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Neue Solidarität
Nr. 41, 14. Oktober 2021

Chinas Regierung rettet die Kunden, nicht die Banken

Wäre der chinesische Immobilienentwickler Evergrande ein westliches Unternehmen, gälte er als „zu groß zum Scheitern“ und würde vom Staat gerettet, mit einer satten Rendite von 14% für die Spekulanten. Nicht so in China, wo statt der Gläubiger die Endkunden geschützt werden. Am 29. September ließ Evergrande zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen eine Frist für Zinszahlungen verstreichen und geriet mit 47,5 Mio.$ für eine 2024 fällige Dollar-Anleihe in Verzug, die hauptsächlich von internationalen Finanzspekulanten wie BlackRock, Ashmore Group und HSBC Holding gehalten wird. Eine Woche zuvor hatte das Unternehmen eine Zahlung über 83 Mio.$ nicht geleistet – eine Entscheidung, die Anleger in aller Welt erwartet hatten.

Bereits bei der ersten öffentlichen Mitteilung über die Schieflage von Evergrande hatte EIR darauf hingewiesen, daß die People's Bank of China und die Bankenaufsicht in Peking genau das taten, was der Westen 2008 und danach hätte tun sollen, wenn große, spekulative Finanzunternehmen zu scheitern drohten. Sie teilten den wichtigsten Anleihegläubigern von Evergrande mit, sie müßten sich auf einen großen Schuldenschnitt einstellen, und zwangen das Unternehmen, seine Mittel zur Erfüllung seiner vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Privathaushalten und der chinesischen Wirtschaft einzusetzen. Das bedeutet, daß der Bau von Wohnungen, in die chinesische Familien bereits investiert hatten, abgeschlossen werden muß.

Evergrande begann als Immobilienentwickler, verzweigte sich dann aber in spekulativere Projekte, um schnell reich zu werden, darunter Elektromobilität, ein Fußballclub und Freizeitparks. Laut Prof. Cong Yi von der Finanz- und Wirtschaftsuniversität Tianjin steuert die Zentralregierung den inländischen Immobilienmarkt seit 2016. „Häuser sind zum Wohnen da, nicht zum Spekulieren“, sagte er der Global Times (23.9.). „Daher unterstreicht die Aufdeckung der Krise von Evergrande die feste Entschlossenheit der Behörden, einen schnell wachsenden Sektor zu regulieren, dessen Entwicklung auf einem Haufen Schulden beruht.“

Wer den Fall Evergrande mit dem „Schock“ von 2008 durch den Konkurs von Lehman Brothers vergleiche, „versteht Chinas Entwicklungsmodell nicht“, erklärte Cong. „Chinas künftige wirtschaftliche Entwicklung beruht auf Innovationen und der Realwirtschaft und nicht auf dem kurzfristigen Aufschwung des Immobiliensektors.“

Konkret kündigte Evergrande an, einen Anteil von 1,5 Mrd.$ an der Shengjing Bank an eine staatliche Vermögensverwaltungsfirma zu verkaufen. Diese faktische staatliche Kapitalinfusion in das Unternehmen soll die vom Konkurs bedrohten inländischen Hauskäufer schützen, nicht die internationalen Gläubiger des Unternehmens.

eir