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Aus der Neuen Solidarität Nr. 33/2008

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Holbrooke, Karadzic und der „Schatten von 1914“

Balkan. Wieder einmal soll der Balkan benutzt werden, um eine Konfrontation mit Rußland anzustiften.

Am 30. Juli gab ein hochrangiger Beamter des russischen Außenministeriums vor Journalisten in Moskau eine Erklärung ab, die eine Änderung der bisherigen  russischen Haltung gegenüber den USA anzeigt. „Sollten die USA weiter einzige Supermacht sein wollen, wird die Zeit kommen, da wir den Dialog in für US-Interessen wesentlichen Fragen abbrechen werden“, sagte der Regierungsvertreter laut der Zeitung Iswestija. Rußland sei auf alles vorbereitet. Amerika stehe selbst „vor einer dramatischen Existenzkrise“. Die USA könnten die schmerzhaften drastischen Veränderungen nur überleben, „wenn sie innerhalb ihrer Möglichkeiten lebten“. Amerika müsse „neu geboren“ werden. Noch glaube niemand, die USA könnten ihre Staatsschulden nicht mehr bedienen, aber sollte das passieren, werde eine Flucht aus Anleihen mit US-Regierungsgarantien beginnen. Die USA seien mit ihrer Schuldenpolitik mit dafür verantwortlich, daß Geld zur Bekämpfung des weltweiten Hungers fehle. Außerdem werde das US-Militär zum Nachteil Rußlands auch im Rahmen des Irakkriegs aufgerüstet, so der Beamte.

Ein wesentlicher Grund für diesen ungewöhnlichen Ausbruch liegt laut Lyndon LaRouche in der Rolle von Richard Holbrooke bei der Festnahme des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic. LaRouche sagte in einer Erklärung mit dem Titel „Der Schatten von 1914“, dieser Vorgang habe alte russische Emotionen über den Balkan wachgerufen. Am 21. Juli war der ehemalige bosnische Serbenführer in Belgrad verhaftet und dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag ausgeliefert worden. Karadzic warf Holbrooke als früherem US-Chefunterhändler der Clinton-Regierung des Dayton-Abkommens von 1995 vor, geheime Absprachen über seine Immunität gebrochen zu haben. Holbrooke trachte jetzt nach seinem Leben.

Die Briten und ihre US-Verbündeten, die jetzt Karadzic zur Verurteilung freigegeben haben, wollten die Gefahr eines neuen Balkankriegs heraufbeschwören, so LaRouche. Wichtige Kreise in Rußland reagierten darauf mit Wut. Der Grund dafür liege „in der altbekannten Balkanfrage“, die „nun vor einer breiten Öffentlichkeit in Rußland wieder aufgeworfen wird, wobei es um die Rolle von Richard Holbrooke im Fall Radovan Karadzic geht“. Die Verbindung der früheren US-Außenministerin Madeleine Albright zur H.G. Wells-Gesellschaft sei ein entscheidendes Element dabei.

„Die Schatten von 1914 sind sichtbar. Obwohl Zar Nikolaus II. sich darüber bewußt war, daß sein Onkel, der britische König Edward VII., Rußland über einen Balkankrieg in ein Bündnis gegen Deutschland hineinziehen wollte, verdammte er Rußland und seine Familie zum Untergang, indem er dem britischen Komplott auf den Leim ging.“ London habe gerade wieder „vergleichbare Leidenschaften“ in derselben Balkanfrage angestachelt. Diese seien in wichtigen Kreisen Rußlands „immer noch ein strategischer Faktor der gegenwärtigen Weltlage“.

Mittlerweile hat Serbien angekündigt, die Frage des Status von Kosovo auf die Tagesordnung der UN-Generalversammlung im September zu setzen. Da dies für Rußland und China eine prinzipielle Frage der nationalen Souveränität darstellt, ist die Möglichkeit für weitere Manipulationen solcher historischer Emotionen bereits gegeben. Es ist zu befürchten, daß damit die dringende Debatte über eine neue Weltwirtschafts- und Finanzordnung beiseite gedrängt wird und eine geopolitische Konfrontation zwischen genau den Mächten entsteht, die für eine Lösung zusammenarbeiten müssen.

Britische Manipulationen: jeder gegen jeden

US-Außenministerin Albright und der britische Premier Tony Blair waren eindeutig verantwortlich für den NATO-Krieg gegen Jugoslawien 1999 sowie die politische Weichenstellung hin zur jüngst erfolgten einseitigen Unabhängigkeitserklärung des Kosovo von Serbien. Holbrooke war 1999-2001 UN-Botschafter der USA und ist somit ein "rotes Tuch" für die Russen. Zuvor war er in der ersten Clinton-Regierung mehrere Jahre stellvertretender US-Außenminister gewesen. Bezüglich der Abspaltung des Kosovo und im Fall Milosevic hat er sich immer extrem provokativ verhalten. Und bei Karadzics Festnahme erklärte er, dieser verdiene eigentlich die Todesstrafe, und bedauerte, daß es das in Den Haag nicht gäbe.

