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Neue Solidarität
Nr. 23, 10. Juni 2021

Bericht des Komitees für die Coincidentia Oppositorum

Dr. Khadijah Lang, Präsidentin des kalifornischen afroamerikanischen Medizinerverbands Golden State Medical Association und Vorsitzende des Ausschusses für internationale Angelegenheiten des nationalen Verbands National Medical Association, sowie Marcia Merry Baker von der Redaktionsleitung von „Executive Intelligence Review“ berichteten in der Online-Konferenz des Schiller-Instituts am 8. Mai 2021 über die Aktivitäten des „Komitees für den Zusammenfall der Gegensätze“.

Dr. Khadijah Lang: Ich bin Dr. Khadijah Lang, Präsidentin der Golden State Medical Association und Vorsitzende des Ausschusses für internationale Angelegenheiten der National Medical Association. Unsere Organisationen sind seit 2017 im ostafrikanischen Mosambik tätig und führen dort medizinische Missionen durch, um die Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung zu mildern, die in diesem Land und in vielen anderen Teilen der Welt zuhauf vorhanden sind.

Anfangs brachten wir medizinische Hilfsgüter und lieferten sie an ein staatliches Krankenhaus für die Armen außerhalb der Hauptstadt. Später kamen wir in persönlichen Missionen und brachten Ärzte, die Operationen durchführten und Patienten operierten, die man vor unserem Kommen in ihrem Land nicht behandeln konnte. Im Mittelpunkt unserer medizinischen Einsätze stand die berufliche Weiterbildung, um die Ärzte zu schulen, die dort bleiben und arbeiten sollten, wenn wir weg waren, um auf diese Weise eine nachhaltigere Mission zu schaffen, mit der wenigen Zeit, die wir aufwenden konnten, um dorthin zu fahren und dort zu arbeiten.

Wir haben uns auch mit Alpha Kappa Alpha Sorority, Inc. (eine afroamerikanische Schwesternschaft in den USA, Red.) zusammengetan und konnten Schuhe, Brillen und Kleidung für die Menschen in diesem Land zur Verfügung stellen. Die Brillen, die wir brachten, waren über 400 Paar verschreibungspflichtige Brillen. Durch eine weitere Partnerschaft mit dem Lions Club International und der Alpha Kappa Alpha Sorority konnten wir die Brillen an einen Augenarzt des Lions Club in Mosambik übergeben, der sie dann an die entsprechenden Patienten je nach Augenstärke oder -schwäche verteilen konnte, so dass alle Brillen sinnvoll genutzt wurden.

Es sind solche Dinge, die eine Zusammenarbeit bewirken kann. Wenn man die Füße der Menschen schützen will, ist es wichtig, dass sie Schuhe haben, in denen sie laufen können. Es ist wichtig, dass sie sehen können, wo die Fallgruben sind, damit sie nicht hineinfallen und sich verletzen, und deshalb brauchen sie eine Brille. Und es ist wichtig, dass die Ärzte dort lernen, wie man komplexere Operationen durchführt. Das sind die Dinge, auf die wir uns in den letzten Jahren bei unseren Einsätzen in Mosambik konzentriert haben.

Aufgrund bestimmter Veränderungen des Klimas und der Umwelt war das Hauptproblem, das wir bei unserer Arbeit von Anfang an angehen wollten, die bedauerliche ungleiche Gesundheitsversorgung. Im Laufe der Jahre haben wir miterlebt, wie Heuschreckenplagen die Ernten verheerten und in mehreren Landesteilen Hungersnöte verursachten. Und unglücklicherweise folgten auf diese Heuschreckenplagen Zyklone, einige der schlimmsten Zyklone, die sie in der aufgezeichneten Geschichte dort erlebt haben. Sie zogen durch und überschwemmten ganze Dörfer, auch wegen der Verwüstung, die zuvor bereits die Heuschreckenplagen angerichtet hatten. Das schafft eine Situation, die Krankheiten fördert, die Malaria fördert, die Cholera fördert. Unter Menschen, die ausgehungert sind und kurz vor dem Verhungern stehen, schaffen diese Krankheiten eine Pandemie von einem Ausmaß, das man sich nicht vorstellen kann.

Leider war das noch nicht alles, und COVID kam hinzu. COVID brachte ein weiteres Problem ins Land. Es brachte mehr finanzielle und wirtschaftliche Verwüstung mit sich, weil man alles abriegeln musste und weil es für die Menschen schwieriger wurde, nach draußen zu kommen und Nahrung zu bekommen. In einem harten Lockdown gibt es keine Möglichkeit, Essen zu bekommen

Alle diese verschiedenen Ereignisse, eines nach dem anderen, haben das Leben in Mosambik extrem schwierig gemacht.

Aber das ist etwas, woran wir als Gruppe sehr viel ändern können. Es gibt ein afrikanisches Sprichwort, das lautet: „Wenn du schnell irgendwo hingehen willst, geh allein. Aber wenn du weit gehen willst, geh in einer Gruppe.“ Deshalb hat sich der Golden State-Verband mit dem Schiller-Institut und dem Komitee für die Coincidentia Oppositorum zusammengeschlossen. Denn zusammen, wenn wir alle mit anpacken, können wir mehr erreichen.

