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Aus der Neuen Solidarität Nr. 40/2002

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Ein Kandidat wie kein anderer

Von Lyndon LaRouche
- 2. und letzter Teil

Für Bürger, die gerne denken


Die Noosphäre
Meine Sicht der Noosphäre

Schlußfolgerung: Die Vereinigten Staaten als Tragödie

Die Noosphäre

Seit der russische Biochemiker Wladimir Wernadskij die Noosphäre beschrieb, glaubt kein kompetenter moderner Wissenschaftler mehr dem utopischen Aberglauben, der heute unter dem Namen "Ökologie" verbreitet wird. Wie ich zeigen werde, kam ich 1948-53 zu weitgehend parallelen Schlußfolgerungen wie Wernadskij bei seiner Definition der Noosphäre, allerdings von einem anderen Ausgangspunkt und mit einigen unterschiedlichen Resultaten. Mein Erfolg als Prognostiker beruht im wesentlichen auf der Ausarbeitung jener Entdeckungen. Meine besondere Qualifikation für die Definition von Lösungen für die heutige Krise ist die Frucht ihrer jahrzehntelangen Anwendung und Verfeinerung.

Aus meiner Sicht bleiben bei Wernadskij zwei entscheidende Kategorien unberücksichtigt. Dennoch ist eine Betrachtung seiner Leistung aus dem Blickwinkel meiner eigenen Entdeckungen wahrscheinlich die beste Methode, um eine Qualität von Wirtschaftswissenschaft zu lehren, wie sie für eine Lösung der gegenwärtigen weltweit verheerenden Krise notwendig ist.

Aus pädagogischen Gründen (die ich hier nicht im einzelnen darlegen muß) schlage ich vor, daß der Lernende - nehmen wir an, ein begabter Oberschüler oder Student - die folgenden Referenzpunkte im Auge behält.

Der grundlegende, prinzipielle Unterschied zwischen Leibniz' Wirtschaftswissenschaft und der des zeitgenössischen Kameralismus zeigt sich am konzentriertesten darin, wie Leibniz den Begriff der Kraft verwendet. Kraft ist hier in dem Sinne der Definition Platons zu verstehen, der darunter die Qualität verstand, die eine Fläche zu einer höheren Ordnung physikalischer Existenz macht als eine Linie, und einen Körper zu einer höheren Ordnung als eine Fläche.

Das gleiche physikalische Prinzip, das Leibniz mit dem Begriff der Kraft verbindet, steht im Mittelpunkt von Gauß' Schrift aus dem Jahr 1799, worin er sein Fundamentaltheorem der Algebra darlegt. Gauß definiert die physikalisch-geometrische Bedeutung der komplexen Zahlen, indem er die Fehler von D'Alembert, Euler und Lagrange aufdeckt. Der Begriff der mathematischen Potenz [im Englischen ebenso wie "Kraft" mit power übersetzt, d.Red.] in Gauß' Definition der komplexen Zahlen hat die gleiche ontologische Bedeutung wie der Begriff der Kraft in Platons Werk und der Begriff der Kraft als wirtschaftliches Prinzip bei Leibniz.

Dieses Prinzip der Kraft bildet auch den Kern von Riemanns berühmter Habilitationsschrift aus dem Jahr 1854, die hauptsächlich auf den vorangegangenen Arbeiten von Gauß aufbaut. Riemann definiert eine rein physikalische antieuklidische Geometrie - ohne die pathologischen Elemente, die jeder a-priori-Geometrie wie z.B. der Euklids innewohnen. Riemann ersetzt die Vorstellung einer a-priori-dimensionalen Raumzeit durch eine Geometrie, deren "Dimensionen" experimentell bewiesene universelle physikalische Prinzipien sind.

