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Aus der Neuen Solidarität Nr. 49/2007

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Finanzkrach: Europa in Panik Chinesen setzen auf LaRouche

Die Berichterstattung in staatlichen Medien zeigt, daß sich die chinesische Führung ernsthaft mit Lyndon LaRouches Lösungsvorschlägen für die Weltfinanzkrise befaßt. Doch Verantwortliche im Westen stellen sich trotz der dramatischen Lage weiter taub und blind.

Am 26. November berichteten die großen chinesischen Regierungszeitungen People’s Daily, China Daily und die Nachrichtenagentur Xinhua News prominent über die von Lyndon LaRouche vorgeschlagene Lösung der Dollarkrise: eine gemeinsame Initiative Chinas und der USA mit Rußland und Indien zur Schaffung eines Neuen-Bretton-Woods-Währungssystems. Am gleichen Tag warnten zwei namhafte chinesische Wirtschaftsexperten im Leitartikel von China Daily vor den inflationären Auswirkungen des Dollarfalls auf die chinesische Wirtschaft (siehe dazu den nebenstehenden Artikel).

Beijing signalisiert damit der Welt, daß es sich darüber im Klaren ist, daß das Dollarsystem de facto funktionsuntüchtig geworden ist und die Welt ein neues Währungssystem braucht. Nationales Selbstinteresse könnte China bald zu Maßnahmen zwingen, die den Dollarfall in einen katastrophalen Zusammenbruch verwandeln könnten, aber die Verantwortlichen im Westen, die auf diese Warnungen hören sollten, sind dieser Realität gegenüber taub und blind. Angesichts einer neuerlichen Eskalation der Finanzkrise mit buchstäblich Billionen an Verlusten und dem fortschreitenden Abgleiten des Dollars pumpt die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ständig mehr Geld ins System und verspricht den Managern der Spekulationsfonds, daß sie alles bekommen, was sie brauchen.

„Die Leute reden von Turbulenzen, in Wirklichkeit ist es ein Erdbeben“, sagte am 28. November ein italienischer Finanzexperte EIR gegenüber. „Meine These ist, daß jetzt drei Schichten gleichzeitig wegbrechen: die Währungen, das Finanzsystem und die Realwirtschaft. Der Druck auf Fed-Chef Bernanke, die Zinsen zu senken, wächst. Aber wenn er das täte, würde er den Dollar weiter nach unten drücken und die Banken zwingen, ihre Dollars loszuwerden, was den Dollar noch weiter schwächen würde. Dies ist eine völlig neue Situation.“

China und andere Länder hätten inzwischen aufgehört, das amerikanische Defizit durch Ankauf von Schatzbriefen zu finanzieren. „Die letzte Nettodifferenz zwischen Neuemissionen und Verkäufen wurde fast ausschließlich von den Arabern bezahlt, sie haben 255 von 270 Mrd. Dollar an Wertpapieren gekauft.“ Das sei der Grund dafür, daß die US-Regierung nichts gegen den steigenden Ölpreis unternimmt. Denn damit flösse mehr Geld in die Hände der arabischen Ölländer, die das Geld wiederum in den USA investieren. „Wenn sie wollte, könnte die amerikanische Regierung den Ölpreis sofort nach unten drücken, indem sie heute noch in die Derivatspekulation eingreift. Der Ölmarkt ist völlig virtuell. Es gibt keinen Druck bei der Nachfrage, im Gegenteil, reale Öllieferungen finden kaum einen Käufer, wenn kein Rabatt angeboten wird.“

Weiter erklärte der Experte: „Die Zentralbanken halten den Geldhahn weiter geöffnet und behaupten, das sei nicht inflationär, weil sie die Liquidität gleich nach der Infusion wieder abziehen. Aber in dem Augenblick, wenn sie dem System das Geld wieder entziehen, müssen sie schon wieder neues zuschießen, die Liquidität bleibt also im System.“ Die Zentralbanken handelten völlig planlos, „sie fliegen in dichtem Nebel auf Sicht“ und korrigieren, sobald sich Hindernisse zeigen. „Der Interbank-Kreditmarkt ist seit August zum Erliegen gekommen. Ab und zu versucht jemand, etwas zu verkaufen, und sofort schnellt der Interbankzins in die Höhe. Aber das System ist nie aus seiner Starre herausgekommen, im Gegenteil: Die Lähmung greift weiter um sich.“

