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Neue Solidarität
Nr. 26, 25. Juni 2020

Zusammenarbeit entlang der BRI in Nordeuropa

Auf Einladung der schwedischen BRIX-Initiative sprachen Diplomaten, Unternehmer und andere über Chancen der Zusammenarbeit zwischen Europa und China im Rahmen der Gürtel- und Straßen-Initiative.

In einem außerordentlichen Webinar diskutierten am 11. Juni hochrangige Diplomaten und inoffizielle Vertreter Chinas, Italiens, Portugals und Serbiens mit nordeuropäischen Strategen, Logistikexperten, Unternehmern und Politikern über Fragen der Zusammenarbeit im Rahmen der Belt and Road Initiative (BRI). Das ganztägige Internetseminar, das sich für eine Strategie zur wirtschaftlichen Erholung nach der Corona-Pandemie einsetzen will, wurde von Stockholm aus vom schwedischen Belt and Road Institute (BRIX) veranstaltet. Das Thema lautete: „Werden die souveränen Nationen Europas die Vorteile der BRI im Jahr 2020 verstehen und handeln, um sie zu realisieren?“ Der stellvertretende BRIX-Vorsitzende Stephen Brawer war der Initiator und Moderator des Webinars.

Hauptredner war der Botschafter der Volksrepublik China in Schweden, Gui Congyou. Er berichtete darüber, wie die Güterzüge zwischen China und Europa während der Corona-Krise zu einer wichtigen Lebensader wurden und wie die chinesischen Investitionen in die globale Gesundheitssicherheit in den BRI-Ländern, insbesondere in Afrika, zugenommen haben.

Ein weiterer Teilnehmer des Webinars war der Chef des weltweit tätigen schwedischen Maschinenbaukonzerns SKF, Alrik Danielsson, der über das Engagement seines Unternehmens für offenen Handel und fortgesetzte Investitionen in China berichtete.

Der portugiesische Botschafter in Stockholm, Henrique Silveira Borges, unterstrich die Bedeutung multilateraler Zusammenarbeit zur Verhinderung von Spannungen und zur Bekämpfung der Armut, wofür sich sein Land auf dem kommenden EU-China-Gipfel einsetzen werde.

Der Botschafter Serbiens in Schweden, Dragan Momcilovics, erklärte, daß Serbien eine EU-Mitgliedschaft anstrebe, aber gerne Gelegenheiten nutze, auch mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten. Er berichtete über die große Bedeutung chinesischer Industrieinvestitionen für Serbien, die fast so umfangreich seien wie in Schweden.

Professor Michele Geraci, Ökonom und Experte für chinesische Wirtschaft sowie ehemaliger Staatssekretär im italienischen Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung, trug mit seinen Erfahrungen aus der Unterzeichnung der Absichtserklärung Italiens mit China über die Teilnahme an der BRI bei. Er betonte, daß es zwar viel Kritik aus politischen Kreisen an dieser Vereinbarung gebe, aber die Industrie und die Wirtschaft insgesamt solche Initiativen begrüßen.

Rune Rafaelsen, Bürgermeister der norwegischen Gemeinde Sör-Varanger/Kirkenes im Dreiländereck Norwegen-Finnland-Rußland, brachte das Webinar mit seiner Rede über „Arktispolitik – Zusammenarbeit mit Rußland und China zur Entwicklung des Nördlichen Seewegs“ direkt in die Realität des Hohen Nordens.

Wang Tianshu, Leiterin der neu gegründeten schwedischen Tochtergesellschaft des riesigen chinesischen Tunnelbauers CRTG Engineering, berichtete den Webinar-Teilnehmern über die CRTG-Projekte, die Menschen in vielen Ländern der Welt zusammenbringen, sowie über die Tunnelbauarbeiten beim Ausbau der Stockholmer U-Bahn.

Der Chef des Pharmaunternehmens Plantamed, Nagashima Yoichi, aus dem schwedischen Eskilstuna berichtete über die erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Einführung der traditionellen chinesischen Medizin von Schweden nach Europa und sogar zurück nach China.

Hussein Askary, Vorstandsmitglied von BRIX, stellte das wissenschaftliche Prinzip für Wirtschaftsentwicklung vor; sein Vortrag trug den Titel „Wirtschaftliche Erholung von COVID-19 – Lehren aus Chinas Krisenstrategie nach 2008“. Trotz aller Unterschiede in den kulturellen, politischen und sozialen Systemen der Nationen könne man erkennen, wenn man sich intensiv mit den besten Zeiten der jeweiligen Geschichte befaßt, daß wir uns alle in unseren Ansätzen und Werten recht ähnlich sind. Er forderte einen neuen Mechanismus für die Finanzierung von Infrastruktur- und Entwicklungsprojekten, bei dem sich alle Nationen aus Ost und West auf bestimmte Prinzipien einigen, ähnlich wie 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods.

Nach der Mittagspause folgte eine lebhafte Fragerunde.

In der Podiumsdiskussion am Nachmittag hielt der BRIX-Vorsitzende Ulf Sandmark die Grundsatzrede mit dem Titel „Ein New Deal für Nordeuropa“. Er faßte darin die Großprojekte zusammen, mit denen die nordischen Länder für die Herausforderung gerüstet werden können, zur globalen Gesundheits-Seidenstraße und zum globalen Infrastruktur-Entwicklungsprogramm der BRI beizutragen. Das erste der vier skandinavischen Großprojekte „Nordic Corners“ habe die dänische Regierung mit der Initiierung des riesigen Fehmarnbelt-Tunnelprojekts zwischen den dänischen Inseln und Deutschland bereits in Angriff genommen.

Ulf Andersson und Daniel Rönnberg vom Verkehrslogistik-Unternehmen INAB Infrastruktur in Umeå am Bottnischen Meerbusen erläuterten Projekte zur Entwicklung der Logistik in Nordschweden.

Alf S. Johansen, Generalsekretär des Rats der norwegisch-schwedischen Grenzregion Värmland-Östfold, präsentierte von norwegischer Seite einen Plan für eine „Transnordische Hochgeschwindigkeitsbahn: Bergen-St. Petersburg in fünf Stunden“. Dieses Projekt würde die Hauptstädte und wichtigsten Großstädte der nordischen Länder zu einer dynamischen Gesamtregion integrieren, die über St. Petersburg und Moskau auch mit China verbunden wäre.

In der Diskussionsrunde wies Professor Rune Wigblad auf die Vorteile der Magnetschwebebahn-Technologie hin, die jetzt in China rasch ausgebaut wird.

Die senegalesische Unternehmerin Isabelle Hannouche, Geschäftsführerin von Teranga Trade in Shanghai, stellte ihre Projekte vor, wie kreative junge Menschen aus Afrika und China in Netzwerken für Projektübernahme und Unternehmensgründungen zusammengebracht werden können. Dies soll ein Modell dafür sein, wie junge Menschen in China, Afrika und auch in der EU inspiriert werden können, sich der Herausforderung des Aufbaus der BRI zu stellen.

Den Abschluß machte Stephen Brawer als stellvertretender BRIX-Vorsitzender mit einem Vortrag darüber, wie die geopolitisch motivierten Widerstände gegen internationale Zusammenarbeit für die gemeinsamen Ziele der Menschheit überwunden werden können.

Das sehr erfolgreiche Seminar wurde am Vormittag von 40 und am Abend von 30 Teilnehmern besucht. Der gesamte Verlauf des Webinars (Reden, Präsentationen und Diskussionen) in englischer Sprache wird in Kürze auf der BRIX-Website (https://www.brixsweden.org/?lang=en) und in den sozialen Medien verfügbar sein.

eir