Bei Platon, Leibniz, Gauß und Riemann ist beispielsweise beim Übergang von einer Linie zu einer Fläche eine physikalische Wirkung notwendig - ein Wirkpotential, das in der Linie an sich nicht existiert: Eine Aktion oder Wirkung, die ontologisch außerhalb der Linie liegt, erzeugt die höhere Kraft oder Potenz, die Fläche. Ebenso braucht man eine bestimmte physikalische Wirkung, um einen Körper aus einer Fläche zu erzeugen. Diese Transformationen oder physikalischen Wirkungen werden auf der Ebene naiver Geometrien wie Schattenbilder wahrgenommen.

Betrachten wir irgendein gültiges universelles physikalisches Prinzip, etwa Keplers Entdeckung der Schwerkraft. Kann man Schwerkraft sehen, hören, riechen oder anfassen? Trotzdem existiert sie und ist höchst wirksam. Was wir sehen, hören, riechen und fühlen, ist nicht die Schwerkraft an sich, sondern ihre Auswirkungen auf die Welt unserer Sinneswahrnehmungen. Wir müssen also unterscheiden zwischen dem, was unsere Sinne abbilden - Sinneswahrnehmungen, die nur Schatten des wirklichen Universums sind - , und den wirkenden universellen physikalischen Prinzipien, deren Herrschaft über das reale Universum sich in den Experimenten widerspiegelt, mit denen ein guter Forscher die wirksame Existenz nicht direkt durch Sinneswahrnehmung erfahrbarer Prinzipien nachweist.

Dies ist die wichtigste Lehre aus Gauß' Beweis von 1799, daß die von Elfenbeinturm-Mathematikern wie Leonard Euler und Joseph Lagrange nur als "imaginär" aufgefaßten Zahlen tatsächlich die Existenz eines wirksamen physikalischen Prinzips widerspiegeln, das außerhalb der Sinneswahrnehmung existiert, aber für die Wirkung sorgt, deren schattenartige Effekte von den Sinnen wahrgenommen werden. Die komplexen Zahlen von Gauß, Riemann u.a. entsprechen dem physikalische Bereich.

Dieses Prinzip der Realität ist entscheidend, um Wernadskijs Errungenschaften zu verstehen.

Die Riemannsche Sicht, auf die beschriebene Weise historisch eingeordnet, ist heute für jede kompetente wirtschaftswissenschaftliche Lehre und Praxis unverzichtbar. Da die Macht des Menschen im Universum und über das Universum pro Kopf und Quadratkilometer von der Entdeckung und Anwendung experimentell nachweisbarer universeller physikalischer Prinzipien abhängt, erfordert das Studium von Wirtschaftsprozessen, daß wir den physisch-ökonomischen Bereich als einen Raum betrachten, der durch eine wachsende Zahl von Dimensionen - jede davon ein experimentell bewiesenes universelles physikalisches Prinzip - definiert ist. Der Prozeß der Entdeckung und Anwendung dieser Prinzipien bildet die Quelle, aus der die Gesellschaft ihre Macht über das Universum steigert - die Hauptquelle aller Steigerungen der Arbeitsproduktivkraft.

Anhand des gleichen Prinzips des experimentellen Beweises, das schon Kepler verwendete, definiert Wernadskij das Universum als Zusammensetzung aus drei Bereichen - drei aus Riemannscher Sicht vielfach verknüpfte, trotzdem aber funktional unterschiedene universelle Phasenräume: der unbelebte Raum, der lebende Raum mit seinen Fossilien und die physisch wirksame Schöpferkraft des menschlichen Geistes. Meine Arbeiten kommen zu dem gleichen Ergebnis wie Wernadskij, so weit dieser ging, doch meine Entdeckungen in der physischen Ökonomie beruhen auf zwei zusätzlichen Erwägungen, die in Wernadskijs bekanntem Werk fehlen:

  • Wernadskij erklärt zwar, er habe die Absicht, Riemanns Arbeiten zu studieren, in den entsprechenden verfügbaren Texten deutet jedoch nichts darauf hin, daß er dies mit irgendeinem sichtbaren größeren Effekt getan hat. Riemanns Konzept einer vielfach verknüpften antieuklidischen Geometrie ist unverzichtbar, um Wernadskijs eindeutig beabsichtigte Ziele zu einem erfolgreichen Ende zu führen.

  • Wernadskijs Definition des Unterschieds zwischen der Biosphäre und der Noosphäre, den er in dem noetischen Prinzip des individuellen menschlichen Geistes ausmacht, ist richtig, in seinen Schriften fehlt jedoch der entscheidende soziale Aspekt der noetischen (schöpferischen, kognitiven) Prozesse. Hinsichtlich der Funktion des individuellen schöpferischen Intellekts hat er recht, aber ihm entgeht die entscheidende Bedeutung des sozialen Prozesses der spezifisch kognitiven Vermittlung der Erfahrung des Nachvollziehens von Entdeckungen universeller Prinzipien.

    Meine eigenen Entdeckungen in der physischen Ökonomie 1948-53 beruhten gerade auf diesen beiden Erwägungen, die in Wernadskijs überlieferten Arbeiten fehlen.

    Obwohl ich hinsichtlich der Unterscheidung zwischen dem Unbelebten, der Biosphäre und der Noosphäre zu ähnlichen Schlußfolgerungen kam wie Wernadskij, war mein eigener Ausgangspunkt hauptsächlich das platonische (sokratische) Prinzip der Erkenntnis (Kognition), wie es die Methode und die Konzepte von Leibniz durchzieht. Ansonsten maß ich auch, ähnlich wie Wernadskij und viele andere, der prinzipiellen Unterscheidung zwischen unbelebten und lebenden Prozessen - die durch den Einfluß von Louis Pasteur und seinen Kreisen weithin verbreitet wurde - große Bedeutung bei.

    Mein Ausgangspunkt war, daß ich schon seit meiner Jugend fest entschlossen war, Leibniz' Erkenntnisbegriff gegen Kants Kritiken zu verteidigen. Professor Norbert Wieners Schwindel von der "Informationstheorie" veranlaßte mich ab 1948 daran zu arbeiten, die Beziehung zwischen der "voluntaristischen" Entdeckung universeller physikalischer Prinzipien und systemischen Steigerungen der physischen Arbeitsproduktivkräfte aufzuzeigen.

    Ich ging noch weiter. Weil ich fasziniert davon war, daß zwischen der klassischen Wissenschaftskultur Griechenlands und der Wiederbelebung dieses Wissens durch die neuzeitliche europäische Kultur eine Lücke von fast zwei Jahrtausenden klaffte, verglich ich die Funktion klassischer Formen der Ironie in Poesie und Drama mit dem Nachvollzug von Entdeckungen physikalischer Prinzipien nach einer so langen Zeit wie beispielsweise vom Tode des Archimedes bis zur Renaissance der wissenschaftlichen Methode und Wissen durch Persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci und Johannes Kepler. Ich konzentrierte mich auf Persönlichkeiten, die man im frühen 20. Jahrhundert fälschlich als "Romantiker" einstufte - u.a. Keats, Shelley, Goethe und Heine - und erarbeitete eine eigene kritische Würdigung der Seven Types of Ambiguity von William Empson als Bezugspunkt für meine Arbeit der Jahre 1948-53.

    Dies führte mich zu Schlußfolgerungen, die ich später, vom Ende der 50er Jahre bis zum Anfang der 70er Jahre, als meine Version von Wernadskijs Noosphärenkonzept betrachtete. Obwohl meine Entdeckungen schon in allen wesentlichen Elementen gefestigt waren, bevor ich auf Wernadskijs Werk aufmerksam wurde, hat es meine Sicht der Dinge enorm bereichert. Aus diesem und anderen Gründen empfehle ich von ganzem Herzen, Wernadskij in jeder kompetenten Gymnasial- und Universitätsbildung als Pflichtelement in den Lehrplan aufzunehmen. Nachdem das gesagt ist, muß ich mich nicht länger bei den gewissen Unterschieden zwischen unseren Vorstellungen aufhalten und kann die Kombination daraus als einheitliche pädagogische Erfahrung für den denkenden Lernenden frei behandeln.

    Meine Sicht der Noosphäre

    Eine Schlüsselfrage jeder wissenschaftlichen Arbeit ist der elementare Unterschied zwischen allem, was nur gelernte Sinneswahrnehmung ist - worin uns niedere Lebensformen oftmals überlegen sind - und erkanntem Wissen, das allein dem Schöpfer und den nach seinem Abbild erschaffenen Menschen vorbehalten ist. Die beste pädagogische Veranschaulichung für ein Verständnis dieses Unterschiedes ist Platons "Höhlengleichnis".

    Platon warnt uns - und der Apostel Paulus spielt darauf im 1. Korintherbrief an: Was uns unsere Sinneswahrnehmung zeigt, sind bestenfalls die Schatten der Wirklichkeit, die diese Schatten wirft. Platon vergleicht diese Schatten mit der unregelmäßig geformten Wand einer schlecht beleuchteten Höhle. Im erfolgreichsten Fall zeigt uns die Wahrnehmung die Reaktion der entsprechenden Sinnesorgane auf einen wirklich vorhandenen, aber unsichtbaren Reiz.

    Die Erkenntnis - das Wissen - der Objekte, die diese Schatten auf die Sinneswahrnehmung werfen, ist etwas ganz anderes. Wissen beginnt mit der Reaktion auf irgendwelche Tatsachen, die beweisen, daß die Sinneswahrnehmung an und für sich ein unzuverlässiger Führer für unsere Reaktionen auf das Universum ist. Das Merkmal solcher Beweise ist, formal ausgedrückt, ein ontologisches Paradox. Typisch für ein ontologisches Paradox in der klassischen künstlerischen Komposition ist eine gültige Metapher - eine Metapher, die einen nicht wegzuleugnenden inneren Widerspruch in der von den Sinnen wahrgenommenen scheinbaren buchstäblichen Bedeutung zum Ausdruck bringt. In jedem Fall - beispielsweise in der Physik oder in der klassischen künstlerischen Komposition - ist die Methode zur Überwindung dieser Mehrdeutigkeiten oder ontologischen Paradoxa die sokratische Methode, d.h. die Methode in Platons sokratischen Dialogen, aufgefaßt als einheitliche, mehrphasige geistige Übung zur Schulung des Geistes in der Wissenschaft des Wissens.

    Der erste Schritt besteht an dieser Stelle darin, zu definieren, was wir unter dem Begriff universelles physikalisches Prinzip zu verstehen haben.

    Nehmen wir drei Beispiele aus der Naturwissenschaft. Erstens Keplers Entdeckung des Prinzips der universellen Schwerkraft; zweitens Leibniz' Entdeckung des Kalkulus, die in Zusammenarbeit mit Jean Bernoulli zu einem vorläufigen Abschluß kam, als darin ein universelles Prinzip der geringsten Wirkung erkannt wurde; und drittens Gauß' Entdeckung der komplexen Zahlen. In allen drei Fällen wurde die wirksame Existenz eines universellen physikalischen Prinzips entdeckt und bewiesen - ein Prinzip, das nachweislich das Verhalten der Sinneserfahrung bestimmt, selbst aber als Objekt von unseren Sinnen nicht wahrgenommen werden kann.

    Wernadskijs Werk auf dem Feld, das er Geobiochemie nannte, ist eine Anwendung von Keplers Methoden zur Definition eines universellen physikalischen Prinzips der mathematischen Physik. Mit diesen Methoden, wie sie Keplers Nachfolger Fermat, Huyghens, Leibniz, Gauß u.a. entwickelten, bewies Wernadskij, daß im bekannten Universum drei verschiedene Klassen physikalischer Wirkung existieren. Jede kompetente wirtschaftliche Praxis in der heutigen Welt erfordert das Verständnis dieser Tatsache und ihrer besonderen Bedeutung für die allgemeine Anwendung.

    Bei der wissenschaftlichen Methode muß es in der relevanten Erfahrung erlernter Sinneswahrnehmungen ein echtes ontologisches Paradox geben. Der Beweis, daß die Umlaufbahn des Mars nicht kreisförmig, sondern praktisch elliptisch ist, war Keplers erste Definition eines solchen Paradoxes regelmäßiger, aber nicht einheitlicher Bewegung. Man mußte irgendeine wirkende Absicht entdecken, die auf das Universum einwirkt. Die Tatsache, daß die Planetenumlaufbahnen annähernd elliptisch sind und - noch bemerkenswerter - daß die Sonne sich in einem der Brennpunkte der Ellipse befindet, erbrachte den Beweis des Prinzips, das Newton nach seiner Lektüre von Keplers veröffentlichten Werken verwässerte, indem er daraus die sog. "drei Keplerschen Gesetze" machte. Diese Rolle der Sonne und die harmonischen Merkmale jeder Umlaufbahn und ihrer Beziehung zum Sonnensystem führten Kepler zu seiner Definition des universellen Gravitationsprinzips. Diese Entdeckung war das zentrale Ereignis bei der Geburt (mit Kepler als Hebamme) einer kompetenten modernen mathematischen Physik.

    Wernadskij verwendete dieselbe moderne Methode bei der Definition der ontologisch paradoxen Unterscheidung in drei Klassen universeller physikalischer Prinzipien: erstens die scheinbar entropischen unbelebten Prozesse, zweitens die charakteristisch antientropischen lebenden Prozesse sowie deren Fossilien und drittens die antientropischen Wirkungen der noetischen Prozesse, die nur im Menschen existieren. Wie Pasteurs Arbeiten über Wein und Bier unterstreichen, gibt es gesetzmäßige Festlegungen, die in lebenden Prozessen vorkommen, in nichtlebenden Formen jedoch fehlen. Wie in meinem Werk betont wird, ist die absichtliche Erhöhung der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte der menschlichen Spezies durch die Anwendung von Entdeckungen universeller physikalischer Prinzipien ein Phänomen, das in niederen Lebensformen nicht existiert. Nachdem sie nach dem experimentellen Maßstab für den Nachweis universeller physikalischer Prinzipien bewiesen sind, trennen Unterscheidungen dieser Art das Universum also in drei verschiedene, aber wirksam vielfach untereinander verknüpfte Phasenräume.

    Die Natur dieser vielfachen Verknüpfung ist selbst von großer Bedeutung. Sie hat zwei unterschiedlich relevante Implikationen.

    Erstens: Wie Wernadskijs geobiochemisches Werk gezeigt hat, belegt die kumulative Steigerung des Anteils lebender Prozesse und ihrer Fossilien (darunter die Atmosphäre und das Wasser) auf dem Erdball, daß das Leben die Absicht hat, immer mehr das Nichtleben zu beherrschen. "Auf lange Sicht" ist das Prinzip des Lebens stärker.

