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Neue Solidarität
Nr. 18, 30. April 2014

Der Umfassende Internationale Plan für eine Alternative Entwicklung Afghanistans

Das folgende Aufbauprogramm für Afghanistan stammt aus dem Bericht „Eine neue Generation alternativer Entwicklungsprogramme zur Beseitigung der Drogenproduktion in Afghanistan“. Der Bericht wurde unter der Leitung Jurij Krupnows vom Institut für Demographie, Migration und Regionale Entwicklung (IDMRE) und dem Zentrum für Strategische und Außenpolitische Studien in Weißrußland ausgearbeitet und von Krupnow am 25. März auf der Moskauer Konferenz „Alternative Entwicklung für Drogenanbaugebiete“ vorgestellt.

Projektleiter: Jurij Krupnow

Der „Umfassende Internationale Plan für eine Alternative Entwicklung Afghanistans“ auf der Grundlage des Programms für eine beschleunigte Industrialisierung wird sich auf vier Bereiche konzentrieren:

Die Umsetzung des Plans und entsprechender Wirtschaftsprojekte in den Ländern rund um Afghanistan werden helfen, in Afghanistan, Pakistan, Iran, Tadschikistan, Kirgisistan, Usbekistan und Turkmenistan einen gemeinsamen Markt mit mehr als 300 Millionen Verbrauchern zu schaffen.

Die folgenden Investitionsvorschläge stellen den Teil des Plans dar, der unter der organisatorischen Leitung der Russischen Föderation (aufgrund der Erfahrungen mit der russisch-afghanischen Zusammenarbeit im 20. Jahrhundert) umgesetzt werden könnte. Ein vollständiger Plan sollte 2014 und 2015 durch eine sektorübergreifende, internationale Zusammenarbeit ausgearbeitet werden (siehe Abschnitt „Ein Fahrplan für die Ausarbeitung und Umsetzung des Plans“).

Infrastruktur für die Entwicklung

Eine der obersten Prioritäten für die afghanische Wirtschaft ist der Aufbau der Kraftwerksindustrie, welche die industrielle Entwicklung vorantreiben und die Qualität des Lebens der afghanischen Menschen drastisch steigern kann. Das strategisch wichtigste Investitionsprojekt in diesem Bereich, das genug Energie zur Durchführung der primären Industrialisierung des Landes liefern kann, ist der Bau einer Kette von Wasserkraftwerken am Pjandsch-Fluß, dem Grenzfluß zwischen Afghanistan und Tadschikistan.



Abb. 1: Eine Kette von Wasserkraftwerken am Pjandsch-Fluß ist der Weg zu einem nachhaltigen Energie- sektor in Afghanistan (oben).

Abb. 2: Verkehrsinfrastruktur für die Entwicklung Afghanistans: Rußland schlägt vor, eine „Trans- afghanische Eisenbahn“ zu bauen, die das Binnenland erschließt und mit den Eisenbahnnetzen in Zentralasien und Südasien verbindet (rechts).

Abb. 3: Die Transafghanische Eisenbahn wird eine drastische Expansion des Bergbaus in Afghanistan ermöglichen. Diese Karte zeigt die in den 1970er und 1980er Jahren von russischen Geologen festgestellten Mineralvorkommen (unten).

Dieses Projekt sieht den Bau von zwölf Staudämmen vor, die zusammen bis zu 17,5 GW an installierter Kraftwerksleistung bieten. Die erste Stufe des Projekts umfaßt den Bau der Wasserkraftwerke Daschridsum und Ruschan, die bis zu 7 GW installierter Kraftwerkskapazität bereitstellen werden.

Wenn diese Energie zu gleichen Teilen zwischen Afghanistan und Tadschikistan aufgeteilt wird, wird schon die Kapazität dieser ersten Stufen den gesamten Energiebedarf decken können, den das afghanische Ministerium für Energie und Wasser bis 2020 erwartet. Das eröffnet eine Gelegenheit, die primäre Industrialisierung zu beginnen.

Gleichzeitig wird die Schaffung von Stauseen als Nebenprodukt der Wasserkraftwerke die notwendigen Wasservorkommen schaffen, die für den Bau und die Erweiterung der Bewässerungsinfrastruktur in Nordafghanistan benötigt werden.

Die notwendigen Investitionen für die erste Stufe des Projektes werden auf 7 Mrd. US-Dollar geschätzt.

