* * * Internetforum mit Helga Zepp-LaRouche * * *
Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Gehe zu ... Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum

Artikel als
=eMail=
weiterleiten

Aus der Neuen Solidarität Nr. 6/2006

Jetzt
Archiv-CD
bestellen!

  Produktive Kreditschöpfung 
  Neues Bretton Woods
  Glass-Steagall
  Physische Wirtschaft
  Kernenergie
  Eurasische Landbrücke
  Transrapid
  Inflation
  Terror - Cui bono?
  Südwestasienkrise
  11. September und danach
  Letzte Woche
  Aktuelle Ausgabe
  Ausgabe Nr. ...
  Heureka!
  Das Beste von Eulenspiegel
  Erziehungs-Reihe
  PC-Spiele & Gewalt 
  Diskussionsforum
  Wirtschaftsgrafiken
  Animierte Grafiken

Aus Wirtschaft und Technik


Türkei denkt an Atomeinstieg
Perspektiven deutscher Energieforschung

Geo-Energiepolitik gegen Rußland

Ein Apollo-Programm für die Wirtschaft

Mit Stardust die Geschichte unseres Sonnensystems erforschen

Türkei denkt an Atomeinstieg

Anfang Februar lag dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan ein Bericht seines Energieministers Güler vor, in dem dieser sich für den Bau von Atomkraftwerken ausspricht. Experten empfehlen den Bau von mindestens drei, möglichst jedoch fünf Reaktoreinheiten mit einer Gesamtleistung von 5000 MW bis zum Jahr 2010. Nicht zuletzt mit Blick auf die jüngsten russisch-ukrainischen Spannungen über die Erdgasfrage ist das Interesse in der Türkei an Alternativen erneut gestiegen. Denn das Land bezieht 50% seines Erdgases aus Rußland und dem Iran.

Schon einmal, Ende der 90er Jahre, hatte die Türkei einen Anlauf ins Atomkraftzeitalter gemacht, aber der IWF hatte mit Hinweis auf die "hohen Kosten" und die heimischen Kohlereserven den Türken das Projekt ausgeredet. Im Juli 2000 verzichtete die Türkei auf Kernkraft. Im Juli 2004 versuchte Energieminister Güler einen zweiten Anlauf, aber auch der scheiterte. Die Aussichten, daß es diesmal zu einer positiven Entscheidung der Regierung kommt, stehen besser, weil insgesamt das Interesse an der Kernkraft gerade in den letzten Wochen weltweit größer geworden ist. Angebote zur Lieferung der Reaktoren gibt es aus Kanada, Frankreich und Rußland.

Perspektiven deutscher Energieforschung

Anfang April soll ein "nationaler Energiegipfel" in Berlin stattfinden, zu dem Bundeskanzlerin Merkel bittet. Die deutsche Lage ist durch das Paradox gekennzeichnet, daß es sehr viel technologische Kompetenz gibt, aber kaum Finanzierung von Projekten. Deutschland stellt für Forschung im Energiebereich gerade einmal 400 Mio. Euro pro Jahr bereit. Das ist die Hälfte der amerikanischen Ausgaben und sogar nur ein Achtel dessen, was Japan einsetzt. Das soll sich ändern, ein nationales Forum für Energieforschung wird mit dem Gipfel ins Leben gerufen.

Konventionelle Projekte, die in Aussicht genommen werden, schließen ein: das seit November 2005 an der Ruhr-Universität Bochum laufende zur "biomimetischen Produktion von Wasserstoff" (Einsatz von Algen in riesigen Tanks) und die Arbeiten am GeoForschungszentrum Potsdam zur Entwicklung von Kraftwerken mit "null Emission". Hochinteressant sind jedoch die Forschungen an der Kernfusion, bei denen Deutschland immer noch einen Spitzenplatz weltweit hält. Besonders erwähnenswert ist das in Greifswald ansässige Projekt Wendelstein 7-X, das 2011 in den Vollbetrieb gehen soll und einen anderen Zugang zur Erzeugung von Plasma wählt als die ebenfalls von Deutschland in Jülich und Karlsruhe unterstützte Tokamak-Technik im ITER (Internationaler Thermonuklearer Experimental-Reaktor im französischen Cadarache). In Greifswald geht es um die Erzeugung stabilerer Magnetfelder zur Bändigung des "wilden Pferdes Fusionsplasma".

