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Neue Solidarität
Nr. 2, 14. Januar 2021

LaRouches Neues Bretton Woods gegen die Zentralbanken:
Die Welt ist nicht groß genug für sie beide

Von Paul Gallagher

Der EIR-Wirtschaftsredakteur Paul Gallagher hielt am 12. Dezember in der zweiten Vortragsrunde der Internetkonferenz des Schiller-Instituts den folgenden Vortrag.

Seit 2019 betreiben die Zentralbanken offensichtlich eine Verschwörung, um die souveränen nationalen Regierungen zu beherrschen und deren Funktionen bei den Ausgaben und Investitionen in die Wirtschaft zu ersetzen.

Diese Verschwörung begann eigentlich nach dem globalen Finanzcrash 2007-08, damals lediglich mit einer „engen Koordination“ der Programme verschiedener Zentralbanken zur Rettung der größten transatlantischen „Universalbanken“. Und die Verschwörung wurde nach dem Pariser Klimaabkommen von 2015 noch offensichtlicher, als die Zentralbanker unter der Leitung von Mark Carney – Chef der Bank von England und des Global Financial Stability Board – Komitees bildeten, die es auf sich nahmen, eine weltweite Verlagerung von Investitionen weg von fossilen Brennstoffe hin zu sogenannten „grünen Finanzen“ zu erzwingen. Diese Komitees von Zentralbankern, die die größten privaten Finanzgiganten einbeziehen, erhielten Namen wie „Netzwerk für ein grüneres Finanzsystem“ und „Task Force für Klima-Finanz-Offenlegung“.

Carney sagte bei einem UN-Klimatreffen im September 2019:

Schon jetzt droht dieses Diktat, an dem seit 2015 alle großen Zentralbanken beteiligt sind, die gesamte Stromversorgung Südafrikas lahmzulegen, das für die wirtschaftliche Entwicklung ganz Afrikas wesentlich ist.

Ich erwähne das Jahr 2019, weil Carney auf der diesjährigen Konferenz der Notenbanker in Jackson Hole, Wyoming, vorschlug, der US-Dollar als internationale Reservewährung müsse irgendwann durch eine „von den Zentralbanken kontrollierte, globale digitale synthetische Währung“ ersetzt werden. Damit bestand er auf einem künftigen Weltwährungssystem, dessen Reserve nicht Gold und nicht einmal mehr eine oder mehrere souveräne nationale Währungen sind, sondern eine „synthetische“ Tauscheinheit der Zentralbanken.

Die offensichtlichen, beschleunigten Vorbereitungen der Zentralbanken in den letzten zwei Jahren, digitale Zentralbankwährungen herauszugeben, sind eine Waffe dieser Verschwörung, um die wirtschaftlichen Funktionen der Regierung zu übernehmen.

Allerdings verliert man sich leicht im Dickicht ihrer unzähligen Einrichtungen, Liquiditätsprogramme, Studien und Erklärungen über ihre digitalen Währungen, wann genau sie kommen werden, usw.

Die Alternative

Um die Bedrohung zu begreifen, muß man mit dem Gegenteil beginnen, das seit Präsident Franklin Roosevelts Plan auf der Bretton-Woods-Konferenz 1944 „auf dem Tisch“ liegt und darauf wartet, umgesetzt zu werden: ein Währungssystem, dessen Zweck und Absicht Entwicklung, Industrialisierung und technischer Fortschritt ist und das von souveränen Nationen geführt wird.

Ich zitiere, was Lyndon LaRouche 2009 auf dem Rhodes-Weltforum dazu sagte:

Es liegt auf der Hand, was eine solche Gruppe von Nationen, die das dringend benötigte neue Kreditsystem startet, tun sollte. Sie würden einen Zweck, eine Absicht bekanntgeben, Entwicklung, erhöhte Produktivität und einen höheren Lebensstandard durch neue Infrastrukturprojekte in einer Vielzahl von Ländern zu schaffen. Sie würden wahrscheinlich Projekte zum Ausbau von Flußbecken vorsehen, wie damals die Tennessee Valley Authority (TVA) und heute das Transaqua-Projekt für die Sahelzone. Bekanntlich sorgte die TVA für Elektrifizierung, Transport, Hochwasserschutz und Bewässerung, landwirtschaftliche Technologie, öffentliche Gesundheitseinrichtungen und Krankenhäuser, Bibliotheken und Schulen in der ärmsten Region der Vereinigten Staaten, und verhalf gleichzeitig der gesamten Industrie des Landes zu einem Produktivitätssprung durch Wasserkraft.