Auch wenn wir als medizinische Organisation weiter versuchen werden, die medizinischen und gesundheitlichen Bedingungen für die Menschen vor Ort zu verbessern und medizinische Hilfsgüter dorthin zu bringen, werden wir nicht viel erreichen, wenn wir einen Menschen, der Hunger leidet, medizinisch behandeln. Indem wir mit unseren Freunden, den Farmern, zusammenarbeiten, indem wir landwirtschaftliche Informationen und Hilfe in diese Gebiete bringen, die so verheert sind, und die Landwirte Lebensmittel zur Verfügung stellen, damit wir die Menschen dort ernähren können, werden wir eine viel größere Wirkung erzielen. Wir können der Welt zeigen, was man erreichen kann, wenn Menschen sich zusammentun und für die Sache der Menschheit zusammenarbeiten.

Marcia Merry Baker: Vielen Dank, Dr. Lang. Ich freue mich über die Gelegenheit, mit Ihnen und den anderen im Komitee für den Zusammenfall der Gegensätze zu arbeiten, bei dem es um Landwirtschaft, Medizin, Wasser und Saatgut für die Zukunft geht.

Wie erreichen wir die großangelegte Reaktion, die wir brauchen? Schauen Sie sich zunächst an, was keiner wissen soll – das weltweite Ausmaß von Unterernährung und Hunger.

Quelle: FSIN/GRFC
Abb. 1: Zahl der Menschen, denen eine Ernährungskrise oder der Hungertod (PC/CH Stufe 3 oder höher) droht, nach Regionen, 2021.
R-Calf
Abb. 2: Rückgang der Rinderfarmen in den USA 1980-2012.

Diese Karte (Abbildung 1) zeigt die Lage der Ärmsten, der 270 Millionen Menschen, die nicht genug zu essen haben. Besonders betroffen sind 142 Millionen Menschen in 40 Ländern, die sich in einer sogenannten „Krisen-, Not- oder Katastrophen-Hungersnot“ befinden. Im südlichen Afrika: 43 Millionen, in Ostafrika: 28 Millionen, in Westafrika und der Sahelzone: 29 Millionen. In Südwestasien: 29 Millionen – Jemen, Syrien, Afghanistan. Auf dem amerikanischen Kontinent: 13 Millionen. David Beasley vom Welternährungsprogramm warnt, daß in den kommenden Monaten 34 Millionen Menschen verhungern könnten.

Betrachten wir nun den Aspekt der Bauernkrise. In den produktivsten Regionen der Welt – von Kalifornien bis Deutschland, von Kanada bis Australien und Argentinien – verlieren wir Tausende von Familienbetrieben und High-Tech-Farmen. Die Farmer werden so unter Druck gesetzt, daß die unabhängigen Farmer praktisch alle aufgeben. Es gab sehr niedrige Preise – auch wenn sie jetzt etwas höher sind –, und andere akute Probleme durch die Vorschriften, wie sie produzieren sollen.

Was bleibt also? Es bleiben nur Milliardäre wie Bill Gates, der größte Ackerlandbesitzer in den USA.

Diese Grafik (Abbildung 2) zeigt den Rückgang an Rinderfarmen in den USA über einen Zeitraum von 30 Jahren, 1980 bis 2012, von 1,3 Millionen auf 700.000. Die gleichen Verluste gibt es auch in der Milchwirtschaft, im Gemüseanbau – in allen Bereichen der Landwirtschaft.

Was können wir tun?

Das ist es, was wir brauchen. Was steht im Weg?

Die Europäische Kommission hat diese Woche einen Plan veröffentlicht: Landwirte sollen Geld verdienen, indem sie sogenannte Emissionskredite (Carbon Capture Credits) an die großen Wall-Street-Firmen verkaufen, die dann auf dem Kohlenstoffmarkt spekulieren und eine neue, grüne Finanzblase schaffen. Microsoft hat gerade letzte Woche einen Haufen Emissionszertifikate von Bauern aus Minnesota gekauft.

Nicht nur das, die EU und Biden haben angeordnet, dass ab 2030 mindestens 30 Prozent des Landes und des Wassers in den USA und Europa nicht für die Ernährung von Menschen oder irgendetwas anderem genutzt werden dürfen. Außerdem sollen die Landwirte die Betriebsmittel reduzieren und weniger Lebensmittel produzieren.

Da wird also gefordert, weltweit weniger Lebensmittel zu produzieren – in einer Welt, in der wir viel mehr brauchen. Das muss aufhören! Wenn wir Notmaßnahmen organisieren, schaffen wir gleichzeitig den Impuls für eine längerfristige Infrastruktur für Entwicklung.

Schauen Sie sich Mosambik und das südliche Afrika an. Es gibt die berühmten Flüsse Sambesi, Limpopo und andere. Sie brauchen einen Aufbau wie mit der TVA, der Tennessee-Tal-Behörde.

Das gleiche gilt für die Zyklone, von denen Dr. Lang gesprochen hat. Die Küste Mosambiks ist wunderschön. Sie braucht Seedeiche und anderen Sturmschutz. Die Ingenieure wissen, wie das geht.

Wenn wir die Moral aufbringen, auf die Notlage zu reagieren, und herausfinden, wie wir mehr produzieren können und es dorthin bringen können, wo es gebraucht wird, dann können wir mobilisieren, um die Bedürfnisse für die Zukunft der gesamten Menschheit zu erfüllen. Und das ist ein Aufruf an die Jugend. Das ist die Bedeutung der Mosambik-Initiative.