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Von Marcia Merry Baker
Seit einigen Jahren hört man von der UNO und anderen die Formulierung: „Die Welt muß ihre Nahrungsmittelerzeugung in 50 Jahren verdoppeln.“ In der Form kann man vor dieser Formulierung nur warnen. Sie tauchte im Sommer 2008 auf, um die Flut von Forderungen nach einem politischen Kurswechsel in der damaligen Nahrungsmittelkrise zu besänftigen.
Zahlreiche Persönlichkeiten, Institutionen und Nationen riefen damals zu einer sofortigen internationalen Zusammenarbeit für die schnellstmögliche Verdoppelung der weltweiten Nahrungsmittelerzeugung auf. Zu den Forderungen gehörten die Abschaffung des Freihandelssystems der Welthandelsorganisation (WTO) und die Rückkehr zur nationalen Souveränität über die Ernährungs- und Agrarpolitik, einschließlich einer Wiedereinführung ausreichender Nahrungsmittelreserven und einer Politik für die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln.
So rief beispielsweise der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses der argentinischen Deputiertenkammer, der Abgeordnete Alberto Cantero, bei einer Anhörung im Mai 2008 sein Land dazu auf, die Nahrungsmittelerzeugung so schnell wie möglich zu verdoppeln. Argentinien könne genug Nahrungsmittel erzeugen, um 500 Millionen Menschen zu ernähren - seine eigenen 40 Millionen und noch 460 Millionen weitere in aller Welt.
Im selben Monat verkündeten sechs der wichtigsten Reisanbaunationen der Welt - China, Indien, Pakistan, Thailand, Vietnam und Myanmar - ihre Absicht, eine Organisation zu aktivieren, die bereits 2002 gegründet worden war, aber niemals wirklich ihre Arbeit aufgenommen hatte, den „Rat für die Zusammenarbeit im Reishandel“, um über Mittel und Wege zu beraten, wie man die Reiserzeugung zum Wohle aller drastisch steigern könne. Auch viele Staatsführer Afrikas meldeten sich zu Wort.
Das Schiller-Institut unter dem Vorsitz von Helga Zepp-LaRouche führte damals eine internationale Kampagne, um das Gipfeltreffen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (FAO), das vom 3.-5. Juni 2008 in Rom stattfand, zu Maßnahmen für die schnellstmögliche Verdoppelung der weltweiten Nahrungsmittelerzeugung zu bewegen.
Aber all das wurde bei der Konferenz in Rom abgeblockt. Funktionäre mit Verbindungen zu den britisch dominierten internationalen Finanz- und Rohstoff-Netzwerken forderten in großspurigen Erklärungen zwar eine „Verdoppelung der Nahrungsmittelproduktion“ - aber eben nicht sofort, sondern in 50 Jahren! Die „Hochrangige Konferenz über Nahrungsmittelsicherheit und Herausforderungen durch den Klimawandel und Bioenergie“ diente diesen Kreisen als Plattform, um für eine Fortsetzung der Freihandelspolitik der FAO zu werben. Am 3. Juli 2008 sprach dann auch der FAO-Generaldirektor Jacques Diouf in Brüssel von einem Zeitrahmen von 50 Jahren.
Das Motto „nicht jetzt, erst in 50 Jahren“ wurde auf verschiedenen Wegen durchgesetzt. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon ernannte eine „Hochrangige Arbeitsgruppe zum Welthunger“ und wiederholte ebenfalls diese Litanei. Im Herbst 2008 finanzierte die Stiftung von Bill and Melinda Gates die Gründung einer globalen Landwirtschaftsinitiative im Rahmen des Chicagoer World Affairs Council. 2011 gründeten die Gates-Stiftung, die Rockefeller-Stiftung und andere die weltweite Organisation Agree, die Versuche einer Rückkehr zu Maßnahmen zum Schutz der nationalen Volkswirtschaften blockiert, während sie gleichzeitig erklärt: „AGree strebt nach einer Welt im Jahr 2030, in der die Menschen überall Zugang zu erschwinglichen Nahrungsmitteln haben...“
Tatsache ist, die Welt kann es sich nicht leisten, bis 2030 zu warten, geschweige denn 2050. Wir müssen die weltweite Nahrungsmittelerzeugung so schnell wie möglich verdoppeln, und wir können es, wenn wir mit der Freihandelspolitik der WTO brechen.