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Neue Solidarität
Nr. 23, 8. Juni 2011

Erregte Debatten über Erdbebenschutz und den Vesuv

Wie die Astrophysikerin Margerita Hack im März feststellte, sollten die Italiener, statt über Kernkraft besorgt zu sein, sich eher Sorgen über den nächsten Ausbruch des Vesuv machen, der mit Sicherheit kommen und zwei Millionen Menschen auslöschen wird, die in seiner unmittelbaren Umgebung leben.

Eine jüngst von Geologen des Osservatorio Vesuviano, einer lokalen Unterabteilung der Nationalen Geologischen Gesellschaft, durchgeführte Studie, hat den Verlust an Menschenleben sogar auf drei Millionen angehoben, die beim Eintreten des „schlimmsten Falles“ bedroht wären, d.h. bei einem Ausbruch der gleichen Größenordnung wie der „Plinianische Ausbruch“ 3800 v.Chr., den Lucia Pappalardo und Giuseppe Mastrolorenzo 2006 rekonstruierten. Die beiden Wissenschaftler forderten jetzt die italienische Regierung auf, die existierenden Evakuierungspläne von 600.000 Menschen auf  3 Millionen zu erhöhen. „Es ist unsere Aufgabe, den Behörden zu sagen, daß sie ihrem Evakuierungsplan dieses Szenario zu Grunde legen sollten“, sagte Signora Pappalardo gegenüber EIR.

Die notwendigen Maßnahmen erfordern allerdings eine finanzielle Mobilisierung, d.h. daß man die gegenwärtigen, von der EU diktierten Haushaltsansätze in den Abfalleimer wirft. Leider sind italienische Politiker mental so weit degeneriert, daß sie denken, „Sollte es zu einem Ausbruch kommen, dann bin ich so gut wie tot. Folglich werden sie meinen Nachfolger zur Verantwortung ziehen“, beklagte sich Dr. Pappalardo. Diese zynische Verhaltensweise gefährdet, durch die unterlassene Erneuerung der verfallenden Infrastruktur und den fehlenden Bau neuer Einrichtungen zum Schutz der Bevölkerung, die gesamte Nation.

Der selbe Punkt steht hinter dem Fall L’Aquila, wo jetzt ein Gericht am 25. Mai Anklage gegen alle Mitglieder der Regierungskommission für große Risiken (Commissione Grandi Rischi) erhoben hat. Sie hätten vor dem Beben mit der Stärke 6,3 am 6.4.2009 falsche Einschätzungen abgegeben. Mehr als 300 Menschen kamen ums Leben.

Diese Entscheidung rief eine nationale und internationale Berichterstattung hervor, in der die Frage gestellt wurde, 1) ob Erdbeben überhaupt vorhergesagt werden können, und 2) ob der Fall eher vor Gerichte gehört oder in wissenschaftlichen Foren verhandelt werden sollte.

Auf Nachfrage von EIR warf der sich mit der Erdbebenvorhersage befassende Forscher Prof. Pier Francesco Biagi einiges Licht auf den Gegenstand. Im Unterschied zu den Behauptungen einiger Angeklagter, z.B. des Vorsitzenden der Nationalen Geophysikalischen Gesellschaft Enzo Boschi, sei die Frage der Erdbebenvorhersage „kein unlösbares Problem“.

Die Regierungskommission handle unverantwortlich, sagt Biagi. Ihre sieben Mitglieder trafen sich am 31. März nur für weniger als eine Stunde und veröffentlichten eine Erklärung, die lautete, es es gebe keine Gefahr eines starken Erdbebens und die Bevölkerung brauche sich nicht zu sorgen. „Nun, wenn Erdbeben nicht vorhersagbar sind, wie sie behaupten, dann machte die Kommission einen Fehler, denn faktisch machten sie eine Vorhersage. Eine Vorhersage, die besagte, daß es kein Erdbeben geben werde - aber es war eine Vorhersage!“

Vielmehr hätte die Kommission, so Biagi, auf die Serie von Erdbeben in der Region Aquila hinweisen sollen, die möglicherweise ein starkes Erdbeben ankündigte. „Wir sind nicht in der Lage, genau zu sagen, was in diesem Fall passieren wird, aber auf jeden Fall gäbe es eine Alarmstimmung in der Gegend und die, die abreisen wollen, sollten es tun. Techniker würden umgehend hingeschickt werden, um die Lage verschiedenster Gebäude zu kontrollieren und möglicherweise würden einzelne Gebäude gesperrt werden.“

Durch die Unterlassung präventiver Sicherheitsmaßnahmen und die Blockierung der Forschung über Erdbebenanzeichen spielen Regierungsvertreter das Spiel der Finanzinteressen, die Regierungen dazu zwingen, Geld nur für Bankenrettungsprogramme und nicht für die Rettung der Bevölkerung auszugeben!

sas