Einer der großen Verbraucher des elektrischen Stroms, der durch die Kette von Wasserkraftwerken erzeugt wird, könnte eine elektrifizierte Eisenbahnstrecke sein, die die früheren Sowjetrepubliken Zentralasiens durch das Territorium Afghanistans mit Pakistan verbindet.

Dieser Abschnitt der Indien-Sibirien-Bahn würde durch afghanisches Territorium führen, das reich an Mineralvorkommen, insbesondere an seltenen Erden und Metallen ist. Der potentielle Wert dieser Vorkommen in der Region wird auf etwa 2 Billionen US-Dollar geschätzt. Der Bau der Eisenbahn wird diesen Wert um mindestens 50% steigern.

Neue Industrien

Die beschleunigte Industrialisierung Afghanistans als eine neue Methode der alternativen Entwicklung umfaßt zwei Hauptstoßrichtungen. Die erste ist die Schaffung neuer Großindustrien wie Bergbau, Bauindustrie, chemische Industrie, Maschinenbau und anderes. Die zweite Richtung ist die Schaffung, Erweiterung und Unterstützung der sogenannten Netzwerk-Industrien auf der Grundlage der traditionellen Fertigkeiten der örtlichen Bevölkerung mit dem Ziel, wettbewerbsfähige Modelle für ihre Geschäfte auf den nationalen und internationalen Märkten zu gestalten.

Im Rahmen der russischen Vision des Prinzips strategischer Investmentprojekte gehören zu der ersten Richtung:

Schaffung einer energieintensiven chemischen Produktionsanlage für die Elektrolyse und Weiterverarbeitung von Wasserstoff. Die Hauptprodukte des Komplexes werden reiner Wasserstoff, Stickstoff und Stickstoffdünger sein. Ein Teil davon wird in Afghanistan verwendet werden, ein anderer Teil wird nach Südostasien und in andere Regionen exportiert werden.

Man sollte auch andere Initiativen für energieintensive Produktionsanlagen in Erwägung ziehen, die in der Lage sind, Energie in wettbewerbsfähige und nachgefragte Produkte umzusetzen, welche hohe Erträge für die Investitionen in die Wasserkraftindustrie bieten.

Die hierfür benötigten Investitionen werden auf etwa 1,5 Mrd. US-Dollar geschätzt.

Durch den Bau von Eisenbahnen in der Region wird die Umsetzung von Bergbauprojekten und der Bau von Bergbau- und Verhüttungsanlagen möglich. Besonders attraktiv sind dabei Investitionen in Bereichen wie der Exploration und Förderung von Rohöl und Erdgas, die Modernisierung des Goldbergbaus und der Aufbau der Produktion von Baustoffen.

Die Verfügbarkeit von Verkehrsinfrastruktur, Energie und Rohstoffen schafft die Voraussetzungen für den Bau von Verarbeitungs- und Montagewerken, die für den Binnenmarkt und die internationalen Märkte arbeiten (Herstellung von Automobilen, Landmaschinen, Dieselmotoren, Ausrüstung für kleine Wasserkraftwerksanlagen und andere Produkte).

Außerdem sollte man weiteren Wirtschaftsbranchen besondere Aufmerksamkeit schenken, so der Landwirtschaft und der Nahrungsmittel-Verarbeitung, dem Anbau und der Produktion von Gemüse, Trockenfrüchten, Baumwolle und anderen legalen Feldfrüchten und Konsumgütern. Diese Arbeit würde auf den positiven Erfahrungen mit der international geförderten Entwicklung von Gartenbau und Safranerzeugung aufbauen, die als nachhaltige Alternative zum Anbau illegaler Nutzpflanzen praktiziert wird.

Zugang zur sozialen und kulturellen Infrastruktur

Die alternative Entwicklung Afghanistans erfordert die Umsetzung von Programmen in Bereichen wie Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, die den Zugang der Menschen zu dieser grundlegenden soziokulturellen Infrastruktur erleichtern.

Gegenwärtig liegt die Alphabetisierungsrate im Land nur bei etwa 35%, was ein großes Hindernis für das Wirtschaftswachstum wie für den Aufbau des Landes darstellt. Um dieses Hindernis zu beseitigen, muß man zunächst das Netz der primären und sekundären Bildungseinrichtungen verdichten und dadurch die Einschulungsrate erhöhen.

Gleichzeitig muß es Bemühungen um eine schnelle Entwicklung der Berufsausbildung geben. Das ist unverzichtbar für die Lösung einer Reihe von Aufgaben:

In den 1970er und 1980er Jahren bildete die UdSSR rund 200.000 afghanische Spezialisten durch Hochschul- oder andere weiterführende Bildungsgänge aus. Trotz der Jahre des Chaos stellen diese Menschen immer noch einen wichtigen Teil des Verwaltungspersonals in Afghanistan. Diese Erfahrungen sollten auf der Grundlage der Mittel und Kapazitäten der internationalen Gemeinschaft reproduziert werden.

Eine weitere wichtige Bemühung ist die Verdichtung des Netzes der medizinischen Einrichtungen, mit dem Ziel einer 100%igen Versorgung mit medizinischen Dienstleistungen. Als erstes sollten Mutter-Kind-Zentren geschaffen werden, um die Kindersterblichkeit zu senken.

Die Weiterentwicklung des Netzes der Rehabilitationszentren, die eine Behandlung und soziale Integration der Drogenkonsumenten ermöglichen, ist wesentlich für die alternativen Entwicklungsbemühungen in Afghanistan, wo die Allgegenwart von Opium erschreckend ist.

Sicherheitsfragen

Trotz der Bemühungen der internationalen Gemeinschaft war 2013 eines der blutigsten Jahre seit dem Beginn der Militäroperationen in Afghanistan. Die schwierige Sicherheitslage ist zweifellos eine der großen Herausforderungen bei den Bemühungen um eine Alternative Entwicklung in Afghanistan, einschließlich des Programms für eine beschleunigte Industrialisierung.

Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, daß eine ganze Reihe verschiedener Faktoren zur Unterminierung der Sicherheit und der Stabilität in Afghanistan beiträgt. Zwei davon sind von größter Bedeutung. Der erste ist der natürliche, massive Widerstand der örtlichen Bevölkerung gegen das, was sie als ausländische Besatzung ihres Landes betrachten. Der zweite Faktor ist die intensive Aktivität professioneller Rebellen- und Verbrechergruppen, die nicht nur mit transnationalen Netzwerken, sondern auch mit der afghanischen Drogenproduktion und korrupten Beamten im Land verbunden sind.

Eine wesentliche Maßnahme zur Bewältigung des ersten Faktors wäre die Einleitung einer Politik der nationalen Versöhnung und der Vertrauensbildung zwischen den verschiedenen Gruppen der afghanischen Gesellschaft.

Die Bedrohungen für die Sicherheit und Stabilität Afghanistans sowie für internationalen Frieden und Sicherheit durch die Rauschgiftproduktion, das organisierte Verbrechen und die professionellen Rebellen, die von bestimmten Vertretern der nationalen und regionalen Regierungen gedeckt werden, sollten mit angemessenen Machtmitteln bekämpft werden. Die Maßnahmen sollten darauf abzielen, die Organisationsstrukturen von Rauschgiftproduktion, Verbrechen und Aufständen zu zerstören, was den Absatz der illegalen Drogen erschweren und dieses Geschäft weniger attraktiv machen wird.

Zu diesem Zweck sind weitere internationale Bemühungen für den Aufbau der Afghanischen Nationalen Sicherheitskräfte (ANSF) erforderlich. Das Ziel solcher Bemühungen sollte es sein, eine technische Überlegenheit der ANSF gegenüber den Aufständischen zu schaffen, was bedeutet, erstere mit schweren Waffen auszurüsten, eine nationale Luftwaffe aufzubauen, die Kommunikations- und Überwachungssysteme zu verbessern, usw.

Man sollte sich darüber bewußt sein, daß ein endgültiger Sieg über die Gewalt, die Aufstände und das Verbrechen in Afghanistan nur zu erreichen ist, wenn eine legale Wirtschaft und soziale Basis aufgebaut wird, die in der Lage ist, die Rauschgiftwirtschaft zu vertreiben. Sicherheit in Afghanistan kann also nur durch Entwicklung geschaffen werden.

Ein wichtiger Schritt zur Schaffung von Sicherheit in Afghanistan wäre das Unterbinden der Unterstützung bestimmter Vertreter der öffentlichen Verwaltung für die Rauschgifthändler und Aufständischen. Um dies zu gewährleisten, sollten die Bemühungen um eine alternative Entwicklung des Landes in einem verantwortlichen und transparenten institutionellen Rahmen durchgeführt werden, der keinen Raum für Korruption läßt.

Mechanismen für eine alternative Entwicklung Afghanistans

Für die Ausarbeitung und Umsetzung des „Umfassenden Internationalen Plans für eine alternative Entwicklung Afghanistans“ ist eine gleichberechtigte und offene Kooperation zwischen der Regierung Afghanistans und der internationalen Gemeinschaft unverzichtbar. Aber ein Sieg über die Rauschgiftproduktion, deren Geldflüsse das BIP des Landes übersteigen, kann nur erreicht werden, wenn man die Bemühungen und Mittel der internationalen Gemeinschaft bündelt und in diejenigen Maßnahmen investiert, die das gewünschte Resultat versprechen.

Um dies sicherzustellen, ist ein einheitliches Koordinierungszentrum notwendig, das die Verantwortung für die Umsetzung des Plans, einen den Absichten entsprechenden Mitteleinsatz und die Sicherstellung der Resultate trägt. Die Idee eines solchen Koordinierungszentrums wurde in einer Resolution des Europäischen Parlaments vom 16. Dezember 2010 über „Eine Neue Strategie für Afghanistan“ (2009/2217) vorgelegt. Dieses Dokument fordert „einen nationalen Fünf-Jahres-Plan für die Beseitigung des illegalen Opiumanbaus, mit bestimmten Fristen und Richtwerten, der durch ein damit beauftragtes Büro mit eigenem Budget und Mitarbeitern umgesetzt werden soll“.

Der zweite Mechanismus ist ein regionales Abkommen Afghanistans und seiner Nachbarstaaten, der deren Entschlossenheit zu Frieden und Einvernehmlichkeit in dem Land bekräftigt und den Parteien bestimmte Pflichten zuweist, um zur Entwicklung Afghanistans beizutragen. Frieden in Afghanistan läßt sich sehr viel schneller erreichen, wenn dessen Nachbarn ihre Bemühungen um die Schaffung von Sicherheit und Stabilität in dem Land vereinen.

Abb. 4. Afghanistans Nachbarn sollten ihre Bemühungen zur Schaffung von Frieden, Stabilität und Sicherheit in diesem Land verbinden, um die gesamte Region zu stabilisieren

Der dritte Mechanismus ist, einen globalen Konsens über das Problem herauszubilden. Die Beseitigung der Drogenproduktion in Afghanistan sollte als ein klares Ziel im Rahmen der Organisation der Vereinten Nationen (UN) festgelegt werden. Berücksichtigt man das Ausmaß dieses Phänomens und die Bedrohung, die es darstellt, ist der UN-Sicherheitsrat eine relevante Stelle für eine solche Aufgabe, die jeden Grund hat, auf der Grundlage von Kapitel VII zu handeln und die Drogenproduktion in Afghanistan zu einer Bedrohung für den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu erklären.

Das Ziel der Beseitigung der Drogenproduktion in Afghanistan sollte dann auf die Tagesordnung aller angesehenen internationalen Foren gesetzt werden, wie der G-8, der UN-Vollversammlung, dem Wirtschafts- und Sozialrat der UN, dem Internationalen Rat für Drogenbekämpfung, der Kommission für Rauschgifte, dem UN-Büro für die Rauschgift- und Verbrechensbekämpfung, führenden internationalen Entwicklungseinrichtungen wie der Weltbank und der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung und anderen. Außerdem sollte die alternative Entwicklung zu einem integralen Bestandteil der Entwicklungsagenda nach 2015 gemacht werden, die derzeit im Rahmen des Prozesses der Milleniums-Entwicklungsziele (MDG) ausgearbeitet wird. Insbesondere sollten die alternativen Entwicklungsindikatoren in die MDG für die am wenigsten entwickelten Länder aufgenommen werden.

Last but not least ist einer der Schlüsselmechanismen für die Umsetzung des Plans ein Investment-Pool, der Mittel für die entsprechenden Projekte und Programme bereitstellt.

Investitionen in alternative Entwicklung Afghanistans

Ein Teil der finanziellen Mittel für die Umsetzung des Plans wird in Form internationaler technischer und finanzieller Hilfen nach Afghanistan kommen. Aber der größte Teil der notwendigen Mittel für die Durchführung alternativer Entwicklungsprogramme sollten Investitionen sein, die zwar zu günstigen finanziellen Konditionen getätigt werden, aber dennoch einen Gewinn aus den jeweiligen Wirtschaftsaktivitäten fordern. Das ist wichtig, um einen realistischen Ansatz des Plans sicherzustellen, der in Zeiten einer weltweiten Finanzkrise kaum auf einer nicht-kommerziellen Basis finanziert werden kann. Dies ist auch wichtig in Hinsicht auf das Schaffen von Nachhaltigkeit der alternativen Entwicklungsprojekte und -programme. Sie sollten als Investitionsprojekte gestaltet sein, die wettbewerbsfähige und profitable Unternehmen schaffen und der afghanischen Bevölkerung dauerhafte und gut bezahlte Arbeitsplätze bieten.