Mehr Öl ins Feuer

Ähnlich wie im Sommer 2006, als die Federal Reserve sich dem Druck der Spekulanten beugen mußte und die Zinsen senkte, wächst jetzt der Druck auf die amerikanische Zentralbank, die Zinsen weiter drastisch zu drücken. Am 27. November veröffentlichte die Investmentbank Goldman Sachs einen Bericht, worin die Erwartung geäußert wird, daß die Fed den Zinssatz bis Mitte nächsten Jahres auf 3% senken wird. Das wäre ein bedeutender Sprung, 1,5% unter dem gegenwärtigen Niveau des Leitzinses (Federal Funds Rate), dem Zinssatz auf kurzfristige Kredite an Banken, das bei 4,5 % steht. Die Fed hat die Zinsrate bereits im September um einen halben Prozentpunkt und Ende Oktober um einen weiteren Viertelpunkt gesenkt.

In der Zwischenzeit ist der tägliche Geldbedarf der Banken bei der Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) „panikartig“ gestiegen, wie die Financial Times am 26. November schrieb. Am 28. November pumpte die EZB weitere 50 Mrd. Dollar ins System, nachdem sie schon am Montag, dem 26., ihr Versprechen vom Wochenende wahrgemacht und eine massive Rettungsspritze für das Finanzsystem gewährt hatte, nämlich ein wöchentliches Angebot von 178 Mrd. Dollar. Um dem Leser eine Vorstellung von der Dimension zu geben: Dieser Betrag ist ungefähr doppelt so hoch wie die Summe, die die amerikanischen Regierung während des gesamten Jahres 2007 für den Irakkrieg ausgegeben hat!

Eigentlich soll die massive Infusion nach sieben Tagen zurückgezahlt werden, aber die EZB stößt in letzter Zeit auf eine schlechte Zahlungsmoral der Banken. In der vorangegangenen Woche hatte die EZB 27 Mrd. Euro an Sofortkrediten zugeschossen, doch gleichzeitig gelang es ihr nicht, von den Banken 10 Mrd. an früheren Krediten einzutreiben, weil die unbedingt darauf angewiesen sind. Schließlich steigen die Verluste Tag für Tag.

Verschiedene empirische Korrekturen von Ökonomen wie Jan Hatzius von Goldman Sachs, worüber der Londoner Daily Telegraph am 28. November berichtete, beziffern den Gesamtverlust aus minderwertigen Hypotheken und „Alt-A“ (eine mittlere Risikokategorie von Hypotheken) auf 500 Mrd. Dollar. Sie haben ausgerechnet, daß die Verluste die Banken zwingen werden, ihre Kreditvergabe um 2000 Mrd. Dollar einzuschränken. Gleichzeitig wird der jüngste Preisverfall von Eigenheimen in den USA inzwischen auf 15% veranschlagt. Das heißt, daß 20% der amerikanischen Eigenheimbesitzer auf insgesamt 3000 Mrd. Dollar an Schulden sitzen bleiben.

Doch alle diese Zahlen, so beeindruckend sie schon sind, werden sich nach der nächsten Runde von Insolvenzen als „Peanuts“ erweisen. Wie wir letzte Woche in dem Artikel von Helga Zepp-LaRouche „Weltfinanzsystem vor dem Super-Gau“ beschrieben, folgt jetzt die nächste Welle von Konkursen in der Blase der Kreditderivate. Die Banken hatten sog. „Kreditausfall-Swaps“ und ähnliche Papiere an Besitzer von hypothekenbesicherten and anderen ähnlich windigen Wertpapieren verkauft, um sie (vermeintlich) gegen das Insolvenzrisiko zu versichern. Dieser Markt wird von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) auf 43 Billionen Dollar (!) beziffert.

