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* * * Internetforum mit Helga Zepp-LaRouche * * *
Neue Solidarität
Nr. 41, 14. Oktober 2021

Hyperinflation als Instrument der Politik:
Nein zum „Faschismus im grünen Gewand“

Von Alexander Hartmann

Schon 1994 präsentierte Lyndon LaRouche auf einer Konferenz in Rom die schematische Darstellung eines hyperinflationären Zusammenbruchsprozesses. Diese „Typische Kollapsfunktion“ oder „Tripelkurve“ zeigt: Wenn die reale Produktion schrumpft, während das Volumen der Finanzaggregate wächst und die Geldmenge noch stärker wächst, um die Differenz auszugleichen, wird irgendwann eine Phase erreicht, in der es unweigerlich zu Schocks und Zusammenbrüchen kommt. Auch in den Jahren danach warnte LaRouche wiederholt davor, die wirtschaftlich-finanziellen Entwicklungen in vereinfachenden Begriffen wie bloßer Preisinflation, Marktkorrektur, Angebot und Nachfrage oder überhaupt einer einzelnen Ursache zu begreifen, weil sie allesamt Teil einer übergeordneten Dynamik des Kollapses seien.

Die Kettenreaktionen des Zusammenbruchs, die gegenwärtig ablaufen, werden dramatisch verschärft durch die kombinierten Folgen eines jahrzehntelangen Industrieabbaus, der Verlagerung ganzer Sektoren von Industrie und Landwirtschaft an Billiglohnstandorte sowie einer gefährlichen Konzentration; hinzu kommen noch die weitreichende Deregulierung, die Spotmärkte und andere Spekulation.

Nun kommt es zu Engpässen und Preisexplosionen bei Strom, Brennstoffen und anderen lebensnotwendigen Gütern, die niemand mehr bezahlen kann - kein Haushalt, kein Unternehmen, keine Behörde usw.

Angesichts der Krisenentwicklung veranstaltete der russische Präsident Wladimir Putin am 6. Oktober eine Telekonferenz mit Leitern russischer Ministerien und Großunternehmen zur Lage der Energieversorgung. Putin machte die westlichen Regierungen für diese Krise verantwortlich, und er prangerte die Idiotie der Energiepolitik der EU mit der Einführung der transatlantischen Spotmärkte, Deregulierung, Spekulation und der „Energiewende“ hin zu unzuverlässigen Wind- und Solaranlagen an.

Schuld an den Energiekrisen seien „die Praktiken unserer europäischen Partner. Diese Praktiken haben bestätigt, daß sie – strenggenommen - Fehler gemacht haben. Wir haben mit der früheren Europäischen Kommission verhandelt; alle ihre Aktivitäten zielten darauf ab, die sogenannten langfristigen Verträge zu kürzen und zum Gasbörsenhandel überzugehen... Es hat sich herausgestellt – und das ist heute ganz offensichtlich –, daß diese Politik falsch ist, falsch deshalb, weil sie die Besonderheiten des Gasmarktes, die von einer Vielzahl von Unsicherheitsfaktoren abhängen, nicht berücksichtigt. Die Verbraucher, darunter zum Beispiel die Düngemittelhersteller, verlieren alle Preisreferenzwerte. All das führt zu Misserfolgen und, wie ich schon sagte, zu Ungleichgewichten.“

Die ideologischen Motive der falschen Politik

In ihrem Internetforum am 6. Oktober befaßte sich Helga Zepp-LaRouche mit den ideologischen Motiven, die diesen politischen Entscheidungen zugrunde liegen. Die Hyperinflation, die jetzt auf der ganzen Welt um sich greife, sei genau das, wovor ihr Mann schon gewarnt habe, als der Club of Rome in den späten 60er Jahren seine menschenfeindliche Propaganda mit dem Slogan der Grenzen des Wachstums begann. Das sei eine „Schachtsche Politik“, hatte Lyndon LaRouche damals betont, bezogen auf die Politik von Hitlers berüchtigtem Finanzminister Hjalmar Schacht, der drastische Austerität und Kostensenkungsmaßnahmen einführte, was letztlich mit den Konzentrationslagern und Gasöfen endete.

Die gleiche Austeritätspolitik sei auch heute die Strategie der führenden Oligarchen, die die Weltwirtschaft lenken und die jetzt offen das Ende des „Zeitalters des Überflusses an fossilen Brennstoffen“ verkünden – so wie die britische Zeitung Economist vom 4. Oktober und Klaus Schwab in seinem neuen Buch über den „Stakeholder-Kapitalismus“. Dies sei „Faschismus im grünen Gewand“, betonte Zepp-LaRouche, und man müsse ihn als solchen anprangern, um die Menschen dagegen zu mobilisieren und ihn zu besiegen.

Vor allem die Hyperinflation der Energiepreise bereite große Sorgen, „weil Energiepreise tendenziell in jede Produktion einfließen, von Konsumgütern und Investitionsgütern, weil man Energie braucht, um alles zu produzieren“.