Ein Investitionspaket, das die oben genannten Projekte umfaßt, würde in der ersten Stufe 17,5 Mrd. US-Dollar erfordern, die sich folgendermaßen verteilen:

Tabelle 1:
Erforderliche Investitionen für die Umsetzung
der von Rußland vorgeschlagenen Projekte

Kette von Wasserkraftwerken am Pjandsch-Fluß

7 Mrd.$

Energieintensive chemische Werke (Wasserstoff-Energie-Cluster) 

1,5 Mrd.$

Transafghanische Eisenbahn 

8 Mrd.$

„Landhafen“ (Frachtumschlagsplatz) an der afghanisch-pakistanischen Grenze 

0,5 Mrd.$

Maschinenbau-Cluster 

0,5 Mrd.$

Die Umsetzung dieser Projekte und die Weiterentwicklung der dadurch geschaffenen Werte wird den Bau mehrerer Eisenbahnstrecken in Kirgisistan und Tadschikistan erfordern, die weitere etwa 10,5 Mrd.$ erfordern.

Der Zeitraum für die Rückzahlung dieser Projekte im Fall ihrer gleichzeitigen und miteinander verbundenen Umsetzung, die entsprechende Synergien bietet, beliefe sich auf etwa zehn Jahre.

Wenn diese Projekte im Gang sind, würden die landwirtschaftlichen Programme zur Ersetzung der illegalen Pflanzungen durch legalen Anbau in den ländlichen Regionen Afghanistans innerhalb von fünf Jahren etwa 0,7 Mrd.$ kosten (jährlich 140 Mio.$).

Die Kosten für den Aufbau der sozio-kulturellen Infrastruktur und die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen müssen ausgehend von den bestehenden Plänen in diesen Bereichen festgestellt werden.

Eine Grundvoraussetzung für die Mobilisierung und Ausgabe dieser Mittel ist ihre zentralisierte Verteilung durch eine dafür eingerichtete Behörde, die den Plan betreibt und deren Arbeit einer öffentlichen Aufsicht untersteht. Außerdem wäre es nützlich, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, einen Teil der existierenden Finanzhilfen über die Konten dieses Büros umzuleiten. Diese Maßnahme hat den Zweck, der Praxis ein Ende zu setzen, daß die Ausgaben „für“ Afghanistan nicht den Ausgaben „in“ Afghanistan entsprechen, indem entweder Hilfe überhaupt nicht im Land ankommt oder bis zu 80% der Gelder durch Aufträge an internationale Lieferanten von Waren und Dienstleistungen, Importe und Abzug von Gewinnen ins Ausland unmittelbar wieder abfließen.

Der Investitionspool für die Umsetzung des Umfassenden Internationalen Plans für eine alternative Entwicklung Afghanistans sollte als ein besonderes Treuhandvermögen der Weltbank, als Fonds für die Alternative Entwicklung Afghanistans, eingerichtet und verwaltet werden.

Rußland als wichtiger Unterstützer der Entwicklung Afghanistans

Als Nachfolgerstaat der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken befindet sich die Russische Föderation unter den großen Geldgebern für den wirtschaftlichen Aufschwung Afghanistans.

In den 1970er und 1980er Jahren finanzierte die Sowjetunion den Bau von 142 Industrie- und Infrastrukturanlagen, welche die Grundlage der Volkswirtschaft bildeten. Mehr als 3 Mrd. US-$ wurden von der UdSSR in die geologische Exploration in den nördlichen Provinzen investiert. In 15 Jahren, von 1973 bis 1989, nahmen sowjetische Bildungseinrichtungen etwa 200.000 Afghanen auf und bildeten sie durch Hochschul- oder andere weiterführende Bildungsgänge zu hochrangigen Spezialisten aus.

Außerdem hat Rußland erst vor wenigen Jahren, im Juli 2010, der afghanischen Regierung alle Schulden erlassen, was 11,5 Mrd. US-$ entsprach.

