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Neue Solidarität
Nr. 25, 18. Juni 2020

Ausweg aus der Weltkrise – nur mit Kernenergie, Fusion, Raumfahrt

Das Schiller Institut veranstaltete am 6. Juni das Webinar „Neustart für die Weltwirtschaft unter den Bedingungen der Corona-Pandemie“.

Die Welt, wie wir sie noch vor kurzem für selbstverständlich hielten, existiert größtenteils nicht mehr und wird in dieser Form auch nie wieder wiederkehren. Die Corona-Pandemie hat lediglich schonungslos die systemischen Fehler eines Weltwirtschaftsmodells sichtbar gemacht, das längst nicht mehr in der Lage gewesen ist, der Menschheit eine positive Zukunft zu ermöglichen. Die Gesundheitsengpässe, Massenarbeitslosigkeit, Marktturbulenzen, Produktions- und Exporteinbrüche, soziale Unruhen usw. akkumulieren sich zu einem unabwendbaren Zusammenbruch der vorherrschenden neoliberalen Ordnung und ihrer Institutionen. Das internationale Schiller-Institut hat deshalb begonnen, eine weltweite Online-Plattform zu etablieren, auf der alle Elemente eines dringend notwendigen Umbaus und Neustarts der Wirtschaft im Rahmen einer neuen Zukunftsvision diskutiert werden können. Am 6. Juni fand in dem Zusammenhang das erste deutschsprachige Webinar statt, dessen Teilnehmer den Charakter der Systemkrise tiefgehend analysierten und ein umfassendes Lösungsprogramm vorschlugen, das auf den Prinzipien der physischen Ökonomie des Wirtschaftswissenschaftlers Lyndon H. LaRouche beruht.

LaRouches Physische Ökonomie

In ihrem Eingangsvortrag sprach die Präsidentin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, die vordringlichsten Symptome der heutigen Krise an: die großen Unruhen in den USA als Reaktion auf den rassistisch motivierten Mord an George Floyd, verstärkt durch die wirtschaftliche Ungewißheit von fast 40 Millionen arbeitslosen Amerikanern. Mit Hinweis auf den jüngst veröffentlichten Bericht der International Labor Organisation (ILO) erwähnte sie die geschätzten zwei Milliarden Menschen, die weltweit in sogenannter „informeller“ Arbeit, Tagelöhnern ähnlich, ihr kärgliches Einkommen bestreiten müssen. Weiterhin zitierte sie Äußerungen des Chefs der Food and Agriculture Organisation (FAO), David Beasley, der nicht nur wiederholt davon sprach, daß über 800 Millionen Menschen täglich hungern müssen, sondern auch, daß bei einer Verschärfung der Lage bis zu 300.000 Menschen pro Tag ihr Leben verlieren könnten. Wenn man noch den rasanten Anstieg der Corona-Infektionen in den Armenvierteln von Brasilien und Ostafrika in Betracht ziehe, dann erscheine am Horizont das Bild eines neuen Finsteren Zeitalters. Andererseits, so Frau Zepp-LaRouche, wäre die Corona-Pandemie weltweit zu besiegen gewesen, wenn man sich überall den Erfolg der Methode in der chinesischen 11-Millionen Metropole Wuhan zu eigen gemacht hätte, wo das Virus durch die Maßnahmen heute im Grunde völlig vertilgt worden ist. Das Problem sei also nicht das Virus an und für sich, sondern das neoliberale Modell, das im Grunde eine zeitgenössische Variante der kolonialistischen und malthusianischen Politik vergangener Tage sei, deren Verantwortliche in den Finanzzentren der Welt die Masse der Menschen als sklavenhafte Diener ihres Profits betrachteten.

Um dies zu ändern, müsse man eine Alternative organisieren, die das „Existenzrecht aller Menschen“ anerkenne. Dies treffe vor allem auf das von ihrem verstorbenen Ehemann Lyndon LaRouche entwickelte Wirtschaftsmodell zu, welches den menschlichen Geist, dem sämtliche fundamentalen wissenschaftlichen Entdeckungen entspringen, als Quelle jedweden Reichtums ansieht. Nur durch die Anwendung solcher Entdeckungen in Form von neuen Technologien ließen sich Produktivität, Lebenserwartung, Lebensstandard und kulturelles Niveau verbessern. Nur unter dem Modell dieser „physischen Ökonomie“ könnte man die notwendigen Ressourcen generieren, die zur Schaffung eines weltweiten Gesundheitssystems auf dem Standard vor der Privatisierungswelle führe. Man könne somit jegliche benötigte Infrastruktur und die notwendigen Fachkräfte für die Nahrungsmittelproduktion, das Wasser- und Gesundheitsmanagement für die heute lebenden 7,8 Milliarden Menschen schaffen. Das würde bedeuten, das gesamte Finanzsystem auf die langfristige Kreditfinanzierung produktiver, technologiegetriebener Projekte umzustellen, einschließlich der Spitzenforschungsbereiche in modernster Kerntechnik, Fusions- und Plasmaphysik und der dauerhaften Präsenz des Menschen auf Mond und Mars. Die von den Zentralbanken weltweit angepriesenen „grünen“ Investitionen in rückständige Technologien sind nach Frau Zepp-LaRouche genau der falsche Weg und würden Europa „in die völlige Bedeutungslosigkeit herabsinken lassen“. Diejenigen Staaten, die heute den Weg der Neuen Seidenstraße eingeschlagen hätten, würden derzeit den Takt in die richtige Richtung vorgeben. Zu einer erfolgreichen Überwindung des gescheiterten neo-liberalen Systems gehöre aber die Zusammenarbeit von China, den USA, Rußland und Indien im Sinne einer stabilen Gruppe von Garanten, die die Ausgestaltung dieses neuen Wegs sichern würden.

Krise bei Industrie und Landwirtschaft

Für den zweiten Redner, den Industrieberater für Automation und Robotik Gerd Marks, ist die Schaffung produktiver Ressourcen vor allem eine Gesellschaftsaufgabe. Anstatt jedoch langfristige Rahmenbedingungen zu schaffen, verschwende das heutige System durch Überregulierung, Bürokratie und falsche Umverteilung in „klimaneutrale“ Technologien wertvolles Potential. Sinnvolle Automation und Robotik spielten bei der Erhöhung der Produktivität in Industrie und Landwirtschaft eine wichtige Rolle und bedeuten mitnichten Arbeitsplatzverluste, so Marks. Die Energieversorgung stehe bei der Garantie von Wohlstand an vorderster Stelle. Hier sei Innovation und das Erreichen höherer Energieflußdichten der zentrale Punkt, während die Politik derzeit jedoch einseitig Solar- und Windenergie privilegiert und damit eine „Strommangelwirtschaft“ bei gleichzeitig hohen Kosten für die Industrie erschaffe. Ein Beispiel für hohe Effizienz im Energiesystem sei der Dual-Fluid Reaktor, der die 4. Generation der Kernenergie darstellt und für hundert Jahre mit Rohstoffen versorgt werden könne, während um den Faktor 99 geringere Brennabfälle anfallen würden. Im Bereich der Landwirtschaft sprach sich Marks für die Abschaffung der Biosprit-Subventionen aus; im Automobilsektor für den Einsatz von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen statt der problematischen Batterien. Roboter würden in Japan und China bereits Routineaufgaben bei Desinfizierung und Materialzuteilung übernehmen und eine wichtige Funktion bei medizinischen Routineaufgaben wahrnehmen.

Im Anschluß an Marks schilderte der bayerische Landwirt Bernhard Perschl, der selbst einen Schweinezuchtbetrieb besitzt, seinen Kampf um die Erhaltung des bäuerlichen Familienbetriebs, gegen die Kartellisierung und Monopolisierung bei Saatgut, Düngemitteln und Lieferketten. Durch die Corona-Krise sei den Viehzüchtern ein großer Teil ihres Absatzmarktes weggebrochen, weshalb Tierbestände vermehrt gekeult werden müßten. Anstatt den Betrieben zur Hilfe zu kommen, stellten sich die Medien mit ihrer „nicht mehr sachlichen grünen Ideologie“ gegen die Bauern und schwiegen deren Bedürfnisse, wie faire Preise für die Erzeuger, oft tot. Somit stünden das System bäuerlicher Familienbetriebe und die Fleischindustrie technisch vor dem baldigen Kollaps. Die Produktion werde sich überwiegend in Nachbarländer wie Dänemark und die Niederlande verlagern, die schon „mit den Hufen scharren“ und ihre Produktionskapazitäten hochfahren.

Rainer Apel von der Nachrichtenagentur Executive Intelligence Review erläuterte, daß die 1,25 Billionen Euro an Corona-Hilfen von der Europäischen Union lediglich durch die Hintertür die Prestigeprojekte der EU-Kommission, den Green Deal und die Phantasie von der Kreislaufwirtschaft, finanzieren sollen. Der gesamte klassische Industriesektor wird hinten runterfallen. Die Alternative dazu wäre, die noch vor 20 Jahren vorhandenen Pläne zur Entwicklung eines deutschlandweiten Netzes der Magnetschwebebahn von 5000 km Länge hervorzuholen und damit ein Rückgrat für eine neue Wirtschaftsplattform zu errichten. Auch der Nachholbedarf bei Bau und Erhaltung traditioneller Wasserstraßen und Eisenbahnkorridore würde eine massive Erhöhung der Arbeitsplätze im produktiv-industriellen Sektor zur Folge haben.

Ionen als Energiequelle und Schubkraft

Der zweite Teil der Konferenz befaßte sich mit der Notwendigkeit der Kernenergie. Auf das Potenzial der Kernfusion als Energie- und Antriebsquelle fokussierte sich der Physiker Dr. Armin Azima. Der heutige Weg, nahezu 10% des Bruttoinlandsprodukts für Elektrizität aufzuwenden und ineffiziente regionale Stromnetze aufzubauen, müsse abgebrochen werden, zugunsten neuer, grundlastfähiger Zentralkraftwerke mit hohen Energieflußdichten, wie sie die Fusionsenergie durch die Nutzung nahezu unerschöpflicher Ressourcen zur Verfügung stellen kann. Als Brennstoff könne Wasserstoff risikolos und abfallfrei verwendet werden. In jüngster Zeit habe sich China mit dem EAST-Reaktor in Hefei weltweit an die Spitze der Technik gesetzt, auch wenn das internationale ITER-Modell in Frankreich nach wie vor als erstes die gewünschte Netto-Energie erbringen soll. Mit 150 Mio. Euro jährlicher Förderung behandelt Deutschland diese Technik jedoch stiefmütterlich und erzielt nur sehr begrenzte Fortschritte. Dr. Azima erläuterte die besonders effiziente „Z-Pinch Maschine“, bei der sich die erzeugte heiße Plasmawolke so konzentriert, daß ein Plasmoid gebildet wird, der einen gebündelten Strahl von Helium-Ionen hervorbringt. Dieser kann mit einer Effizienz von 96% direkt ins Energienetz eingespeist werden. Er kann wegen des hohen Schubeffektes aber auch als Ionenantrieb für Raumschiffe verwendet werden. Wegen seiner um das tausendfache höheren Schubleistung im Vergleich zu bisherigen Ionenantriebsmodellen wird interplanetares Reisen, wie zum Beispiel regelmäßige Flüge zum Mars, tatsächlich realisierbar.

Dr. Alois Höld, der über eine jahrzehntelange Erfahrung in puncto Anlagen- und Reaktorsicherheit verfügt, sprach bei seinen Ausführungen über „seriöse Energiepolitik“ ebenfalls davon, daß der Energiebedarf angesichts des Anstiegs der Weltbevölkerung bedeutend anwachsen wird und daß die Kernenergie bei der Deckung dieses Bedarfs einen sehr wichtigen Beitrag leisten könne. Es sei eine Tatsache, daß heute 451 Kernkraftwerke in 31 Ländern betrieben würden und daß in China zwei Drittel aller im Bau oder in der Planungsphase befindlichen Kernkraftwerke stünden. Auch die Betriebsdauer moderner Anlagen sei mittlerweile von 30 auf 60 Jahre gesteigert worden. Atomkraftgegner würden den unstatthaften Vergleich mit Atombomben ziehen und könnten auch sonst ihre Ablehnung mit keinen rationalen Argumenten begründen.

Südkorea hui, Deutschland pfui

Wie sehr Deutschland sich durch den Ausstieg aus der Kerntechnik ins absolute Abseits befördert hat, fiel besonders im Verlauf der Präsentation eines Mitglieds des Betriebsrats im Kernkraftwerk Gundremmingen, Dipl.-Ing. Anton Feiler, auf, der den Vergleich mit der Entwicklung in Südkorea zog. Während in den 70er Jahren noch alles importiert werden mußte, stellt Südkorea heute alle Komponenten für den Bau seiner Kernkraftwerke selbst her, einschließlich sowohl der Forschung als auch des Bereichs der Betriebsgenehmigung. Somit ist Südkorea in wenigen Jahrzehnten von Null zu einer international respektierten Kernenergie-Nation aufgestiegen. Mit seinem eigenständig entwickelten Reaktormodell der dritten Generation, dem APR-1400, steht das Land nun technisch noch vor China und Rußland, während eine jahrzehntelange Unterbrechung für Deutschland letztlich wieder den Neuanfang bedeuten würde. Das damit vergleichbare europäische Reaktormodell, der von Areva, Siemens und EDF entwickelte EPR, leidet derzeit unter langen Bauverzögerungen und einer damit verbundenen Kostenexplosion. Nur in China sind bereits 2018 und 2019 EPRs ans Netz gegangen. China plane einen massiven Ausbau der Kernenergie, so Feiler, wobei bei der Inbetriebnahme von 5-6 Reaktoren pro Jahr bis 2030 China über 110 Kernkraftwerke verfügen und 10% seines Strombedarfs aus dieser Energieform beziehen würde. Koreas APR-1400 wiederum wurde durch den Einsatz von 3D-Simulationen und effizientem Baustellenmanagement in nur 55 Monaten gebaut. In Zukunft wolle man sogar eine Bauzeit von 48 Monaten erreichen, durch Serienfertigung von Modulen und stärkere Installation von Schweißrobotern.

Selbstverständlich könnte Deutschland noch, wenngleich verspätet, versuchen, wieder auf einen der Spitzenplätze in der Kerntechnik zu gelangen, den es einmal lange Zeit innehatte. Dazu könne man den in Berlin entwickelten Dual Fluid Reaktor mit Bleikühlung als Spitzenforschungsmodell vorantreiben, bei dem eine Kernschmelze nicht möglich sei. Gleichzeitig löse dieser Reaktortyp wesentliche Probleme der früheren Reaktortechnik, da er die abgebrannten Brennstäbe aus den Leichtwasserreaktoren nutzen könne. Die Suche nach einem Endlager entfiele dadurch. Auch die Frage nach der Rohstoffsicherheit sei dadurch für Tausende von Jahren lösbar, da neben Uran auch das reichlich vorhandene Thorium als Brennstoff in Betracht käme. Solche und ähnliche Modelle ließen sich ebenfalls in Form von kleinen, modularen Reaktoren in Serie fertigen. Herr Feiler schloß seinen Vortrag mit dem klaren Bekenntnis, daß die „Kernenergie die Energie der Zukunft“ sei und daß es dringend erforderlich wäre, Deutschland wieder mit ins Boot zu setzen und hier eine Renaissance der Kernkraft in Gang zu bringen.

sko