Heute würden die initiierenden Nationen den Kapazitäten des öffentlichen Gesundheitswesens weltweit Priorität einräumen und das Technologieniveau und die Preise in der Landwirtschaft anheben, um der fortschreitenden Hungersnot zu begegnen.

Die initiierenden Nationen müßten ihre Währungskurse stabilisieren, wenn nötig mit Devisenkontrollen, um die Devisenspekulation von derzeit täglich fünf Billionen Dollar zu stoppen und gemeinsame Entwicklungskredite und Investitionen zu tätigen. Sie würden neue Schulden an inländische öffentliche und Wirtschaftsinstitutionen ausgeben, um neue Emissionen ihrer stabilisierten Landeswährungen in einer internationalen Entwicklungsbank zu unterstützen. Ihre Nationalbanken oder vergleichbaren Kreditinstitute würden mit der internationalen Entwicklungsbank bei der Bereitstellung umfangreicher Entwicklungskredite für Infrastrukturprojekte in Drittländern weltweit zusammenarbeiten.

Sie würden in den Ländern, in denen bahnbrechende neue Infrastruktur zu bauen ist, die Stabilisierung der Landeswährungen und die Gründung von nationalen Kreditinstituten, Nationalbanken, unterstützen. All dies geschah in mehreren lateinamerikanischen Ländern unter Präsident Franklin Roosevelts „Politik der Guten Nachbarschaft“ in den 30er Jahren, so daß die USA schließlich den enormen Erfolg der Tennessee Valley Authority in Brasilien wiederholen konnten, mit Krediten für die Entwicklungsprojekte der Wasserscheide in Brasilien, dies zu einem der am besten elektrifizierten Länder der Welt machten.

Darüber hinaus würden die internationalen Entwicklungskreditbanken, die diese Nationen gründen und/oder erweitern, die Inhaber von Schulden der Entwicklungsländer, die nicht bezahlt oder bedient werden können, dazu ermutigen, diese Schulden umzustrukturieren, statt sie an Geierfonds zu verkaufen, und sie in die internationalen Entwicklungsinstitutionen zu investieren, im Tausch für langfristiges Eigenkapital in diesen Instituten. Das würde diesen Entwicklungsländern die Herabstufung der Kreditwürdigkeit und die Verweigerung von Kapital ersparen, die bei der anderen notwendigen Option – der Teilnahme an internationalen Schuldenerlaß-Programmen – fast immer folgen.

Schließlich hat Lyndon LaRouche schon in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts betont, die beiden Länder, die am meisten Kredite und Devisen für große Infrastrukturprojekte beisteuern können – sowohl in bilateraler Zusammenarbeit als auch durch eine solche internationale Entwicklungsbank –, seien die USA und China. China hat mit seiner Gürtel- und Straßen-Initiative bewiesen, wie wahr dies ist. Die Zusammenarbeit dieser beiden großen Nationen ist äußerst wichtig, betonte LaRouche.

Nachdem wir nun wissen, was Lyndon LaRouche schon so lange als „Neue Bretton-Woods-Konferenz“ und ein neues internationales Kreditsystem vorgeschlagen hat, können wir klar erkennen, daß die großen Zentralbanken seit dem Finanzcrash von 2008 darauf hinarbeiten, ein solches Kreditsystem unmöglich zu machen und riesige Massen unbezahlbarer Schulden zu retten, bis ein Großteil davon weginflationiert werden kann – auf unsere Kosten!

Es ist seit langem offensichtlich, daß die Schaffung riesiger Mengen zusätzlicher Reserven für die größten privaten Universalbanken – die sogenannte Quantitative Lockerung – nicht zu Kredit für die Wirtschaftstätigkeit führt. Die Banken Londons und der Wall Street verwenden diese Reserven ausschließlich als Sicherheiten für ihre Spekulation, Derivatgeschäfte usw.