    Die zweite Implikation ist weitreichender - für den Wissenschaftler wie für den Theologen. Die vorhandenen Fakten stützen eine These, die ich Anfang der 80er Jahre unserem Fusions-Energie-Forum vorschlug und die wir dann den Lawrence-Livermore-Labors vorstellten. Woher kamen die Planeten mit ihren Umlaufbahnen? Wenn das Sonnensystem nicht "newtonisch" ist, sondern "keplerisch", und wenn das Universum als System vielfach verknüpfter unbelebter, lebender und kognitiver Phasenräume organisiert ist, dann muß man Thesen folgender Art erwägen. Es gab darüber beträchtliche Debatten und Diskussionen unter bedeutenden Physikern und anderen, mit unserem Forum verbundenen Forschern - einer der herausragendsten war Professor Robert Moon. Ein Nebenaspekt war dabei: Sind wir bereit, die heute akzeptierte Schulmathematik über Bord zu werfen, wenn sie mit den physikalischen Tatsachen nicht übereinstimmt? Professor Moon gehörte zu denjenigen, die gewillt waren, den Vorschlag zu unterstützen und zu untersuchen - einige andere hochrangige Physiker waren es nicht.

    Allgemein gesehen ist die Implikation von Keplers Werk für die moderne Astrophysik die Annahme, daß die Sonne früher einmal eine "Kugel" war, die sich schnell drehte und dabei einen Großteil seiner Materie fortschleuderte. Aber wenn man die Art Kernfusion annimmt, wie wir sie unserer Sonne zuschreiben, wie erklären wir dann das Periodensystem der Elemente im heutigen Planetensystem? Eisen? Ja - aber wie verhält es sich mit den oberen Bereichen der Tabelle? Ich stellte die Frage: Hat die Materie, die in der frühen Phase von der Sonne fortgeschleudert wird, nicht die Tendenz, "polarisiert" zu werden, und wurde sie von der Strahlung der Sonne nicht so getroffen, daß in der entstehenden Hülle polarisierte Fusion ausgelöst wird? Experten schätzten, daß dies tatsächlich ausreichen würde.

    Geht man von diesen Annahmen aus, hätte die Sonne das Sonnensystem durch eine Art "fraktionierte Destillation" geschaffen. Keplers Prinzip zufolge würde sich Materie, die in eine Keplersche Umlaufbahn gerät, zu den Planeten und ihren Monden verdichten, so daß der umlaufende Körper die Keplerschen Orbitaleigenschaften des auf die ganze Umlaufbahn verteilten Plasmas hätte.

    Diese Hypothese ist nur zum Teil bewiesen, ich greife sie hier aber dennoch auf, weil sie eine passende Erläuterung für einen entscheidenden Punkt ist, der ansonsten für die meisten Leser eine höchst überraschende Behauptung wäre.

    In einem aus vielfach verknüpften Phasenräumen zusammengesetzten Universum im Sinne meiner Neuformulierung von Wernadskijs Noosphäre herrschen die folgenden Bedingungen vor:

    Erstens: Der Begriff "Universum" darf nur verwendet werden, um etwas zu definieren, was im Rahmen experimentell bewiesener universeller physikalischer Prinzipien existiert. "Vor", "außerhalb" oder "nach" diesem Universum existiert nichts.

    Zweitens: Daß der Mensch ein kognitiv schöpferisches Wesen ist, beweist mit wissenschaftlicher Gewißheit - entgegen Isaac Newton oder Immanuel Kant u.a. - , daß ein universell wirkender Gott überall in diesem Universum als kognitives Wesen existiert.

    Drittens: Das wirkende Prinzip in diesem Universum hat Eigenschaften, die sich im Fortschritt der Menschheit durch die Entdeckung und Anwendung universeller physikalischer Prinzipien widerspiegeln.

    Viertens: Die Eigenschaften aller drei Phasenräume wirken zusammen in jedem Aspekt des ganzen Universums, auf die antientropische Weise, die das Leben und die menschliche Erkenntnis auszeichnet.

    Fünftens: Gottes erkennbares Ziel ist die Erlösung des Menschen als Ebenbild des lebendigen Schöpfers des Universums. Man nennt dies auch das Prinzip der agape (Nächstenliebe), das von Platon beschrieben und im Johannesevangelium und im 1. Korintherbrief 13 aufgegriffen wird. Dieser Begriff der Agape ist auch als das Prinzip des Gemeinwohls bekannt, auf dem seit der Renaissance des 15. Jahrhunderts - so im Werk des Nikolaus von Kues - der souveräne moderne Nationalstaat beruht. Der Sinn des Lebens des einzelnen ist, Gutes zu tun, wie Cotton Mather und Benjamin Franklin betonten, als sie entscheidend am Aufbau der souveränen verfassungsmäßigen amerikanischen Republik mitwirkten.

    Und das ist Wirtschaftswissenschaft!? Es ist wahre Wirtschaftswissenschaft, wie ich anhand der entscheidendsten Aspekte der Grundlagen meines einzigartigen Erfolges als Langzeitprognostiker erklären werde. Daß ich die unverzichtbare Funktion von Riemanns Entdeckungen erkannte, war zwar für das Studium der Beziehung zwischen der individuellen Entdeckung eines physikalischen Prinzips und dem wirtschaftlichen Fortschritt ein wesentlicher Vorteil gegenüber Wernadskijs Methode; aber für sich genommen würde das noch nicht ausreichen, die entscheidende Herausforderung der Wirtschaft an die Gesellschaft zu meistern. Dafür sind die fünf erkenntnistheoretischen theologischen Fragen entscheidend, die ich gerade aufgeführt habe.

    Die kognitive Vermittlung klassischer Ideen in Physik und Kunst - typisch sind Platons sokratische Dialoge - definiert die "Mechanismen", über die sich die Kenntnis echter Prinzipien vermitteln läßt. Ob und wie die sozialen Prozesse, darunter das allgemeine Bildungswesen, ein solches kognitives Vermitteln fördern oder behindern, ist entscheidend dafür, wie sich das Verhalten der heutigen Erwachsenengeneration auf die Gesellschaft zwei Generationen später wahrscheinlich auswirken wird.

    Schlußfolgerung: Die Vereinigten Staaten als Tragödie

    Schuld an der heutigen wirtschaftlich-strategischen Weltlage in all ihrer Schrecklichkeit ist demnach das katastrophale Versagen der Vereinigten Staaten seit 1964. Wenn die heutige Erwachsenen- und Elterngeneration ihrer von Mather und Franklin verordneten Verpflichtung, Gutes zu tun, nicht gerecht wird, dann werden die Enkel und Urenkel die daraus resultierende Katastrophe ernten. Das kann sogar, wie jetzt, eine unmittelbar drohende Weltkatastrophe sein, ausgelöst im wesentlichen durch die Korruption der Generation, die Mitte bis Ende der 60er Jahre an den Universitäten studierte und wiederum die Kinder, die sie selbst großzog, korrumpierte.

    Wie beim Umlauf eines der äußeren Planeten ist die Vollendung eines geschichtlichen Zyklus keine Frage von einigen Jahren, sondern manchmal von Generationen. So wie die Kenntnis der Gesetze des Sonnensystems nicht auf Annahmen auf der Grundlage jüngerer Erfahrungen beruhen kann, sondern die Beschäftigung mit der vollständigen Umlaufbahn erfordert, so ist "meine Erfahrung" einer Generation als Beweis für ein Prinzip praktisch wertlos, wenn wir nicht zumindest implizit aufzeigen können, welche Folgen das Verhalten der betreffenden Generation mehrere Generationen danach haben wird.

    Aus ebendem Grund ist eine Volkswirtschaftslehre nur dann kompetent, wenn sie sich auf langfristige Vorhersagen gründet, wie ich sie praktiziert habe. Wer irgend etwas Wichtiges über eine Wirtschaft verstehen möchte, muß den wirtschaftlichen Prozeß als ein mehrere Generationen dauerndes sozio-physikalisches System betrachten, wie ich es getan habe.