Das sei gewissermaßen die objektive Seite der Krise. „Aber ich denke, daß es auch eine ideologische Seite gibt, und dies betrifft in gewissem Sinne den Mangel, den es sonst nicht gäbe. Denn es ist eine politische Entscheidung.“ Das Ziel dieser Politik sei es, das Verhalten der Bevölkerung zu ändern. So hätten die Grünen schon oft gefordert, „nicht so viel fossile Brennstoffe und Energie zu verbrauchen, nicht so viel Fleisch zu essen, kleinere Wohnungen zu haben und sie nicht so stark zu heizen. Und die Methode, die widerstrebende Bevölkerung dazu anzutreiben, ist die, diese Dinge immer teurer zu machen. Wenn etwas zu teuer wird, wird es einfach nicht mehr gekauft.“

Damit solle die Lebensweise der Bevölkerung wieder auf das Niveau vor der Industrialisierung reduziert werden. „Aber das kann nicht funktionieren. Es würde zu einem Massensterben im Entwicklungssektor führen, was in vielen Ländern bereits eine Bedrohung darstellt, und es wird zu sozialen Explosionen in den ehemals industrialisierten Ländern führen.“

Vieles deute jedoch darauf hin, daß „die Finanzoligarchie, die weiß, daß ihr System am Ende ist, jetzt versucht, die Schulden durch Hyperinflation zu beseitigen. Denn die Schulden verschwinden, wenn sie eine Hyperinflation haben und gleichzeitig einen superspekulativen Gewinn machen… Die einfachen Leute sollen sehen, wo sie bleiben.“

„Stakeholder-Kapitalismus“

In diesem Zusammenhang ging Zepp-LaRouche auf die Ausführungen von Klaus Schwab in dessen neuem Buch über den „Stakeholder-Kapitalismus“ ein. Darin schreibt Schwab, man habe 2019 plötzlich festgestellt, daß die „Shareholder-Value-Gesellschaft“ ein großer Fehler war und dass diese Shareholder-Value-Gesellschaft nicht funktioniere. Darüber gebe es jetzt in der Finanzwelt eine große Diskussion.

Lyndon LaRouche habe aber schon viele Jahrzehnte lang den Paradigmenwandel angegriffen, der mit dem Aufstieg der Shareholder-Value-Gesellschaft, d.h. der Fixierung auf schnelle Gewinne, einherging. Präsident Nixons Entscheidung von 1971, das Bretton-Woods-System aufzugeben und variable Wechselkurse einzuführen, habe einen tiefgreifenden Wandel ausgelöst, ihr Ehemann habe darin einen absoluten Wendepunkt erkannt und gewarnt, „daß dieser Weg in einen neuen Faschismus führen werde“.

Nun gebe auch Schwab in seinem neuen Buch zu, daß „Shareholder Value“ und das neoliberale System ein Fehler waren. Statt dessen fordere er eine „Stakeholder-Gesellschaft“, die für alles in der Wirtschaft Vorschriften machen soll. „Sie arbeiten jetzt mit Hochdruck an einer neuen Metrik, die Anfang nächsten Jahres fertig sein soll, die dann – wie zuvor die Taxonomie – verwendet wird, um eine absolute Struktur für Unternehmen zu schaffen, in was sie investieren können und in was nicht.“

Schwab begründe dies damit, daß dieselbe Kraft, die uns Menschen einen besseren Lebensstandard und eine längere Lebensdauer ermöglicht, angeblich den Planeten zerstört.

Zepp-LaRouche verurteilte das scharf: „Das ist unglaublich! Sie sagen im Grunde, das Problem sei die menschliche Fähigkeit, durch kreative Entdeckung neuer physikalischer Prinzipien, neuer wissenschaftlicher Konzeptionen, das heißt als wissenschaftlicher und technologischer Fortschritt, die Produktivität des Produktionsprozesses zu steigern. Und die Leute sind einfach so dumm, wenn sie das glauben! Denn was hat die industrielle Revolution bewirkt? Sie befreite den Menschen davon, ein Leben führen zu müssen, in dem Arbeitskräfte nur mit Muskelkraft arbeiten! … Die industrielle Revolution hat das Leben angenehm gemacht und kreative Energien freigesetzt, damit die Menschen ihre kreativen Kräfte entfalten und ein viel besseres, menschliches Leben haben können.“

Schon seit den 1960er Jahren habe sich Lyndon LaRouche für das Recht des Entwicklungssektors auf wirtschaftliche Entwicklung eingesetzt. „Deshalb haben wir, als der Club of Rome dieses absolut schreckliche, betrügerische Buch Grenzen des Wachstums der beiden MIT-Professoren Dennis Meadows und Jay Forrester veröffentlichte, sofort gezeigt, daß es sich um einen Betrug handelte. Denn es basierte auf einem Computermodell, in dem sie am Anfang definierten, was das Ergebnis sein sollte, und das Programm so schrieben, dass das gewünschte Ergebnis herauskommen würde.“

Mithilfe dieses Schwindels sei dann eine ganz neue Bewegung aufgebaut worden, die grüne Bewegung. „Jetzt holen sie die ideologischen Knüppel heraus und sagen: ,Das Zeitalter des Überflusses ist vorbei.‘ Alexander King, einer der Mitbegründer des Club of Rome, sagte schon 1972: ,Der größte Feind der Menschheit ist die Menschheit selbst.‘“

Das sei genau die gleiche Idee, die nun auch Schwab in seinem neuen Buch vertritt. Sie betonte: