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Neue Solidarität
Nr. 52, 26. Dezember 2019

Deutschland und Rußland

Dialog der Kulturen. Die Veranstaltungsreihe „Russian Seasons“ endete mit Konzerten in Hamburg und Berlin.

Mit der Veranstaltungsreihe Russische Jahreszeiten hat Rußland ein besonderes Format für den Kulturaustausch mit dem Ausland gefunden. Nachdem bereits 2017 Japan und 2018 Italien Gastländer waren, fanden dieses Jahr in 85 deutschen Städten 437 Veranstaltungen statt: Konzerte, Ballett und Volkstanz, Ausstellungen und Filmvorführungen.1 Am 7. Januar hatte in der Berliner Philharmonie unter Waleri Gergijew und dem Mariinski-Orchester die feierliche Eröffnung stattgefunden, wobei Tschaikowskis selten gespielte Oper Jolanthe konzertant aufgeführt wurde. Mit zwei großen Konzerten wurde das Veranstaltungsjahr nun Mitte Dezember offiziell beendet.

Am 7. Dezember, der offiziellen Abschlußfeier, zu der auch der russische Kulturminister Wladimir Medinski angereist war, gastierte der Bratschist Juri Baschmet mit seinem hervorragenden Kammerorchester Moscow Soloists in der ausverkauften Hamburger Elbphilharmonie mit Werken des Deutschrussen Alfred Schnittke, dem zeitgenössischen Komponisten Kusma Bodrow und Peter I. Tschaikowski. Das Kammerensemble musizierte auf wertvollen Leihgaben der hundert Jahre alten Staatlichen Musikinstrumentensammlung Rußlands, darunter Meisterstücken von Amati, Stradivari und Guarneri aus dem 17. Jahrhundert – ein wunderbares Klangerlebnis.

Hamburg hat seit 1957 eine enge Partnerschaft mit St. Petersburg, auf die der Kultursenator Hamburgs Carsten Brosda in seinen Begrüßungsworten verwies. Diese sei in Zeiten vereinbart worden, als es „noch unmöglich erschien“, gemeinsame Wege zu beschreiten. Auch heute solle man der Kraft der Kunst vertrauen und über diesen Weg Dinge überwinden, die trennen. Alt-Bundespräsident Christian Wulff, der Rußland dieses Jahr gleich dreimal bereist hat, betonte, für ihn grenze es an ein Wunder, daß die Völker der Sowjetunion Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg die Hand gereicht haben. Man müsse mit eigenen Augen hinschauen und auch mal mit denen des Gegenübers, gerade in Zeiten von fake news.

In Berlin wurde dann am 15. Dezember sozusagen der Schlußakkord mit gleich zwei hochrangigen musikalischen Veranstaltungen angeschlagen. Am Nachmittag fand ein Konzert der Stiftung „Neue Namen“ statt, die sich der Förderung junger besonders begabter Musiker, Dichter und Kunstschaffenden aus der ganzen Russischen Föderation verschrieben hat.

Der Pianist Denis Mazujew, seit 2008 Direktor der „Neue Namen“, erzählte bei einer zuvor abgehaltenen Pressekonferenz, daß er selbst vor 29 Jahren von der Gründerin der Stiftung, Iwetta N. Woronowa, als einer der ersten entdeckt und gefördert wurde. Unter all den berühmten russischen Musikern in seinem Alter oder noch jüngeren Alters, die heute auf den Plakaten international bedeutender Konzertsäle erschienen, gäbe es wohl niemanden, der nicht von der Stiftung „Neue Namen“ unterstützt wurde. Im Anschluß präsentierte er dann fünf solcher jungen Talente, alle Schüler der Zentralen Musikschule des Moskauer staatlichen P.I. Tschaikowski-Konservatoriums im Alter von 8 bis 16 Jahren. „Behalten Sie diese Namen in Erinnerung“, forderte Mazujew das Publikum auf, „Sie werden sie bald auf der internationalen Musikbühne wiederfinden.“ Olga Iwanenko und Roman Scher (Klavier), Anna Katenina (Klarinette), Warwara Petrowa (Oboe) und Sergej Mkrtitschjan (Violine) trugen dann beeindruckend Werke von Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts vor. Auf ihren weiteren Werdegang darf man gespannt sein und ihnen aus vollem Herzen alles Gute wünschen.

Und am Abend leitete dann Maestro Waleri Gergijew im Berliner Konzerthaus das Orchester der Russisch-deutschen Musikakademie mit Denis Mazujew am Klavier. Auf dem Programm standen das Klavierkonzert Nr. 3 von Rachmaninow und die Suite aus dem Ballett Der Feuervogel von Strawinsky. In diesem Orchester spielen seit fünf Jahren junge deutsche und russische Musiker aus führenden deutschen Ensembles und dem Mariinski-Theater.

Am 19. Dezember wird noch eine Büste von Peter Tschaikowski dem Leipziger Gewandhaus übergeben, wo der Komponist 1888 mit der Orchestersuite Nr. 1 sein erfolgreiches Debüt als Dirigent feierte. Die junge Künstlerin Jekaterina Pilnikowa von der Ilja Repnin-Kunstakademie hat die Büste gestaltet. Sie ist eine Schenkung der Russischen Föderation an das Gewandhaus und soll die kulturellen Beziehungen beider Länder festigen.

Elke Fimmen


Anmerkungen

1. Siehe http://russianseasons.org/. Weitere Berichte über Veranstaltungen im Rahmen der Konzertreihe Russian Seasons finden Sie hier:

https://www.solidaritaet.com/neuesol/2019/31/konzert.htm

https://www.solidaritaet.com/neuesol/2019/24/gergijew.htm

https://www.solidaritaet.com/neuesol/2019abo/3/seasons.htm