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Aus der Neuen Solidarität Nr. 25/2006

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Jetzt sind die Aktienmärkte dran

Finanzcrash. Seit nunmehr vier Wochen brechen weltweit die Aktienmärkte ein - in der zweiten Juniwoche wurde die Lage so bedrohlich, daß in den USA das "Crash-Verhinderungsteam" unter Leitung des neuernannten Finanzministers Hank Paulson in Aktion treten mußte.


Hank Paulson muß eingreifen

An den Überschriften in den Finanzseiten der Tagespresse konnte man letzte Woche auch ohne genaue Kurszahlen den Einbruch auf den Weltfinanzmärkten gut ablesen. Am Montag, den 12. Juni, sprach die Frankfurter Allgemeine Zeitung noch von "Angst" auf den Aktienmärkten, die aber noch nicht in "Verzweiflung" übergegangen sei. Zwei Tage später fand sich bereits das Wort "Panik" in der FAZ-Überschrift. Und die Financial Times Deutschland nahm am gleichen Tag das gefürchtete Wort "Börsencrash" in die Überschrift.

Das war keine Übertreibung, denn der scharfe Einbruch auf den Aktienmärkten war weltweit, er betraf die OECD-Staaten genauso wie die "aufstrebenden" Volkswirtschaften: Am 13. Juni war der Nikkei-Index in Tokio um 614 Punkte oder 4,14 % gefallen und in ganz Asien fielen die Kurseinbrüche ähnlich hoch aus. In Westeuropa lagen die Kursverluste bei 2-3 % und in Osteuropa bei 3-5 %. Ein ähnliches Bild bot sich an diesem Tag auch in Nord- und Südamerika. Damit hat die Tokioter Börse zwischen Mitte Mai und Mitte Juni rund 15 % verloren, in Westeuropa lagen die Verluste durchschnittlich bei 10-15 % und in den USA bei 10 %.

An den Börsen der sogenannten "aufstrebenden" Länder lagen die Verluste noch deutlich höher - in Istanbul, Moskau oder Delhi bis zu 30 %. Für diesen Zeitraum wird die Gesamtsumme der Aktien-"Werte", die sich in Luft aufgelöst haben, auf 2-3,5 Billionen Dollar geschätzt. Gleichzeitig brachen die Preise für Edel- und Industriemetalle weiter ein, wobei sich der Preisrückgang in diesem Sektor während der vergangenen vier Wochen auf rund 20 % summiert.

Von den Zentralbanken kamen ziemlich nichtssagende Äußerungen. Der Chef der Bank von England, Mervin King, sagte: "Die Feststellung, daß ein derartiges Niveau der Vermögenspreise wahrscheinlich unhaltbar ist, zusammen mit der Verschärfung der monetären Politik in vielen Ländern, hat Unsicherheit in die Finanzmärkte gebracht." Und der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) Rodrigo Rato meinte: "Es offenbart sich eine gewachsene Aversion gegen Risiken, indem Investoren die Aussichten für Liquidität, Inflation und Wachstum neu bewerten ... Angesichts risikobehafteter Inflationserwartungen und der Sorge, daß höhere Zinsraten das Wachstum abwürgen könnten, ist der Drahtseilakt, den die Zentralbanken weltweit vollführen müssen, noch schwieriger geworden."

Die Zentralbanker dürfen und wollen natürlich nicht das Offensichtliche sagen: Das Weltfinanzsystem insgesamt funktioniert einfach nicht mehr. Es ist dabei zu zerbrechen. Dieser Zusammenbruchsprozeß erfolgt in Schüben, die unterschiedliche Formen in den verschiedenen Sektoren des Weltfinanzsystems annehmen.

Auf die exponentiellen Preissteigerungen im Energie- und Rohstoffsektor von März bis Mitte Mai folgte seither ein scharfer Preiseinbruch, wenngleich die Energie- und Rohstoffpreise nach wie vor rekordhoch sind. Die inflationierten Rohstoffpreise sind das Ergebnis der massiven Geldschwemme, die von den Zentralbanken insbesondere seit 2001 ins Finanzsystem gepumpt wurden. Aber das taten sie nicht zum Spaß, sondern weil sie nach dem Platzen der "New Economy"-Blase im Liquiditätspumpen die einzige Chance sahen, einen Systemkollaps hinauszuschieben. Nachdem im Mai klar wurde, daß die extrem inflationierten Energie- und Rohstoffpreise sich zu einer allgemeinen Inflationsdynamik ausweiten, hatten die Zentralbanken wiederum keine Wahl als an der Zinsschraube zu drehen. Folglich erhöhten im Juni die Federal Reserve, die Europäische Zentralbank, die Schweizer Zentralbank und ein halbes Dutzend anderer Zentralbanken die Zinsen. Das wiederum konnte nicht ohne Folgen für die Aktienpreise bleiben, die im Hinblick auf die zugrundeliegende realwirtschaftliche Leistungskraft ebenfalls weit überhöht sind. Und deshalb sehen wir jetzt weltweit abstürzende Aktienkurse.