Schlimmer noch, die Null- und Negativzins-Politik der Zentralbanken hat die Kreditvergabe der Geschäftsbanken erschwert, was die Investitionen der Unternehmen senkt und das Produktivitätswachstum in den Volkswirtschaften der „fortgeschrittenen“ Länder unterdrückt.

Digitale Zentralbankwährungen

2019 und 2020 veröffentlichten nun die größten Zentralbanken Studien und zunehmend explizite Pläne und Zeitpläne zur Ausgabe von „Digitalen Zentralbankwährungen“ (CBDCs) direkt an Unternehmen und Haushalte – wohl wissend, daß diese CBDCs wahrscheinlich die Kredite der Geschäftsbanken verdrängen werden; die Geschäftsbanken werden nach und nach eliminiert, bis nur die Zentralbanken übrig bleiben, umgeben von Investmentfirmen.

Eine Studie der Federal Reserve Bank von Philadelphia vom August 2019 zeigte erstmals auf, daß eine solche Emission wahrscheinlich „im Laufe der Zeit zum Verschwinden der Geschäftsbanken führen wird, da die Zentralbank zu einem Einlagenmonopolisten... wird. Die Zentralbank wird sich stattdessen auf Investmentbanken und deren Expertise verlassen müssen, um in Projekte zu investieren, indem sie letzteren nicht kündbare Großkundenkredite zur Verfügung stellt.“

Und ein Mitglied des Ausschusses der deutschen Bundesbank für CBDCs, Burkhard Balz: „Wir müssen auch die Risiken im Auge behalten, die mit der Emission eines digitalen Euros aufgrund seiner Ausgestaltung verbunden sein könnten. Zum Beispiel könnten die Einleger, abhängig von seinen Eigenschaften als Wertaufbewahrungsmittel, ihre Geschäftsbankeinlagen in Verbindlichkeiten der Zentralbank umwandeln. Dies könnte zu einer strukturellen Disintermediation des Bankensektors führen und infolgedessen die Versorgung der Wirtschaft mit Bankkrediten dämpfen.“

Und ein leitender Investmentbanker von JPMorgan Chase, Daniel Masters, leckt sich die Finger: „Der interessanteste Aspekt der CBDCs ist die Auswirkung, die sie auf die Geschäftsbanken und das Finanzsystem als Ganzes haben werden. Heute geben die Zentralbanken Geld an eine Reihe von Geschäftsbanken wie Chase und Bank of America aus... Ich denke, wir gehen in ein neues Paradigma über, in dem Zentralbanken CBDCs ausgeben und Geschäftsbanken aufhören zu existieren...“

Nun sind aber Kredite von Geschäftsbanken für große Infrastrukturprojekte lebenswichtig, weil um sie herum zahlreiche Unternehmen und Betriebe entstehen, die sich alle Geld von Geschäftsbanken leihen müssen, um teilnehmen zu können. Geschäftsbankkredite sind für die wirtschaftliche Expansion allgemein notwendig. Alexander Hamilton betonte die Bedeutung dieses „Bankgeldes“, wie er es nannte, in seinem Bericht über eine Nationalbank 1790.

Die grüne Finanzblase

Aber das ist noch nicht das Schlimmste. Erinnern Sie sich: Dieser offene Vorstoß zur Ausgabe von Zentralbank-Digitalwährungen begann im August 2019 mit Mark Carneys Rede auf der Konferenz der Federal Reserve in Jackson Hole, Wyoming, wo er vorschlug, den Dollar durch eine synthetische Zentralbankwährung zu ersetzen. Sein erklärter Grund war die Schaffung von Inflation: Die Zentralbanken hätten ein Jahrzehnt lang versucht, den Dollar aufzublähen, und seien gescheitert. Eine digitale Zentralbankwährung, die direkt an die Wirtschaftsakteure ausgegeben wird, mit der expliziten Forderung nach „Notausgaben“, könne die von den Banken gewünschte Inflation erzeugen.