An vorderster Front dieser nächsten Schicht stehen die sog. „Monoliner“. Das sind spezialisierte Versicherungen, die einzelne Kategorien von Schuldentiteln, wie z.B. hypothekenbesicherte Papiere oder kommunale Anleihen, versichert haben. Einige Rettungsaktionen für untergegangene Monoliner sind schon in der Öffentlichkeit bekannt geworden. So meldete der Londoner Independent am 23. November einen Fall aus Frankreich. Die beiden Großbanken Banque Populaire und Caisse d’Epargne, die Mehrheitseigentümer des Kreditinstituts Natixis, werden dem Monoline-Versicherer von Natixis, CIFG, 1,5 Mrd.$ zahlen, um das Kreditrating des Versicherers auf dem höchsten Niveau AAA zu halten.

Am gleichen Tag setzte die Ratingagentur Fitch dem New Yorker Monoliner Financial Guaranty Insurance Co. (FGIC) eine Frist von drei Wochen, Dokumente vorzulegen, die eine Herabstufung verhindern können. FGIC versichert Anleihen im Wert von 315 Mrd.$, davon 30 Mrd. an hypothekenbesicherten Wertpapieren und 25 Mrd. an wertpapierbesicherten Schuldentiteln, verfügte aber Ende September nur über 5 Mrd.$ an Kapitalreserven. Die Monoliner garantieren derzeit 2,4 Bio.$ an Wertpapieren, deren Rating leiden wird, wenn die Bonität der Versicherung schwächer wird.

Das System ist tot!

Wie Lyndon LaRouche vorhergesagt hat, platzt nun die gesamte Derivatblase, die der frühere Fed-Chef Alan Greenspan seit 1987 geschaffen hat und die auf mehrere Trillionen (d.h. mehrere Millionen Milliarden) geschätzt wird. Mit unerbittlicher „rückläufiger Hebelwirkung“ löst sich der Schuldenberg auf, als zöge man eine Schicht nach der andern von einer Zwiebel ab. Nichts kann diesen Prozeß aufhalten, das System ist tot.

Deshalb ist die Politik der Zentralbanken, immer größere zusätzliche Summen ins System zu pumpen, wo immer sich ein Riß zeigt, purer Selbstmord. Das kann das System nicht retten, sondern wird einen hyperinflationären Prozeß auslösen wie in Deutschland 1923.

Gleichzeitig beschleunigt diese Politik den Wertverfall des Dollars. Was geschieht, wenn die Federal Reserve die Zinsen weiter senkt, vielleicht so dramatisch, wie es Goldman Sachs verlangt? Dann stünde die chinesische Regierung vor der Wahl, das Dollarsystem über Wasser zu halten oder die chinesische Wirtschaft zu retten - wer wird so naiv sein zu glauben, daß sie sich für die erste Option entscheidet?

China macht sich Sorgen über die aus den USA importierte Inflation. In dem eingangs erwähnten Leitartikel in China Daily vom 26. November warnen Guo Tianyong von der Zentraluniversität für Finanzen und Wirtschaft und Shi Jianhuai von der Universität Beijing, sollte der Dollar weiter fallen, werde mehr spekulatives Kapital auf der Suche nach Profiten nach China fließen und die Inflation anheizen. Dies werde die Preise für lebenswichtige Güter wie Öl, Getreide und Rohstoffe für China verteuern und die, wie Guo es nennt, „importierte Inflation“ verschärfen. „Interne Maßnahmen, wie beispielsweise die Erhöhung der Zinsrate, sind gegen diese internationalen Faktoren machtlos“, meint er. Shi Jianhuai warnt davor, daß zu viel heißes Geld nach China fließt, obwohl die Behörden sich um Kontrolle der Spekulationsfonds bemühen.