Wenn die Aktieneinbrüche weitergehen und steigende Zinsen bezüglich der Immobilienblasen in den USA und auch anderswo Wirkung zeigen, dann werden die Zentralbanken das Ruder wiederum in Richtung Liquiditätspumpen - sprich Inflation - herumreißen. Die Anzeichen, daß der amerikanische Immobilienboom und auch die Immobilienblasen anderswo - beispielsweise in Spanien - einbrechen, mehren sich. Und dann wären da noch die gigantischen Handels- und Zahlungsbilanzdefizite der Vereinigten Staaten und die enormen Zahlungsbilanzungleichgewichte innerhalb der Eurozone - primär auf Kosten Deutschlands.

Hank Paulson muß eingreifen

Es ist deshalb aufschlußreich, daß am 13. Juni das Handelsblatt einen ganzseitigen Artikel brachte, der die Überschrift trug: "Zwei Köpfe für den Dollar - Wie Ben Bernanke und Hank Paulson die Finanzwelt retten sollen". Darin heißt es, daß der neue US-Notenbankchef Bernanke und der neuernannte US-Finanzminister Paulson, bislang Chef des Wall Street-Finanzhauses Goldman Sachs, vor der "Herkules-Aufgabe" stehen, "die Welt vor einem finanziellen Crash zu bewahren". Das Handelsblatt verwies auf das Trio von Exfinanzminister Rubin, seinem Stellvertreter Summers und Alan Greenspan, die Ende der 90er Jahre vor einer ähnlichen Lage standen. Damals nannte das Time-Magazin die drei "das Komitee zur Rettung der Welt". Der Handelsblatt-Artikel äußert aber Zweifel, ob das mit Bernanke und Paulson noch einmal "gut gehen wird". Insbesondere Bernankes Fähigkeiten zum "Krisenmanagement" wurden in Frage gestellt. Die Zweifel sind mehr als berechtigt, denn insbesondere Greenspans damalige "Rettungsmaßnahmen" haben entscheidend zur heutigen Krise beigetragen.

Zwei Tage nach dem Handelsblatt-Artikel trat dann das "Crash-Verhinderungsteam" unter Leitung des neuernannten Finanzministers Hank Paulson tatsächlich in Aktion. Trotz neuer schlechter US-Wirtschaftsdaten - bezüglich Inflation, Industrieproduktion, Komsumentenvertrauen und ausländischen Kapitalzuflüssen - stieg am 15. Juni der Dow Jones-Aktienindex um 1,8 % und der Nasdaq um 2,1 %. Am 16. Juni sagte gegenüber EIR ein hochrangiger Londoner Bankier: "Gestern haben Hank Paulson und sein ,Crash-Verhinderungsteam' ihren Einstand gegeben. Angesichts der neuen und schlechten Wirtschaftszahlen wurde Fed-Chef Bernanke angewiesen, eine ,Alles halb so schlimm'-Rede zu halten, in der er die Inflationsgefahr gezielt herunterspielte. Gleichzeitig wurden die bekannten ,marktstützenden Maßnahmen' eingeleitet. Den großen Finanzhäusern wurde ,nahegelegt', Aktienkäufe zu tätigen, und die ,Herde' in den USA und international hat mitgezogen. Jetzt ist klar, daß Paulson der Ober-Krisenmanager ist und Bernankes Traum, er könne in die Fußstapfen Greenspans treten, ausgeträumt ist. Ähnlich wie US-Finanzminister James Baker III. in der zweiten Hälfte der 80er Jahre hat Paulson jetzt das Sagen. Aber die Probleme, vor denen Baker damals stand, sind geradezu harmlos gegenüber denen von heute."

Da hat IWF-Chef Rato schon nicht die Unwahrheit gesagt, wenn er vom immer schwierigeren "Drahtseilakt" der Zentralbanken sprach, denn wenn das System insgesamt nicht mehr funktioniert, dann muß jede Notmaßnahme der Zentralbanken innerhalb des Systems nur zu immer neuen, noch schwereren Problemen führen. Und das gilt genauso für "Crash-Verhinderungsteams" wie das von US-Finanzminister Paulson geleitete. Es ist an der Zeit, klar auszusprechen: "Das Spiel ist aus" - und zur Reorganisation des Weltfinanzsystems insgesamt zu schreiten.

Michael Liebig

 

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