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Neue Solidarität
Nr. 23, 10. Juni 2021

Helga Zepp-LaRouche spricht auf Moskauer Wirtschaftskonferenz

Energieflußdichte als Kriterium für die physische Ökonomie

Von Helga Zepp-LaRouche

Die Bedeutung des MAEF

Das Moskauer Akademische Wirtschaftsforum (MAEF) ist eine bedeutende ökonomische Diskussionskonferenz für russische und ausgewählte inter­nationale Ökonomen und Experten aus verwandten Wissenschafts­feldern. Das diesjährige MAEF, das am 26. und 27. Mai stattfand, hatte den Titel „Die globale Transformation der modernen Gesellschaft und die nationalen Entwicklungsziele Rußlands“. Staatspräsident Wladimir Putin betonte in seinem Grußwort die Ziele: „Ihr Forum, das führende Wissenschaftler und Experten, Vertreter von Regierungsbehörden, Unternehmen und öffentlichen Organisationen zusammenbringt, ist aufgerufen, über ein breites Spektrum von Problemen zu diskutieren, die mit der dynamischen Entwicklung der russischen Wirtschaft und der Stärkung des heimischen wissenschaftlichen Potentials – mit der Bewältigung wichtiger nationaler Aufgaben – zusammenhängen.“

Am MAEF nahmen mehrere hundert Vertreter aus Wirtschaft und Wissen­schaft teil. Den Vorsitz führten Alexander Sergejew, Vorsitzender der Russischen Akademie der Wissenschaften und Professor für Physik und Mathematik, sowie Sergej Bodrunow, Vorsitzender der Freien Ökonomischen Gesellschaft Rußlands und Präsident der Internationalen Union der Ökonomen.

Zusätzlich zu den Grüßen von Präsident Putin und Außenminister Sergej Lawrow erhielt das MAEF viele weitere Grußbotschaften von führenden Vertretern aus der russischen Politik und Wirtschaft. S.N. Katryn, Präsident der Industrie- und Handelskammer der Russischen Föderation, merkte an: „Dieses Jahr findet das Forum in einem sehr schwierigen Umfeld für unser Land und für die gesamte Weltwirtschaft statt. Noch nie zuvor war die Welt mit solchen Prüfungen konfrontiert, mit einer Krise von kolossalem Ausmaß und ihren beispiellosen Folgen. Es herrscht ein natürliches Interesse an dem Forum und seinen Ergebnissen, Empfehlungen und Schlußfolgerungen von Wissenschaftlern und Praktikern, wie sich die russische Wirtschaft und die Weltwirtschaft entwickeln werden, und welches die Kriterien und Bewertungen für die Maßnahmen sind, die heute von Staatsbehörden und der privaten Wirtschaft getroffen werden.“

Hierin liegt die Bedeutung von Helga Zepp-LaRouches Beitrag, in der sie das MAEF mit Lyndon LaRouches Maßstäben der wirtschaftlichen Entwicklung bekannt machte, anhand derer diese Handlungen von Staat und Wirtschaft zu beurteilen sind: steigende Energieflußdichte der Technik – der zunehmende Fluß angewandter Energie durch eine bestimmte Fläche in einem bestimmten Zeitraum, den die existierende Technik ermöglicht – sowie die steigende potentielle relative Bevölkerungsdichte der Gesellschaften.

Es folgt der Text ihrer Rede im Wortlaut, sie wurde aus dem Englischen übersetzt.

Ich möchte den Organisatoren dieser sehr wichtigen Konferenz dafür danken, daß sie mich eingeladen haben, zu Ihnen zu sprechen. Es sind nun fast anderthalb Jahre seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie vergangen. Was haben wir darüber gelernt, wie die verschiedenen Regierungs- und Wirtschaftsmodelle – die USA und die EU auf der einen Seite und China und einige andere asiatische Länder auf der anderen Seite – die Krise bewältigen konnten? Sie kennen die Antwort: Während die Pandemie im sogenannten „Westen“ noch immer nicht unter Kontrolle ist und in vielen Ländern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas außer Kontrolle gerät, hatten China und einige andere asiatische Länder, deren grundlegendes Wertesystem das Gemeinwohl über den übertriebenen Individualismus des Westens stellt, die Situation innerhalb von zwei Monaten weitgehend unter Kontrolle gebracht.