Rußland leistet also bereits einen großen finanziellen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Afghanistans. Aber da es einer der großen Märkte für in Afghanistan produzierte Opiate ist und stark unter den wirtschaftlichen, politischen und Sicherheitsaspekten des Opiathandels leidet, ist Rußland sehr darauf erpicht, sich an der Förderung der Bemühungen für eine alternative Entwicklung in Afghanistan zu beteiligen.

Aus unserer Sicht ist Rußland heute bereit, bei der Ausarbeitung und dann der Verwaltung des Umfassenden Internationalen Plans für eine Alternative Entwicklung Afghanistans auf der Grundlage einer beschleunigten Industrialisierung (dem Russischen Plan) eine maßgebliche Rolle einzunehmen.

Der Fahrplan zur Ausarbeitung und Umsetzung des Plans

Der Fahrplan für die Ausarbeitung und Umsetzung des Umfassenden Internationalen Plans für eine Alternative Entwicklung Afghanistans sieht vier Phasen vor.

Die Ausarbeitung des Plans und des Fahrplans zu seiner Umsetzung sollte 2014-2015 durchgeführt werden und mit der Annahme entsprechender Dokumente beim G-8-Gipfel im Juni 2015 enden.

Dieses Ereignis wird die Tür für die zweite Phase öffnen, welche die Gründung der speziellen Behörde bzw. der Verwaltung des Plans und die Mobilisierung der Investitionen (wahrscheinlich im Rahmen einer der internationalen Entwicklungsinstitutionen) für seine Umsetzung umfaßt. Die organisatorischen Fragen dieser Phase sollten 2015 geregelt werden, und die ersten Investitionen sollten 2015-2016 eintreffen.

Die nächste Phase umfaßt die Umsetzung der strategischen Investitionsprojekte in vier vorrangigen Bereichen und wird von 2016 bis 2025 dauern.

Die Periode von 2023 bis 2030 wird die Zeit sein, in der positive systemische Auswirkungen aus der Umsetzung des Plans gewonnen und verwaltet werden. Danach sollte die alternative Entwicklung Afghanistans durch eine umfassende soziale und wirtschaftliche Entwicklung in einem allgemeinen institutionellen Rahmen abgelöst werden.

Schlußbemerkung

Der vorliegende Analyse- und Projektbericht mit dem Titel Eine neue Generation alternativer Entwicklungsprogramme zur Beseitigung der Drogenproduktion in Afghanistan präsentiert die Ansicht unabhängiger Denkfabriken in Rußland und Weißrußland zum Problem der planetaren Rauschgiftproduktion in Afghanistan und Wege zu dessen Überwindung. Wir erwägen die Veröffentlichung dieses vorliegenden Berichts und bieten ihn - als ersten Schritt zur Umsetzung der darin enthaltenen Vorschläge - als Diskussionsgrundlage für die hochrangigen Experten an, die am Zweiten Expertentreffen im Rahmen der russischen G-8-Präsidentschaft über „Alternative Entwicklung für Drogenanbaugebiete“ am 25. März 2014 in Moskau teilnehmen werden.

Wir hoffen, der nächste Schritt umfaßt dann eine Diskussion über die grundlegenden Vorschläge des Berichtes bei dem Expertentreffen sowie die Vorlage des vorgeschlagenen Ansatzes zur Beratung beim geplanten G-8-Ministertreffen über die Bekämpfung des weltweiten Drogenproblems am 15. Mai 2014 sowie beim geplanten G-8-Gipfeltreffen am 4.-5. Juni in Sotschi.1

In diesen Bericht eingeflossen sind die Resultate von Diskussionen mit Experten aus Afghanistan, Rußland, den USA, Großbritannien, Deutschland, Thailand und anderen Ländern, die verschiedene Ansichten zur Lage in Afghanistan vertreten; die Forschungsergebnisse afghanischer, russischer und anderer ausländischer Denkfabriken, internationaler Organisationen und Publikationen russischer und ausländischer Regierungsorganisationen und Massenmedien.

Sie können uns gerne Ihre Bemerkungen und Vorschläge zu dem Bericht an die folgende E-Mail-Adresse schicken: idmrr@idmrr.ru


Anmerkung

1. Aufgrund der Spannungen mit Rußland über die Lage in der Ukraine boykottierten die westlichen Regierungen das Expertentreffen am 25. März. Auch das Ministertreffen im Mai und der G-8-Gipfel in Sotschi im Juni wurden abgesagt.