Der frühere UN-Botschafter und zeitweilige Außenminister Bosniens, Mohammed Sacirbey, hat bestätigt, daß es die von Karadzic behauptete Absprache über Immunität gegeben habe. Sacirbey greift die USA und andere westliche Nationen dafür an, daß Mladic, Karadzic etc. nicht längst nach Den Haag ausgeliefert wurden. Aber das ICTY ist ein supranationales Instrumentarium, das seit 1995 vor allem unter Carla del Ponte immer wieder für politischen Druck auf Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina und für geopolitische Spiele eingesetzt wurde. Die Rolle der großen „Player“ zwischen 1991-95, eines Lord Owen, eines Cyrus Vance, eines François Mitterrand, wurde nie untersucht.

Das ICTY wird massiv von den Organisationen des Megaspekulanten George Soros und seiner „Open Societies“, die sich in allen Ländern des Balkan breitgemacht haben, unterstützt. Eine besondere Rolle scheint dabei die führende holländische Soros-Mitarbeiterin Mabel von Oranien zu spielen, die sich ausgerechnet während des Bosnienkrieges mit dem damaligen UN-Botschafter Sacirbey liiert hatte und deren Rolle beim Fall von Srbrenica immer wieder in der holländischen Presse diskutiert wurde.

Die Clinton-Regierung in dieser Weise ins Rampenlicht zu rücken, wie es Karadzic nun getan hat, ist wegen der unverzichtbaren Rolle, die Hillary Clinton in den USA spielen muß, ein weiteres Indiz für eine britische Hand hinter den Kulissen. Präsident Clinton hatte mit dem Dayton-Abkommen 1995 den Horror dieses ersten neuen Balkankrieges, der ganz Europa in einen Alptraum hinabzog, endlich beendet. Der Krieg hatte nach dem Ende des ersten Irakkrieges in der Amtszeit von George Bush sen. und dem damaligen Verteidigungsminister Dick Cheney begonnen.

Die politische Konstellation in Europa nach dem Fall des Kommunismus 1989 war damals von Seiten Mitterrands und Thatchers ganz darauf ausgerichtet, eine friedliche Neuordnung Europas und wirtschaftlichen Aufbau souveräner Nationen Eurasiens, bei dem Deutschland eine Schlüsselrolle zugekommen wäre, zu verhindern. Der Krieg gegen Kroatien und Bosnien ab 1991/92 lieferte die willkommene Gelegenheit, Deutschland wegen seiner Unterstützung für die Unabhängigkeit Kroatiens und Bosniens als „4. Reich“ zu brandmarken, was von der damaligen großserbischen Führung unter Milosevic begierig aufgegriffen wurde. Radovan Karadzic selbst war für seine Ausbildung mit Tavistock-Methoden psychologischer Kriegsführung und sein gutes Verhältnis zum britischen Bosnien-„Unterhändler“ und Psychiater Lord Owen bekannt.

Der größte Fehler von Dayton und danach bestand darin, daß nicht sofort ein großangelegtes wirtschaftliches Infrastruktur- und Entwicklungsprogramm für die ganze Region in Gang gesetzt wurde, um den Menschen nach Krieg und Zerstörung eine gemeinsame Aufbauperspektive ihrer neuen Nationen bieten zu können. Das Schiller-Institut hatte dies seit 1989 als wesentliches Element des Konzepts des „produktiven Dreiecks“ und der „Eurasischen Landbrücke“ immer in die Diskussion gebracht. US-Handelsminister Ron Brown, der im Frühjahr 1996 bei einem bis heute ungeklärten Flugzeugabsturz bei Dubrovnik ums Leben kam, wollte eine solche Aufbaupolitik in Gang bringen. Statt dessen wurde die Region mit IWF-Politik und Privatisierung wirtschaftlich zerstört und damit auch die Chancen für eine konstruktive Lösung des Kosovo-Problems bewußt sabotiert. Der britische Einfluß über Vizepräsident Gore, Außenministerin Albright und UN-Botschafter Holbrooke in der zweiten Amtszeit Clintons führte dann direkt ins Desaster des NATO-Krieges gegen Jugoslawien und in eine Konfrontation mit Rußland und China. Für Tony Blair war dies das Ende der „nationalen Souveränität“ und der Startschuß weltweiter militärischer Einsätze unter dem Vorwand „humanitärer Gründe“.

Es ist keine Frage, daß Radovan Karadzic für die Verbrechen, die er persönlich begangen hat, bestraft werden muß. Um aber nicht in die von LaRouche identifizierte Falle zu tappen, muß man fragen: warum wurde er genau jetzt festgenommen? Wir können es uns nicht leisten, noch einmal auf die Methoden der britischen Tavistock-Psychiater hereinzufallen, die durch den Einsatz von Schocks ein „kontrolliertes Feld“ für soziale und politische „Turbulenzen“ schaffen.

Elke Fimmen

Lesen Sie hierzu bitte auch:
Balkan-Frieden nur durch reale Entwicklungsperspektive
- Neue Solidarität Nr. 10/2008
Gerechtigkeit für Kosovo? Stoppt die britische Geopolitik!
- Neue Solidarität Nr. 9/2008
Kernthema: Die Eurasische Landbrücke
- Neue Solidarität online

 

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