Die Pandemie offenbarte auch die grundlegenden Schwächen des privatisierten Gesundheitssystems im Westen, etwa die Schwachstellen in den Lieferketten für medizinische Geräte und Zubehör durch die Auslagerung der Produktion in „Billiglohnländer“, verglichen mit der Effizienz des chinesischen Modells.

Aber es waren die Entwicklungsländer, die den höchsten Preis zahlen mußten, weil das neoliberale System ihnen jedes nennenswerte Gesundheitssystem vorenthielt. Schon 1973 hatte mein verstorbener Mann, Lyndon LaRouche, davor gewarnt, daß die IWF-Politik der Konditionalitäten, die der sogenannten Dritten Welt auferlegt wurden und die Schuldenzahlungen Vorrang vor Investitionen in Gesundheit, Bildung, Infrastruktur usw. gaben, zum Auftreten von Pandemien führen würde, sowohl von alten als auch von neuen Krankheiten, da man nicht über längere Zeiträume hinweg das Immunsystem ganzer Kontinente senken kann, ohne solche Folgen zu verursachen.

Nach der systemischen Finanzkrise 2008 wurde nichts unternommen, um ihre Ursachen zu beheben. Statt dessen verfolgten die Zentralbanken unerbittlich eine Politik von Quantitativer Erleichterung, Null- und sogar Negativzinsen, und begünstigten Spekulationsgeschäfte auf Kosten von Investitionen in die Realwirtschaft. Das vergrößerte die Kluft zwischen Arm und Reich, untergrub die Produktivität der Realwirtschaft und schuf eine Inflationsblase, die eine Zeit lang verborgen blieb. Als die Covid-19-Pandemie und die anschließenden Lockdowns folgten, dienten die verschiedenen „Stimulus“- und „Konjunkturprogramme“ als willkommener Vorwand, ein bereits bankrottes Finanzsystem weiter zu stützen.

Die Bilanzsumme der Fed wuchs von unter 1 Billion Dollar im Jahr 2008 auf 4,1 Bio. Dollar im September 2019 und 7,8 Bio. Dollar Ende 2020. In ähnlicher Weise wuchs die Bilanz der EZB von 1,5 Billionen € auf 4,6 Bio. € und dann 7,5 Bio. € Ende April 2021. Derzeit gibt es einen beispiellosen Anstieg der Geldschöpfung um 75% jährlich, wodurch wir auf einen hyperinflationären Zusammenbruch zusteuern, der in einem neuen Bericht der Bank of America lächerlicherweise als „vorübergehende Hyperinflation“ bezeichnet wird.

Diesen kommenden Bankrott des transatlantischen Systems wollen die Zentralbanken mit dem „Great Reset“, „Green New Deal“ oder „Green Deal“ hinauszögern, indem sie zig Billionen Dollar aus der realen Industrie- und Agrarproduktion herausziehen und sämtliche Investitionen in eine „,grüne“ Finanzblase lenken. Der Ausstieg aus den mit fossilen Brennstoffen verbundenen Industrien in „kohlenstoffneutrale“ Produktion, Bau und Architektur (Holz und Bambus) stellt einen gigantischen technologischen Rückschritt dar. Die Folgen für die sogenannten fortgeschrittenen Länder wären enorme Preissteigerungen, ein Absinken des Lebensstandards und soziales Chaos. Für die Entwicklungsländer bedeutet es nicht nur die Fortschreibung von Armut und Unterentwicklung, sondern insbesondere unter den gegenwärtigen Bedingungen von Pandemien und Hungersnöten auch eine massive Entvölkerung.

Mit seiner Wissenschaft der Physischen Ökonomie entwickelte Lyndon LaRouche den notwendigen Maßstab, indem er den Zusammenhang zwischen der im Produktionsprozeß eingesetzten Energieflußdichte und der damit verbundenen relativen potentiellen Bevölkerungsdichte, die auf jeder Stufe aufrechterhalten werden kann, genau definierte. Da Wind- und Solarenergie sehr niedrige Energieflußdichten haben und viele Länder, wie Deutschland, aus der Atomenergie aussteigen, droht der Great Reset zu einer Bevölkerungsreduktion um Milliarden Menschen zu führen, und das ist das von den neomalthusianischen Verfechtern der „grünen Finanzen“ gewünschte Resultat. Der Grüne New Deal ist das Gegenteil von Franklin D. Roosevelts New Deal: Er ist die Neuauflage der Ökonomie von Hjalmar Schacht, mit dem gleichen Resultat: Massensterben und Krieg.

Glücklicherweise stellt die jüngste Vereinbarung zwischen der russischen und der chinesischen Regierung, bei der Weiterentwicklung der Atomenergie eng zusammenzuarbeiten, einen starken Gegenpol dar. Ganz allgemein hat das chinesische Wirtschaftsmodell – das bekanntlich 850 Millionen Menschen aus der Armut befreite – es China ermöglicht, sich innerhalb von 40 Jahren von einem sehr armen, unterentwickelten Land zu einem Land zu entwickeln, das über das mit Abstand beeindruckendste Hochgeschwindigkeits-Bahnsystem der Welt verfügt, das in der Lage war, schnell zu den führenden Raumfahrtnationen der Welt aufzuschließen, um als erstes Land auf der erdfernen Seite des Mondes zu landen, und das bei der Entwicklung der Kernfusionstechnologie an vorderster Front steht.

Die Gürtel- und Straßen-Initiative bietet erstmals den Entwicklungsländern eine konkrete Perspektive zur Überwindung von Armut und Unterentwicklung, weshalb ihr sich fast 150 Nationen angeschlossen haben. Sie ist das größte Infrastrukturprogramm der Geschichte und birgt die potentielle Lösung für die dringenden Bedürfnisse von Teilen der Welt, wie Südwestasien, Afrika und Lateinamerika, die heute von einer Pandemie und Hungersnot „biblischen Ausmaßes“ bedroht sind, wie David Beasley vom Welternährungsprogramm (WFP) es ausdrückte.

Angesichts des drohenden hyperinflationären Zusammenbruchs des transatlantischen Finanzsystems ist ein echter globaler New Deal als Schutz vor den Auswirkungen eines solchen Zusammenbruchs dringend erforderlich, angefangen mit einer globalen Bankentrennung in der Tradition von Roosevelts Glass-Steagall-Gesetz, die der Kasinowirtschaft ein Ende setzt und ein neues Kreditsystem ermöglicht, welches auf einem System von Nationalbanken in der Tradition von Alexander Hamilton beruht. Ein Neues Bretton-Woods-System – so, wie es von Roosevelt beabsichtigt war, und nicht, wie es von Truman und Churchill umgesetzt wurde – muß die notwendigen langfristigen Kredite mit niedrigen Zinssätzen bereitstellen, insbesondere für die Entwicklungsländer, um eine echte Industrialisierung zu ermöglichen.

Diese Pandemie und drohende neue Pandemien, vor denen WHO-Direktor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus warnt, unterstreichen die dringende Notwendigkeit, sofort ein Weltgesundheitssystem zu schaffen, was bedeutet, daß jedes einzelne Land auf der Erde ein modernes Gesundheitssystem braucht, wie es die Chinesen in Wuhan mobilisieren konnten.

Der Mensch ist die einzige Spezies, die zur schöpferischen Vernunft fähig ist, und die Entwicklung der Menschheit bis zum heutigen Punkt ist der Beweis dafür, daß Wladimir Wernadskijs Vorstellung von der zunehmenden Kraft der Noosphäre das Gesetz des Universums ist. Daher besteht die Hoffnung, daß die geopolitische Konfrontation durch ein neues Paradigma der Zusammenarbeit für die gemeinsamen Ziele der Menschheit abgelöst werden kann, einschließlich der internationalen Zusammenarbeit in der Fusionsforschung und der Zusammenarbeit im Weltraum, die zeigen wird, daß es größeren Gewinn für alle schafft, indem es die Zivilisation in eine neue Ära trägt. Das von Präsident Putin vorgeschlagene Gipfeltreffen der fünf Ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats könnte der Beginn eines solchen neuen Paradigmas werden. Wir müssen eine internationale anti-malthusianische Allianz organisieren, um ein solches neues Paradigma zu unterstützen!