Am Ende kann sie viel mehr Inflation erzeugen, als sie sich wünschen.

Trotz des Geredes der Zentralbanken, die Inflation sei notwendig, um Investitionen, Innovationen, Lohnerhöhungen usw. anzukurbeln, ist das, was die Zentralbanken wirklich weginflationieren wollen – was sie seit dem Crash von 2008 nicht geschafft haben – die Verschuldung von 277 Billionen $ in den Volkswirtschaften der Welt, die im letzten Jahr um weitere 17 Billionen $ gestiegen ist. Sie beträgt 235% des BIP in den Entwicklungsländern, aber 365% des BIP in den entwickelten Volkswirtschaften. Vor allem Unternehmen können nicht einmal die Zinsen zahlen; und es ist nur eine Frage kurzer Zeit, bis Unternehmen in aller Welt pleite gehen und die Banken mit sich reißen.

Aber auf derselben Bankerkonferenz im August 2019 in Wyoming gab es einen Vorschlag für einen „Regimewechsel“, bei dem die Zentralbanken die fiskalischen Entscheidungen von den Regierungen übernehmen würden, indem sie Währung „direkt an die Wirtschaftsakteure ausgeben“. Der Vorschlag kam von vier ehemaligen Spitzenbeamten der Zentralbanken Kanadas, Frankreichs, Großbritanniens und der Niederlande, die jetzt allesamt Top-Manager der riesigen Wall-Street-Investmentfirma BlackRock sind.

Alle vier gehörten zu den 30 Führungskräften der Zentralbanken, die 2016 vom Financial Stability Board – damals unter der Leitung von Mark Carney – nominiert wurden, um bei der Bildung der Finanz-Klima-Arbeitsgruppe (Task Force on Climate-Related Financial Disclosure) mitzuwirken, der inzwischen 24 Zentralbanken und europäische Megabanken angehören.

Carney & Co. haben ein anderes Ziel – wichtiger für sie und tödlicher für uns –, als Inflation zu schaffen und zu kontrollieren. Dieses Ziel ist es, Finanz- und Wirtschaftsinvestoren zu erzwingen, alle Industriezweige aufzugeben, die mit der Produktion fossiler Brennstoffe, ihrer Verwendung für Strom und Energie sowie industrielle und chemische Verarbeitung zu tun haben. Stattdessen sollen diese Investitionen in Technologien mit geringerer Produktivität, geringerer Energiedichte und geringerer Kapazität zur Versorgung der Menschen fließen – angeblich um „den Planeten zu retten“.

Jede Regierung der Welt, die sich um den Aufbau einer Hochtechnologie-Infrastruktur bemüht, um Unterentwicklung durch industriellen und landwirtschaftlichen Fortschritt hinter sich zu lassen, muß die Zentralbanken und ihren „Regimewechsel“ bekämpfen – den sie jetzt in der COVID-Pandemie in „Great Reset“ umbenannt haben.

Die beste Verteidigung ist dabei eine Offensive, um die souveräne Autorität der Nationen gegenüber den Zentralbanken durchzusetzen. Dann ist noch weitaus mehr nötig: kooperative Maßnahmen souveräner Regierungen, um ein neues internationales Kredit- und Währungssystem zu schaffen, das sich auf Nationalbanken und Landeswährungen sowie eine Goldreservebasis stützt.

Die Vereinigten Staaten haben die größte Notwendigkeit und die besten Voraussetzungen, dabei die Führung zu übernehmen, beginnend mit der Verstaatlichung der Federal Reserve, um ein Kreditinstitut zu schaffen, das nationalen Zwecken dient und mit anderen großen Nationen bei Entwicklungsprojekten in Drittländern kooperiert.

Die Volkswirtschaften auf der ganzen Welt müssen wieder aufgebaut werden, nachdem die COVID-Pandemie den enormen Investitionsmangel, Unter- und Fehlbeschäftigung darin sichtbar gemacht hat, indem sie Massenarbeitslosigkeit und Armut auslöste. Eine neue Bretton-Woods-Konferenz der Nationen ist das Mittel dazu.