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Neue Solidarität
Nr. 47, 24. November 2022

LaRouches Thesen zu heiß
für den elektronischen Buchhandel in Deutschland?

Am 7. November wurde E.I.R. seitens Betreiber der Tolino-Plattform mitgeteilt, daß sie ihren Kunden Lyndon LaRouches Werk Es gibt keine Grenzen des Wachstums nicht anbieten werden. Tolino ist neben Amazon der größte Anbieter elektronischer Bücher (E-Books) in Deutschland, wobei Tolino im Gegensatz zu Amazon die E-Books nicht direkt vertreibt, sondern den Buchhandelsketten als Service-Partner andient. Hinzu kommt das E-Book-Endgerät, der „Tolino Reader“, der auf die nämliche Plattform Zugriff hat und erworbene elektronische Bücher dem Endkunden über die Plattform zur Verfügung stellt.

Begründet wurde die Ablehnung damit, daß LaRouches Buch gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Tolino Media verstoße. Und zwar gegen den Unterpunkt 3.2, der sich mit „Qualitätssicherung und Prüfung“ der eingereichten Werke beschäftigt. Hier wird zuerst darauf hingewiesen, daß ein solcher Prüfvorgang von Tolino Media nicht von einem „automatischen Algorithmus“ ausgeführt wird, sondern manuell erfolgt. Dann zählt der Unterpunkt die Prüfkriterien für die Veröffentlichung in Stichpunkten auf.

Da Es gibt keine Grenzen des Wachstums weder ein „gemeinfreier Titel“ noch ein „Duplikat“ noch ein „Werk eines anderen Autors“ noch eine „Werbemaßnahme des Verlags“ ist – sondern eine tiefgründige Analyse des grassierenden menschenfeindlichen Malthusianismus –, können diese Ausschlußkriterien wohl auch ausgeschlossen werden. Ebensowenig werden „Heilsversprechen“ oder „medizinische Ratschläge“ im Buch erteilt, die jemanden gesundheitlich gefährden könnten, weshalb jenes Prüfkriterium wahrscheinlich ebensowenig zur Nichtveröffentlichung des Buches geführt hat.

Somit bleibt nur das allererste Prüfkriterium, betreffend „strafrechtlich bedenkliche Inhalte“. Hier wird eine Reihe von teilweise schwammigen Begriffen aufgezählt, die viel Interpretationsspielraum für die Prüfer lassen und zudem nicht ausnahmslos „strafrechtlich bedenklich“ sind. Zum Beispiel wird das Modewort „Haßrede“ aufgeführt, das bisher noch nicht seinen Weg ins deutsche Strafgesetzbuch gefunden hat, auch wenn die Beleidigung auch in den sozialen Medien strafrechtlich verfolgt werden kann. Zusätzliche Begriffe sind u.a.: „rechtsextremes Gedankengut, […] Verschwörungstheorien, […] Rassismus, Antisemitismus, Transfeindlichkeit, Homofeindlichkeit“ usw. Der geneigte Leser kann also feststellen: Nicht nur sind nicht alle der hier genannten „strafrechtlich bedenklich“, bei manchen Begriffen muß man stutzig werden. Findet hier eine Zensur statt?

Lyndon LaRouche wurde und wird oft als rechtsextrem und antisemitisch verleumdet, um seine inhaltlichen Argumente abzuwürgen und der Gesellschaft vorzuenthalten. Daß Es gibt keine Grenzen des Wachstums in irgendeiner Weise rechtsextrem oder antisemitisch ist, kann nur jemand behaupten, der das Werk nicht gelesen hat. Sind die Prüfer im Dienste von Tolino Media, die namentlich bei E.I.R. nie in Erscheinung getreten sind, auf diese Verleumdungen (selbst ein genanntes Ausschlußkriterium!) hereingefallen? Oder haben sie das Werk bei „inhaltlicher Prüfung“ als „Verschwörungstheorie“ abgetan? Beides wäre gleich verwerflich.

Insbesondere die „Verschwörungstheorie“ scheint nur unter bestimmten Bedingungen zum Ausschluß bei Tolino zu führen. Das neue Buch der ehemaligen Sonderschülerin und Klima-Aktivistin Greta Thunberg, Das Klima-Buch, welches über den deutschen Buchhandel, wie zum Beispiel bei Hugendubel, als E-Book zu erwerben ist, scheint von Verschwörungstheorien durchdrungen zu sein. In der Kurzbeschreibung heißt es dazu, daß Thunberg in dem Buch davon erzählt „wie sie das weltweit praktizierte Greenwashing aufgedeckt und somit gezeigt hat, wie sehr wir alle hinters Licht geführt wurden“. Hier kann man nur annehmen, daß man bei der Tolino-eigenen Qualitätsprüfung nochmal ein Auge zugedrückt hat oder es einfach willentlich übersehen wurde.

Vielmehr scheint es so zu sein, daß gesellschaftlich akzeptierte Verschwörungstheorien keinen Ausschluß von der Veröffentlichung und damit von der Öffentlichkeit bedingen, sondern nur solche, die der öffentlichen Meinung widersprechen. Die Erkenntnis ist für Leser der Neuen Solidarität keine neue, und doch ist die direkte erneute Erfahrung schockierend. Umso wichtiger ist es, daß die kritischen Stimmen der LaRouche-Bewegung und die Lösungskonzepte von Lyndon LaRouche weiterhin in Deutschland eigenständig gehört und gelesen werden können.

Übrigens ist die junge Frau anscheinend auch nicht der einzige Autor ihres Buches; wie es ebenso in der Kurzbeschreibung heißt, hat Thunberg „ihr Klima-Buch in Zusammenarbeit mit über hundert Wissenschaftler:innen zusammengestellt“, was eigentlich auch zum Ausschluß bei der „Qualitätsprüfung“ von Tolino führen kann, sofern nicht urhebermäßig korrekt gekennzeichnet.

Ilja Karpowski