Unternehmer auch dazu auf, die Produktion zu modernisieren und mit innovativen Technologien zu steigern.
Tatsächlich wuchs die russische Wirtschaft, nachdem sie im Jahr 2022 aufgrund der vom Westen verhängten Sanktionen einen Rückgang des BIP um 1,2 Prozent hinnehmen mußte, in den Jahren 2023 und 2024 um jeweils 4,1 Prozent. Und das trotz eines feindlichen Umfelds: mehr als 16.000 Sanktionen unterschiedlichster Art, das Einfrieren oder der Diebstahl von Finanzvermögen im Ausland und die Zerstörung von Erdgasleitungen. Wie hat Rußland das geschafft?
In seinem Beitrag zum diesjährigen Raisina Dialogue, der von Indiens prominentestem Think Tank, der Observer Research Foundation, organisiert wurde, erklärte der russische Ökonom Alexander A. Dynkin, es gebe drei Hauptgründe für Rußlands Widerstandsfähigkeit: 30 Jahre Marktreformen, Erfahrung im Umgang mit Streß und Schocks sowie Fehleinschätzungen des Westens hinsichtlich seiner Fähigkeit, Rußland wirtschaftlich zu isolieren. Rußland habe seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine Reihe von Bankenkrisen erlebt und verfüge über die nötige Erfahrung, um mit der aktuellen Situation gelassen umzugehen.
Wirtschaftliche Veränderungen haben Rußland zu weiterem Wachstum verholfen. „Die Ölproduzenten haben die Exportströme drastisch umgelenkt“, sagt Dynkin, der Präsident des Primakow-Forschungsinstituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen an der Russischen Akademie der Wissenschaften ist. „Während im Jahr 2021 fast 100 Prozent der Rohölexporte nach Europa gingen, waren es Ende 2022 bereits 80 Prozent für die asiatischen Märkte.“ Die drei wichtigsten Handelspartner Rußlands wechselten von China, Deutschland und den Niederlanden zu China, Indien und der Türkei. „Paradoxerweise“, fügt er hinzu, „bleibt Rußland der zweitgrößte LNG-Lieferant der EU.“
Die Sanktionen gegen Rußland hätten die Beziehungen zur Eurasischen Wirtschaftsunion und zu den BRICS-Staaten gestärkt, die Sanktionen haben einen „Bumerang-Effekt… Rußland könnte es schaffen, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten, die Rüstungsproduktion zu steigern und gleichzeitig den Lebensstandard der Bevölkerung zu halten oder sogar zu verbessern“, so seine Schlußfolgerung.
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