    Beispielsweise erfordert schon die einfachste Form der Finanzierung moderner Großinvestitionen in die grundlegende wirtschaftliche Infrastruktur, daß die notwendigen Auslagen durch Einnahmen und Reparaturen aus etwa einem Vierteljahrhundert - eine heutige Generation - kompensiert werden, und daß man die weiteren Auswirkungen dieser Verbesserungen über einen Zeitraum von nicht weniger als zwei Generationen - ein kurzes halbes Jahrhundert - beurteilt. Wir müssen nicht nur abmessen, welche Auswirkungen die Investitionen haben, die wir machen, sondern auch den Schaden messen, den wir der zukünftigen Gesellschaft aufbürden, wenn wir Investitionen unterlassen. (Seien Sie nicht wie der Narr, der durch eine Granate starb, weil er darauf beharrte: "Ich verlasse dieses Erdloch erst wieder, wenn ich weiß, daß der Krieg vorbei ist.")

    Alles in allem: Die Fähigkeit einer Gesellschaft, zu überleben und sich zu entwickeln, ist abhängig von der Qualität und dem Ausmaß der kognitiven Qualitäten ihrer einzelnen Mitglieder. Zum Beispiel: in welchem Maße können sie wissenschaftlich denken? Noch wichtiger als die Naturwissenschaft ist die Entwicklung des moralischen Potentials des Individuums durch die erworbene Selbstdisziplin in den Prinzipien klassischer künstlerischer Komposition im Sinne von Platons sokratischer Methode. Die kombinierte kognitive Entwicklung des jungen Individuums in den sogenannten Naturwissenschaften und in klassischen Kunstprinzipien von Dichtkunst, Drama, bildender Kunst und Musik nährt das moralische Potential des zukünftigen Erwachsenen.

    Dieses moralische Potential drückt sich darin aus, daß der Schüler das kognitive Nachvollziehen der Entdeckungen von Prinzipien durch Personen aus der Vergangenheit - auch der fernen wie der klassischen griechischen Kultur - nach und nach in seine eigene individuelle Erkenntnis einschließt. Die Auseinandersetzung mit der Menschheitsgeschichte durch ein solches Nachvollziehen der Geschichte kognitiver Ideen ist der einzige Weg, den jungen Erwachsenen wirkliche Moral beizubringen; diese Methode wird zuweilen als klassisch-humanistische Erziehung bezeichnet.

    Alle bekannten Gesellschaften vor uns sind deshalb gescheitert, weil sie eine solche klassisch-humanistische Methode zur Förderung der Erkenntniskräfte des Individuums zuwenig betonten oder diese sogar völlig fehlte.

    Die Mischung aus gültigen und absurden Ideen, die das praktische Verhalten einer Gesellschaft und ihrer Institutionen implizit bestimmen, bildet ein System, in dem diese Ideen als Ansammlung interagierender Definitionen, Axiome und Postulate dieses Systems dienen. Die Diskrepanz zwischen dieser Ansammlung und den Prinzipien einer dauerhaft erfolgreichen Gesellschaftsform ist der eigentliche tragische Faktor in allen bisher bekannten Kulturen, einschließlich der heutigen USA.

    Heute rennt der Wahnsinnige in die Selbstzerstörung, weil er die Existenz der Wahrheit leugnet, sobald sie von dieser irrational zusammengesetzten bloßen Meinung abweicht, die unsere Nation in die Selbstzerstörung führt und an der er verzweifelt festhält. Es ist also die Schuld der öffentlichen und populären Meinung der Nation, wenn sie heute am Rand der Selbstzerstörung schwankt. Der Narr, der sich weigert zu denken, weil seine Meinung schon feststeht, torkelt wie der berühmte Lemming am Rand der Klippe der gängigen populären Meinung in den Abgrund, wo unten auf den Felsen die Tragödie wartet.


    Den ersten Teil finden Sie in Neue Solidariät Nr. 39/2002 und auf der Homepage der Bürgerrechtsbewegung Solidarität, Rubrik: LaRouche.

     

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