Im Gegensatz zu den Chinesen, die LaRouches Vorschläge zur Reform des Weltfinanzsystems wohlwollend prüfen, wollen selbst solche westlichen Experten, die das alte System für gescheitert halten, eher Chaos hinnehmen, als falsche Axiome in ihrem Denken zu revidieren. Beispielhaft ist der deutsche Ökonom Wolfgang Münchau, der in der Financial Times schreibt, dieses System sei zum Untergang verurteilt, aber es werde kein neues geben, das das alte ersetzt. Das gegenwärtige Währungssystem, das er „Bretton Woods II“ nennt, werde sich wohl „bald in Rauch auflösen“. Ganz richtig schreibt Münchau, dieses System erscheine in verschiedener Hinsicht „wie ein riesiges Geldwäsche-Kartell“, das nicht länger so funktioniere wie gedacht. Da Länder mit Dollarreserven jetzt aus der fallenden US-Währung fliehen, „wird der Dollar fast sicher weiter fallen, und das wird auch andere veranlassen, auszusteigen. Es ist nicht schwer, sich eine Situation vorzustellen, in der sich das Bretton Woods II in ungeordneter Weise auflösen könnte.“

Münchau hat jedoch Vorbehalte gegenüber einer neuen Bretton-Woods-Konferenz. Er sieht nur zwei Alternativen, nämlich die Entstehung regionaler Währungssysteme oder Chaos. „Es ist naheliegend zu sagen, daß es wahrscheinlich kein Bretton Woods III geben wird“, schreibt er, womit er wohl im wesentlichen wiedergibt, was man sich in den oligarchischen Salons der Bankiers erzählt.

Ein weiterer Passagier auf dem Narrenschiff ist der italienische Zentralbankchef Mario Draghi, der zu dem elitären Zirkel ehemaliger Goldman-Sachs-Manager in höchsten politischen Machtpositionen gehört. Draghi ist auch Vorsitzender des Forums für Globale Finanzstabilität, sozusagen der Chef der „Feuerwehr“, die den globalen Finanzzusammenbruch vorhersehen und steuern soll. Er lobte am 23. November in einer Rede vor dem Center for Financial Studies (CFS) in Frankfurt das sog. „Originate-to-Distribute“ (OTD)-Modell, wo man Derivate ausgibt (originate), um Risiken breit unter die Kunden zu streuen (distribute). Er gab dann zu: „Die gegenwärtige Krise ist im Kern eine Krise dieses OTD-Modells“, nur um dann hinzuzufügen: „Es ist nur schwer vorstellbar, daß die Branche die Verbriefung von Krediten durch Wertpapiere aufgeben wird. Wie man sehen kann, hat das OTD-Modell in einigen seiner Segmente Risse gezeigt, aber ich denke, es ist für alle Beteiligten zu wertvoll, um es fallen zu lassen.“

Der frühere Goldman-Sachs-Vorsitzende rief zu einer weiteren Vernetzung der weltweiten Finanzmärkte und einem weiteren Abbau nationaler Regulierungen auf. Er sprach sich auch dafür aus, daß private Geldinstitute weitgehend die Rentenkassen von staatlichen Stellen übernehmen. Und er lobte die gemeinsamen Fortschritte des Privatsektors und staatlicher Behörden beim Abbau nationaler, verfahrenstechnischer Hindernisse in der EU „entlang der Richtlinien im zweiten Giovannini-Bericht“.

Alberto Giovannini war Vorstandsmitglied im LTCM - jenem Fonds, der mit seinem Bankrott 1998 fast das gesamte Weltfinanzsystem zum Einsturz brachte. Als Leiter eines Sonderausschusses, der den Übergang von den Landeswährungen zum Euro und die Liberalisierung und Integration der Finanzmärkte in Europa beratend begleitete, hat Giovannini seine Rezepte von Anfang an auf das Eurosystem angewandt. Solange man die Währungs- und Kreditpolitik in den Händen solcher Leute läßt, ist ein katastrophaler Ausgang der gegenwärtigen Finanzkrise vorprogrammiert. Nur eine grundlegende Reorganisierung und Reregulierung des Finanzsystems kann eine Neuauflage der Hyperinflation der Weimarer Republik und ein „neues 1933“ verhindern.

Claudio Celani

 

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