Geo-Energiepolitik gegen Rußland

Die laufenden Bemühungen, die Energieversorgung zwischen Europa und Rußland auf eine langfristig verläßliche Grundlage zu stellen, werden unterminiert durch neokonservative Interessen im anglo-amerikanischen Raum, eine Energieallianz ohne Rußland zu gründen. Das zielt besonders auf die Absicht des russischen Präsidenten Putin, auf dem Petersburger G-8-Gipfel einen Vorschlag zur Energiesicherheit vorzulegen, der, wie es heißt, die Möglichkeiten kurzfristiger Preisspekulationen drastisch einschränken soll. Der georgische Außenminister Bezhuazhwili ließ in einem Vortrag vor der Friedrich-Ebert-Stiftung am 23. Januar in Berlin durchblicken, woran diejenigen denken, denen Putins Ideen nicht gefallen. Als er von der "Notwendigkeit" der Einrichtung einer "Euro-Atlantischen Strategie für die Sicherheit der Energiesicherheit" sprach, zählte er neben Georgien eine Reihe osteuropäischer und zentralasiatischer Länder auf, erwähnte Rußland jedoch nicht.

In der georgischen Hauptstadt Tiflis soll noch im Februar ein Kongreß stattfinden, zu dem Vertreter aus Osteuropa, Zentralasien und Westeuropa eingeladen werden - von Rußland ist auch hier keine Rede. Das paßt zur Absicht der gegenwärtigen georgischen Regierung, das Land von Öl- und Gaslieferungen aus Rußland völlig unabhängig zu machen. Abhängig macht sich Georgien dabei jedoch von jemand anderem: Bezhuazhwili bekräftigte in Berlin gleichzeitig die georgische Absicht, noch vor einem Beitritt zur Europäischen Union Vollmitglied in der NATO zu werden. Die Regierung Bush unterstützt das voll und ganz. Ob sie Georgien dann aber auch mit Öl und Gas versorgt, und woher, ist nicht bekannt.

Ein Apollo-Programm für die Wirtschaft

Zu einem Forum über die Innovationsagenda, die erstmals von der Minderheitsfraktionsführerin Nancy Pelosi am 3. Dezember in einer Rede an der Harvard-Universität vorgelegt wurde, erschienen am 19. Januar in Washington mehr als 500 Personen, darunter viele Kongreßabgeordnete, die eigens früher aus den Winterferien zurückkamen. Das Thema setzte die demokratische Abgeordnete Pelosi in der Einladung folgendermaßen: "Als Antwort auf Kennedys Aufruf, einen Mann zum Mond zu schicken, wurde in Amerika eine Welle außerordentlicher technologischer Fortschritte ausgelöst, wodurch die dynamischste Wirtschaft der Welt entstand. Mit wissenschaftlicher Entdeckung und Neuerung wurde Amerika zur führenden Wirtschaftsmacht der Welt."

Der Kongreßabgeordnete Bert Gordon aus Tennessee moderierte die erste Sitzung des Forums zu dem Thema, "gute qualifizierte Kräfte in den grundlegenden Bereichen der Wissenschaft, Mathematik, Ingenieurwesen und Informationstechnologie, auszubilden". Dazu gehört nach Gordon die Heranbildung von 100 000 neuen Wissenschaftlern, Ingenieuren und Mathematikern innerhalb der nächsten vier Jahre durch eine Initiative in Zusammenarbeit von Staat, Unternehmen und Universitäten, um die begabtesten Studenten, die auf diesen Gebieten arbeiten möchten, zu fördern. Eine weitere Runde war dem zweiten Ziel der Innovationsagenda gewidmet, der "Investition in eine nachhaltige Bundesinitiative zu Forschung und Entwicklung, die öffentlich-private Partnerschaften unterstützt".

Der demokratische Abgeordnete Rush Holt beschrieb Wissenschaft und Innovation als die "Quintessenz Amerikas", indem er die Gründerväter zitierte und von der "Yankee-Genialität" sprach. Zum ersten Mal, so Holt, wird jetzt wohl der Lebensstandard fallen, und die Kinder lebten heute noch von den vor 30 oder 40 Jahren getätigten Investitionen. Man müsse sich wieder mutig der wissenschaftlichen Grundlagenforschung verpflichten: "Jeder Amerikaner sollte wie ein Wissenschaftler denken - wie die Dinge arbeiten und besser zu machen sind. Wir brauchen eine Revolution in unserem Denken."

Das dritte Ziel der "Innovationsagenda" ist es, allen Amerikanern eine breitgestreute Bandbreite an Technologie zur Verfügung zu stellen. Im zweiten Panel wurden dann Fragen der Energieunabhängigkeit diskutiert - leider ohne die dringend benötigte Kernenergie zu erwähnen - und die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen.

Die Ansätze der Demokraten, die Privatisierung und die seit 40 Jahren grassierende Wissenschafts- und Technikfeindlichkeit zu beenden und durch ein "Kennedy-Apollo-Modell" als Zukunftsaussicht zu ersetzen, sind zu begrüßen. Doch noch fehlt etwas, was der Demokrat Lyndon LaRouche als unverzichtbar beschreibt: Um Erfolg zu haben, müssen mindestens 50 % der Investitionen einer Wirtschaft in die Infrastruktur gesteckt werden, und das kann nur mit einem fortschrittlichen Maschinen- und Anlagenbau gewährleistet werden.

Mit Stardust die Geschichte unseres Sonnensystems erforschen

Vor fast 40 Jahren brachten die Apollo-Astronauten das erste Mondgestein zur Erde. Es wurde in den folgenden Jahren mit immer fortschrittlicheren Techniken in den Laboratorien untersucht. Das brachte eine Revolutionierung unsers Verständnisses der Geschichte des Mondes und seiner Beziehung zur Erde.

Am 15. Januar landete die Stardust-Kapsel mit Partikeln vom äußersten Rand unseres Sonnensystems in der Wüste von Utah. Wissenschaftler schätzen, daß sie in ihrem Sammler nahezu eine Million Partikel vom Kometen Wild-2 mitgebracht hat. Mit diesen Proben erhalten wir neues Wissen über unsere Vergangenheit bis hin zur Entstehung des Sonnensystems.

Die meisten Kometen unseres Sonnensystems entstammen dem Kuipergürtel jenseits der Neptunumlaufbahn. Man glaubt, daß sie hier vor mehr als vier Milliarden Jahren entstanden, als die rotierende Gasscheibe der Sonne näher war und sich die Planeten bildeten. Diese eisigen Kometen umkreisen die Sonne so weit entfernt, daß sie sich seit jener Zeit nicht veränderten. Gelegentlich "wandern" Kometen in eine Umlaufbahn, die sie in das Innere des Sonnensystems führt. Dabei ziehen sie verdampfende Eispartikel und Staub hinter sich her, wenn sie sich der Hitze der Sonne nähern.

Bis 1974 befand sich der Komet Wild-2 unentdeckt in den entferntesten Weiten des Sonnensystems, aber dann bekam er nach einer Begegnung mit Jupiter einen "Kick", der ihn in den inneren Bereich des Sonnensystems beförderte. Damit wird er erreichbarer. Es besteht die Möglichkeit, eine Sonde zu ihm zu schicken. Und obwohl er nun der Sonne entschieden näher ist, hat er sich seit seiner Entstehungszeit nicht verändert.

 

Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum