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Zur Eröffnung des 94. wöchentlichen Online-Treffens der Internationalen Friedenskoalition (IPC) am 21. März sagte die Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, der 18. März sei wegen zweier Ereignisse ein schicksalhafter Tag gewesen:
Erstens: das Telefonat zwischen Trump und Putin als eine Rückkehr zur Diplomatie. „Jeder vernünftige Mensch sollte über dieses Ereignis hocherfreut sein“, aber die europäischen Eliten seien überhaupt nicht glücklich.
Zweitens: die historische Abstimmung in Berlin im Bundestag zur Lockerung der „Schuldenbremse“ – nicht für produktive Zwecke, sondern um „die Schleusen für eine militärische Aufrüstung zu öffnen“. Das habe man mit dem dubiosen Trick gemacht, die Abstimmung in letzter Minute im alten Bundestag anzusetzen, weil klar war, daß der neue nicht zustimmen würde.
Zepp-LaRouche entlarvte verschiedene neokonservative falsche Darstellungen. Rußland könnte laut Militärexperten nur 1,5 Millionen Soldaten mobilisieren, was nicht ausreichen würde, um Europa anzugreifen, falls das jemals die Absicht wäre. Zu Widerlegung der Behauptung vom „unprovozierten Angriffskrieg“ gegen die Ukraine zitierte sie Augenzeugenberichte, u.a. vom früheren US-Botschafter in Rußland Jack Matlock, als einen von vielen, die auf das gebrochene Versprechen hinweisen, die NATO nicht nach Osten zu erweitern.
Israel habe seine völkermörderische Militärkampagne wieder aufgenommen, aber das könne einen Rückschlag geben. „Wir sitzen auf einer Zeitbombe, nämlich dem bevorstehenden Finanzkollaps“, und in einem Krieg mit dem Iran würden die USA verlieren, nicht aus militärischen Gründen, sondern weil er diesen Kollaps auslösen würde.
Ray McGovern, ehemaliger CIA-Analyst und Mitbegründer der Geheimdienstveteranen für Vernunft (VIPS), erinnerte die Zuschauer an den Grund für die Gründung der NATO: „Rußland draußen halten, Amerika drinnen und Deutschland drunten“. Zur neuen deutschen Aufrüstung gegen Rußland sagte er: „Die Russen kennen das, das haben sie schon einmal erledigt.“ Die USA und Rußland hätten ein gemeinsames Interesse daran, daß die Situation nicht außer Kontrolle gerät.
McGovern sprach dann über die Frage des Vertrauens zwischen Nationen. Putin habe Präsident Obama nach dem Chemiewaffenangriff unter falscher Flagge in Syrien aus der Patsche geholfen, aber nach dem Maidan-Putsch und dem Betrug der Minsker Abkommen sei das Vertrauen eingebrochen. McGovern zeigte stolz seinen Button „Putin-Versteher“ – diese Bezeichnung sei jetzt nicht mehr so negativ.
Dennis Fritz, Direktor des Eisenhower Media Network und Command Chief Master Sergeant a.D. der US-Luftwaffe, verwies zum Thema Vertrauen und zu Zepp-LaRouches Erwähnung von Jack Matlock auf eine Anzeige seines Netzwerks.1 Das Schiller-Institut und viele in den Sozialen Medien hätten Erfolge damit, der verheerenden Propaganda für Israel in den USA entgegenzuwirken.
Zwei palästinensische Experten sprachen über den unverzichtbaren Wiederaufbau in Gaza. Der Botschafter der Palästinensischen Autonomiebehörde in Dänemark, Prof. Manuel Hassassian, äußerte sich in einem Videointerview mit Tim Rush von EIR. Er betonte, es gebe keine militärische Lösung für den Konflikt und man müsse nach einer gemeinsamen Basis für wirtschaftliche Lösungen suchen, um den Chauvinismus der Politik zu überwinden. Die Wiederaufbaupläne der Palästinenserbehörde und Ägyptens seien kompatibel, vor allem aber sei Lyndon LaRouches Oasenplan2 ein Schritt in die richtige Richtung.
Fernando Garzón ist Geschäftsführer der Ecuadorianisch-Palästinensischen Union, Professor an Universitäten in Ecuador und Berater für Entwicklung und Raumplanung für internationale Organisationen. Er erklärte, der Wiederaufbau von Gaza müsse im Rahmen der regionalen Entwicklung stattfinden, und er erfordere eine von den UN anerkannte souveräne Regierung für Palästina.
Die Vereinten Nationen hätten Informationen über das Ausmaß der Zerstörung in Gaza veröffentlicht: 73% der Gebäude und 92% der Wohneinheiten wurden zerstört, 68% der Straßen sind unpassierbar. Der Begriff hierfür sei „Terrazid“ – die völlige Zerstörung von Land und Natur. 95% des Wassers seien nicht trinkbar, und 90% unterstünden der Kontrolle eines israelischen Privatunternehmens. Die Palästinenser verfügten über Erdgasreserven im Wert von Milliarden Dollar, was für den Wiederaufbau wesentlich sein werde. Beim Aufbau solle statt des entwicklungsfeindlichen IWF besser die Neue Entwicklungsbank der BRICS mitwirken. Präsident Trumps Vorschlag für Umsiedlung der Palästinenser und eine „zweite Riviera“ sei eine Beleidigung des gesunden Menschenverstands.
Die EIR-Landwirtschaftsexpertin Marcia Merry Baker hielt einen Vortrag über die Entwicklung von Wasserressourcen, beginnend mit einem Satellitenfoto von Ägypten mit dem grünen Nildelta und der riesigen Wüste um es herum. Ägypten habe erforscht, wie man die Wüste mit Wasser und Landwirtschaft begrünen kann und bei Alexandria das größte Klärwerk der Welt gebaut. Sie berichtete weiter über „Präzisionslandwirtschaft“ in Tunesien, die trotz Wassermangels Ertrag bringt, und über die Terraformung der Wüsten östlich des Aralsees durch den Bau von Kanälen in Afghanistan. China habe gegen die Wüstenbildung das Konzept eines Schutzgürtels aus Bäumen und Grasland entwickelt und züchte Pflanzensorten, die dem Wüstenklima standhalten. So habe China unter Beteiligung seiner Streitkräfte ein Gebiet von der Größe Portugals begrünt.
Zepp-LaRouche kommentierte, Merry Bakers Vortrag zeige die Möglichkeit einer positiven Rolle des Militärs auf. Sie stellte die imperialistische Auffassung der Neokonservativen vom Soldaten als Tötungsmaschine – wie in einem Buch von Samuel Huntington (The Soldier and the State) – den entgegengesetzten Vorstellungen Scharnhorsts und der preußischen Reformer gegenüber. Man müsse den Militärisch-Industriellen Komplex für friedliche Wiederaufbauzwecke umgestalten und dem Militär eine rein defensive Rolle zuweisen – weg von der verrückten Welt, wo Menschen glauben, sie müßten sich gegenseitig umbringen.
Anschließend wurde die Diskussion über Wasserentwicklung für den Frieden vertieft. Co-Moderator Dennis Small berichtete über einen Vortrag über die Vorschläge des Schiller-Instituts dazu für Konfliktgebiete auf der ganzen Welt vor einer großen Versammlung von Wasserbau-Studenten in Mexiko. Das könne ein Auftakt für die bevorstehende Konferenz des Schiller-Instituts im Mai sein.
Garzon ergänzte, bei der Planung müsse man neben Landesgrenzen auch die Grenzen von Ökosystemen berücksichtigen.
Marcia Merry Baker beantwortete zwei Fragen zu dem Thema:
1. Warum sieht der Oasenplan keine Solarenergie vor? Solarenergie sei gut für abgelegene Regionen ohne ausreichende Infrastruktur für energiedichte Kraftquellen, aber für eine echte Entwicklung seien energiedichte Quellen unverzichtbar.
2. Was ist von Gaddafis Wasserplan für Libyen und vom Assuan-Staudamm in Ägypten zu halten? Merry Baker befürwortete beides ausdrücklich.
Co-Moderator Dennis Speed erinnerte an Lyndon LaRouches zutreffende Warnung, daß die Osloer Friedensabkommen zwischen Israel und Palästina scheitern würden, wenn nicht sofort die Bagger loslegten.
Der New Yorker Kongreßkandidat José Vega sagte, in dem Streit zwischen Äthiopien und Ägypten über die Nutzung des Nilwassers könne man beide Seiten verstehen. Merry Baker entgegnete, Grenzstreitigkeiten über Wasser seien eigentlich niemals gerechtfertigt, weil es mit einem entsprechenden Infrastrukturaufbau immer mehr als genug Wasser gibt. Sie erinnerte an das Jonglei-Kanalprojekt für den Weißen Nil im Sudan, das von Umweltschützern verhindert wurde.
Zepp-LaRouche schloß dann die Sitzung mit einigen philosophischen Bemerkungen: „Die große Herausforderung für die Menschheit in dieser Zeit ist, wie wir ästhetische Bildung nutzen können, um immer mehr Menschen dazu zu bringen, sich auf die Seite der Menschheit zu stellen.“ Man dürfe nicht mehr alles als selbstverständlich betrachten, sondern müsse die Welt mit neuen Augen sehen. In der Steinzeit habe man Steine als primitives Werkzeug und Waffe benutzt – heute wisse man, daß derselbe Stein wertvolles Eisenerz oder Seltene Erden enthält. Und heute könnte z.B. KI für Böses oder Gutes eingesetzt werden – etwa um den Menschen lebenslanges Lernen zu ermöglichen, anstatt „wie die Maultiere zu schuften“. Jede neue Entdeckung sei eine Bereicherung für die ganze Menschheit. „Wir werden uns nicht für immer abplagen müssen.“
Anmerkungen
1. The U.S. Should Be a Force for Peace in the World, Internetseite des Eisenhower Media Network (englisch).
2. The Oasis Plan – The LaRouche Solution for Southwest Asia, Schiller-Institut (englisch), oder auch
in deutscher Sprache: Der Oasenplan: Die LaRouche-Lösung für Frieden durch Entwicklung,
Internetkonferenz des Schiller-Instituts, 13. April 2024.
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